"Es sind noch einige Schritte, bis ich Profi werde"

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Matthias Schwab gilt als das größte Golf-Talent Österreichs.

Bereits als 15-Jähriger zeigte der Rohrmooser sein großes Potential, als er bei den Austrian Open 2010 mit den erfahrenen Profis mithalten konnte und als 32. sogar bester Österreicher wurde.

Am Wochenende stellte der "Wirtschafts-Student" bei der College-All-America-Golf-Classic in El Paso (Texas) sein Können unter Beweis. Der Steirer war für seine Vanderbilt-Universität aus Nashville im Einsatz. Schwab eroberte bei einem der wichtigsten "Amateur-Turniere" zwei Schläge hinter seinem Studienkollege und Freund Zack Jaworski (USA) den zweiten Platz. Der umjubelte Sieger verbrachte im Sommer ein Monat mit dem Steirer in Europa, war sein Caddie beim European-Tour-Event in Crans Montana und genoss die Sommerferien mit Schwab in der Steiermark.

Die Bilanz des mittlerweile 20-jährigen Schwab auf der höchsten europäischen Golf-Ebene, der European Tour, ist vielversprechend. Bei fünf Auftritten schaffte er vier Mal den Sprung ins Finalwochenende.

Mit seinen sportlichen Leistungen hat er sich auch in Übersee einen Namen gemacht, seit 2013 studiert er an der renommierten Vanderbilt University in  Tennessee und ist dort einer der besten Spieler des College-Teams.

Sprung ins Profi-Geschäft nur eine Frage der Zeit

Dank seiner konstant guten Performance ist Schwab aktuell die Nummer 17 in der Golf-Amateur-Weltrangliste (Stand Woche 45). Über die vergangenen Jahre hat sich Schwab als einer der besten Amateur-Golfer der Welt etabliert, seine zahlreichen Erfolge wie beispielsweise der Sieg beim diesjährigen Swiss Amateur untermauern das.

Wann er ins Profilager wechselt, ist nur eine Frage der Zeit, Experten prophezeien ihm eine erfolgreiche Zukunft, doch zuerst möchte der Bayern-München-Fan sein Studium in den USA abschließen.

MATTHIAS SCHWAB BEI LAOLA1...

…ÜBER SEINE ÜBERWUNDENEN RÜCKENPROBLEME:

Vergangene Saison bin ich lange ausgefallen, ich hatte Stressfrakturen im l4 und l5 Rückenwirbel und habe nach zwei Turnieren die Saison beenden müssen. Ich wurde nicht operiert, habe aber den ganzen Sommer lang Therapien gemacht und im Herbst langsam wieder mit Golf begonnen. Meinen Rumpf habe ich durch die Übungen gestärkt und wenn ich Schmerzen habe, dann weiß ich, welche Dehnungsübungen ich machen muss. Die Ursache war eine Kombination aus viel mehr Golf und neuem Fitness/Krafttraining kombiniert mit Stress und Überbelastung. Meine Eltern, Brüder und einige andere Leute haben sich um mich gekümmert und mir Mut zugesprochen.

…ÜBER DEN COLLEGE-ABLAUF:

Vormittags sind immer Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht. Zwei Mal pro Woche haben wir bereits um 6:00 Uhr Fitnesstraining, nachmittags steht entweder Golf-Training auf der Tagesordnung oder wir spielen eine Runde. Die Abende sind dann für die Lernzeit reserviert, weil das Programm doch sehr umfangreich ist und man auch immer viele Zwischenprüfungen absolvieren und diverse Arbeiten abgeben muss.

…ÜBER SEIN STUDIUM:

Ich studiere Corporate Strategy, das geht in Richtung Management. Im ersten Jahr war es mühsam wegen der Sprachumstellung, den neuen Leuten, der anderen Kultur und dem Essen. Die Anpassung hat eine Zeit lang gedauert, aber mittlerweile fühle ich mich wohl. Für jede Vorlesung habe ich einen Tutor, der mir hilft. Die Vanderbilt University liegt direkt in Nashville, ich wohne dort am Campus in einem Zweibett-Zimmer. In die Stadt komme ich selten, aber ich war schon einige Male bei NHL-Spielen der Predators. Im September begann mein drittes Jahr des Bachelor-Studiums, das ich auch beenden werde, ein Master-Studium habe ich nicht vor.

