Caddies - Die Schattenmänner

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Zechmann: "Turniersiege machen süchtig"

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Von vielen als Taschenträger abgestempelt, fristen die Caddies der Golfstars ein Schattendasein. Dabei sind gute Caddies weit mehr als Taschenträger.

Max Zechmann ist Profi-Caddie. Österreichs einziger auf der European Tour und das achte Jahr an der Seite von Markus Brier unterwegs.

Mit 21 ist der Salzburger nach Südafrika ausgewandert und hat dort nicht nur „gelernt, die Sonne zu lieben“, sondern seine Passion als Caddie gefunden. Seit fast 20 Jahren ist er nun mit dem „Tour-Zirkus“, wie er ihn nennt, unterwegs.

Der stattliche 1,90-m-Hüne ist auf dem Golf-Platz eine Erscheinung. Immer ein Lächeln auf den Lippen und für ein Späßchen zu haben, steht Zechmann seinem „Chef“ mit Rat und Tat zur Seite.

 

Im Gespräch mit LAOLA1 gibt „Big Max“ Einblick in sein Leben. Zechmann erzählt von seinem Weg als Radrennfahrer zum Golfer, schwärmt von Begegnungen mit Tiger Woods und erklärt, warum Caddies mehr als Taschenträger sind. Zudem macht er seinem Ärger über das schlechte Standing Luft und verrät, was er dagegen unternehmen will.

Max Zechmann ist Caddie aus Leidenschaft

LAOLA1: Wie kommt man auf die Idee, Caddie zu werden?

Max Zechmann: Wenn man selber Profi werden wollte, aber nicht das Zeug dazu gehabt hat. Ich bin in jungen Jahren Radrennfahrer gewesen und nach Südafrika gezogen. Dort ist Radfahren nicht so schön wie in Österreich. Die Gefahren sind größer. Ich bin auf Golf umgestiegen und bin nach zwei Jahren Scratch Spieler gewesen. Dann ist ein Punkt gekommen, wo ich gemerkt habe, dass mein Talent hier aufhört. Ich habe im Klub in Südafrika mit Profis gespielt, bis einer gesagt hat: ‚Max, sind wir uns ehrlich. Du willst Profi sein, kannst aber die Schläge nicht ausüben, die man braucht. Ich kann die Schläge, sehe aber den Golfplatz nicht so wie du. Tun wir uns zusammen. Du bist mein Caddie, sagst mir, was ich spielen soll und dann schauen wir, wie das funktioniert.‘ Der Bursche ist in diesem Jahr in der Sunshine Tour Fünfter geworden. Das war 1996. Zu diesem Zeitpunkt haben dort noch Ernie Els, Retief Goosen, Bernhard Langer und Vijay Singh gespielt. Ich habe damals noch eine kleine Firma gehabt, die ist nebenbei gelaufen, aber Sport war immer meine Sache. Nach diesem Jahr hat mich einer gefragt, ob ich nicht mit nach Europa gehen will.

LAOLA1: Wer hat dich gefragt?

Zechmann: Andrew McLardy. Das war der erste Südafrikaner, der in Europa gespielt hat. Mit dem bin ich dann gegangen. Der nächste war Clinton Whitelaw, auch ein Südafrikaner.

LAOLA1: Wann hast du Markus Brier kennengelernt?

Zechmann: Im Jahr 2000 auf der Tour. Ich Österreicher, er Österreicher. Wir sind dann Freunde geworden. Ich bin noch zwei Jahre mit Alex Cejka gegangen. Wir haben dann ausgemacht, dass, wenn ich einen Spieler brauche und er keinen Caddie hat, wir es zusammen probieren. 2005 war es dann soweit. Wir hatten sieben Jahre eine super Zeit, dann war ein Jahr Pause und jetzt sind wir wieder gemeinsam unterwegs.

LAOLA1: Welchen Beruf hast du gelernt?

Zechmann: Ich war kaufmännischer Angestellter. Aber mit 21 bin ich nach Südafrika ausgewandert und habe gelernt, das schöne Wetter zu lieben.

Zechmann prüft den Wind

LAOLA1: Was ist die Aufgabe von einem Caddie?

Zechmann: Das beginnt bei der Vorbereitung auf das Turnier, auf die Proberunde und das Pro-Am am Mittwoch. Man schaut, wie der Platz beisammen ist. Wo man Fahnen anspielen kann, wo es Probleme gibt. Wenn der Spieler dann fragt, wie viel Platz hinter der Fahne ist, wo er den besten Putt spielen kann, dann musst du die Informationen haben. Wir reden mit den Greenkeepers, fragen, welches Gras verwendet wird, wie schnell die Bälle laufen oder wo der Wind her kommt. Wenn man zwischen den Bäumen spielt, dann spürt man den Wind nicht. Die Bälle fliegen aber über die Bäume hinaus. Da fragen wir auch beim Flughafen nach, die kennen den Wind besten. Ein Caddie muss auf alle Fragen eine Antwort haben.

LAOLA1: Und auf der Runde?

Zechmann: Du gibst ihm Feedback. Schaust seinen Schwung genau an und sagst 'Hey Bursche, jetzt bist du ein bisschen schnell am Rückzug. Wenn du tausende von Schlägen siehst, kennst du den kleinen Unterschied.

LAOLA1: Das heißt, ein guter Caddie sollte auch ein guter Golfspieler sein?

Zechmann: Nein, das muss er nicht sein. Ein guter Caddie muss ein guter Menschenkenner sein. Wenn Markus in der Früh kommt, weiß ich, er hat heute keinen Kaffee gehabt und ist ein bisschen müde. Statt einem 6er-Eisen schlagen wir ein 5er. Wenn der Spieler anfängt zu gewinnen, ist es kein 6er- sondern ein 8er-Eisen, weil er voller Adrenalin ist. Wenn du das nicht siehst, fliegt der Ball meilenweit über das Grün drüber. Oder wenn du ihm den Ball gibst, siehst du, ob er ihn mit einer zittrigen Hand nimmt, weil er nervös ist oder ob er ruhig ist.

LAOLA1: Kann man sagen, wie viel Anteil ein Caddie am Erfolg des Spielers hat?

Zechmann: Das ist schwer zu sagen. Es hängt vom Spieler ab, wie viel er den Caddie dazu beitragen lässt.

LAOLA1: Ich habe beobachtet, dass du mit Markus sehr viel redest.

Zechmann: Wenn man wie Markus und ich länger zusammen arbeitet, kennt man sich. Es gibt natürlich auch Caddies, die nichts sagen, weil sie nicht falsch liegen wollen. Andere sagen: 'Ich lebe auf der Kippe. Wenn ich eine falsche Aussage mache, dann stehe ich dazu.' Ich habe für mich beschlossen, dass ich aufhöre, wenn ich in so einer Situation nicht mehr voll dabei bin. Ich möchte dabei und kein Taschenträger sein.

LAOLA1: Hast du eine Ausbildung zum Caddie gemacht?

Zechmann: Das ist eine gute Frage. Es gibt keine Ausbildung zum Caddie, weil es kein Beruf ist. Jeder kann das machen. Die arrivierten Caddies lernen den neuen, was sie machen müssen. Ich bin gerade dabei, in Dubai die erste Schule aufzubauen. Die wird nächsten März eröffnen. Dort können Leute aus der ganzen Welt, egal ob Profi oder Amateur kommen, und lernen, was genau im Golf- und Caddie-Geschehen vorgeht. Keiner kann den Caddie machen, außer ein richtiger Caddie. Der Coach sieht, ob der Schwung passt. Der Konditionstrainer und der Manager haben ihre speziellen Aufgaben. Die einzigen, die sehen, was am Platz passiert, sind der Spieler und der Caddie.

LAOLA1: Wie kam es zu der Idee, eine Schule für Caddies zu gründen?

Zechmann: Ausschlaggebend war, dass Golf 2016 olympisch ist und jeder einen Caddie braucht. Jedes Land will dann Leute ausbilden und vorbereiten, damit es eines Tages jemanden zu den Olympischen Spielen schicken kann.

LAOLA1: Wie kann man einen Caddie vorbereiten?

Zechmann: Indem dem man ihm sagt, was er auf der Runde zu tun hat, wie er sich benehmen muss. Wir versuchen Leute auszubilden, die dann in ihren Ländern Caddies ausbilden können.

LAOLA1: Wie kann man sich die derzeitige Situation vorstellen?

Zechmann: Auf der 1. Tour geht es noch, aber auf der 2. und 3. haben die keine Ahnung. Die meinen, weil sie eine Tasche tragen können, sind sie Caddies. Da es keine Ausbildung gibt, kann jeder sagen, er ist einer und keiner kann etwas dagegen tun. Darum haben viele Spieler Freunde als Caddies. Wenn der jetzt auf die Tour kommt und sich nicht auskennt, dann ist es bei einem Dreiball (Flight mit drei Spielern/Anm.) so, dass die anderen beiden Caddies immer das mitmachen müssen, was er versäumt, bis er es gelernt hat. Man kann sich dann selber aber nicht voll auf seinen eigenen Spieler konzentrieren. Das ist ein riesen Loch, das wir versuchen, ab nächstem Jahr zu füllen.

