Tom Brady: Der beste aller Zeiten?

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Johnny Unitas? Joe Montana? Schon Peyton Manning? Doch eher Bart Starr oder gar Brett Favre? Freunde der Liga-„Steinzeit“ bringen vermutlich Otto Graham in Spiel.

Über die Frage, wer der beste Quarterback der NFL-Geschichte ist, lässt sich trefflich streiten. Eine objektiv gültige Antwort für diese Stammtisch-Diskussion kann es ohnehin kaum geben.

Geführt wird sie aktuell umso intensiver, und zwar aus aktuellem Anlass. Und die Frage, ob Tom Brady im Falle eines Triumphs in Super Bowl XLVI zum Größten aller Zeiten aufsteigt, ist nicht unberechtigt.

Einerseits zeigt dies, dass die Karriere des 34-Jährigen langsam in die Zielgerade einbiegt. Andererseits unterstreicht es die großartige Lebensleistung des Superstars der New England Patriots, dessen NFL-Laufbahn mit Hindernissen begann.

Montana einzuholen, wäre besonders emotional

Drei Super-Bowl-Ringe zieren bereits Bradys Wurfhand. Kommt ein vierter hinzu, wäre es für den gebürtigen Kalifornier besonders emotional.

Und das aus gutem Grund. Der Ehemann von Topmodel Gisele Bündchen wuchs als riesiger Fan der ruhmreichen San Francisco 49ers auf, deren Mastermind zur Glanzzeit in den 80ers ein gewisser Joe Montana war.

Der Kreis jener Spielmacher, welche die Super Bowl öfter als zwei Mal gewinnen konnten, ist enorm elitär. Nur einem Quartett gelang dieses Kunststück. Setzt sich Brady am Sonntag durch, schließt er zu Montana und Bradshaw auf. Für Eli Manning wäre eine Wiederholung der Sensation von 2008 übrigens der zweite Titel.

Fairerweise sei erwähnt, dass zwei Legenden durch die Zäsur, welche die Einführung der Super Bowl 1967 bedeutete, statistisches Pech hatten. Bart Starr gewann mit Green Bay zwar die allerersten beiden Super Bowls, eroberte aber insgesamt fünf Mal die NFL-Krone - so oft wie kein anderer. Johnny Unitas ist dreifacher Titelträger, auch wenn seine Hand nur ein Super-Bowl-Ring ziert.

Es ist und bleibt der Makel in der Biographie von Tom B. Die historische Pleite gegen die Giants 2008 verhinderte nicht nur die denkwürdige Perfect Season der Patriots, sondern schrieb ihm auch eine Super-Bowl-Niederlage in den Lebenslauf - ein Gefühl, das Bradshaw und Montana nie kennenlernten.

Dafür ist Brady ab sofort neben Denver-Legende John Elway der einzige Quarterback der Geschichte, der sein Team fünf Mal ins Endspiel führte. Und noch ist die Karriere des 34-Jährige noch lange nicht beendet...

Dieser ist neben Terry Bradshaw, der in Pittsburgh enorm von seiner als „Steel Curtain“ legendär gewordenen Defense profitierte, der einzige Spielmacher, der vier Mal die Vince-Lombardi-Trophy erobern konnte.

Mit seinem  Kindheitsidol gleichzuziehen, hätte für Brady natürlich immensen ideellen Wert.

Montana, der bei den 49ers als perfekter Exekutor der West-Coast-Offense das Offensivspiel der NFL revolutioniert hat, steht für viele Experten auf der Suche nach dem „Best QB ever“ in der Pole-Position.

Titel oder Statistiken

Eines steht fest: Die Diskussion wird von komplexen Faktoren bestimmt. Solange kein Überdrüber-Star wie Michael Schumacher in der Formel 1 auftaucht, der alle zuvor dagewesenen Leistungen eindeutig überflügelt, gestaltet sich die Suche nach der Allzeit-Nummer-1 enorm schwierig.

Denn jeder Experte legt unterschiedliche Maßstäbe an. Einige Beispiele: Wir befinden uns aktuell in der Ära der Quarterbacks, wo Ausnahmekönner wie Brady, Drew Brees oder Aaron Rodgers Rekord um Rekord aufstellen.

Wobei natürlich festgehalten werden muss, dass die Spielmacher der Gegenwart vom NFL-Regulativ besser geschützt werden als die Vorgänger-Generationen. Ein Montana oder Unitas hatten es diesbezüglich sicher schwieriger.

Zudem lautet die Frage, ob man mehr auf den Output, der letztlich wirklich zählt – nämlich Titel – schaut oder auf herausragende Statistiken.

 „Statistik-Götter“ mit wenig Titeln

Der Gradmesser Titel spricht eindeutig für Herren wie Brady oder Montana, während „Statistik-Götter“ wie Manning, Brett Favre (je eine Super Bowl) oder vor allem der großartige Dan Marino, dem ein Endspiel-Triumph zeit seiner Karriere versagt blieb, diesbezüglich schlechter dastehen.

