Ein Vorbild für ganz Österreich

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Vorbilder für nachfolgende Generationen

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Österreichs goldene Generation steht auf dem Prüfstand.

Das Handball-Nationalteam des Jahrgangs 1994 und jünger, kurz Team 94, misst sich bei der Heim-EM in Traun und Linz mit gleichaltrigen Auswahlen anderer Nationen.

Kein anderes Nachwuchsteam Österreichs hatte in der Vorbereitung auf ein Turnier solche Möglichkeiten wie die Truppe von Cheftrainer Roland Marouschek.

Angefangen von der Eingliederung der Nationalmannschaft in den Spielbetrieb der HLA, wo außer Konkurrenz gegen alle Vereinsmannschaften der höchsten Spielklasse Matches bestritten wurden, werden die angehenden Profis zusätzlich von Red Bull gesponsert und gefördert. Diese Kooperation mit dem Getränkehersteller gewährleistet völlig neue Möglichkeiten in der Ausbildung dieser Talente.

Nun soll das Team 94 aber liefern. Am Donnerstag (20:00 Uhr) steht das erste Spiel gegen Weißrussland auf dem Programm.

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Bei der letzten EM in Bregenz und Hard erreichte man den herausragenden sechsten Platz, die Erwartungen sind daher  entsprechend groß. Die Spieler selbst träumen sogar von einer Medaille.

Im Gespräch mit LAOLA1 spricht Trainer Marouschek über eben diese Erwartungshaltung und erklärt die eigentlichen Ziele des Projektes, die nicht unmittelbar mit dem Abschneiden bei der EM in Verbindung stehen. Außerdem gibt er einen Einblick in seine Arbeit und erklärt, wie man eine mögliche Überbelastung seiner Spieler entgegenwirken möchte.

LAOLA1: Das Team 94 spielt in einer Gruppe mit Deutschland, der Slowakei und Weißrussland. Wie sind eure Ziele definiert?

Roland Marouschek: Auch wenn es ein Stehsatz ist, aber wir schauen von Spiel zu Spiel. Im Moment denken wir nicht darüber nach, auf welchem Platz wir das Turnier beenden wollen, sondern konzentrieren uns voll auf unseren ersten Gegner Weißrussland. Wir haben uns sehr gut vorbereitet und durften ein Programm absolvieren, das unglaublich war. Im Frühjahr haben wir die Spiele mit dem 94er-Team in der HLA bestritten und auch die unmittelbare Vorbereitung auf das Turnier lief ausgezeichnet. Wir sind körperlich topfit und jetzt müssen wir das, was wir uns über die letzten Wochen erarbeitet haben, aufs Parkett bringen.

Niko Bilyk soll Viktor Szilagyi beerben

LAOLA1: Euer erstes Spiel geht wie erwähnt gegen die Weißrussen. Wer ist in dieser Begegnung Favorit?

Marouschek: Das wird ein Duell auf Augenhöhe. Vor zwei Jahren waren sie auch in den Top acht, da haben wir in der Vorrunde gegen sie gewonnen. Im letzten Jahr in Ungarn haben wir im Siebenmeterschießen knapp verloren. Die Teams sind handballerisch auf einem Level, die Weißrussen sind aber körperlich sehr stark und da müssen wir dagegenhalten. Es wird sich auch zeigen, wie die Spieler mit dem Druck umgehen, denn bei einer Heim-EM gibt es eine hohe Erwartungshaltung, mit der die Mannschaft fertig werden muss. Das müssen Spieler, die in ihrem Sportlerleben etwas erreichen wollen aber aushalten. Im Sport geht es immer darum, am Tag X Leistung zu zeigen.

LAOLA1: Der Druck kommt aber auch daher, weil dieses Team gefördert wurde wie kein anderes.

Marouschek: Ganz klar. Aber es ist wichtig zu sagen, dass wir uns diese Rahmenbedingungen auch mit erarbeitet haben. Uns ist nicht alles in den Schoß gefallen. Die Mannschaft hat seit 2009 mit Ergebnissen überzeugt und gezeigt, dass sie diese Förderungen absolut verdient. Red Bull unterstützt uns ja nicht, weil wir so nette Burschen sind, sondern weil man gesehen hat, dass da ein tolles Team entsteht.

LAOLA1: Gibt es von Verbandsseite Forderungen, eine Platzierung betreffend, nachdem dieser Aufwand für das Team betrieben wurde?

Marouschek: Nein. Die Vorgabe, die wir uns selbst stellen, und das haben wir mit dem ÖHB-Präsidenten, dem Generalsekretär und dem Teamchef Patrekur Johannesson abgesprochen, ist Spieler für das A-Team zu entwickeln. Diese EM ist ein Zwischenschritt und das Ziel ist für die Männernationalmannschaft, wo überragende Spielerpersönlichkeiten ihre Karrieren auf kurz oder lang beenden werden, Nachschub zu liefern. Die Arbeit, die wir seit Jahren betreiben, gilt nur diesem Ziel.

LAOLA1: Österreich werden vor allem im Rückraum und auf der Mitte die Spieler fehlen. Wird auf diesen Positionen explizit Personal „herangezüchtet“?

