49ers gegen Giants um Super-Bowl-Ticket

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Die Neuauflage des 2008er-Klassikers Giants gegen Patriots? Mit der „Har-Bowl“ 49ers gegen Ravens das geschichtsträchtige Duell der beiden Head-Coach-Brüder Jim und John Harbaugh?

Mit Ravens gegen Giants ein Re-Match des Endspiels von 2001? Oder darf bei Patriots gegen 49ers Quarterback-Superstar Tom Brady gegen das Lieblingsteam seiner Kindheit antreten?

Jede der vier möglichen Super-Bowl-Paarungen hätte ihren Reiz. Welche es wird, entscheidet der mit höchster Spannung erwartete Championship Sunday. Erst fordert Baltimore New England, dann treten die New York Giants in San Francisco an.

LAOLA1 mit dem Matchup zum NFC Championship Game:

SAN FRANCISCO 49ERS (2)                                  NEW YORK GIANTS (4)

Montag, 0:30 Uhr, Candlestick Park, San Francisco, Kalifornien


Ausgangslage

Retro-Feeling im Candlestick-Park. Fünffacher Super-Bowl-Champ empfängt dreifachen. Mit den San Francisco 49ers und den New York Football Giants (die New York Baseball Giants sind ja seit 1958 in San Francisco beheimatet…) duellieren sich zwei der prestigereichsten Franchises der NFL um den Einzug in die Super Bowl. Stammgäste in den höchsten Gefilden der Liga waren in der jüngeren Vergangenheit jedoch beide nicht – vor allem die 49ers haben eine längere Durststrecke hinter sich. Auch die New Yorker verkörperten in den Nuller-Jahren abgesehen von einem glorreichen Ausreißer nach oben (Super-Bowl-Triumph 2008) meist nur gehobenen Durchschnitt. In den 80ern/90ern gehörten indes beide zu den Aushängeschildern. Im Championship Game standen sie sich jedoch nur einmal gegenüber: 1991 rangen die New Yorker San Francisco auswärts 15:13 nieder – ein Krimi, der als „End-of-a-Dynasty-Game“ in die Geschichte eingehen sollte. Gemeint ist die Dynastie der 49ers, die zwar 1995 noch einmal die Super Bowl eroberten, aber seither eher die Niederungen der Liga kennenlernten. Der emotionale Triumph gegen New Orleans in der vergangenen Woche war der erste Playoff-Sieg seit neun Jahren, als die von Jeff Garcia und Terrell Owens angeführten Kalifornier in einer nicht minder dramatischen Partie die – richtig geraten – Giants nach einem 24-Punkte-Rückstand noch 39:38 niederrangen. Ein Blick ins Geschichtsbuch gehört in der NFL immer dazu, gelebt und gespielt wird von den Erben eines Joe Montana, Jerry Rice, Phil Simms oder Lawrence Taylor jedoch in der Gegenwart. Und da agierten beide Teams in den Divisional Playoffs als eine Art Spielverderber, die das Traumfinale vieler Beobachter, Green Bay gegen New Orleans, zunichtemachten. Durchaus verdient, wie man betonen muss. Während die von Head Coach Jim Harbaugh in Rekordzeit aufgepeppelten 49ers schon in der Regular Season zu überzeugen wussten (13 Siege, drei Niederlagen), präsentieren sich die Giants seit Wochen in Höchstform, weshalb sie von vielen Experten zum leichten Favoriten gestempelt werden. Das Team aus dem Big Apple ist in beiden Mannschaftsteilen sehr ausgeglichen und gefährlich besetzt, die Niners setzen weiter auf ihren größten Trumpf: die beinharte Defense.

