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"Wir haben den Titel – holen wir den nächsten!"

Es war eine kurze Nacht.

Für europäische Football-Fans, die Montagfrüh arbeiten mussten, aber auch für viele US-Amerikaner. Und vor allem für die Green Bay Packers und deren Fans, die „Cheeseheads“.

Mit dem 31:25-Triumph über den siebenfachen Rekordsieger Pittsburgh Steelers hat die Mannschaft aus Wisconsin nach 14 Jahren wieder die Lombardi-Trophy in die „Title Town“  geholt.

Ich suche immer Herausforderungen“

Keine Frage, der vierte Super-Bowl-Triumph und insgesamt 13. NFL-Titel sorgte für Ausnahmezustand im Käse-Staat und natürlich auch bei Spielern, Coaches und Funktionären.

So konnte dem Mann des Sonntagabends nur allzu gerne verziehen werden, dass die Augen bei seiner Pressekonferenz anlässlich der Ehrung als Super-Bowl-MVP etwas kleiner als sonst waren.

„Ich denke, ich habe jetzt keine Motivation mehr“, hatte Packers-Quarterback Aaron Rodgers aber nicht auf seinen Humor vergessen.

„Nein, ich suche immer nach Herausforderungen und ich denke, die neue ist nun, das zu wiederholen. Wir haben einen Titel, und was jetzt? Lasst uns einen weiteren holen“, blickte der 27-Jährige schon wieder nach vorne.

Rodgers, der Perfektionist

„Ich bin eben ein Perfektionist und mein Quarterbacks-Coach ist auch einer. Wir werden diese Saison analysieren und versuchen, uns weiter zu verbessern“, droht Rodgers, der mit seinem Team als erst zweite Franchise die Super Bowl als an Nummer sechs gesetzt holte, gerade zu mit der Entwicklung einer Dynastie.

Dieser Gedanke hat aber durchaus seine Berechtigung. Nicht nur, weil Rodgers in der Lage ist seine aktuelle Vormachtstellung auf Jahre hin auszubauen. Auch weil die Truppe rund um ihn eine sehr junge ist.

Schlüsselpositionen sind jung besetzt

Rodgers selbst ist erst 27. Clay Matthews, ein Mitgrund für den Gewinn der Super Bowl – der 24-Jährige erzwang den einzigen Fumble der Partie -, ist einer der besten Linebacker der Liga und hat erst sein zweites Jahr hinter sich.

Linebacker-Kollege A.J. Hawk hat auch nur 27 Jahre auf dem Buckel. Ebenso wie die Running Backs Ryan Grant (28) und James Starks (24) sowie die Wide Receiver Greg Jennings (27) und Jordy Nelson (25).

Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, aber es zeigt schon: Die Schlüsselpositionen sind entweder am Anfang des besten Football-Alters oder noch jünger.

Die Leistung der Green Bay Packers erscheint zudem in einem ganz anderen Licht, wenn bedacht wird, dass sich während der Saison 16 Spieler verletzt hatten. Manch einer fiel komplett aus, wie etwa Nummer-1-Running-Back Ryan Grant.

Während des Endspiels hatten zudem die beiden Veteranen Charles Woodson (Schlüsselbein gebrochen) und Donald Driver (Knöchel) das Endspiel frühzeitig beenden müssen.

Dennoch behielten die Packers gegen die routinierten Steelers die Nerven und brachten die Lombardi Trophy zurück nach Green Bay. Und dort soll sie eben in den nächsten Jahren wieder öfters vorbeischauen.

 

Das können wir über Jahre halten“

So überrascht es nicht, wenn Rodgers meint: „Der Kern dieser Mannschaft ist intakt, so dass wir diesen Lauf auch über Jahre halten können.“

Head Coach Mike McCarthy, der 2005 als 49ers Offensive Coordinator die Entscheidung mitgetragen hatte, Rodgers nicht zu verpflichten, schlägt in die selbe Kerbe.

„Das ist ein ausgezeichnetes Football-Team, ich fühle wie es wächst und es weiter besser wird“, so der 47-Jährige, der diese Mannschaft mit General Manager Ted Thompson seit 2006 aufgebaut hatte.

Und zwischen den Zeilen ist mehr als nur herauszuhören, dass Green Bay mit dem gerade erlebten Triumph noch lange nicht genug hat.

Aber noch einmal zurück zur Gegenwart, schließlich ist Super Bowl XLV erst über die Bühne gegangen.

Während die Packers bereits davon träumen, am 5. Februar 2012 in der Super Bowl XLVI zu stehen, haben indes 400 Fans dieses Ticket schon zugesichert bekommen – auf etwas unfreiwilliger Basis.

400 Fans erlebten Tortur

Diese Anhänger mussten nämlich am Sonntag eine stundenlange Tortur hinnehmen.

Denn weil 1250 temporäre Sitzplätze nicht rechtzeitig genug installiert wurden und letztlich nicht dem Sicherheitsstandard genügten, musste umdisponiert werden.

Während 850 noch umgesetzt werden konnten, trat für die 400 der Worst Case ein – die Super Bowl trotz Tickets nicht live in der Arena zu sehen.

Sie waren zwar im Stadion, sahen die Partie aber auf TV-Bildschirmen - so wie 111 Millionen andere US-Amerikanerm ein Rekord - im Inneren des 1,3 Milliarden teuren Prunkstücks. Als Trost an diesem Abend gab es Freiverzehr und sie durften nach Ende der Partie auf das Spielfeld.

Am Montag entschuldigte sich NFL-Commissioner Roger Goodell („Es war unser Fehler“) und erklärte, dass sie die Kosten für die Karten (800 Dollar, Anm.) dreifach retourniert bekämen sowie beim kommenden Super Bowl im Lucas Oil Stadium zu Indianapolis Gäste der NFL sind.

Bleibt für die Anhänger zu hoffen, dass es nicht zum nächsten Worst Case kommt. Schließlich hängt der neue Kollektivvertrag zwischen Eigentümern und Spielern noch immer in der Schwebe.

So kann auch ein Lockout für die kommende Saison noch immer nicht ganz ausgeschlossen werden.

Das käme auch für die Packers ziemlich ungünstig.

Bernhard Kastler

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