Tebows erstes Mal

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Wer steigt in die Divisional Playoffs der AFC auf?

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"Jetzt ist eine neue Saison angebrochen."

Das sagt der Head Coach der Green Bay Packers, Mike McCarthy, und er weiß wovon er spricht.

Vergangene Saison rutschte sein Team, das die Regular Season heuer mit 15 Siegen als beste abschloss, gerade noch in die Playoffs und gewann später die Super Bowl.

Das macht auch Hoffnung für die nieder gesetzten Teams in dieser Postseason, die am Samstag und Sonntag mit dem Wildcard-Weekend beginnt.

Die American Football Conference (AFC) sucht ihren Super-Bowl-Vertreter. New England (1) und Baltimore (2) haben ein Freilos, der Rest startet eine Woche nach dem Ende der Regular Season.

LAOLA1 mit den Matchups zu den Wildcard-Games der AFC:

 


HOUSTON TEXANS (3)                                        CINCINNATI BENGALS (6)

Samstag, 22:30 Uhr, Reliant Stadium, Houston

 

Ausgangslage

Im ersten der vier Wildcard-Games treffen zwei Teams aufeinander, mit denen nicht unbedingt in der Postseason gerechnet werden durfte. Die Houston Texans, die seit der jüngsten Expansion 2002 ein Teil der NFL sind, haben sich überhaupt zum ersten Mal für die Playoffs qualifiziert. Dank der Verletzung von Peyton Manning und dem folglich indiskutablen Abschneiden des Dauer-Abonnenten auf den Sieg in der AFC South, den Indianapolis Colts, war der Weg in dieser Regular Season für die Texaner frei. Mit zehn Siegen und sechs Niederlagen gewannen die Texans die Division - und das trotz großen Verletzungspechs. Die Cincinnati Bengals haben es wiederum trotz einer Saison im Umbruch und bärenstarker Konkurrenz als Dritter der AFC North mit neun Siegen und sieben Niederlagen in die Postseason geschafft. Für die Franchise aus Ohio ist es die erste Teilnahme seit zwei Jahren, damals setzte es eine Heimniederlage gegen die New York Jets. Zwischen Houston und Cincinnati darf durchaus ein Duell auf Augenhöhe erwartet werden, so wie beim 20:19-Sieg der Gäste in derselben Konstellation am 11. Dezember.

 

Schlüsselspieler

Quarterbacks

Großes Verletzungspech ereilte die Texans ausgerechnet auf der Schlüsselposition. Nach zehn Spielen war für Matt Schaub die Saison gelaufen, in der ersten Partie danach tat sich auch noch Backup Matt Leinart so weh, dass seine Spielzeit jäh ein Ende fand. Es lag an Rookie T. J. Yates, die Texans in die Playoffs zu führen. Und der 24-Jährige hielt - mit Bauchweh - dem Druck stand. Hoch anzurechnen ist ihm der finale Drive in - richtig - Cincinnati, der Houston spät aber doch noch den Sieg und damit den Playoff-Einzug bescherte. Ansonsten sind seine Zahlen eher mau: In seinen sechs Spielen, im letzten musste Yates wegen einer Schulterverletzung früh raus, warf er lediglich drei Touchdowns. Ebenso viele Pässe wurden intercepted. Sollte Yates wider Erwarten - er trainierte am Dienstag voll mit - nicht spielen können, muss der routinierte, aber ebenfalls nicht hochkarätige Jake Delhomme ran.

Ganz anders als Yates präsentierte sich Rookie-Gegenüber Andy Dalton, der sich als einer der großen Shooting-Stars dieser Saison bezeichnen darf. Der Rotschopf führte die Bengals in seiner ersten Spielzeit in die Playoffs. Seine Performance war für sein erstes Jahr sehr in Ordnung. 20 Touchdown-Pässen stehen 13 Interceptions gegenüber, auch hinsichtlich der Completion-Percentage findet sich Dalton im Durchschnitt wieder. Der ebenfalls 24-Jährige harmonierte bislang perfekt mit Rookie-Receiver A. J. Green und gewann nicht zuletzt dadurch die benötigten Spiele. Für Dalton ist es übrigens übrigens eine Heimkehr, er wuchs in Texas in einem Vorort von Houston auf.