Schlüsselspieler

Quarterbacks

Die bemerkenswerte Geschichte des Alex Smith hat LAOLA1 bereits unter der Woche nachgezeichnet. San Franciscos Spielmacher zählt sicherlich zu den Gewinnern dieser Saison. Während der Regular Season konnte man gegen die Giants gut werfen, im Verlauf der Playoffs steigerte sich die Passverteidigung der „G-Men“ jedoch gewaltig. Mit Matt Ryan und MVP-Favorit Aaron Rodgers hatte sie größere Kaliber als Smith im Griff. Einer der entscheidenden Faktoren dieser Partie wird sein, wie gut die Niners die große Stärke der Giants-Defense, den Pass-Rush, unterbinden können. Jason-Pierre Paul, Osi Umenyiora und Justin Tuck, sind wahre Quarterback-Jäger. Der Schutz des eigenen Spielmachers war in dieser Saison indes keine Stärke der 49ers. Smith wurde 44 Mal gesackt – so oft wie kein anderer NFL-QB.

Für Eli Manning geht es darum, die beste Saison seiner Karriere mit dem zweiten Super-Bowl-Ring zu krönen. Auch wenn er durchaus beeindruckende Performances hinlegt, ist die Diskussion, ob Peytons kleiner Bruder zur Elite zu zählen ist, munter im Gange (siehe LAOLA1-Story). Beim Trip in die Bay Area könnte vor allem seine Nervenstärke, die er im Saisonverlauf wiederholt unter Beweis stellte, eine Rolle spielen. 15 Touchdown-Pässe im Schlussviertel bedeuten NFL-Rekord. Außerdem hat der 30-Jährige inzwischen wiederholt eindrucksvoll bewiesen, wie egal es ihm ist, ob ein Playoff-Spiel zu Hause in New York oder in der Fremde stattfindet. Seine letzten vier Postseason-Auswärtsspiele hat er allesamt gewonnen.

Andere Spieler

Bereits das erste Saison-Duell, ein 27:20-Erfolg San Franciscos, zeigte, dass New York Vernon Davis als die gefährlichste Waffe der 49ers einschätzt. Dem großen Helden des New-Orleans-Krimis gelang damals zwar ein 31-Yard-Touchdown, ansonsten war er ob lästiger Doppeldeckung kein Faktor. Gelingt es den Giants, den Tight End aus dem Spiel zu nehmen, müssen sich die Receiver im Vergleich zum Duell mit den Saints gewaltig steigern. Gut möglich, dass Michael Crabtree und Kyle Williams diesmal mehr Arbeit bekommen. Bitter für die Kalifornier ist, dass Receiver/Returner Ted Ginn wohl ausfällt. Wichtig wäre, dass der zweite Tight End, Delanie Walker, rechtzeitig fit wird. Er könnte eine Art Joker darstellen. Über die Wichtigkeit von Running Back Frank Gore für den 49ers-Angriff muss man nicht mehr viele Worte verlieren. San Franciscos Defense gehört zu den Eliteeinheiten der Liga. Gegen die Front Seven um die Superstars Patrick Willis und Justin Smith ist es für jeden Gegner schwer zu agieren. Schwerstarbeit kommt wie gegen New Orleans auf die Secondary zu. Bei der ersten Begegnung im November suchten die Giants auffällig oft das Duell Victor Cruz gegen Carlos Rogers – mit wechselhaftem Erfolg. Cruz gelangen zwar 84 Yards, dafür fing Rogers zwei Pässe von Manning ab. Ein riesiger Faktor im Spiel der 49ers sind die Special Teams. Kicker David Akers zählt zu den besten der Liga (seine 44 Field Goals sind NFL-Rekord), und mit dem seit Jahren herausragenden Andy Lee sei auch einmal ein Punter erwähnt.

