Eschlböck: "Thomas Vanek ist das Paradebeispiel"

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Am Freitag geht sie los, die Heim-EM im American Football.

Michael Eschlböck ist Präsident des österreicheichischen Verbandes (AFBÖ) und hierzulande einer der größten Entwicklungshelfer des immer beliebter werdenden Sports mit dem Ei.

Der breiten Masse als Co-Kommentator der NFL bei puls4 bekannt, arbeitet er für eine erfolgreiche Abwicklung der "Eat the Ball"-Football-Europameisterschaft (30. Mai bis 7. Juni) im eigenen Land.

Warum es gar nicht so unwahrscheinlich ist, in naher Zukunft einen Österreicher in der NFL spielen zu sehen und Österreich sich zur Vorzeige-Nation in Sachen Football gemausert hat, erklärt er im LAOLA1-Gespräch.

LAOLA1: Herr Eschlböck, warum kann so eine kleine Nation wie Österreich im American Football um den EM-Titel mitspielen?

Michael Eschlböck: Es war ein jahrelanger, um nicht zu sagen jahrzehntelanger Weg, um dort hinzukommen. Am Ende des Tages hat sich das konsequente Setzen auf den Nachwuchs bezahlt gemacht. Die Nachwuchs-Entwicklungsarbeit und auch, dass sich die Teams dazu verpflichten, die Nachwuchsarbeit in den verschiedenen Altersstufen zu betreiben. Gepaart mit einer immer stärker werdenden Limitierung der Import-Spieler hat beides zusammen zu sehr guten Nachwuchs-Nationalteams geführt. Unsere Junioren sind zweimal hintereinander Europameister geworden. Mit den Herren sind wir bei der letzten EM Dritter geworden und darum muss das Ziel dieses Mal natürlich sein, ein bisschen weiter zu kommen.

LAOLA1: Inwieweit hat die WM 2011 im eigenen Land dabei geholfen, Football noch ein Stück populärer zu machen?

Eschlböck: Die WM hat enorm geholfen. Seit 2010 gibt es zehn neue Tackle-Football-Teams, einen ganzen Haufen voller Flag-Football-Teams und auch jede Menge Cheerleader-Teams. Das Bewusstsein für Football ist enorm gestiegen. Die Anerkennung für den Verband und die Sportart in öffentlichen Stellen ist mittlerweile ein No-Brainer. Football ist anerkannt, da ist ein Verband dahinter, der gute Arbeit leistet. Das ist eine Sportart, zu der man gehen kann und die mittlerweile auf hohem Niveau geliefert wird. Da sind mittlerweile viele Zuschauer und natürlich auch Medien, die sich dafür interessieren und berichten. Es ist ein Kreislauf, denn ohne Medien könnten wir den Erfolg nicht haben.

LAOLA1: In Europa ist Österreich zwar schon führend, aber natürlich noch lange nicht am Limit. Wohin soll der Weg mittel- bzw. langfristig gehen?

Eschlböck: Das Ziel ist einerseits, die Zahl der Vereine noch einmal entsprechend zu vermehren, aber auch, mit Flag-Football in den Schulen flächendeckend vertreten zu sein. Also ein großes Flag-Football-Schulprogramm mit einer geregelten Meisterschaft aufzuziehen, die heuer auch zum ersten Mal anläuft. Die Vision, die wir haben, ist: Ein Football für jeden Haushalt. Sodass es zur Selbstverständlichkeit wird, dass ein Football als Spielgerät immer verfügbar ist, um zumindest im Garten ein paar Bälle zu schupfen. Man muss es ja nicht zwingend im Verein ausüben. Es geht einfach darum, mit dem Ei für ein paar Stunden Spaß zu haben. Football soll eine etablierte Sportart werden, die auch über den Status Rand- bzw. Trendsport hinaus, zu einem gleichbleibend stabilen, hohen Level geht.

LAOLA1: Der wertvollste Push für den Sport wäre wohl, einen Österreicher in der NFL unterzubringen. Wie realistisch oder unrealistisch ist das?

