Wer steigt in die Divisional Playoffs der NFC auf?

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Alles Green Bay oder was?

Die Packers gelten nach einer überragenden Regular Season mit 15 Siegen und nur einer Niederlage als großer Favorit, die NFC erneut in der Super Bowl zu vertreten.

Während Aaron Rodgers und Co. zum Playoff-Auftakt noch spielfrei sind, greift mit den New Orleans Saints der Herausforderer Nummer eins bereits ins Geschehen ein.

Und zwar gegen Detroit - ein Kräftemessen, das zu einem wahren Leckerbissen werden könnte.

LAOLA1 mit den Matchups zu den Wildcard-Games der NFC:

NEW ORLEANS SAINTS (3)                                        DETROIT LIONS (6)

Sonntag, 2 Uhr, Mercedes Superdome, New Orleans

 

Ausgangslage

New Orleans gegen Detroit verspricht ein Spektakel zu werden. Es ist das Duell zweier Mannschaften, die sich in den USA landesweite Sympathien gesichert haben. Die Lions als notorischer Underdog, der sich erstmals seit 1999 für die Playoffs qualifiziert hat, seit 1957 genau einen Playoff-Sieg gefeiert hat (1992 gegen Dallas) und noch vor drei Jahren die historische Demütigung einer sieglosen Saison ertragen musste. Die Saints als eine der – ohne Übertreibung - spektakulärsten Mannschaften der NFL-Geschichte, bei der auch einige Jahre nach Hurrikan Katrina der Human-Touch-Faktor nicht zu kurz kommt. Die Saints sind das Aushängeschild der Südstaaten-Metropole und das Symbol für den Wiederaufbau einer gebeutelten Stadt, der Star-Quarterback Drew Brees und Co. 2010 den Super-Bowl-Triumph geschenkt haben. Die Fans danken es ihren Lieblingen mit einer unvergleichlichen Stimmung im Superdome, in dem die Saints heuer erstmals in ihrer 45-jährigen Franchise-Geschichte jedes einzelne Heimspiel gewonnen haben. Über die Favoritenrolle muss nicht lange gerätselt werden: Die Saints sind fest entschlossen, die Vince-Lombardi-Trophy zurückzuerobern. Den Lions kommt die Rolle des großen Außenseiters zu, der jedoch mit seiner Offensivstärke für ein spektakuläres Match sorgen könnte. Nicht wenige Experten spekulieren mit einem Shootout.


Schlüsselspieler

Quarterbacks

Absolut historisch! Erstmals in der Geschichte stehen sich zwei Quarterbacks, die die 5000-Yard-Schallmauer durchbrochen haben, gegenüber. Gut, das ist kein großes Kunststück, denn vor dieser Saison schafften dies nur zwei Spielmacher. Nachdem Drew Brees 2008 noch um 15 Yards am Uraltrekord von Miami-Legende Dan Marino aus dem Jahr 1984 (5084 Yards) scheiterte, pulverisierte er diese Bestmarke heuer mit 5476 Passing-Yards. Detroit-Jungstar Matthew Stafford gehört mit 5038 Yards (garniert mit 41 TD-Pässen) wie New Englands Tom Brady seit dieser Saison auch diesem äußerst elitären Klub an. Allein diese Zahlen verdeutlichen die Qualität dieser beiden Ausnahmekönner. Brees gehört ohnehin schon längst zum Kreis der besten Quarterbacks aller Zeiten. Stafford – als Nummer-1-Draft-Pick 2009 übrigens der Lohn für die sieglose Saison – steht noch am Anfang seiner Karriere. Nach zwei von Verletzungen überschatteten Debüt-Spielzeiten bewies er heuer, dass die Lions mit ihm einen Goldgriff getätigt haben. Brees wiederum wird 2012 einen Steinzeit-Rekord in Angriff nehmen. Mit 43 Regular-Season-Spielen in Folge mit zumindest einem Touchdown-Pass fehlen ihm nur mehr deren vier auf die legendäre Bestmarke von Johnny Unitas (aufgestellt von 1956 bis 1960).