Andere Spieler

Wer von den Houston Texans spricht, muss ohne wenn und aber zwei Namen in den Mund nehmen: Arian Foster und Andre Johnson. Ersterer ist Running Back und gehört mit 1224 Yards auch heuer den Top 5 der Liga an, nachdem er sich in der Vorsaison den Rushing-Titel sicherte. Letzterer ist ebenso einer der Besten seiner Zunft, musste allerdings in dieser Saison des öfteren wegen Verletzungsproblemen passen. Wenn fit, ist der Receiver eine dankbare Waffe, vor allem für einen jungen Spielmacher. Nicht zu vergessen: Defensive Coordinator Wade Philipps machte aus der Abwehr ein Bollwerk. Stellvertretend sei Linebacker Connor Barwin, einer der Top-Sacker der Liga, genannt.

Wie vorher schon erwähnt, hat ein zweiter Rookie den Stempel auf die Regular Season der Bengals gedrückt: A.J. Green, der 23-Jährige aus Ridgeville, South Carolina, gekommen vom Georgia College, fing das Spielgerät für über 1057 Yards und erzielte sieben Touchdowns. Green stahl seinem Pendant Jerome Simpson eindeutig die Show, obwohl der Receiver mit einem Salto-Touchdown zu Weihnachten gegen die Cardinals die breite Masse erreichte. Cedric Benson (1067 Yards/6 TD) ist für Dalton ein mehr als nur hilfreicher Running Back.

 

Zahlenspiele

- Eine Premiere könnte es nicht nur wegen Houston geben - es wäre das erste Mal in der Super-Bowl-Ära, dass zwei Rookie-Quarterbacks in den Playoffs gegeneinander spielen.

- Andy Dalton (3398 Passing Yards) und A. J. Green (1057 Receiving Yards) sind das erste Rookie-Tandem, das 3000 bzw. 1000 Yards übertreffen konnte.

- Houston ist neben Baltimore das einzige Team, das in den drei Defensiv-Kategorien hinsichtlich Yards (Total, Passing, Rushing) jeweils zu den Top 5 gehört. (2., 3., 4.)

 

LAOLA1-Prognose

Die Houston Texans gehen mit drei Niederlagen in ihre erste Postseason. Auch wenn die Defensive und das Laufspiel für die Hausherren sprechen, es braucht auch einen Quarterback. Und da haben die Gäste mit Dalton den besseren Trumpf in der Hand. Es wird aufgrund von Schwächen auf beiden Seiten ein enges Spiel, mit den Bengals als Sieger.

17:14 für die Cincinnati Bengals.

 


DENVER BRONCOS (4)                                        PITTSBURGH STEELERS (5)

Sonntag, 22:30 Uhr, Sports Authority Field at Mile High, Denver 

 

Ausgangslage

Im zweiten AFC-Wildcard-Duell mischt ebenfalls ein Team mit, das lange Zeit nicht als heißes Eisen für ein Playoff-Ticket galt. Doch die Denver Broncos haben es schlussendlich mit einer 8-8-Bilanz als Sieger der schlechten AFC West in die Postseason geschafft. Die sechs Spiele andauernde Siegesserie des polarisierenden Quarterbacks Tim Tebow (LAOLA1-Story) reichte letztlich, dass drei Niederlagen am Ende nicht mehr ins Gewicht fielen - auch weil sich die Oakland Raiders mit einer Heim-Niederlage gegen die Chargers ihrer großen Chance auf dumme Weise beraubten. Die Pittsburgh Steelers mussten in dieser Saison praktisch nie um den Einzug in die Playoffs zittern. Für die Stahlstädter ging es bis zuletzt darum, die dringend nötige Bye-Week in der Postseason zu erreichen. Warum dringend nötig? Vor allem weil sich Quarterback Ben Roethlisberger mit seiner nach wie vor nicht ausgeheilten Knöchelverletzung von Spiel zu Spiel schleppt. Zudem fällt mit Rashard Mendenhall, der zuletzt einen Kreuzbandriss erlitt, ein Schlüsselspieler verletzt aus. Aufgrund dessen könnte die Partie gegen Denver für die Steelers enger werden, als ihnen lieb ist. Auf dem Papier gehen sie dennoch als hoher Favorit in das Duell, das zu einer Defensivschlacht ausarten könnte.