…ÜBER DAS VANDERBILT-GOLF-TEAM:

Von der Mannschaft bin ich sehr nett aufgenommen worden, einige haben sich wie große Brüder um mich gekümmert. Unser Team besteht aus zehn Amerikanern und mir. Der Golfplatz  ist 25 Minuten mit dem Auto vom Campus entfernt und wir bilden immer Fahrgemeinschaften, wenn wir zum Platz fahren. Von Anfang an habe ich spielerisch sehr gut mitgehalten. Sie haben gemerkt, dass ich dem Team sportlich helfe, aber auf der Uni Hilfe brauche.

…ÜBER DEN VANDERBILT UNI-SPORT:

2014 war unser Golf-Team landesweit Vierter oder Fünfter, in der Division waren wir Zweiter. Wir haben auch ein sehr gutes Baseball-Team.  Football, Tennis und Basketball sind Top-20. Die anderen Sportarten haben einen höheren Stellenwert, am Campus sind die Footballer die Stars, aber das ist ok, weil sie durch ihre TV-Verträge andere Sportarten finanzieren.

…ÜBER SEINEN WECHSEL INS PROFILAGER:

Ich habe noch keinen genauen Tag für den Eintritt ins Profilager. Bis Juni 2017 bin ich auf der Uni, dann muss ich überlegen, ob ich gleich Profi werde oder noch einige Amateur-Turniere spiele. Vielleicht gehen sich die Lyoness Open in Atzenbrugg als mein erstes Profiturnier aus, aber das ist noch Zukunftsmusik. Es gab die Diskussion, ob ich gleich Profi werde und nicht studiere, aber ich hatte einige gute Angebote von verschiedenen Universitäten, von fünf habe ich mir auch den Campus und die Trainingsstätten angesehen und mich dann für Vanderbilt entschieden. Früher hatte ich kurz den Gedanken, dass es besser gewesen wäre, gleich Profi zu werden, aber mittlerweile denke ich nicht mehr so. Die Verletzung hat auch dazu beigetragen, dass ich fix vier Jahre studiere und meinen Abschluss mache. Es sind für mich noch einige Schritte, bis ich Profi werde.

…ÜBER DIE WAHL ZWISCHEN EUROPEAN UND PGA TOUR:

Derzeit würde ich es mit 50:50 beziffern. Beides ist verlockend und beide Touren haben ihre Vorteile. Das Hin- und Herfliegen ist nicht so meines, vor allem die Atlantik-Flüge sind mühsam. Den Jetlag habe ich mittlerweile gut im Griff. Die Nähe zu meiner Heimat spricht für Europa, aber ich habe mindestens noch zwei Jahre Zeit für den Entscheidungsprozess.

…ÜBER BERND WIESBERGER:

Sein Erfolg ist sicher kein Nachteil für den österreichischen Golfsport. Ich kann mir von seinem Verhalten am Platz und im mentalen Bereich etwas abschauen. Im Sommer in Crans Montana waren wir einmal gemeinsam Abendessen und er war offen für alle meine Fragen, hin und wieder schicken wir uns SMS.

…ÜBER DEN RYDER CUP 2022:

Ich finde es großartig, Für den Golfsport in Österreich ist es sicher gut, auch weil Golf dadurch mehr in den Medien ist. Es wäre ein Vorteil, wenn Golf öfter im Fernsehen zu sehen wäre. Ich weiß nicht, wie gut die Chancen stehen, aber es wäre perfekt, wenn mindestens Bernd Wiesberger 2022  dabei wäre. Für mich ist es auch sicher nicht unmöglich.

…ÜBER SEINE ERFAHRUNGEN BEIM PALMER CUP 2015:

Es war eine richtig aufregende Erfahrung. Ich habe den Palmer Cup den Lyoness Open in Atzenbrugg vorgezogen. Dort wird im Ryder-Cup-Format gespielt und es ist einzigartig für den Kontinent zu spielen, wie auch im Junior Ryder Cup. Vom Ablauf, der Organisation und vom Team war es eine coole Erfahrung, leider waren im Match die Amerikaner übermächtig, die haben die größere Dichte gehabt und 18:12 gewonnen. 

