Playoff Monday - Geschichten der Divisional-Playoffs

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Da waren es nur noch Vier!

Vier weitere Teams haben sich am Divisional-Wochenende aus dem Super-Bowl-Rennen verabschiedet. Nur noch vier Teams dürfen weiter vom Titel träumen.

Da die Playoffs eine spezielle Football-Jahreszeit sind, hat LAOLA1 auch die traditionelle "Endzone" zu Wochenbeginn adaptiert.

Aus dem Touchdown Tuesday bzw. Monday der Regular Season wurde der Playoff Monday und garantiert wie gewohnt eine Analyse der Geschehens vom Wochenende.

GAME OF THE DIVISIONALS

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Aber was heißt hier Qual? Hallo? So viele Punkte (276) gab es an einem Divisional-Weekend in der NFL noch nie zu sehen, die Spannung war in zwei Partien (DEN-BAL, ATL-SEA) bis kurz vor Schluss nicht zu überbieten. Und auch die anderen zwei Matchups (SF-GB, NE-HOU) wussten prächtig zu unterhalten. Football-Herz, was willst du mehr? Die meiste Spannung, und deswegen haben wir uns für sie entschieden, bot die erste Partie zwischen Denver und Baltimore. Da reichte die reguläre Spielzeit nicht für eine Entscheidung, auch nicht die erste Overtime - erst in der zweiten Verlängerung wurde mit den Ravens der Sieger ermittelt. Kicker Justin Tucker verwertete nach 76:42 Minuten das Field Goal aus 47 Yards zum Sieg der Gäste, es war dies das viertlängste Spiel der Playoff-Geschichte. Zudem sahen die Zuschauer im eiskalten Sports Authority Field, mit gefühlten -19 Grad war es dort so kalt wie noch nie bei einem Spiel (Peyton Manning trug sogar Handschuhe), zehn Touchdowns. Unter anderem auch jenen von Jacoby Jones, der zur Überraschung aller 31 Sekunden vor Schluss den 70-Yards-Pass von Quarterback Joe Flacco fing und Baltimore noch den Weg in die Verlängerung ebnete. Aber nicht nur der "Flacco Fling" ging in die Geschichte ein...

WINNER OF THE DIVISIONALS

Er kam, sah und siegte! Was für ein Playoff-Debüt von Colin Kaepernick! Der 25-Jährige übernahm erst in der Midseason den Starting Job von Alex Smith, absolvierte zuvor nur sieben Partien von Beginn an und traf dann auf den Champion von 2011, die Green Bay Packers. Und was machte das Greenhorn? Richtig, es legte eine Rekord-Performance an den Tag. Sein zweiter Pass führte zwar zu einem Interception-Return-Touchdown, aber da zeigte "Kaep" auch gleich, welch charakterliche Stärke er besitzt. Danach leistete sich der in Wisconsin geborene Spielmacher keine Fehler mehr im Passspiel und als Speedy Gonzalez unter den langen Quarterbacks lief er der Green-Bay-Abwehr auf und davon. 181 Yards bedeuteten letztlich einen neuen Rushing-Rekord für Quarterbacks! Der 45:31-Heimsieg gegen Aaron Rodgers, seines Zeichens Kalifornier, wird dem jungen Spielmacher sicher nicht mehr aus dem Kopf gehen.

LOSER OF THE DIVISIONALS

Für die Fische! Das sind seit Sonntag die 13 Siege, die die Houston Texans in der Regular Season und in den Playoffs eingefahren haben. Nach der 28:41-Niederlage in New England ist der große Traum vom Super-Bowl-Sieg geplatzt. Es hätte zehn Jahre nach dem Beitreten der NFL alles so schön werden können, doch am Ende steht man mit leeren Händen da. Und das ist vor allem wegen einer Tatsache bitter: Bis zum letzten Spieltag der Regular Season hatten die Texaner in der AFC die Pole, gaben sie aber am letzten Spieltag noch aus der Hand und wurden nicht einmal Zweiter. So hatten sie im Divisional-Playoff kein Heimspiel gegen Baltimore sondern ein Gastspiel bei New England. Freilich kann keiner sagen, ob das zu einem Sieg geführt hätte, die Chancen auf den erstmaligen Aufstieg ins AFC Title Game wären aber sicherlich höher gewesen als in Foxboro. Wie schon im Dezember beim 14:42 ließen sie sich von Patriots-QB Brady mit dessen Hurry-up-Offense phasenweise überrollen und konnten selbst in der Red Zone nicht die Touchdowns scoren. Nun nicht einmal in der Vorschlussrunde dabei zu sein, das tut weh. Und es tut weh, wenn man verliert - besonders nach so einer Saison...

