Showdown zweier Erzrivalen

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Showdown der Erzrivalen Pittsburgh und Baltimore

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Start frei für die NFL-Playoffs 2015!

Nach 17 Spieltagen in der Regular Season haben sich zwölf Teams für die Postseason qualifiziert - acht davon sind zum Auftakt am Wochenende im Einsatz.

Während die AFC-Teams New England Patriots (1) und Denver Broncos (2) sowie die NFC-Teams Seattle Seahawks (1) und Green Bay Packers (2) jeweils ein Freilos haben, kämpft der Rest um den Aufstieg in Runde 2.

In den Wild-Card-Games eröffnen am Samstag die beiden NFC-Vertreter Carolina Panthers (4) und Arizona Cardinals (5) die Postseason, am Sonntag folgt das Playoff-Comeback der Dallas Cowboys (3) gegen die Detroit Lions (6).

In der AFC kommt es in der Nacht von Samstag auf Sonntag zum Showdown der beiden Erzrivalen Pittsburgh Steelers (3) und Baltimore Ravens (6). Am Sonntag matchen sich die Indianapolis Colts (4) und Cincinnati Bengals (5).

Traditionell stimmt LAOLA1 auf das Playoff-Wochenende mit den Matchups ein - weiter geht es mit Pittsburgh gegen Baltimore.

PITTSBURGH STEELERS (3)                      BALTIMORE RAVENS (6)

Sonntag, 2:15 Uhr, Heinz Field, Pittsburgh

AUSGANGSLAGE

"Das ist wahrscheinlich das Duell, das die NFL mehr als alles andere wollte!" Ben Roethlisberger brachte es unter der Woche auf den Punkt. Zwei Erzfeinde, die vielleicht beste NFL-Rivalität der letzten zehn Jahre, zwei Quarterbacks, die zumindest eine Super Bowl gewonnen haben - und nur einer kann weiterkommen! Das garantiert Emotionen und gute TV-Quoten. Mit sechs Titeln sind die Pittsburgh Steelers Rekord-Super-Bowl-Champion. Ihre 33 Playoff-Siege sind gleichauf mit den Dallas Cowboys Bestmarke. Die 2014er-Version der Steelers steht jedoch nicht für den von einer unüberwindbaren Defense geprägten Power-Football, der diese Franchise so legendär gemacht hat. Der "Steel Curtain" war gestern, heute prägt Pittsburgh eine der ansehnlichsten Offensiv-Reihen, die die NFL in dieser Saison zu bieten hatte. Im von Roethlisberger geführten Angriff wimmelt es nur so vor Playmakern, wobei jedoch mit RB Le'Veon Bell das vielleicht wichtigste Puzzleteil dieser Offense wegen einer Knieverletzung ausfällt. Ein nur schwer zu kompensierender Verlust. Grundsätzlich gehen die Steelers in guter Form in diesen Showdown, die letzten vier Spiele wurden allesamt gewonnen, weshalb man sich im letzten Abdruck mit einer 11-5-Bilanz noch die Krone in der AFC North aufsetzen konnte. Eine 5-1-Bilanz gegen Playoff-Teams in dieser Saison zeigt, dass die Truppe von Head Coach Mike Tomlin gegen gute Teams bestehen kann, wenngleich schwache Auftritte bei Niederlagen gegen Tampa Bay, Cleveland, die New York Jets oder zuletzt Ende November zu Hause gvegen New Orleans belegen, dass die Konstanz nicht die größte Stärke der Steelers ist. Ihre einzige Niederlage gegen ein Playoff-Team setzte es übrigens - richtig geraten - in Baltimore...

Aus Sicht der Baltimore Ravens sind die direkten Duelle mit Pittsburgh in dieser Saison so eine Sache. In Woche 2 ließ man zu Hause bei einem 26-6-Erfolg nichts anbrennen (es sollte in einem nicht allzu schweren Schedule der einzige Sieg gegen ein Team mit positiver Bilanz bleiben, die anderen sechs Duelle verlor man). Anfang November ging man jedoch im Heinz Field mit 23:43 unter und ließ dabei sage und schreibe sechs Touchdown-Pässe von Roethlisberger zu. Anders als die Steelers legten die Schützlinge von Head Coach John Harbaugh keinen überzeugenden Dezember hin. Zwar gewann man drei der vier Spiele, dies jedoch mit einer äußerst schaumgebremsten Offense. Auch aufgrund dieser jüngsten Eindrücke gilt Baltimore mehrheitlich als Außenseiter für das Kräftemessen mit dem erbitterten Rivalen. Wobei hier Vorsicht angebracht scheint: Vor zwei jahren ging man sogar mit einer Negativbilanz von vier Niederlagen aus den letzten fünf Regular-Season-Partien in die Playoffs - die Moral der Geschichte ist bekannt, Baltimore eroberte die Super Bowl. Dies ist das erste Playoff-Match seit dem damaligen Triumph. Man darf gespannt sein, ob die Ravens wieder im richtigen Moment heiß werden. Diesbezüglich gibt es Fragezeichen, aber auch einen gewaltigen Puspunkt: Dass Defensive-Tackle-Star Haloti Ngata nach seiner Doping-Sperre sein Comeback feiert, sollte dieser Abwehr einen enormen Schub geben.

