Da stand es bereits 8:0 für die Franchise aus dem Bundesstaat Washington, es folgte der erste Touchdown durch Marshawn Lynch. Der blieb – wie unter der Woche gegenüber den Medien – an diesem Abend weitestgehend still, doch der 1-Yard-Run in die Endzone sorgte für das Fundament.

Danach war für die Broncos nichts zu holen. Seattle dominierte vor allem durch ihre bärenstarke Defense das Geschehen.

Bittere Pille für Peyton

Manning und Co., die eine ebenso unvergessliche Offensivleistung in der Regular Season hingelegt hatten, kamen auch nie ansatzweise in die Gänge. 

„Das ist eine bittere Pille, die wir schlucken müssen. So willst du nicht in ein Footballspiel starten. Auch danach spielten sie besser als wir, haben ihr Spiel besser auf den Platz gebracht. Man muss ihnen ein Lob aussprechen, sie sind ein exzellentes Football-Team“, zeigte sich der 37-Jährige in einer seiner größten Niederlagen als Mann großer Worte.

In seiner vielleicht letzten Super Bowl kassierte der nunmehrige fünffache (Rekord-)MVP vor den Augen seines Bruders und „Hausherren“ im MetLife-Stadium, Eli, seine zweite Niederlage in seinem dritten NFL-Endspiel.

Da tröstete ihn natürlich auch sein SB-Rekord von 34 Completions nicht, oder dass sein Receiver Demaryius Thomas mit 13 Catches ebenso einen Rekord aufstellte. Das ging freilich auch aufgrund der Bedeutungslosigkeit gegen Ende des Spiels unter.

Denver, das zum ersten Mal seit 15 Jahren im Endspiel stand, war Nebendarsteller in diesem Film, der Seattle den ersten Major-League-Titel seit den Supersonics 1979 (NBA) bescherte. Den zweiten überhaupt. Die Stadt wollte diesen Titel die gesamte Saison über und sie hat ihn nun bekommen.

Es fühlt sich so gut an“

„Wir haben auf diesen Moment gewartet, nach dieser bitteren Niederlage vergangene Saison in Atlanta (Divisional-Playoff, 28:30). Das jetzt fühlt sich einfach so gut an“, jubelte Sherman, der das Ende des Spiels mit einem verstauchten Knöchel nicht mehr am Feld mitbekam.

„Ich bin einfach nur stolz. Wir wollten genau so spielen und haben das hervorragend auf den Platz gebracht. Vor vier Jahren haben wir diesen Weg begonnen, mit diesem Spielstil, mit diesem Konzept und es freut mich vor allem für alle, die diesen Weg mitgegangen sind. Wir sind nie davon abgegangen“, sagte Carroll, der 1994 in New York als Coach der Jets nach seiner ersten Saison gehen musste. 

2010 übernahm der charismatische Defensiv-Guru Seattle, führte sie im ersten Jahr mit einer Negativ-Bilanz in die Playoffs und überraschte dort den damaligen Champion New Orleans. Der Weg wurde konsequent und erfolgreich weitergegangen (LAOLA1-Analyse).

Haben uns nicht verstellt“

Mit einer der besten Defensiv-Leistungen aller Zeiten in der Super Bowl. Vergleiche mit jener von den Chicago Bears, die 1986 die Super Bowl gewannen, wurden bereits nach Spielende angestellt, davon wollten aber Carroll und Co. nichts hören.

„Wir haben uns einfach nicht verstellt, wir können nicht exotisch sein, sondern nur wir selbst. Es einfach zu halten, ist unsere Methode“, sagte Sherman, hielt aber dennoch fest: „Ich hoffe, wir haben unsere Namen in den Geschichtsbüchern verankert.“ Das haben sie wahrlich geschafft. 

„Der einzige Weg zu sagen, wir sind die beste Verteidigung, ist, dass wir die beste Offensive besiegen“, traf es Bobby Wagner auf den Punkt. Linebacker-Kollege Malcom Smith, der für seinen 69-Yards-Interceptions-Return-Touchdown und stellvertretend für die gesamte Defense als Super-Bowl-MVP geehrt wurde, denkt wie seine Kollegen: „Man will einfach diese Plays machen.“

Keine Snow Bowl in New Jersey

Nun haben sie den großen Wurf geschafft – und das auf eindrucksvolle Art und Weise. Und das bei einer eindrucksvollen Premiere.

Keine Rolle spielte übrigens das Wetter in East Rutherford. Erstmals in der Super-Bowl-Geschichte wurde das Endspiel an eine Kaltwetter-Stadt mit Stadion ohne Dach vergeben. Es gab keinen Schnee und auch waren die Temperaturen (plus 10 Grad) um diese Jahreszeit so angenehm, dass Super Bowl XI in New Orleans (plus 4 Grad) das kälteste Endspiel dieser Ära bleibt.

Heiß waren an diesem Abend allerdings von Anfang bis Ende die Seahawks – und heiß wird es noch in den nächsten Tagen in Seattle zugehen.

  

Aus East Rutherford berichtet Bernhard Kastler

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