Ein Tag für die Ewigkeit: Zechmann bei den British Open mit Brier und Woods

LAOLA1: Was macht für dich die Faszination „Caddie“ aus?

Zechmann: Du bist im Sport dabei. Das ist ein Sport, indem du selber nicht der Athlet, aber trotzdem mitten drinnen bist. Markus und ich haben schon mit dem Tiger (Woods/Anm.) gespielt. Da ist kein Coach, kein Manager dabei, aber der Caddie. Du bist voll im Geschehen, wenn du die 18 bei den British Open runter gehst. Tausende Leute stehen auf der Seite und du gehst in der Mitte und bist ein Akteur. Man kann es vielleicht noch mit dem Co-Piloten im Rallyesport vergleichen. Das ist einfach faszinierend. Ich selber habe es als Spieler nicht geschafft, aber ich bin in einem Team dabei. Es gibt nichts schöneres, als ein Turnier zu gewinnen.

LAOLA1: Gibt es ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Zechmann: Ja, da gibt es einige. Natürlich die drei Siege. Einen mit Marcel Siem und zwei mit Markus. Dieses Gefühl vergisst du nie. Und die Runde 2007 mit Tiger Woods bei den British Open. Der ist einfach von einem anderen Planeten. Solche Erlebnisse machen süchtig.

LAOLA1: Gibt es noch etwas, das du erleben möchtest?

Zechmann: Ein Traum wären die US Masters. Ich habe mit Alex Cejka 2001 die British Open angeführt. Samstagnachmittag waren wir noch drei Schläge vorne. Tausende Leute sind auf den Tribünen und geben Standing Ovations. Das ist Gänsehautfeeling. Man kann sich das vielleicht so vorstellen, wie wenn man bei der Fußball-Weltmeisterschaft ein Tor schießt. Meine Zukunft liegt aber in der Ausbildung. Mein Ziel ist, dass ein Niveau bei Caddies geschaffen und es als Beruf gesehen wird. Nicht einfach 0815. Je größer das Ansehen ist, desto besser ist auch die Behandlung. Ein Caddie wird oft nur als Taschenträger dargestellt und kommt in viele Klubs nicht hinein. Da der Sport aber immer professioneller wird, es um immer mehr Geld geht und Golf olympisch wird, wird auch der gute Caddie immer wichtiger.

 

Das Interview führte Martina Gugglberger

LAOLA1: Wie schaut dein Jahr aus?

Zechmann: Wenn wir auf einer vollen Tour sind, dann werden etwa 30 Turniere gespielt. Von Südafrika bis Marokko und Singapur. Zu diesen Wochen reist du mit. Dann gibt es zum Beispiel drei Turniere hintereinander in Asien, da fährst du nicht heim, sondern bleibst dort. Man ist immer unterwegs. Es ist ein Zigeunerleben, aber ein schönes.

LAOLA1: Da bilden sich sicher Freundschaften.

Zechmann: Ja, wir Caddies sind ein richtiger Freundeskreis. Überall wo du hin kommst ist Zirkus. Die Golf-Tour ist ein Zirkus. Wir wandern von Stadt zu Stadt. Dann wird das Geld ausgespielt und es geht weiter zum nächsten Turnier. Es gibt um die 100 Top-Spieler in Europa, die gutes Geld verdienen. Eine Woche kostet den Spieler 4.000 bis 5.000 Euro. Wenn er keinen Cut macht, zahlt er alles aus seiner eigenen Tasche.

LAOLA1: Dann bekommt der Caddie auch nichts?

Zechmann: Der Caddie hat sein Fixum, sonst könnten wir nicht leben.

LAOLA1: Wie schaut es mit Preisgeld aus?

Zechmann: Da haben wir natürlich auch unseren Anteil. Das ist der Anreiz. Wie, wenn du ins Casino gehst. Wenn du mit Tiger spielst, weißt du, der gewinnt jedes dritte Turnier. Da hast du eine 3:1 Chance. Bei einem anderen steht die Chance 100:1.

LAOLA1: Als Caddie reist du viel herum. Wie lässt sich das mit der Familie vereinbaren?

Zechmann: Meine Söhne sind erwachsen, jetzt ist das nicht mehr so tragisch. Wir haben immer Familienentscheidungen getroffen. Wenn ich die Unterstützung von meiner Familie nicht habe, mache ich es nicht mehr. Jetzt wo die Kinder außer Haus sind, ist es noch schöner, weil meine Frau mit mir reisen kann.

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