"Man braucht heiße Woche zur richtigen Zeit"

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Nach 15 Majors mit 15 verschiedenen Siegern sehnt sich die Golf-Szene wieder nach einem echten Superstar als Sieger bei einem Grand-Slam-Turnier.

Bei den 141. British Open ab Donnerstag in Lytham & St. Annes könnte ausgerechnet Tiger Woods mit seinem ersten Major-Triumph seit vier Jahren dafür sorgen.

Der 36-jährige US-Star ist Favorit bei den Buchmachern und wäre nach langer Zeit (Oktober 2010) wieder die Nummer eins der Welt, wenn es mit seinem vierten Open-Titel und seinem 15. Major-Sieg klappt.

Lieblingsturnier

Woods ist zwar nicht sehr glücklich über die Favoritenrolle, wäre von einem erneuten Gewinn der berühmten Rotweinkanne (Claret Jug) aber auch nicht überrascht.

Denn das heuer zum elften Mal auf dem königlichen Platz an der nordenglischen Westküste ausgetragene, älteste Turnier der Welt ist sein Lieblings-Major.

Grund sind die enorm schwierigen Bedingungen, zum extrem tiefen Rough und den 206 gemeinen Bunkern kommt meist heftiger und drehender Wind.

Mit Kreativität zum Sieg

Woods passt das perfekt.

"Kreativität bei den Schlägen ist entscheidend im Links-Golf", sagte er vor dem Turnier, das er an den ersten beiden Tagen gemeinsam mit Sergio Garcia und Justin Rose bestreiten wird.

Gerade Kreativität sei aber vielen Kursplanern abhandengekommen, bemängelte der Sport-Superstar, der Ende 2009 aus privaten Gründen abgestürzt war und danach verletzungsbedingt vier Majors verpasst hatte.

Mit drei Turniersiegen hat er sich 2012 wieder auf Platz vier der Weltrangliste vorgekämpft.

Braucht "heiße Woche"

Die vielen verschiedenen Major-Sieger sind für Woods ein Beweis, dass die Starterfelder besser geworden sind.

"Man braucht heute ganz tiefe Runden. Und eine heiße Woche zur richtigen Zeit." Deshalb, so Woods, "gibt es heute mehr Spieler denn je, die ein Major gewinnen können."

Titelverteidiger Darren Clarke (43) ist aber außer Form, auch die in der Weltrangliste vor Woods liegenden Luke Donald, Rory McIlroy und Lee Westwood haben zuletzt nichts Großartiges gezeigt.

Trappels Kampf um Silber

Woods ist auch für Manuel Trappel eine Schlüsselfigur.

Der 22-jährige Vorarlberger, der sich mit seinem EM-Titel im Vorjahr als erster österreichischer Amateur für das bedeutendste Golfturnier der Welt "qualifiziert" hat, suchte vor dem Start die Nähe zum US-Star, um sich an den Trubel zu gewöhnen.

Der von Familie und Freunden begleitete Student ist 2012 einziger ÖGV-Starter sowie einer von nur zwei Amateuren im Feld und matcht sich mit dem Nordiren Alan Dunbar um die Silbermedaille, die Auszeichnung für den besten Amateur.

Studium oder Golfplatz?

Dunbar hatte kürzlich bei der British Amateur Championship Matthias Schwab erst auf den letzten Löchern hauchdünn bezwungen, sonst hätten sensationell gleich zwei Österreicher auf der königlichen Anlage bei Blackpool um den Titel des besten Amateurs gekämpft.

Auch Woods hatte seinerzeit (1996) die "Silver Medal" gewonnen. Ein wichtiger Erfolg, "denn dadurch habe ich beschlossen Pro zu werden statt an das College zurück zu kehren."

Eine Entscheidung, die auch für Trappel am Jahresende ansteht. Der Sohn der ehemaligen Skirennläuferin Ingrid Eberle studiert in Innsbruck, wird aber im Herbst die Tourschool bestreiten.

Tipps vom Routinier

In England galt der Kampf zunächst der Nervosität. Wie man die bekämpft, verriet Landsmann Markus Brier.

"Die Atmosphäre Genießen und nicht an das Ergebnis denken", empfahl der zweifache Tour-Sieger.

Auch Brier hat seine ersten Open in Lytham gespielt und weiß daher: "Der Platz ist echt zäh, du musst sehr taktisch spielen."

Das wichtigste für Trappel sei, sich nicht von der Atmosphäre auf dem Lancashire Links Course überwältigen zu lassen.

Brier: "Hier sind bei einer Trainingsrunde mehr Zuschauer als bei allen Austrian Open zusammen."

Kurioses aus der Geschichte

Die British Open sind das älteste Golfturnier der Welt und dementsprechend voller Geschichten.

1926 musste der legendäre Bobby Jones (einziger Spieler der alle vier Majors in einem Jahr gewonnen hat) vor der letzten Runde Eintritt bezahlen, weil er seine Akkreditierung vergessen hatte.

Jones bezahlte und gewann seine ersten Open.

1979 landete der 16. Abschlag von Severiano Ballesteros auf dem Parkplatz unter einem Auto. Der im Vorjahr verstorbene Spanier attackierte vom Beton aus erfolgreich das Grün zum Birdie und gewann letztlich souverän.

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