Andere Spieler

Ohne hochkarätige „Statisten“ könnte Saints-Hauptdarsteller Brees nie auf Rekordjagd gehen. In der Tat steht dem bald 33-Jährigen ein bemerkenswertes Arsenal an Waffen zur Verfügung. Jimmy Graham, am College noch ein Basketballer, hat sich gemeinsam mit New Englands Rob Gronkowski als bester Tight End der Liga etabliert. Mit 99 Catches und elf Touchdowns ist er Brees‘ Anspielstation Nummer eins. Die verlässliche Receiver-Riege wird von Marques Colston angeführt, auch Robert Meachem und Devery Henderson sind jederzeit für Big Plays gut. Lance Moore fehlt gegen die Lions. Das alte Vorurteil, dass New Orleans nur über ein durchschnittliches Laufspiel verfügt, kann man so nicht stehen lassen. Die Last verteilt sich nur auf mehrere Schultern. Darren Sproles (im Schnitt 6,9 Yards pro Versuch), Pierre Thomas (5,1) und Christopher Ivory  (4,7) sind jederzeit in der Lage, den Ball zu bewegen. Da fällt selbst das verletzungsbedingte Saisonende von Erstrunden-Draftpick Mark Ingram nicht sonderlich ins Gewicht. Vor allem Neuzugang Sproles entpuppte sich als Allzweckwaffe (siehe Zahlenspiele).

Auf Seiten Detroits sind Staffords großartige Statistiken sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass das Laufspiel seit der Verletzung von Jahvid Best lahmt. Weder Kevin Smith noch Maurice Morris verfügen über die Klasse und Konstanz, dauerhaft das Passspiel zu entlasten. Neben Stafford ist fraglos Receiver Calvin Johnson das offensive Aushängeschild der Lions. „Megatron“ beendete die Saison mit dem ligaweiten Bestwert von 1681 Yards sowie 16 Touchdowns. Neben Routinier Nate Burleson sind auch Rookie Titus Young und Tight End Brandon Pettigrew verlässliche Passempfänger. Mit Ndamukong Suh verfügt Head Coach Jim Schwartz auch in der Defensive über einen schillernden Spieler, der in seinem zweiten Karriere-Jahr jedoch auch negative Schlagzeilen schrieb, wie die Zwei-Spiele-Sperre nach seinem Ausraster gegen Green Bay. Unter anderem verpasste er die 17:31-Pleite der Lions in New Orleans, bei der Detroit elf - teils unnötige - Strafen kassierte. Ohne Disziplin wird es im Re-Match nicht gehen.

 

Zahlenspiele

  • Dafür, dass New Orleans über eine der besten Offensivreihen aller Zeiten verfügt, braucht man keinen statistischen Beweis. Falls jemand trotzdem zweifelt: Mit 7474 Offensiv-Yards stellten die Saints in der Regular Season einen neuen NFL-Rekord auf.
  • Darren Sproles als Ersatz für Reggie Bush aus San Diego wegzulotsen, war Gold wert. Der Allrounder knackte mit 2696 Total Yards einen NFL-Rekord. Als erster Akteur der Liga-Geschichte übertraf er die Marke von 1300 Yards sowohl von der Anspiellinie als Läufer oder Passempfänger (1313 Yards) als auch als Returner (1383).
  • Detroit brach heuer einige Klub-Rekorde – womöglich kein allzu großes Kunststück ob der tristen (jüngeren) Vergangenheit. Einer sei stellvertretend erwähnt: Calvin Johnsons 16 Touchdowns übertrafen die bisherige Bestmarke von Cloyce Box aus dem Jahr 1952.
  • So spektakulär die Offense jeweils agiert, so durchschnittlich präsentierten sich beide Teams defensiv. Die Passverteidigung der Saints ist statistisch gar die drittschlechteste der Liga – nur Green Bay und New England ließen mehr Yards zu.

 

LAOLA1-Prognose

Mit angesagten Shootouts ist es bisweilen wie mit Revolutionen: Sie finden nicht statt. Trotzdem verspricht dieses Aufeinandertreffen zweier begnadeter Offensiv-Reihen, denen jeweils durchaus knackbare Defenses gegenüber stehen, viele Punkte. In den USA spekulieren Analytiker bereits damit, ob der Playoff-Punkte-Rekord von 96 (51:45-Sieg Arizonas gegen Green Bay aus dem Jahr 2010) geknackt werden kann. Davon, dass die Saints viele Punkte auf die Anzeigetafel bringen werden, darf man getrost ausgehen. Wie offen dieses Match verlaufen wird, liegt also wohl an der Nervenstärke der jungen und Playoff-unerfahrenen Lions. Dass Detroit die Sensation gelingt, ist unwahrscheinlich. New Orleans ist das bessere und reifere Team und vor allem zu Hause derzeit so gut wie unbesiegbar.

