Trappel: Den Vorbildern Tiger und Rory auf der Spur

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Manuel Trappel sorgte am vergangenen Wochenende mit dem Titel bei der Amateur-Europameisterschaft in Schweden für Furore.

Er darf sich damit als erster Österreicher als Europameister im Golf bezeichnen. Für den 21-jahrigen Vorarlberger ist es die Krönung einer fulminanten Saison.

Der Wirtschaftsrecht studierende Bregenzer trägt sich mit seinem Erfolg in eine prominente Siegerliste ein und wird ab sofort in einem Atemzug mit Sergio Garcia sowie Rory McIlroy genannt.

Der Titel-Gewinn garantiert dem Youngster außerdem einen Startplatz beim prestigeträchtigsten Turnier des Jahres, den British Open.

Im LAOLA1-Interview spricht Trappel über seinen EM-Sieg, seine Vorbilder und seine Wild Card bei den British Open 2012.

LAOLA1: Manuel, herzlichen Glückwunsch zu deinem großen Erfolg. Hast du diesen Triumph erwartet?

Trappel: Es war eine wirklich tolle Saison für mich, angefangen mit dem Sieg bei den nationalen offenen Meisterschaften. Es war mein erstes Antreten bei einer Europameisterschaft, dass ich dann gleich gewinne, ist für mich natürlich ein Wahnsinn. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl.

LAOLA1: Du musstest gegen den Briten Steven Brown in die Verlängerung. Kannst du nochmal kurz das Stechen schildern?

Trappel: Es hat gleich gut angefangen. Brown hat seinen zweiten Schlag in den Bunker verzogen und musste in Folge das Bogey hinnehmen. Ich habe danach einfach versucht, die Grüns sicher zu treffen. Ich wusste, dass er unter Druck stand. Am Ende hatte ich das bessere Ende für mich.

LAOLA1: Du hältst nun einen Pokal in den Händen, auf dem bereits Namen wie Sergio Garcia oder Rory McIlroy abzulesen sind. Wie fühlt es sich, an in der Liste unter solch prominenten Namen zu stehen?

Trappel: Einfach unfassbar. Gut, dass der Pokal so schwer ist, sonst könnte ich es noch gar nicht fassen. Es ist großartig, wenn ich bedenke, dass ich nächstes Jahr bei den British Open dabei bin. Vor ein paar Wochen habe ich das Turnier noch im Fernsehen beobachtet, nun werde ich selbst dabei sein. Es ist einfach nur Wahnsinn!

LAOLA1: Du hast die British Open bereits angesprochen. Durch deinen EM-Titel bist du automatisch qualifiziert. Was traust du dir beim wohl prestigeträchtigsten Turnier der Welt zu?

Trappel: Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall mehrere Turniere auf der Insel spielen, damit ich eine gute Vorbereitung auf die British Open habe. Vielleicht geht sich auch die ein oder andere Runde in Lytham (Anm.: Austragungsort der British Open 2012) aus und dann will ich einfach schauen wie es läuft. Ich will mich nicht unter Druck setzen.

LAOLA1: Das heißt, ein Sprung zu den Profis noch in diesem Jahr ist auszuschließen?

Trappel: Ja definitiv. Auch nach den British Open will ich mir noch Zeit lassen. Ich werde noch weiter studieren. Meine Profikarriere will ich erst in ein paar Jahren forcieren.

LAOLA1: Weißt du, wann du den Schritt zu den Profis machen willst?

Trappel: Das habe ich mir noch nicht überlegt. Ich möchte so gut und schnell es geht, mein Studium fertig machen, damit ich noch eine Absicherung habe. Golf ist ein sehr hartes Geschäft.

LAOLA1: Du studierst Wirtschaftsrecht in Innsbruck. Wie läuft es in deinem Studium?

Trappel: Ich komme jetzt ins vierte Semester. Neben dem Golfen ist es schwierig, noch Zeit zu finden. Aber ich möchte so schnell wie möglich den ersten Abschnitt beenden. Markus Brier hat vorgezeigt, wie beides unter einen Hut zu bringen ist. Daran möchte ich mir ein Beispiel nehmen.

