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NFL-Offseason: Was bisher geschah...

Der Sturm nach der Ruhe.

Während des Lockouts war der Geschäftsbetrieb in der NFL so gut wie eingestellt. Umso turbulenter geht es nun nach der Einigung auf einen neuen Tarifvertrag Anfang dieser Woche zu.

Man könnte beinahe von Chaos sprechen. Gut einen Monat vor Saison-Start sind die 32 Teams aktuell gezwungen, ihre Kader zu basteln – eine Arbeit, die normal im März beginnt.

Hunderte Spieler sind vertragslos auf dem Markt, das Feilschen um die begehrtesten Free Agents kennt keine Grenzen. Zudem würzen einige spektakuläre Trades das Geschehen an der Wechselbörse.

LAOLA1 nennt die bisher wichtigsten Personalien am NFL-Transfersektor.

QUARTERBACKS:

DONOVAN MCNABB  - von Washington nach Minnesota

Etwas provokant könnte man meinen, Minnesota setzt ab sofort auf die Jugend. Der 34-jährige McNabb ersetzt nämlich „Drama-Queen“ Brett Favre. Der 41-Jährige dürfte sich endgültig in die Pension verabschiedet haben – auch wenn es schon wieder erste Comeback-Gerüchte als Backup von Michael Vick in Philadelphia gab. In Philadelphia wiederum feierte McNabb elf Jahre lang seine größten Erfolge, ehe die vergangene Saison in Washington zum Desaster geriet. Die Redskins verscherbelten den Spielmacher nun für zwei Sechstrunden-Draftpicks nach Minnesota. Ein Deal, der für beide Seiten Sinn macht. Erstens verfügt der Routinier im hohen Norden mit Spielern wie Running Back Adrian Peterson oder Receiver Percy Harvin über gute Nebenleute. Zweitens schließt sich wie für McNabb auch für die alternden Vikings langsam die Türe zur erträumten Super Bowl. Vor allem die Defense wird nicht jünger. Bevor der Neuaufbau um Erstrunden-Draftpick Christian Ponder ansteht, sollten sich unter Anleitung des Oldboys aber noch ein, zwei Anläufe auf die Lombardi-Trophy ausgehen.

KEVIN KOLB – von Philadelphia nach Arizona

Von der Super Bowl darf McNabbs früherer Ersatzmann in Philadelphia nicht träumen. Der Traum, bei den Eagles das Erbe der Ikone anzutreten, endete für Kolb letzte Saison bereits im ersten Saison-Spiel aufgrund einer Gehirnerschütterung. Michael Vick nutzte seine unerwartete Chance, der Rest ist Geschichte. Genau wie Kolb im Eagles-Dress, denn der 26-Jährige will endlich beweisen, dass er das Potenzial zum starken Starter in der NFL hat. Dafür musste ein Tapetenwechsel her – und ein verzweifelter neuer Arbeitgeber. Denn Philadelphia ließ sich den Abgang Kolbs teuer vergüten. Arizona schickte Probowl-Cornerback Dominique Rodgers-Cromartie und einen Zweitrunden-Draftpick 2012 in die Stadt der brüderlichen Liebe. Die Cardinals hoffen, mit einer Saison Verspätung den Rücktritt von Legende Kurt Warner kompensiert und den in der Luft hängenden Star-Receiver Larry Fitzgerald zufriedengestellt zu haben. Haben sie wirklich? Kolb hat fraglos Talent, aber nach vier Jahren NFL erst die Erfahrung von lediglich 319 Pässen (11 TDs, 14 Interceptions) zu Buche stehen.

MATT HASSELBECK – von Seattle nach Tennessee

Einer der überraschendsten Deals der bisherigen Offseason. Seattles Franchise-Quarterback entschied sich, die Seahawks nach zehn Jahren zu verlassen und seine Karriere nicht im Nordwesten der USA ausklingen zu lassen. Bei den Titans hat der bald 36-Jährige zwei Aufgaben: Erstens soll er nach den turbulenten Jahren mit dem inzwischen entlassenen Vince Young Stabilität auf der Quarterback-Position garantieren, zweitens ist er als idealer Mentor des Erstrunden-Draftpicks Jake Locker gedacht. Es wäre allerdings auch keine Überraschung, müsste dieser aufgrund von Hasselbecks Verletzungsanfälligkeit früher als geplant aufs Feld. Seattle wiederum steht nach dem Abgang des besten Spielmachers der Franchise-Geschichte ohne arrivierten Quarterback da. Ob Charlie Whitehurst doch noch den Durchbruch schafft, ist mehr als fraglich. Also wurde zur Sicherheit der in Minnesota enttäuschende Tarvaris Jackson engagiert.

RUNNING BACKS:

REGGIE BUSH - von New Orleans nach Miami

Bei aller Liebe zu ihrem Superstar: 11,8 Millionen Dollar an Gehalt waren den New Orleans Saints doch zu viel. So groß der Anteil des 26-Jährigen am Turnaround der Franchise mit dem Super-Bowl-Triumph 2010 inklusive auch gewesen sein mag, jene Wunderdinge, die man sich beim Draft 2006 von ihm versprochen hatte, konnte er nie auf das Feld bringen. Dennoch: Bush gehört zu den Besseren seiner Zunft, ist vor allem auch ein gefährlicher Passempfänger und Returner. Bei den Dolphins, wo er für zwei Jahre zehn Millionen Dollar kassiert, soll er die Lücke von Ronnie Brown und Ricky Williams schließen. Gelingt es Miami nun noch, QB Kyle Orton aus Denver loszueisen und mit Receiver Brandon Marshall wiederzuvereinen, hätte die lahme Offense gewaltig an Qualität gewonnen.

WIDE RECEIVER:

CHAD OCHOCINCO - von Cincinnati nach New England

Es ist fraglos eine der spannendsten Personalien dieser Transferzeit. Chad Ochocinco, formerly known as Chad Johnson, wurde in Cincinnati als Lautsprecher bekannt. Sein Können ist unbestritten, für eine Diva ist er ein harter Arbeiter, aber wie sein Stil zum miesepetrigen Patriots-Head-Coach Bill Belichick passt? Diese Frage stellte man sich schon bei vielen Personalentscheidungen New Englands. Letztlich bewies Belichick schon oftmals, dass er mit schwierigen Charakteren umgehen kann. So zum Beispiel bei Randy Moss, dessen Speed den Patriots nach seinem Abgang gefehlt hat. Für die nötige Schnelligkeit auf der Receiver-Position soll nun der 33-jährige Ochocinco (66 Karriere-TDs) sorgen. Man darf gespannt sein, ob er sich – bedient von den Pässen von MVP Tom Brady - alleine auf das Geschehen am Feld konzentrieren kann. Da ein schwieriger Typ alleine nicht genug ist, lotsten die Patriots einen weiteren komplizierten Superstar nach Boston. Defensive Tackle Albert Haynesworth kommt für einen Fünftrunden-Draftpick 2013 aus Washington.

SIDNEY RICE – von Minnesota nach Seattle

Tarvaris Jackson ist nicht der einzige Spieler, der in diesem Sommer den Gang von den Vikings zu den Seahawks angetreten hat. Wobei Sidney Race natürlich die wesentlich hochkarätigere Verpflichtung ist. Der 24-Jährige, dessen letzte Saison in Minnesota von Verletzungen beeinträchtigt war, unterschrieb einen Fünfjahres-Vertrag für 41 Millionen Dollar (acht davon garantiert). Rice war wohl der beste Free-Agent-Receiver am Markt und ist nun fraglos der stärkste Passempfänger der Seahawks. Bleibt nur die Frage, wer ihm nach dem Hasselbeck-Abgang die Bälle zuwirft?

STEVE BREASTON – von Arizona nach Kansas City

Auf den ersten Blick nicht der aufregendste Wechsel, dafür umso cleverer. Kansas City hatte letzte Saison ein unwiderstehliches Laufspiel, der Job des Passempfängers geriet jedoch beinahe zur One-Man-Show von Dwayne Bowe. Breaston lieferte schon in Arizona im Schatten von Larry Fitzgerald und Anquan Boldin wertvolle Komparsen-Dienste. 2008 sprang sogar eine 1000-Yard-Saison heraus, auch letztes Jahr gingen sich trotz Verletzung 718 Yards aus. Zudem ist er ein starker Returner. Großes Manko: Ein Näschen für die Endzone (sieben Karriere-TDs) hat er nicht gerade. Trotzdem: Mit Bowe, Breaston, Erstrunden-Draftpick Jonathan Baldwin und dem talentierten Dexter McCluster stehen Quarterback Matt Cassel einige hoffnungsvolle Anspielstationen zur Verfügung. Dem letztjährigen Überraschungsteam ist weiter einiges zuzutrauen.

ANDERE POSITIONEN:

JOHNATHAN JOSEPH – von Cincinnati nach Houston

Die begehrtesten Spieler dieser Free-Agent-Klasse sind Cornerbacks, der erste von ihnen hat sich für einen neuen Arbeitgeber entschieden – und dieser ist keine Überraschung. Houston hatte 2010 – vornehm ausgedrückt – eine fürchterliche Pass-Defense, die schlechteste der Liga. Dass die Texans alles unternehmen werden, um einen der hochkarätigen Passverteidiger auf dem Markt zu engagieren, lag also auf der Hand. Josephs Gehaltskonto schadet diese Verweiflung nicht. Der Fünfjahres-Vertrag des 27-Jährigen ist 48,5 Millionen Dollar plus 12,5 Millionen Signing Bonus wert.

PAUL POSLUSZNY – von Buffalo nach Jacksonville

Der beste Linebacker der Free-Agent-Klasse entschied sich für einen Umzug in den sonnigen Süden, spielt jedoch weiter für ein Small-Market-Team. Letzte Saison kam der 26-Jährige auf 151 Tackles – die drittmeisten der Liga, und das in nur 14 Spielen. In den beiden Saisonen davor waren es je 110. Diese Werte brachten ihm nun einen Sechsjahres-Vertrag für 45 Millionen Dollar (15 garantiert) ein.

 

GREG OLSEN – von Chicago nach Carolina

Carolina „sammelt“ aktuell Tight Ends. Nach Jeremy Shockey (kam aus New Orleans) tradeten die Panthers nun für Greg Olsen, einen der unterschätztesten Tight Ends der Liga. Der 25-Jährige war in Chicago nur mehr überschaubar glücklich, da seine Position im System von Offensive Coordinator Mike Martz keine große Rolle im Passangriff spielt. In Carolina soll Olsen wie Shockey als große Anspielstation für Nummer-Eins-Draftpick Cam Newton dienen.

 

DIE GROSSE UNBEKANNTE:

NNAMDI ASOMUGHA – von Oakland nach ?

Oft werden Spieler solcher Qualität nicht auf den freien Markt geworfen, ergo gilt der Cornerback auch als Hauptpreis der heurigen Free Agency. Der 30-Jährige genießt den Ruf, den ihm „anvertrauten“ Receiver im Alleingang abzumontieren. Nach Jahren beim Loser-Team Oakland will Asomugha nun die Ernte einfahren – auch finanziell. Seine Unterschrift wird teuer. Nachdem sich die San Francisco 49ers deswegen aus dem Wettbieten verabschiedet haben, gelten die Dallas Cowboys und vor allem die New York Jets als die großen Favoriten. Bei Letzteren stand zuletzt mit Antonio Cromartie der neben Asomugha und Joseph dritte prominente Free-Agent-Cornerback unter Vertrag.

Peter Altmann

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