41:24 für die Saints


NEW YORK GIANTS (4)                                        ATLANTA FALCONS (5)

Sonntag, 19 Uhr, MetLife-Stadium, East Rutherford, New Jersey 

 

Ausgangslage

Das zweite NFC-Wildcard-Duell bietet das Aufeinandertreffen zweier Teams, deren Ausgangslage unangenehmer sein könnte: Trotz nicht zu unterschätzenden Spielermaterials führen die New York Giants und Atlanta Falcons in der öffentlichen Favoriten-Diskussion ein Schattendasein. Ob scheinbar übermächtiger Konkurrenz aus Green Bay oder New Orleans hat diese beiden Truppen niemand wirklich auf der Rechnung. Womöglich ein Fehler. Erst letzte Saison krönte sich mit den Packers die Nummer 6 der NFC zum Super-Bowl-Champion - ein Kunststück, das drei Jahre zuvor, ja genau, die Giants vorgemacht hatten. Während Atlanta, die letztjährige Nummer eins der NFC,  im Schatten von Division-Rivale New Orleans eine unspektakuläre Saison hingelegt und sich trotzdem souverän den Wildcard-Platz gesichert hat, erreicht das Team aus dem „Big Apple“ nur mit Hängen und Würgen die Postseason. Gebremst von diversen Verletzungssorgen, einem schweren Spielplan und bisweilen auch eigenem Unvermögen reichte letztlich eine mühevolle 9-7-Bilanz, um die überraschend schwache NFC East zu gewinnen. Ein klarer Favorit ist in diesem Matchup nicht auszumachen, wenngleich Atlanta über den ausgeglicheneren Kader zu verfügen scheint.


Schlüsselspieler

Quarterbacks

Das Jahr der Ausnahmeleistungen von Quarterbacks gereicht nicht jedem zum Vorteil. Vor dieser Spielzeit wären Eli Mannings 4933 Passing-Yards der drittbeste Wert der NFL-Geschichte gewesen. Da Brees, Brady und Stafford die 5000er-Schallmauer knackten (siehe Tabelle oben) und auch Green Bays Aaron Rodgers die Liga nach Belieben dominierte, ging die starke Performance des Giants-Spielmachers ein wenig unter. Besonders erwähnenswert ist die Nervenstärke des seit 3. Jänner 31-Jährigen. 15 Touchdown-Pässe gelangen ihm im vierten Viertel, was nicht nur das eine oder andere gelungene Comeback nach Rückstand bedeutete, sondern auch einen neuen NFL-Rekord, den zuvor Johnny Unitas und sein älterer Bruder Peyton innehatten. Kurios: Obwohl Gewinner der Vince-Lombardi-Trophy, wartet der Giants-Star noch auf seinen ersten Playoff-Heimsieg (Bilanz: 0-2). Während Mannings Finger also bereits ein Super-Bowl-Ring ziert, wartet sein Gegenüber Matt Ryan noch auf seinen ersten Playoff-Sieg. Der 26-Jährige hat Atlanta im vierten Karriere-Jahr bereits zum dritten Mal in die Postseason geführt, scheiterte dort in seinen ersten beiden Versuchen jedoch jeweils im ersten Match. Ryan ist ein zuverlässiger Vertreter seiner Zunft, der inzwischen in der Gruppe unmittelbar hinter den absoluten Superstar-Quarterbacks um Rodgers, Brees und Brady anzusiedeln ist. Seine 4177 Passing-Yards in dieser Saison bedeuteten neuen Falcons-Rekord. Während Atlantas Defense gehobenes Mittelmaß verkörpert, könnten sich für Ryan in der New Yorker Passverteidigung Lücken finden – diese ließ in der Regular Season nämlich die viertmeisten Yards zu.