Es mag kurios sein, aber auf Seiten der Giants lohnt es sich, mit einer vermeintlichen Schwäche zu beginnen: dem Laufspiel. Nicht nur, weil dieses während der Regular Season einfach nur trostlos war, sich der wieder fitte Ahmad Bradshaw und Brandon Jacobs zuletzt aber deutlich gesteigert haben. Um gegen die 49ers zu gewinnen, ist es höchst ratsam, der mit Abstand besten Laufverteidigung der Liga zu trotzen, um nicht zu eindimensional zu werden. Vergangene Woche gelang es San Francisco, das Laufspiel von New Orleans komplett aus dem Spiel zu nehmen. Ein funktionierendes Laufspiel könnte das unglaubliche Big-Play-Potenzial der bärenstarken Receiver Hakeem Nicks und Victor Cruz noch besser zur Geltung bringen, auch Mario Manningham ist eine sehr verlässliche Anspielstation. Gegen eine starke Abwehr ist ein guter Tight End immer von Vorteil. Jake Ballard, sofern er rechtzeitig fit wird, könnte seinen Receiver-Kollegen zusätzlichen Raum schaffen. Wie gut der Pass Rush um Paul, Umenyiora und Tuck ist, wurde bereits erwähnt. Auch Linebacker Michael Boley gehört zu den Besseren seines Fachs. Wichtig wird, dass die Secondary um den routinierten Star-Safety Antrel Rolle ihr Gesicht der letzten Wochen zeigt und nicht die zwischenzeitliche Unform aus dem Herbst. Mit Lawrence Tynes verfügt New York über einen nervenstarken Kicker.

Zahlenspiele

  • 49ers und Giants stehen sich zum achten Mal in den Playoffs gegenüber. Die bisherige Bilanz lautet 4-3 für San Francisco. Zu Hause hat San Francisco sogar vier von fünf Duellen gewonnen, die einzige Niederlage setzte es jedoch bei besagtem „End-of-a-Dynasty-Game“ in einem Championship Game (1991). Insgesamt teilten sich die beiden Teams die bisherigen 28 Begegnungen brüderlich mit je 14 Siegen.
  • Eine vielleicht freakige, aber nicht uninteressante Statistik: Die Giants sind erst das fünfte Team seit 1990, das seine erste beiden Playoff-Auftritte mit jeweils zumindest 17 Punkten Vorsprung gewonnen hat – drei der bisherigen vier haben auch die Super Bowl gewonnen (Washington 1992, Green Bay 1997 und Tampa Bay 2003). Das vierte konnte nicht: Oakland unterlag 2003 den Buccaneers.
  • Die Giants und ihre Auswärtsstärke: Head Coach Tom Coughlin fehlt nur noch ein Sieg in der Fremde, um den Rekord von sieben Playoff-Auswärtssiegen des legendären Dallas-Coaches Tom Landry einzustellen.
  • 180 Yards garniert mit zwei Touchdowns steuerte Vernon Davis zum Triumph gegen New Orleans bei – eine solche Yardage legte vor ihm in der Playoff-Geschichte noch kein Tight End hin. In der 49ers-Historie übertraf ihn nur der beste Receiver aller Zeiten, Jerry Rice (215 Yards).
  • Apropos herausragende Receiver, apropos Rice: Der sich in Überform befindliche Giants-Star Hakeem Nicks ist in der Super-Bowl-Ära erst der dritte Passempfänger, der in derselben Postseason zwei Matches mit je über 100 Yards und zwei Touchdowns hinlegte. Das gelang vor ihm nur Rice (1990) und Arizona-Star Larry Fitzgerald (2009).

LAOLA1-Prognose

Bei einer US-Präsidentschafts-Wahl hieße es wohl „too close to call“. Eine Vorhersage ist immens schwierig, für beide Kontrahenten gibt es gute Argumente. Man darf gespannt sein, ob der epische Sieg gegen New Orleans bei den Playoff-unerfahrenen 49ers für zusätzliches Selbstvertrauen oder einen gewissen Übermut sorgt. Das Momentum spricht wohl für die New Yorker. Die Giants sind seit Wochen im Playoff-Modus und bekanntlich ist kaum ein Team schwerer zu stoppen, sobald es sich einmal in einen Lauf gespielt hat. Nachdem wir uns vergangene Woche trotz formulierter Vorahnung nicht getraut haben, gegen die Packers zu setzen, bekommen die „G-Men“ diesmal den Vorzug.

23:20 für die Giants

Peter Altmann

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