"Wenn du wen unterschätzt, passiert genau das"

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Hängende Köpfe hier, hängende Köpfe da.

Auch wenn es für Österreich die dritte Niederlage im dritten Spiel der Heim-WM war, diese war eindeutig am schwersten zu schlucken.

Ging das AFBÖ-Team noch als krasser Außenseiter in die Partien gegen  Japan und Kanada, war es gegen Frankreich auf Augenhöhe.

Ein Sieg und Österreich hätte am Samstag im Spiel Platz 5 in Wien gegen Deutschland seine Revanche für seine bittere 20:22-Niederlage bei der EM vergangenes Jahr gehabt.

„Man braucht mich nur anzuschauen“

Doch nach dem 16:24 gegen den Vizeeuropameister im dritten und letzten Gruppenspiel bleibt nur noch das Spiel um Platz sieben gegen Australien.

Frankreich hatte sich für seinen ersten WM-Sieg aller Zeiten aus rot-weiß-roter Sicht den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgewählt.

„Man braucht mich nur anzuschauen, und man weiß, wie es mir geht“, schilderte ein gebrochener Running Back Mario Nerad, der zu Österreichs Most Valuable Player gewählt wurde, nach dem Spiel.

Es war allen Spielern anzusehen, auch den Coaches.

„Bin sehr enttäuscht“

„Ich bin sehr enttäuscht, denn wir hatten heute eine große Chance zu gewinnen“, meinte Head Coach Rick Rhoades.

„Ich hatte Bedenken, dass wir für unsere Offensiv-Fehler in der ersten Hälfte bestraft werden könnten. So ist es gekommen, Frankreich war das bessere und härtere Team an diesem Tag.“

Österreich hatte zur Pause durch ein Field Goal 3:0 geführt - aufgrund der erneuten Abschlussschwäche einer zumeist unrunden Offensive nur 3:0.

„Österreich hat die erste Hälfte dominiert, hat aber kein Kapital daraus geschlagen. Wir haben die wichtigen Momente auf unserer Seite gehabt“, analysierte Frankreich-Teamchef Larry Legault.

48 Schrecksekunden

Im dritten Viertel folgten die 48 Schrecksekunden der 48 Minuten, die Österreich direkt ins Jammertal schickten: Touchdown Frankreich (7:59), Touchdown Frankreich (7:20), Fumble Österreich (7:11).

Dieser Ballverlust sorgte Minuten später für ein Field Goal und das 3:17. Armando Ponce de Leon („Das hat uns das Genick gebrochen“) hatte vorher das Spielgerät bei einem Tackle verloren.

Während Teamchef Rhoades zwar Fehler einräumte („Wir hätten vieles besser machen können“), aber darauf nicht näher eingehen wollte, hatte der Wide Receiver einen anderen Ansatz.

„Vielleicht haben einige Frankreich unterschätzt oder auf die leichte Schulter genommen. Das darfst du bei einer WM nicht. Wenn du da einen unterschätzt, passiert genau das“, so der Graz-Spieler.

„Franzosen würden so viel Party machen“

Wie könne Österreich als nominell schwächstes Team dieser WM überhaupt wen unterschätzen?

„Es gab Gerüchte, dass die Franzosen so viel Party machen würden. Vielleicht haben manche eben dann gedacht, dass wir da drüberfahren würden.“

So kam es nicht und Österreich musste letztlich die Leistung der Franzosen anerkennen.

„Die Franzosen haben einige gute Spieler drinnen gehabt. Sie haben verdient gewonnen“, erkannte Kicker Peter Kramberger an.

Ponce de Leon: „Frankreich hatte ein besseres Team als vergangenes Jahr.“

WM-Ziel verpasst

Dieser Fakt sowie die offensichtliche Ermüdung wollte aber keiner als Entschuldigung hernehmen.

 „Wir wollten die Deutschen haben und die Besten Europas sein“ – dieses von Ponce de Leon ausgesprochene österreichische WM-Ziel ist Geschichte.

Nun geht es am Freitag um 15 Uhr gegen Australien um das Verhindern des letzten Platzes - damit Österreich mit seinem ersten WM-Sieg zumindest am Ende doch noch sportlich etwas zu feiern hat.

 

Bernhard Kastler

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