Marouschek: Vor eineinhalb Jahren haben wir uns mit Teamchef Johannesson zusammengesetzt und uns angeschaut, wo wir in den nächsten Jahren Bedarf haben. In der Mitte und am Kreis gibt es große Mängel. Außerdem werden wir Torhüter brauchen, immerhin zählt Nikola Marinovic bereits 38 Lenze. Im Tor haben wir mit Kristian Pilipovic und Florian Kaiper zwei überragende Talente und auch Ralf-Patrick Häusle hat tolles Potential. Da haben wir drei Spieler, die nach Marinovic die Möglichkeit haben, sich gemeinsam mit Thomas Bauer weiterzuentwickeln. Am Kreis haben wir mit Lukas Herburger, Willi Jelinek und Tobias Wagner drei Spieler, die körperlich in der Lage sind, international zu bestehen. Diese Jungs sind alle zwischen 1,95 und 2 Meter groß. Mit Phillip Rabenseifer kommt ein weiterer nach. Von diesen vier werden mindestens zwei den Sprung ganz nach oben schaffen. In der Mitte forcieren wir Nikola Bilyk, der ähnliche Anlagen wie Szilagyi hat. Er ist groß, ein guter Werfer, schnell auf den Beinen und clever im Spielaufbau. Außerdem ist Simon Pratschner ein solider Spielmacher. Auf Links-Außen haben wir mit Sebastian Frimmel ein herausragendes Talent und Daniel Dicker sowie Christoph Neuhold sind starke Werfer aus dem Rückraum.

Marouschek bildet Spieler für das Herren-Team aus

LAOLA1: Die Belastung dieser Truppe ist sehr hoch. Die meisten spielen in HLA-Vereinen und haben mit dem Team 94 zusätzlich unter der Woche nochmal Meisterschaft gespielt. Die EM-Vorbereitung hat nahtlos angeschlossen und nach dem Turnier geht die Vorbereitung auf die neue Saison bereits wieder los. Besteht die Gefahr, dass diese Talente verheizt werden oder es ihnen einfach zu viel wird?

Marouschek: Theoretisch besteht diese Gefahr immer. So wie ich die Burschen aber seit vielen Jahren kenne, sind sie schwer motiviert. Aber wir dosieren natürlich, wenn wir merken, dass es zu viel wird. Wir messen jeden Tag Blutwerte, Laktat und andere körperlichen Werte, um sicherzugehen, dass sie biologisch nicht überfordert werden. Im Kopf ist es eine Frage, die jeder Sportler mit sich selbst klären muss. Den Spielern ist klar, dass man nur mit einem irren Arbeitsaufwand nach oben kommt. Den Eindruck, den ich gewonnen habe ist, dass diese Jungs unglaublich motiviert sind und einen Riesenspaß haben. Es ist eine Freude und sie kommen wirklich gern zum Team. Ich denke nicht, dass sie verheizt werden, sondern dass die Einstellung, die diese Burschen an den Tag legen, eine Sogwirkung auf nachfolgende Generationen haben wird.

LAOLA1: Die mentale Komponente spielt aber eine wichtige Rolle und es kann schnell gehen, dass sich junge Athleten mit dem Druck nicht mehr umgehen können. Wie siehst du das als Trainer und was wird beim Team 94 getan, um die Spieler auch psychologisch zu betreuen?

Marouschek: Da muss man mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein, denn das ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich zu handhaben. Es gibt im Trainingszentrum in Thalgau die Möglichkeit sportpsychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Das Spektrum der Betreuung ist sehr breit gefächert und wird den Spielern aktiv angeboten. Es gibt welche, die das annehmen und sehr aufnahmewillig sind. Andere wiederum brauchen das gar nicht. Wir als Trainer suchen ohnehin auch noch täglich das Gespräch und können so auch eruieren, welcher Spieler wie tickt. Es ist sehr individuell. Aber wir sind natürlich bemüht, die Spieler so umfangreich wie möglich zu betreuen und auszubilden.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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LAOLA1: Du hast die Größe bei den Kreisspielern angesprochen. Wurde auch extra nach körperlichen Gesichtspunkten gescoutet?

Marouschek: Natürlich. Sie sind allesamt Spieler, die internationalen Maßen entsprechen. Wir haben auf große und athletisch starke Spieler Wert gelegt. Im Nachwuchs ist es oft so, dass kleine, technisch gute Burschen erfolgreicher sind, aber da muss man beinhart Jungs selektieren, die auch international reüssieren und die Lücken, welche die zurücktretenden Nationalspieler hinterlassen, schließen können.

LAOLA1: Es gibt aber auch bei den von dir erwähnten Spielern einige, die körperlich noch Defizite aufweisen. Besonders was den Muskelaufbau betrifft. Gibt es für diese Leute individuelle Trainingspläne und wie eng arbeitet ihr mit den Vereinen zusammen?

Marouschek: Ein wesentlicher Vorteil der Zusammenarbeit mit Red Bull ist das Trainingszentrum in Thalgau, wo eigentlich alle Red-Bull-Sportler, und somit auch wir, betreut werden. Wir haben seit Oktober 2013 mit Christian Hackl einen eigenen Konditionstrainer. Er ist ehemaliger Olympia-Teilnehmer im Bobfahren und Sportwissenschaftler, der sich eigentlich ausschließlich mit der athletischen und körperlichen Entwicklung unserer Spieler beschäftigt. Seit Monaten folgen die Burschen zusätzlich zum Vereinstraining einem athletischen Plan. Ein gutes Beispiel ist Bylik, der in den letzten Monaten sieben Kilo an Muskelmasse aufgebaut hat. In allen Werten, sei es Ausdauer, Sprungkraft oder Schnelligkeit haben sich die Spieler seit Oktober sehr verbessert. Unsere Aufgabe beim Nationalteam besteht nicht darin, den Spielern Handball beizubringen, sondern ihnen klar zu machen, was getan werden muss, um international bestehen zu können und dass es nicht damit getan ist, ins Vereinstraining zu gehen.

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