STORY OF THE DIVISIONALS

Es ist vollbracht, lasst' die Tauben steigen! Die Atlanta Falcons haben es tatsächlich geschafft und erstmals in der Ära von Head Coach Mike Smith und Quarterback Matt Ryan - beide gehen in Georgia seit 2008 ihrer Arbeit nach - ein Playoff-Spiel gewonnen. Und fast hätten sie es wie in den ersten drei Spielen zuvor wieder vergeigt. Dieses Mal wäre es aber epochal gewesen! Schließlich führten die Hausherren gegen die Seattle Seahawks bereits 20:0 zur Pause, doch im letzten Viertel übernahmen die Gäste nach drei Touchdowns 31 Sekunden vor Schluss noch die 28:27-Führung. QB Ryan machte jedoch seinem Spitznamen "Matty Ice" erstmals in der Postseason alle Ehre und führte seine Mannschaft in Field-Goal-Reichweite, wo Kicker Matt Bryant im zweiten Versuch aus 49 Yards zum vielumjubelten ersten Playoff-Sieg seit fast exakt acht Jahren verwandelte. Der Witz: Hätte Seattle-Seahawks-Coach Pete Carroll nicht zuvor ein Timeout genommen, um Bryant zu icen, der erste Versuch wäre rechts vorbeigegangen und Seattle hätte gewonnen. So durfte der zukünftige Hall of Famer und Rekordhalter in diversen Tight-End-Kategorien, Tony Gonzalez, mit 36 Jahren erstmals einen Playoff-Sieg feiern - und drückte deswegen auch Tränen raus...

PICTURE OF THE DIVISIONALS

GREEN BAY HAT ZUMINDEST DIE HAARE SCHÖN.

COIN TOSS

Anstelle der "Bold Predictions" möchten wir während der Playoffs eine Streitfrage zur Diskussion stellen. Zwei Redakteure, zwei Meinungen:

Ist Peyton Manning ein schlechter Playoff-Quarterback?

Zur Erklärung: Der Denver-Spielmacher hält bei einer 9-11-Bilanz (9-10 mit Indy) in der Postseason, acht Mal scheiterte er bereits nach Spiel eins.

PETER ALTMANN

Nein, Peyton Manning ist kein schlechter Playoff-Quarterback. Seine Bilanz in der Postseason erinnert uns alle nur die oberste Football-Regel: Es ist ein Team-Sport. Blicken wir zurück an den Saison-Beginn. Damals hieß es in den meisten Analysen: Peyton Manning hat in Denver erstmals eine richtige Defense zur Verfügung. Genau diese Defense leistete sich zum Ende der regulären Spielzeit gegen Baltimore ein Totalversagen, dieses Spiel war bereits so gut wie gewonnen. Diese Analysen besagen jedoch auch, dass Manning in Indianapolis nur höchst selten eine championship-würdige Defense im Rücken hatte. Freilich leistete sich der vierfache MVP über die Jahre auch schwächere Playoff-Spiele, er hat jedoch auch genügend gewonnen. Ein statistisches Schmankerl ist indes, dass er ausgerechnet während seiner Super-Bowl-Kampagne gar nicht mal so fantastische Zahlen abgeliefert hat (3 TD-Pässe, 7 Interceptions). Damals hatte er dafür eine wirklich gute Defense. Auch das erinnert uns an die oberste Football-Regel: Es ist ein Team-Sport.

BERNHARD KASTLER

Ja, ist er, Zahlen lügen nicht. Zudem muss ihm - bei allem Respekt für für sein Spiel - vorgeworfen werden, die Indianapolis Colts vor allem in den Nuller-Jahren zu zu wenigen Titeln geführt zu haben. Einmal klappte es mit dem Super-Bowl-Sieg, das war 2007 der Fall. Aber sonst? 2010 scheiterte man erst im Finale an New Orleans, sieben Mal hieß es "Bye Bye" im ersten Postseason-Spiel. Freilich kann nicht immer nur der Quarterback etwas dafür, auf der anderen Seite kann dieser aber auch ein in nicht allen Bereichen überragendes Team zur rechten Zeit am rechten Ort zum großen Coup führen. Bruder Eli und seine beiden Ringe mit den Giants sind das beste Beispiel. Peyton hat den Ravens mit einer Interception den Sieg aufgelegt. Freilich war die Niederlage in erster Linie der Defense geschuldet, die eine halbe Minute vor Schluss der regulären Spielzeit den völlig unnötigen Ausgleich zuließ. Was aber Manning ob des ebenso überflüssigen Turnovers keineswegs zu einem besseren Playoff-QB macht.

WHAT'S NEXT?

Noch drei Spiele, dann ist die NFL-Saison Geschichte. Am nächsten Sonntag wird sich weisen, wer am 3. Februar die Super Bowl XLVII in New Orleans bestreiten darf. Die beiden Conferences machen sich im Title-Game jeweils ihren Vertreter für das "Big Game" aus.

Um 21 Uhr startet das NFC Championship Game zwischen den topgesetzten Atlanta Falcons und den San Francisco 49ers (2). Die Kalifornier waren vergangene Saison in diesem dabei, unterlagen aber dem späteren Champion New York Giants nach Overtime. Für Atlanta ist es das erste seit 2005, als sie den Philadelphia Eagles unterlagen.

Ab 0:30 Uhr wird dann das Pendant der AFC ermittelt. Und da kommt es zur kuriosen Neuauflage der exakt gleichen Partie im exakt selben Stadion: In Foxboro wollen die New England Patriots (2) die Baltimore Ravens (4) wie in der vergangenen Spielzeit schlagen, damals endete die Partie 23:20 für die Hausherren.

 

Bernhard Kastler / Peter Altmann

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