…ÜBER SEIN VORBILD TIGER WOODS:

Ich bin mit seinen Erfolgen aufgewachsen. Als ich angefangen habe Golf zu spielen, hatte er seine beste Zeit. Er ist ein harter Arbeiter und mental sehr stark, aber mittlerweile ist er leider nicht mehr so gut wie früher und plagt sich fast ausschließlich mit Verletzungen herum.

…ÜBER SEIN TRAINING:

Manchmal muss ich mich zur Regeneration zwingen. Weniger Training ist oft mehr, auch aufgrund meines Rückens kann ich nicht stundenlang auf der Range stehen. Die Pausen tun richtig gut, weil man auch im Kopf leer ist, wenn man zu viel spielt. Irgendwann hat man ein Gleichgültigkeitsgefühl, nach Pausen freut man sich auf den Sport und hat wieder mehr Biss.

…ÜBER SEINE STÄRKEN:

Ich haue den Ball gerade und bin meistens konstant. Mein langes Spiel ist meine Stärke, aber ich habe noch überall Verbesserungs-Potential, am meisten jedoch im kurzen Spiel, vor allem beim Putten, da könnte ich mir viele Schläge sparen.

…ÜBER DIE UMSTELLUNG AUF AMERIKANISCHE GOLFPLÄTZE:

Es war eine mittelgroße Umstellung, weil sie in den USA andere Grassorten verwenden als in Europa, auf den Grüns rollt der Ball mehr aus und auch die Platz-Layouts sind anders. Es hat eine Zeit gedauert, und im Training habe ich mich richtig anstrengen müssen.

…ÜBER DAS ESSEN IN DEN USA:

Im Internat gibt es keine Küche, aber wir haben eine Kantine am Campus. Mittags auf dem Weg zum Golfplatz esse ich meistens ein Sandwich, abends gehe ich ins Athleten-Restaurant am Campus, dort gibt es gute Qualität und gesunde Kost für US-Verhältnisse. Es ist schwierig sich gesund zu ernähren, weil es viel Frittiertes und Weißbrot gibt. Die Mama schickt mir öfters harte Würstl oder Bündnerfleisch. So etwas wie Nockerl oder Schnitzel gibt es in Nashville nicht. Die Burger hängen mir schon beim Hals raus, wie das Fast Food generell. 

…ÜBER DIE OLYMPISCHEN SOMMERSPIELE 2016 IN RIO:

Es ist generell großartig, dass Golf wieder olympisch ist. Für mich ist 2016 noch kein Thema, weil nur Profis startberechtigt sind.

…ÜBER DIE AMATEUR-WELTRANGLISTE:

Derzeit liege ich in den Top-20, es ist schon wichtig und ich schaue hin und wieder darauf, aber es ist nicht die Welt. Wenn man vorne dabei ist, bekommt man Einladungen zu Turnieren, der Erste wird sogar zu den  Majors eingeladen. 

…ÜBER SEIN AKTUELLES HANDICAP:

Derzeit habe ich ein Handicap von +5,1, aber in den USA wissen die meisten ihr Handicap nicht. Da zählt eher der Stroke average, also die durchschnittliche Schlaganzahl auf der Runde, meiner liegt knapp über 70. 

…ÜBER BESUCH AUS DER HEIMAT:

Einmal im Jahr fliegt wer in die USA, meine Eltern waren bei zwei Turnieren im Frühjahr dabei, auch bei unserem Heimturnier, das ich gewonnen habe. Nashville ist einfach zu weit weg, dass öfter wer kommt.

…ÜBER SEINE AUSGLEICHSSPORTARTEN:

Skifahren gehe ich im Winter natürlich gerne, Tennis habe ich jetzt auch wieder öfter gespielt und ab und zu gehe ich mit Freunden kicken und Mountainbiken.

…DIE BEKANNTHEIT ÖSTERREICHS IN DEN USA:

Ich habe schon oft "Austria oder Australia" gehört. Viele wissen es nicht; wo Österreich liegt, man muss es ihnen erklären. "Sound of Music" kennen viele, aber das kennen bei uns wiederum nur wenige. Arnold Schwarzenegger ist ihnen natürlich ebenfalls ein Begriff.

 

Das Gespräch führten Peter Rietzler und Philipp Seelmann

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