Eschlböck: Es geht ausschließlich über das College. Man muss sagen, obwohl es ein anderer Sport ist, ist Thomas Vanek das Paradebeispiel dafür. Er hat sogar schon in der High-School Eishockey gespielt, also vor dem College. Es sind auch jetzt schon viele Österreicher an High-Schools, um dort von Colleges entdeckt zu werden und ein Stipendium zu bekommen. Denn wenn sie gut sind und bereits an der High-School entdeckt werden, dann haben sie bessere Chancen auf einer Football-Universität zu landen. Mit Aleksandar Milanovic von den Raiffeisen Vikings, der jetzt sein zweites Jahr bei Sacramento State als Starter spielt, haben wir einen aussichtsreichen College-Spieler. Wenn er gesund bleibt, hat er durchaus Chancen, in zwei Jahren gedraftet zu werden. Damit wäre er der erste Österreicher, der nicht als Kicker in die NFL kommt. Ehemalige Fußballer gab es ja mit mit Toni Fritsch oder Toni Linhart in den 70er-Jahren bereits.

LAOLA1: Gibt es im Nationalteam die klassischen Schlüsselspieler bzw. Stützen im Team?

Eschlböck: Eine Schlüsselposition ist natürlich immer der Quarterback. In unserem Fall ist das Christoph Gross, der nach einem Seitenbandeinriss wieder fit geworden ist. Ihm dicht auf den Fersen folgt der 19-jährige Alexander Thury, der ihn auch bei den Vikings ersetzte. Aber auch alle anderen Positionen im Football sind bekanntlich essentiell, wie die Runningback oder Reveiver-Positionen. Genauso auch die wilden Hunde, also die Verteidigerpositionen in Form von Linern oder Linebackern. Im Football ist es schwer, eine Position nicht zu nennen. Wir haben aber auch viele Spieler, die durch den Nachwuchs gegangen sind und irgendwann im Junioren-Nationalteam gespielt haben.

LAOLA1: Wie schätzen Sie die Gruppengegner ein?

Eschlböck: Frankreich schätzen wir sehr stark ein. Bei der WM 2011 haben wir gegen sie verloren, als wir geglaubt haben, dass wir sie schlagen können. Es ist zu erwarten, dass sie jetzt nochmal stärker sind, denn sie bereiten sich seit zwei Jahren mit sehr großem Aufwand vor. Sie haben sieben College-Spieler im Nationalteam, die an kanadischen Universitäten spielen. Unsere Collegespieler, wie etwa Milanovic, bekommen wir nicht los. Da muss der internationale Verband noch etwas Arbeit leisten, denn die können noch ein Spielverbot bekommen. Aber Dänemark darf man bei dem Fokus auf Frankreich nicht vergessen. Die sind zwar Aufsteiger und am Papier ist Österreich Favorit, aber am Ende des Tages ist das Sport, und im Sport kann alles passieren. Vor lauter Konzentration auf die eine vermeintlich große Hürde dürfen wir nicht die anderen Gegner übersehen, denn man darf niemanden mehr auf die leichte Schulter nehmen.

LAOLA1: Am Sonntag konnte das einzige Testspiel gewonnen werden, und das gegen ein US-College. Wie kommt man zu solchen Gegnern und was sind sie wert?

Eschlböck: Wir haben schon vor der EM 2010 angefangen, über die Organisation Global Football uns Colleges für Testspiele des Nationalteams nach Österreich zu holen. Weil ein College-Gegner wesentlich stärker ist, als ein europäisches oder eine andere Nationalmannschaft. Außerdem testen EM-Teilnehmer nicht gerne gegeneinander. Gegen bewusst schwächere Gegner testen macht auch keinen Sinn, also haben wir das Bestreben, uns Colleges aus der Division 2 oder 3 zu holen, das ist nämlich in etwa das Niveau, das wir in Europa haben. In diesem konkreten Fall waren es zum Beispiel Verbindungen von Coach Dieplinger, der einen der Coaches von diesem College kennt und ihn einfach angerufen und gefragt hat, was er von der Idee hält. Die Amerikaner haben ja im College die Möglichkeit, alle drei Jahre einmal ihre Vorbereitungssaison zu verlängern und dürfen außer Landes fahren, um gegen nicht-amerikanische Teams zu spielen.