SCHLÜSSELSPIELER

QUARTERBACKS

In diesem Spiel muss man sich keine Sorgen darüber machen, dass einer der beiden Quarterbacks der nervlichen Belastung eines Playoff-Spiels nicht standhält - und dies soll ja durchaus vorkommen. Die Hand von Ben Roethlisberger zieren zwei Super-Bowl-Ringe, er hat also zur Genüge bewiesen, dass er mit der Postseason-Situation umgehen kann (Bilanz von zehn Siegen und vier Niederlagen) - auch gegen die Ravens. In beiden Playoff-Duellen mit Baltimore blieb er siegreich. Die 6-TD-Show gegen die Ravens war bekanntlich seine zweite in dieser Saison, in der Woche davor zerlegte er Indianapolis ebenso mit sechs Würfen in die Endzone. Man kann getrost behaupten, dass Roethlisberger mit 32 Jahren auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Schaffenskraft steht. Mit 4952 Passing Yards führte er die NFL in dieser Saison gleichauf mit Drew Brees an, 32 TD-Pässen stehen nur neun Interceptions gegenüber. In einem hervorragenden Feld an AFC-Playoff-Quarterbacks (vier Super-Bowl-Sieger plus Andrew Luck) muss sich "Big Ben" definitiv nicht verstecken.

Einer dieser besagten Super-Bowl-Sieger hört auf den Namen Joe Flacco. Unvergessen sein Playoff-Lauf vor zwei Jahren, als er Baltimore mit einer Bilanz von 11 TD-Pässen und keiner einzigen Interceptions zum Titel führte. Zudem ist der bald 30-Jährige der erste Quarterback, der mit seinem Team in den ersten sieben Karriere-Saisonen sechs Mal die Postseason erreichte. An Playoff-Erfahrung mangelt es also auch Flacco keineswegs und in einem potenziellen Shootout werden seine Künste mit hoher Wahrscheinlichkeit gefragt sein. Wobei festgehalten sei, dass Flacco seine Offense nicht zwingend im Alleingang schultert wie diverse Superstar-Spielmacher. In dieser Saison profitierte er etwa stark vom von Offensive Coordinator Gary Kubiak forcierten System mit vielen Play-Action-Spielzügen. Lahmt jedoch das Laufspiel, kann er in Schwierigkeiten kommen. Wie seine Kollegen agierte auch Flacco in den vergangenen Wochen nicht immer auf seinem besten Niveau. Aber gut, das kennen wir ja aus 2012. Wichtig ist, dann da zu sein, wenn es drauf ankommt.

Steve Smith war eine Bereicherung für Baltimores Offense

ANDERE SPIELER

Roethlisberger führte die Liga in Passing Yards an, WR Antonio Brown führte sie mit 1698 Receiving Yards und 129 Catches an (nur Marvin Harrison hatte in der NFL-Geschichte mehr Catches in einer Saison). RB Le'Veon Bell war mit 1361 Rushing Yards zwar "nur" Zweiter hinter Dallas-Star DeMarco Murray, steuerte jedoch auch beeindruckende 854 Receiving Yards bei, womit er nach Hall of Famer Marshall Faulk erst der zweite Spieler der NFL-Geschichte ist, der in einer Saison gleichzeitig 1350 Rushing Yards und 850 Receiving Yards übertraf. Mehr muss man über diese Offense wohl nicht sagen, manchmal erzählen Zahlen die Geschichte - auch darüber, wie bitter und kaum verschmerzbar der Verlust von Bell ist. Für adequaten Ersatz ist nicht unbedingt gesorgt. Starten wird wohl der unerfahrene Rookie Josh Harris, der es in seiner NFL-Karriere bislang auf neun Laufversuche für 16 (!) Yards brachte. In Passsituation wäre mit Dri Archer wohl vermehrt ein anderer Rookie der RB, der hat jedoch auch erst 40 Rushing Yards zu Buche stehen. Zur Absicherung wurde mit Ben Tate (in dieser Saison bei Cleveland und Minnesota gescheitert) ein Routinier verpflichtet. Ohne Bell ist die Gefahr somit riesig, dass man zu eindimensional werden könnte, was den Ravens im Spiel gegen den Pass helfen würde. Wobei dies nichts daran ändert, dass den Plan A gegen die überschaubar sattelfeste Secondary Baltimores wohl auch mit Bell das Passspiel dargestellt hätte. Hier steht mit Rookie Martavis Bryant eine weitere brandgefährliche Option zur Verfügung. Auch WR Markus Wheaton und TE-Veteran Heath Miller können für Raumgewinn sorgen. Pittsburghs Defensive ist längst nicht mehr die Macht wie vor einigen Jahren, Stars wie Troy Polamalu oder der aus der Pension zurückgekehrte James Harrison können gewisse Alterserscheinungen nicht leugnen. In den vergangenen Wochen präsentierte sich der Pass Rush jedoch verbessert, hier tat sich speziell Jason Worilds hervor. Womit wir bei einem wichtigen Matchup wären: Baltimores O-Line war die Saison über unglaublich dominant, litt jedoch zuletzt ein wenig unter Verletzungen. Gelingt es den Steelers nicht, Flacco unter Druck zu setzen, könnte dies ins Auge gehen.