Andere Spieler

New Yorks Shootingstar heißt fraglos Victor Cruz. Der Nobody überflügelte mit 1536 Yards und neun Touchdowns sogar seinen ungleich bekannteren Receiver-Kollegen Hakeem Nicks (1192 Yards, sieben TDs). Die Giants mussten es auch verhältnismäßig oft durch die Luft versuchen, da das für gewöhnlich starke Laufspiel in dieser Saison ein Totalausfall war. Kein Team erreichte weniger Rushing Yards als die New Yorker. Dabei stehen Head Coach Tom Coughlin mit Ahmad Bradshaw und Brandon Jacobs durchaus etablierte Akteure zur Verfügung, doch gerade Ersterer quälte sich immer wieder mit Verletzungen. Auf Seiten der Abwehr sei vor allem auf die beiden Defensive Ends Jason-Pierre Paul und Osi Umenyiora hingewiesen. Ersterem gelang im zweiten Karriere-Jahr mit 16,5 Sacks der Durchbruch. Zweiterer kam verletzungsbedingt zwar nur auf neun Einsätze, in denen ihm aber immerhin neun Sacks gelangen. Gegen Atlanta sollte er einsatzbereit sein.

Atlanta verfügt über ein durchaus ausgeglichenes Aufgebot ohne massive Schwächen. Roddy White und Julio Jones gehören zu den besten Receiver-Tandems der Liga. Vor allem Rookie Jones bereicherte die Falcons-Offense mit gewaltigem Big-Play-Potenzial, das bei entsprechender Weiterentwicklung für die kommenden Jahre enorm vielversprechend ist. Ergänzt wird das Duo von Tony Gonzalez, einem der besten Tight Ends der NFL-Geschichte. Michael Turner wiederum ist vielleicht nicht der explosivste Running Back der Liga, dafür einer der konstantesten. Seine 1340 Rushing-Yards sind der drittbeste Wert dieser Saison. An der Goalline ist er ohnehin eine nur schwer zu entschärfende Waffe – seine 50 Touchdowns seit 2008 sind die zweitmeisten der NFL in diesem Zeitraum. In der Abwehr sticht der Defensive-End-Haudegen John Abraham heraus, genau wie Linebacker Curtis Lofton, der es auf starke 147 Tackles brachte.

Zahlenspiele

  • Die Giants sind zum 31. Mal in den Playoffs vertreten, womit sie die NFL in dieser Kategorie anführen. Zu einem Duell mit Atlanta kommt es in der Postseason jedoch erstmals. Die Falcons entwickeln sich allerdings auch erst langsam zum Playoff-Stammgast. Erstmals überhaupt gelang in zwei aufeinanderfolgenden Saisonen die Qualifikation.
  • Es ist auch das Aufeinandertreffen von zwei guten Head Coaches. Tom Coughlin egalisierte mit seiner fünften Playoff-Teilnahme den Giants-Rekord von Trainer-Legende Bill Parcells. Atlantas Mike Smith wiederum agiert genauso schillernd wie sein Name gewöhnlich ist, dafür umso effizienter. Nach dem Michael-Vick-Desaster an die Macht gekommen, darf er sich bereits über die dritte Playoff-Teilnahme im vierten Jahr freuen. Fehlt nur noch ein Sieg…
  • Aufatmen bei den Nachfahren von Elroy „Crazylegs“ Hirsch! Über unglaubliche fünf Touchdowns über eine Distanz von 65 Yards oder mehr durfte Victor Cruz heuer jubeln. „Crazylegs“ schaffte anno 1951 um einen mehr. Dieser Rekord bleibt also noch das eine oder andere Jahr(zehnt) bestehen…

 

LAOLA1-Prognose

Ein auf dem Papier sehr ausgeglichenes Duell. Schlüssel zum Sieg für die Falcons ist es wohl, Eli Manning im vierten Viertel gar nicht erst die Chance auf einen weiteren Comeback-Sieg zu geben. Auf Seiten der Giants ist ein Erfolg ohne verbessertes Laufspiel nur schwer zu realisieren. Auch wenn Atlantas Potenzial größer sein mag, werden sich die Giants den Heimvorteil zu Nutzen machen und Manning seinen Playoff-Fluch vor eigenem Publikum durchbrechen.

27:24 für die Giants

 

Peter Altmann

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