Boston und New York: Feinde fürs Leben

Aufmacherbild
 

Manche Dinge lassen sich ganz einfach auf einen Nenner bringen. Zum Beispiel:

New York und Boston mögen sich nicht. Und zwar gar nicht.

Die beiden Ostküsten-Metropolen pflegen eine leidenschaftliche Rivalität, und das bereits seit einigen hundert Jahren.

Ging es früher um die politische und vor allem wirtschaftliche Vorherrschaft, wird der Konflikt heute bevorzugt auf sportlicher Ebene ausgetragen – und zwar egal ob auf Gras, Eis oder Parkett.

Boston als „Title Town“

Am Business-Sektor hat sich die Macht spätestens im Laufe des 20. Jahrhunderts aus dem elitären Boston in den pulsierenden Big Apple verschoben.

Die Sport-Fans in der Hauptstadt von Massachusetts werden es verkraften, entwickelte sich Boston doch gerade in diesem Jahrtausend zur neuen „Title Town“.

Die New England Patriots mögen das Team des Jahrzehnts in der NFL sein, stadtintern warten sie indes am längsten auf eine Meisterschaft. Passt nicht zusammen, ist aber so.

NFL:

Viel haben Patriots und Giants nicht gemeinsam, alleine schon weil sie in unterschiedlichen Conferences spielen und sich im regulären Spielbetrieb nur alle vier Jahre gegenüberstehen (sowohl 2008 als auch heuer folgte interessanterweise in derselben Saison das Re-Match in der Super Bowl).

Eines teilen sie jedoch mit Inbrunst: Ihre Feindseligkeit gegen die New York Jets.

Ist die „Gang Green“ für die Giants der kleine, erfolglose Stiefbruder, mit dem man sich eben die Stadt (und das Stadion) teilen muss, prägt das Verhältnis zwischen Jets und Patriots eine ehrliche und tiefgehende Abneigung.

Beide waren 1960 Gründungsmitglieder der damaligen AFL (heute als AFC unter dem Dach der NFL), aktuell ist die Feindschaft der beiden AFC-East-Franchises inniger denn je. Die beiden jährlichen Duelle zählen regelmäßig zu den Highlights der Regular Season.

Nachdem die Patriots letztmals 2005 die Vince-Lombardi-Trophy eroberten, krönten sich die Red Sox 2007 zum World-Series-Champion, bestiegen die Celtics 2008 den NBA-Thron und beendeten die Bruins 2011 ihre 39-jährige Stanley-Cup-Durststrecke.

Für Patriots wäre Rache süß

Höchste Zeit so gesehen für die Herren Footballer, um nachzulegen. Und diesbezüglich gibt es in Super Bowl XLVI keinen idealeren Gegner als die Giants.

Denn erstens würde ein Triumph gegen ein Team aus New York besonders süß schmecken. Ebenso süß wie zweitens die Rache für die historische Pleite im Endspiel von 2008 wäre.

Die „G-Men“ wiederum könnten den New Yorker Sport-Anhängern wieder ein wenig Grund zum Jubeln geben. Es wäre Balsam auf der in den vergangenen Jahren abgesehen des Giants-Wunders und eines Yankees-Titels (2009) nicht gerade verwöhnten Fan-Seele.

Wie auch immer: Es ist definitiv ein weiteres belebendes Element dieses Endspiels, denn kaum eine „Städtepartnerschaft“ elektrisiert die Massen so sehr wie jene zwischen Boston und New York, speziell an der Ostküste.

LAOLA1 nimmt die Rivalitäten und den Status der Teams beider Städte in den jeweiligen Sportarten genauer unter die Lupe.

Sorgte vor einigen Jahren noch Spy-Gate für bitterböses Blut (New England wurde überführt, die Signale der Jets-Coaches illegal gefilmt zu haben), schreibt spätestens seit dem Amtsantritt von Rex Ryan als Jets-Head-Coach wieder vermehrt das Geschehen auf dem Platz die Schlagzeilen.

Das Großmaul hat es sich in den Kopf gesetzt, die Patriots vom Thron zu stürzen und sich selbst mit dem zweiten Titel der Jets nach 1969 ein Denkmal zu errichten. Selbstverständlich stets untermauert von markigen Sprüchen, wohingegen der knorrige Patriots-Head Coach Bill Belichick und der smarte Tom Brady lieber Taten statt Worte sprechen lassen.

2010 und 2011 waren die Jets auch knapp dran, scheiterten aber jeweils im AFC-Finale (im Vorjahr aber immerhin erst nach epochalem Playoff-Triumph gegen die Patriots auswärts in Foxborough).

Für heuer garantierte Ryan vor der Spielzeit den Gewinn der Super Bowl. Aktuell ist er blöderweise jedoch mehr damit beschäftigt, die Scherben, die das Verpassen der Playoffs hinterlassen hat, zu beseitigen, während ausgerechnet die Patriots unmittelbar vor dem großen Wurf stehen.

Auch die Giants pflegen ihre Rivalitäten bevorzugt innerhalb der eigenen Division mit Philadelphia, Washington und Dallas – in der NFC East ist jeder mit jedem spinnefeind.