Trappel ist jubelt über seinen Triumph

LAOLA1: Wenn wir schon bei Markus Brier sind. Wer ist dein nationales Vorbild im Golfsport?

Trappel: Markus Brier hat mich mit seinen zwei Turniersiegen auf der European Tour beeindruckt. So etwas ist schon sensationell. Zudem war Markus lange Zeit das einzige echte Aushängeschild im österreichischen Golf. Aber auch Martin Wiegele und Bernd Wiesberger haben sich auf der European Tour etabliert. Österreich ist ein kleines Land. Dafür haben wir schon viel erreicht.

LAOLA1: Hast du unsere drei Vertreter auf der European Tour bereits kennengelernt?

Trappel: Ja, mit Martin Wiegele habe ich letzte Saison zwei Runden bei den Gösser Open gespielt. Bernd Wiesberger kenne ich leider nur vom Sehen. Markus Brier war letztes Jahr beim Trainingslager in Lignano dabei, da haben wir ein bisschen geplaudert. Es ist schon cool, eine Persönlichkeit wie ihn kennen zu lernen.

LAOLA1: Und wer sind international gesehen deine größten Vorbilder?

Trappel: Tiger Woods, Rory McIlroy und Martin Kaymer.

LAOLA1: Kannst du kurz erklären, warum dir gerade diese drei Spieler so imponieren?

Trappel: Rory McIlroy hat einen bewundernswerten Schwung. Außerdem spielt er bei fast jedem Major um den Sieg mit. Nach dem Rückschlag beim Masters hat er gleich beim nächsten Major seinen ersten Triumph einfahren können. Er hat gezeigt, was für ein toller Spieler er ist. Bei Martin Kaymer beeindruckt mich die Coolness, die er an den Tag liegt. Er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Das ist sensationell. Auf Tiger Woods muss man glaube ich nicht näher eingehen. Trotz seiner privaten Probleme ist er für mich der Größte. Er hat über Jahre das Feld dominiert. In einer Sportart wie Golf ist das eine unfassbare Leistung.

LAOLA1: Du hast Tiger Woods' private Probleme angesprochen. Wie sehr denkst du, hat er mit seinem Verhalten dem Golfsport geschadet?

Trappel: Das ist schwer zu sagen. Ich finde es traurig, wie er teilweise von der Öffentlichkeit zerrissen wurde. Er ist ein absolutes Ausnahmetalent.  Es ist schade, dass diese Angelegenheit so in den Vordergrund gedrängt wurde. Ich hoffe, dass er wieder zurückkommt. Es ist ihm zu wünschen, dass er seine gesundheitlichen Probleme in den Griff bekommt. Denn dann wird er den Rekord von Jack Nicklaus(Anm.: gewann 18-Major Titel) noch knacken. Er hätte es verdient.

LAOLA1: Was ist dein persönliches Karriereziel?

Trappel: Langfristig ist mein Ziel, auf der European Tour dabei zu sein und dort Turniere zu gewinnen. Der Traum eines jeden Golfers ist es natürlich, ein Major zu gewinnen und den Kontinent beim Ryder Cup zu vertreten.

LAOLA1: Im September stehen die Austrian Open bevor. Was nimmst du dir für dieses Turnier vor?

Trappel: Ich freue mich sehr, dort spielen zu dürfen. Es ist das erste European-Tour-Turnier für mich. Bis jetzt durfte ich lediglich zwei Mal Luft auf der Challenge Tour schnuppern. Ich hoffe, ich erwische eine gute Woche und schaffe den Cut.

LAOLA1: Ärgert es dich ein bisschen, dass du unabhängig vom Ergebnis kein Preisgeld mitnehmen darfst?

Trappel: Ich muss sagen, das weinende Auge, dass ich kein Preisgeld bekomme, ist sehr klein. Die Austrian Open sind nur ein Etappenziel. Der Europameister-Titel ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Ich hoffe, dass ich mit diesem Erfolg im Rücken an die Leistungen anschließen kann.

Aufgezeichnet von Lukas Peisteiner

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