 

Schlüsselspieler

Quarterbacks

Über Tim Tebow wurde de facto schon alles gesagt, was es zu sagen gibt. Er ist der Football-Apostel, der seine Position auf unorthodoxe Art und Weise interpretiert. Werfen ist nicht seine Stärke, dafür Laufen umso mehr. Was eindeutig für ihn spricht, ist sein offenkundig implementiertes Siegergen. Bei einer Bilanz von 1-4 übernahm der Spielmacher den Job von Kyle Orton, der pikanterweise zuletzt mit den Kansas City Chiefs bei den Broncos gewann, und führte Denver in die Postseason. Tebows Passing-Zahlen: 46,5 Prozent Completions - der schlechteste Wert der Liga -, 12 TDs, 6 INTs, 1729 Yards. Rushing-Zahlen: 660 Yards, 6 TDs. Man darf gespannt sein, wie es bei seiner Playoff-Premiere mit dem Nervenkostüm aussieht...

Ben Roethlisberger gehört zweifellos zur Quarterback-Elite der NFL. Zwei Super-Bowl-Ringe zieren bereits seine Finger, vergangenes Jahr musste "Big Ben" zum ersten Mal als Verlierer das Feld des Endspiels der Endspiele verlassen. Der 196 Zentimeter große Spielmacher hatte eine solide Saison, kam über 4000 Passing Yards, erzielte 21 Touchdowns, allerdings in Relation auch relativ viele Interceptions (14). Nichtsdestoweniger ist Roethlisberger, der am Mittwoch limitiert trainierte und den am Sonntag nur ein Knöchelbruch vom Spielen abhalten kann, im Duell mit Tebow meilenweit über den Linkswerfer zu stellen. Und da ist vom unglaublichen Routine-Unterschied noch gar nicht die Rede...

Andere Spieler

In Denver ist Rushing eine Lebenseinstellung, neben Tebow macht das auch Willis McGahee, der allerdings als Running Back hauptberuflich. Mit seinen 1199 Yards ist der Bronco Nummer acht der Bestenliste. Eric Decker war die Nummer-1-Anspielstation zu Beginn der Saison, acht Touchdowns durfte der Receiver insgesamt bejubeln. Gegen Ende war es hauptsächlich der wiedergenesene Demaryius Thomas, der Tebows Pässe fing. Ansonsten finden sich die Stars in der starken Defensive, vor allem auch der höchste Defensiv-Draft-Pick 2011, Linebacker Von Miller - gemeinsam mit Defensive End Elvis Dumervil ein gefährliches Duo. Zumal Denver sehr gerne blitzt. Bei den Cornerbacks Champ Bailey, ein nach wie vor kompetitiver Veteran, und Andre' Goodman muss Roethlisberger aufpassen.

An guten Receivern mangelt es dem Steelers-Spielmacher wahrlich nicht: Mike Wallace, der alte Haudegen Hines Ward, Antonio Brown (auch Returner), Emmanuel Sanders oder Jerricho Cotchery - alle fangen sehr viel. Dazu noch Tight End Heath Miller. Jeder kann ein Spiel entscheiden. Nachdem Rashard Mendenhall verletzt nicht mit von der Partie ist, muss Isaac Redman als Nr.-1-Running-Back ran. Der 27-Jährige wäre wohl an manch anderem Ort Starter, seine Zahlen sind gut: 479 Yards und 3 Touchdowns. In der Defensive wird der Leitung von Star-Safety Troy Polamalu gefolgt. Die Linebacker Lawrence Timmons und James Harrison sind nicht zu Unrecht gefürchtet. An Yards gemessen ist Pittsburgh die Nummer 1 der Liga...

Zahlenspiele

- Denver ist erst das sechste Team, dem es gelingt nach einem 2-5-Start (oder schlechter) noch in die Playoffs zu kommen.

- Darauf kann Denver hoffen: Seit seiner Verletzung hat Roethlisberger keinen Touchdown mehr geworfen und nur ein Rating von 57,1.

- Apropos Roethlisberger: 10-3-Bilanz in der Postseason, 4-1 in Playoffs-Opener.

 

LAOLA1-Prognose

Die Tebow-Mania ist - für das Erste - vorbei. Ausgerechnet gegen den "Steel Curtain" zur Siegesform finden? Das ist zu bezweifeln. Trotz Angeschlagenheit werden die Steelers aufsteigen, auch wenn es auswärts gegen sehr laute Broncos-Fans (sechsjährige Postseason-Absenz) kein Selbstläufer wird. Aber Routine und Qualität als Gesamtes setzen sich durch.

14:6 für die Pittsburgh Steelers.

 

Bernhard Kastler

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