Die O-Line der Ravens hatte mehr als einen fairen Anteil daran, dass mit RB Justin Forsett ein Journeyman zu einer der Überraschungen dieser Saison aufstieg. Aufgrund des Ray-Rice-Debakels ohne den Star-Ballträger dastehend, setzte sich Kubiaks früherer Houston-Schützling aus einer Handvoll Backups eindrucksvoll durch. In der Passempfänger-Riege glänzte vor allem Oldie Steve Smith, der vor der Saison aus Carolina kam und mit 1065 Receiving Yards bewies, dass man auch mit 35 Jahren nicht zwangsläufig zu alten Eisen zählt. Sein Nebenmann Torrey Smith ist zwar immer wieder mal für sehr leise Spiele gut, bewies jedoch mit elf TD-Catches ein Näschen für die Endzone. Abseits des Duos verfügen die Ravens jedoch kaum über konstant eingesetzte Passempfänger, am ehesten fällt noch TE Owen Daniels auf. Die Defense verfügt über zahlreiche Stärken. Die Rückkehr von Haloti Ngata gibt enormen Rückenwind, vor seiner Sperre spielte er eine tolle Saison und ist topmotiviert, seinen Fehler wieder gut zu machen. Mit ihm und ohne Bell könnte die Chance bestehen, den Steelers das Laufspiel wegzunehmen. An der Seite der beiden hervorragenden Outside-Linebacker-Veteranen Terrell Suggs und Elvis Dumervil spielte sich mit C.J. Mosley ein Inside Linebacker in den Vordergrund. Als erster Rookie seit einem gewissen Ray Lewis führte er die Ravens mit den meisten Tackles (133) an. So wichtig auch hier das Duell der beiden Lines sein wird, entscheiden wird, wie sich die arg dezimierte Secondary gegen die Receiver Pittsburghs schlägt. In dieser Unit wütete nämlich der Verletzungsteufel, insgesamt starteten sieben verschiedene Cornerbacks. Vor allem der Verlust von Jimmy Smith wiegt schwer - im ersten Spiel nach seinem Saison-Aus kassierte man die sechs TD-Pässe von Roethlisberger. In diesem Bereich könnte es bei einem Vergleich der Stärken und Schwächen beider Teams das größte Ungleichgewicht geben.

ZAHLENSPIELE

  • Die beiden Teams treffen zum vierten Mal im Rahmen der Playoffs aufeinander, die bisherigen drei Duelle gingen allesamt an Pittsburgh. Im Head-to-Head der Regular-Season-Duelle führen die Steelers 21-17.
  • Mit Mike Tomlin (5-3) und John Harbaugh (9-4) treffen zwei Head Coaches mit positiver Playoff-Bilanz aufeinander.
  • Wenn Baltimore eine Playoff-Reise tut, gibt es ungewöhnlich oft von Erfolgen zu berichten. In den Playoffs oftmals ein Nachteil, schrecken die Ravens Auswärtsspiele weniger. Ihre beeindruckende Bilanz: Neun von 14 Postseason-Partien in der Fremde haben sie gewonnen.


LAOLA1-PROGNOSE

Bell out, Ngata in - das sind zwei Personalien, die das Potenzial haben, die Kräfteverhältnisse zu verschieben. Allgemein gelten zwar die Steelers als Favorit, dies kann man nach den jüngsten Eindrücken auch nachvollziehen und Pittsburghs Offense steht trotz des Fehlens von Bell nicht ohne Playmaker da. Ich wäre jedoch vorsichtig, die Gäste zu sehr zum Underdog zu degradieren. Die beiden AFC-North-Rivalen kennen sich in- und auswendig. Baltimore hat in den Playoffs schon öfter unerwartet als Außenseiter zugeschlagen und so sattelfest war Pittsburgh in dieser Saison auch mit Bell bisweilen nicht. Dieser Hit hat - was angesichts der Historie an Defensiv-Schlachten zwischen beiden Teams kurios ist - das Potenzial eines Shootouts, aber angesagte Punkte-Festivals finden nicht immer statt. Halten die Ravens das Passspiel Pittsburghs halbwegs im Zaum, schaut es gut für sie aus. Das Bauchgefühl sagt Baltimore. 27:24 BAL.

Peter Altmann

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