LAOLA1: Wie läuft der Kartenverkauf? Die Aktion "Schools go Football", bei der Schulklassen aus ganz Österreich kostenlos die Spiele besuchen dürfen, soll ja gut angelaufen sein.

Eschlböck: Der Kartenverkauf und auch die Schulaktion laufen sehr gut. 20.000 Schüler ins Stadion zu bringen ist unser Ziel, 10.000 haben bis jetzt gebucht. Von Schulen in Vorarlberg bis Budapest, also auch über die Grenzen hinaus, läuft das auf Hochtouren, auch wenn man da eigentlich auf Holz klopfen muss. Man sieht ja auch immer wieder, wie schlechtes Wetter die Zuschauerzahlen und auch die Stimmung stark beeinflussen kann. Natürlich erhoffen wir uns aber einen Zuschaueransturm, den braucht man auch, um die ganze Geschichte zu refinanzieren. Denn wir sind als Veranstalter ja auch für die Teams bei der Endrunde verantwortlich, sobald sie österreichischen Boden berühren. Da sind wir zuständig für alle Transporte, Unterkünfte oder etwa Mahlzeiten. Mit den Spielern, Schiedsrichtern, Coaches und der Turnierleitung sind das über 500 Personen, die wir versorgen müssen. Auch die Stadionmieten darf man nicht vergessen.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch!

 

Das Interview führte Niki Riss

LAOLA1: Heißt das, bei der EM werden auch dementsprechend die Scouts vertreten sein oder sind für Beobachter nur die Nachwuchs-Teams relevant?

Eschlböck: Es schauen sicher ein paar Scouts vorbei, wobei aber sicher noch mehr zur Junioren U19-Weltmeisterschaft nach Kuwait schauen werden. Dort können sie sich die Spieler mit College-Potenzial direkt anschauen. Aber es kommen auch immer welche zu den Europameisterschaften, denn man kann hier ja doch den einen oder anderen Rohdiamanten entdecken.

LAOLA1: Knackpunkt für Scouts wird wohl meist die körperliche Komponente sein.

Eschlböck: Natürlich auch, aber nicht zwingend, denn jede Spielerposition erfordert eine andere Größe. Also man kann sehr wohl auch mit 1,65m Football spielen. Man muss kein Zwei-Meter-Riegel sein, aber für jede Position natürlich die erforderlichen Features wie etwa Wendigkeit, Schnelligkeit oder Antritts-Sprint erfüllen. Das sind alles Dinge, die im Football gemessen werden, etwa mit Weitsprüngen, Hochsprüngen oder Geschicklichkeitsübungen mit Zeitmessungen. Das sind beinharte Tests und es ist ein Ziel von vielen, überhaupt dazu eingeladen zu werden.

LAOLA1: Wie hat sich die österreichische Mannschaft auf die EM vorbereitet?

Eschlböck: Da muss man zuerst einmal festhalten, dass die Vereine, obwohl es Amateur-Teams sind, alle in den Vorbereitungen sehr professionell gearbeitet haben. Im Nationalteam dann noch zusätzlich Programme zu fahren, wäre völlig blödsinnig, um nicht zu sagen kontraproduktiv, gewesen. Footballspielen muss man ihnen auch nicht mehr beibringen. Es ging natürlich darum, die Spieler aus den vielen verschiedenen Vereinen zu einem Team zu formen. Unterm Jahr sind das alles erbitterte Gegner im Kampf um den österreichischen Staatsmeistertitel, jetzt sollen sie Seite an Seite miteinander spielen. Darum legt Head Coach Jakob Dieplinger auch sehr viel Wert auf die Team-Chemie, was wiederum auf die Spiele in der Liga zurückstrahlt, wo man sich dann durchaus freundlicher begegnet. Es entsteht einfach ein anderer Umgang miteinander. Diese Chemie ist auch wichtig, um sich miteinander zu verstehen, denn es geht sehr viel um Timing. Dass der Erste sein Timing nicht einhält, der Zweite sein Timing nicht einhalten kann und der Dritte dann völlig außer Tritt gerät, ist zu vermeiden, weil diese Spielzüge ja entsprechend funktionieren müssen. Wenn die Chemie gut stimmt, ist es auch leichter, das Timing zu halten. Darum liegt der Fokus auf den Zusammenhalt.

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