Der Wettstreit mit den Patriots gewinnt jedoch nicht nur wegen des zweiten Super-Bowl-Duells binnen fünf Saisonen an Intensität. Anfang November beendeten Eli Manning und Co. nämlich auch noch New Englands stolze Serie von 20 Heimsiegen in Folge.

MLB:

Ausgangspunkt der sportlichen Rivalität zwischen Boston und New York ist jedoch weniger American Football, die Wurzeln dafür finden sich vielmehr im Baseball.

Bezüglich der Beziehung zwischen den New York Yankees und Boston Red Sox kann man getrost von Hass sprechen, und das seit über 100 Jahren.

Die Epoche nach dem ersten Duell im Jahr 1901 war von der Dominanz der Red Sox geprägt, ehe der „Curse of the Bambino“ die Kräfteverhältnisse für Jahrzehnte verschieben sollte – zumindest wenn man an Flüche glaubt.

Und das kam so: Nachdem der Stolz von Boston bis 1918 fünf Mal die World Series gewann, wurde im Dezember 1919 die Legende Babe Ruth ("Bambino" genannt) ausgerechnet zu den Yankees verkauft. Dieser eroberte 1923 mit seinem neuen Arbeitgeber den allerersten Titel in der Geschichte der „Bronx Bombers“, bis heute ließ der nunmehrige Rekord-Champion 26 weitere folgen.

Für die Red Sox begann indes mit diesem Transfer eine unglaubliche Durststrecke, die erst 86 Jahre später enden sollte. Der World-Series-Triumph 2004 war dafür umso heroischer, da die Best-of-Seven-Finalserie der American League gegen die Yankees (!) trotz 0:3-Rückstands noch umgedreht wurde. 2007 folgte ein weiterer Titel.

Bis dahin schaffte die Leidenschaft für die Red Sox mehr Leiden. Wie etwa 1986, als wohl der „Fluch des Bambino“ Bill Buckners legendären Fehler in der World Series provozierte, der letztlich den Titel kostete. Gegner war natürlich ein New Yorker Team, in diesem Fall jedoch die Mets.

NBA:

Die beiden Atlantic-Division-Kontrahenten New York Knicks und Boston Celtics verbindet mehr der gesunde sportliche Konkurrenzkampf als eine hasserfüllte Feindschaft, was jedoch nichts daran ändert, dass man das Team aus der jeweils anderen Stadt besonders gerne schlägt.

Historisch gesehen hatten die Freunde der Knickerbockers wenig zu lachen. Waren beide Franchises 1946 noch Gründungsmitglieder der Liga, klaffte die Erfolgsschere in der Folge weit auseinander.

Die Celtics sind mit 17 Titeln Rekord-Champion, dominierten vor allem die 60er-Jahre und lieferten sich in den 80ern angeführt von Larry Bird packende Duelle mit ihrem wahren Rivalen, den Los Angeles Lakers (damals mit Magic Johnson als Aushängeschild).

2008 beendete das Triumvirat aus Kevin Garnett, Paul Pierce und Ray Allen eine immerhin 22-jährige Wartezeit und holte die Meisterschaft zurück nach Massachusetts.

Apropos Wartezeit: Die Knicks eroberten trotz gewaltiger Anstrengungen in all den Jahren nur zwei Titel (1970 und 1973). Ob heuer mit Carmelo Anthony und Amaré Stoudemire ein 40-jähriges Negativ-Jubiläum verhindert werden kann, ist gelinde gesagt fraglich…

NHL:

Diesem unrühmlichen „40er“ gingen die Boston Bruins wie gesagt aus dem Weg, als sie im Vorjahr erstmals seit 1972 und insgesamt zum sechsten Mal den Stanley Cup eroberten.

Wie die New York Rangers zählen die Bruins zu den „Original Six“ der NHL. Die „Blueshirts“ hatten in ihrer Geschichte jedoch noch seltener die Gelegenheit, Meister-Sekt zu schlürfen. Der letzte der nur vier Stanley-Cup-Triumphe ist allerdings schon eine Weile her (1994), die anderen drei wurden in der „Steinzeit“ bis 1940 erobert.

Wie es der Zufall so will, brachte es auch das zweite NHL-Team aus dem Big Apple bislang auf vier Meisterschaften. Michael Grabners Islanders schlugen zwischen 1980 und 1983 ununterbrochen zu  - das nennt man wohl Dynastie.

Auch wenn eine gehörige Portion Abscheu vorhanden ist, trennt Rangers und Bruins nur bedingt inbrünstiger Hass. Die Hauptrivalen sind vielleicht auch wegen fehlender Überschneidungspunkte im Titelkampf jeweils andere Teams – für die New Yorker die Flyers aus Philadelphia, für die Bostoner die Montreal Canadiens.

Die Saison 2011/12 könnte jedoch auch im Eishockey einen Showdown dieser beiden Städte bieten, denn die Rangers und Bruins dominieren bislang die Eastern Conference.

Peter Altmann

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen