Große Auferstehung, mieses Comeback

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Diese NFL ist einfach verrückt. Im positiven Sinne natürlich. Zumindest in der Regel. Wie auch immer. Sie ist verrückt.

Denn jedes Wochenende bietet sie so viele schöne Momente. Manche sind zum Lachen, manche zum Weinen, manche sorgen für Kopfschütteln, manche für Gänsehaut.

Kein Wochenende ohne Emotionen bei den Millionen Fans. Vielleicht auch ein Mitgrund, warum die Liga den höchsten Zuschauerschnitt in der Welt des Sports hat. Aber das ist freilich theoretisch.

Hier und jetzt soll es nicht um Theorie gehen, sondern um Praxis – deswegen: Let’s get awesome and awful – Week 7:

THE AWESOME

New Orleans Saints

Was für eine Antwort! Nach der 20:26-Niederlage im NFC-South-Duell mit den Tampa Bay Buccaneers schlugen die Saints aber so etwas von zurück. 62:7! In Worten noch einmal festgehalten: Zweiundsechzig zu sieben! Wer das Sunday Night Game ausließ, traute am nächsten Morgen seinen Augen nicht. Mit einem hochhaushohen Sieg wurden die Colts nach Hause geschickt. Spielmacher Drew Brees brachte 31 von 35 Pässen an den Mann, fünf fanden erfolgreich den Weg in die Endzone. Für New Orleans, dessen verletzter Head Coach Sean Payton das für ihn so wunderschöne Treiben von oben aus verfolgte, war es ein Franchise-Rekord hinsichtlich erzielter Punkte und Differenz zu den Zählern des Gegners.

 

Plaxico Burress

„Ach ja, der ist ja auch wieder in der Liga“ – so, oder so ähnlich dachten wohl viele Football-Fans, wenn sie in dieser Saison den Namen Plaxico Burress hörten. Die New York Jets hatten den Receiver, der sich 2008 mit einer illegal in seinem Besitz befindlichen Waffe selbst anschoss und deswegen 20 Monate im Gefängnis verbringen musste, im Sommer verpflichtet und ihm für eine Saison 3,017 Millionen Dollar garantiert. Eine, sagen wir es einmal so, riskante Summe für jemanden, der drei Jahre nicht in der NFL war. In Woche sieben machte sich dieses Risiko erstmals so richtig bezahlt. Denn da wurde der 33-Jährige zum ersten Mal zur erhofften Red-Zone-Waffe für Quarterback Mark Sanchez. Vier Receptions für 25 Yards klingen nicht berauschend – drei dadurch entstandene Touchdowns beim 27:21-Sieg gegen die San Diego Chargers umso mehr. Eine echte Waffe scheint zurück zu sein…

 

DeMarco Murray

Da hat sich ein Rookie aber ins Rampenlicht gespielt! 0, 21, 6, 12, 32 – das waren die bisherigen Yards, die DeMarco Murray in seiner ersten Saison in der NFL erlaufen hatte. Auch weil Dallas‘ Nummer-1-Running Back Felix Jones verletzt ausfiel, konnte der 23-Jährige beim 34:7-Sieg gegen die St. Louis Rams seine bisherige Statistik pulverisieren – 253 Yards erlief Murray in Arlington. Kurzum: „What a game!“ So lautet nun auch die neue Rekordzahl im Hause der Cowboys, dort wo das Laufen ja einen gewissen Standard hat. NFL-Legende Emmitt Smith (Inhaber mehrerer NFL-Rushing-Rekorde, u.a. die meisten erzielten Yards: 18.355) setzte in Texas einige Meilensteine…

 

THE AWFUL

Carson Palmer

Das ging aber so etwas von in die Hose! Unter der Woche reagierten die Oakland Raiders auf die Verletzung ihres Quarterbacks Jason Campbell und verpflichteten Carson Palmer, der in Cincinnati zwar noch unter Vertrag stand, aber für dieses Team nicht mehr auflaufen wollte. Die Kalifornier gaben den Bengals für den 31-jährigen Rückkehrer einen Erstrunden-Pick 2012 und einen Zweitrunden-Pick 2013. Im ersten Spiel bekamen sie dafür eine auf den Deckel. Campbells erster Ersatz Kyle Boller eröffnete das "Interception-Festival" mit drei in den ersten 30 Minuten. Hue Jackson reagierte und sorgte nach der Pause für das Comeback von Palmer, der seinen Head Coach nicht weniger auf die Palme brachte und drei weitere Pässe in die Arme der Chiefs  jagte – 0:28 gegen Kansas City. Autsch…

 

Brian Robison

Lieber Brian, wie konntest du nur? Rivalität hin, Rivalität her, harte Gangart hin, harte Gangart her. Aber ein wenig mehr Contenance hätte dir in diesem einen Moment nicht geschadet… Was hatte Robison gemacht? Der Defensive End der Minnesota Vikings war offenkundig nicht erfreut, dass er unliebsamen Kontakt mit dem Kunstrasen im Metrodome gemacht hatte. Und mit T. J. Lang vom Erzrivalen Green Bay Packers hatte Robison auch schnell jemanden gefunden, den er aus seiner Sicht bestrafen musste. Aber nicht mit deftigen Worten oder einem Helm-gegen-Helm-Duell, Robison musste den Guard mit dem Fuß in den Schritt treten. Auch bekannt als Gegend, die Männer bei entsprechenden Angriffen etwas mehr weh tut als andere. „That’s not good“, meinte ein Kommentator, eigentlich  meinte er aber ganz sicher: „Awful!“

 

Miami Dolphins

Können sie nicht, oder wollen sie nicht? Zweidreiviertel Minuten vor Ende der Partie führten die Dolphins gegen die Broncos 15:0. Nach fünf Niederlagen in fünf Spielen konnte man meinen, der erste Sieg in dieser Saison sei eingetütet. Nun, er war es nicht. Denvers Tim Tebow, der zum ersten Mal in dieser Spielzeit startete (und das ausgerechnet in jenem Stadion, wo er mit den Florida Gators 2009 einen seiner beiden nationalen College-Titel errungen hatte), warf auf die Schnelle zwei Touchdown-Pässe und erlief selbst nach zweiterem die Two-Point-Conversion zum Ausgleich. Apropos: Die Partie wäre für die Dolphins wohl nicht 15:18 nach Overtime verloren gegangen, hätte Head Coach Tony Sparano nach dem TD zum zwischenzeitlichen 12:0 eine Two-Point-Conversion angesagt, die  Anfang des vierten Viertels in die Binsen ging. Der Punkt, der durch ein sehr wahrscheinliches Field Goal, am Konto gelandet wäre, hätte am Ende für den ersten Saisonsieg gereicht. Und abgesehen davon - die Hausherren führten 2:44 Minuten vor Schluss 15:0! Alles in allem nicht sehr klug von den Delfinen…

 

Bernhard Kastler

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