Bezüglich Brady wiederum kommt man an einem Paradoxon nicht vorbei. Seine bisherigen drei Super-Bowl-Siege fuhr er bekanntlich am Anfang seiner Laufbahn ein (2002, 2004, 2005).

Also zu einer Zeit, in der er zwar starke, aber nicht einmal so herausragende Zahlen ablieferte. Der Patriots-Star selbst gibt zu, dass ihm die damals noch bärenstarke Defense eine große Stütze war.

Seit der routinierter gewordene zweifache NFL-MVP ein Offensiv-Feuerwerk nach dem anderen zündet, ist er titellos. Unvergessen seine 50-Touchdown-Pässe-Saison 2007/08, an deren Ende die historische Endspiel-Pleite gegen die New York Giants stand.

Bradys „Zwischenzeit“

Gelingt am Sonntag die Rache an Eli Manning und Co., und das mit einer herausragenden Leistung des zukünftigen Hall of Famers, dann bekommt die Kampagne Bradys hinsichtlich des besten Quarterbacks aller Zeiten definitiv gewaltigen Rückenwind.

Um Bradys bisherige Leistungen besser in das Geschichtsbuch der NFL einordnen zu können, schaut sich LAOLA1 in der Folge einige gängige Quarterback-Statistiken näher an.

Dass es sich hierbei nur um eine Art „Zwischenzeit“ handelt, da der 34-Jährige noch einige gute Jahre vor sich haben sollte, und auch andere hervorragende Ballverteiler noch aktiv sind, liegt dabei natürlich auf der Hand:

Dass "Marathonmann" Brett Favre die meisten Rekorde, die man ganz einfach mit vielen Einsätzen aufstellen kann, hält, ist keine Überraschung. Es wird auch eine Weile dauern, bis "Nummer 4" vom Thron gestoßen wird. Von den noch aktiven Spielmachern wäre dies wohl am ehesten Peyton Manning zuzutrauen gewesen, wenn er die Saison 2011 nicht verletzungsbedingt komplett auslassen hätte müssen.

Brady müsste wohl ebenfalls bis rund um den 40. Geburtstag aktiv sein, um eine Chance zu haben, diese ausschließlich in der Regular Season generierte Yardage-Statistik anzuführen. Wie New-Orleans-Kollege Brees wird er kommende Saison jedoch in die Top 10 vordringen - auch aller Ehren wert!

Vier der sechs besten Yardage-Leistungen in einer Saison wurden heuer aufgestellt - das sagt alles über das "Jahr der Quarterbacks". Zwei dieser Spielmacher stehen sich am Sonntag im Endspiel in Indianapolis gegenüber.

Dass Favre, P. Manning und vor allem der titellose Marino so etwas wie die ungekrönten "Statistik-Götter" sind, haben wir bereits festgestellt. Auch in der Kategorie Touchdown-Pässe hat das Trio relativ souverän die Nase vorne. Kann Peyton wieder ins Geschehen eingreifen, wird er sich Marino wohl demnächst schnappen. Hätte eine dieser drei Allzeitgrößen neben den grandiosen Statistiken mehr Super-Bowl-Triumphe vorzuweisen, stünden sie in der Frage nach dem Besten aller Zeiten wohl in der Pole-Position.

Brady wiederum liegt in dieser wichtigen Statistik bereits auf Rang fünf. Dies unterstreicht seine Brillanz und Nervenstärke in der Red Zone, wenn es darum geht, einen Mitspieler in der Endzone zu finden.

50! Diese Statistik werden Verfechter des Brady'schen Nummer-1-Status in der ewigen Bestenliste immer gerne hervorkramen, und dies durchaus zurecht. 2008 war die Patriots-Offense mit Randy Moss und Wes Welker als bevorzugte Anspielstationen kaum zu stoppen. Eine derartige Dominanz war in der jüngeren Vergangenheit nur selten zu beobachten. Erst die Giants fanden bekanntlich in Super Bowl XLII ein Gegenmittel.

Zum Abschluss eine höchst interessante Statistik. Freilich ist sie nicht vollinhaltlich repräsentativ, da sich die absolute Mehrheit der Top-Quarterbacks mitten in ihrer Karriere befindet und dieses Level erst einmal halten muss.

Aber sie zeigt einerseits auf welch sensationellem Kurs Aaron Rodgers ist, und andererseits welch kompletter Quarterback Brady unter Einrechnung aller Staistik-Kategorien wie u.a. Yards, Touchdowns oder Completions ist. Der einzige Spielmacher, der ihn bei ähnlich langem Berechnungszeitraum überflügelt, ist 49ers-Legende Steve Young.

Der eher bescheidene 41. Platz für Eli Manning zeigt wiederum, dass Peytons kleiner Bruder eher ein Akteur für besondere Spiele als für großartige Statistiken ist.

Und der Giants-Star ist es, der Brady bei der nächsten Stufe Richtung Quarterback-Olymp im Weg steht...


Peter Altmann

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