"Das Publikum ist ein echter Faktor"

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Aller guten Dinge sind vier.

Nach drei Niederlagen bei der Heim-Weltmeisterschaft 2011 konnte Österreichs Football-Nationalteam bei seinem Auftakt-Spiel zur Europameisterschaft am Samstag erstmals in Graz einen Sieg einfahren.

Die Pflichtaufgabe Dänemark wurde vor 5.600 gut aufgelegten Zuschauern in einer letztlich souveränen Art und Weise mit 49:7 erledigt.

"Man kann schon von einem Traum-Auftakt sprechen", freute sich AFBÖ-Boss Michael Eschlböck über den geglückten Start in die Mission EM-Gold.

Zwar wusste jeder, dass der Aufsteiger aus der B-Gruppe einfach kein Stolperstein sein darf, doch konnte man nach dem Kantersieg auch in erleichterte Gesichter sehen. Zumal die Anfangsphase keine leichte für Team Austria war.

"Müssen vieles verbessern"

"Die Dänen hatten einen guten Gameplan, unsere Offense brauchte einige Zeit, um den Rhythmus zu finden. Wir haben mit Fortlauf unser Spiel dann erfolgreich umgestellt", analysierte Head Coach Jakob Dieplinger.

Der 29-Jährige feierte seinen ersten Pflichtspiel-Sieg als Teamchef, zeigte sich aber trotz der Höhe des Sieges kritisch.

"Wir müssen vieles verbessern, denn wir hatten in der ersten Hälfte Probleme. Wir müssen effizienter werden und frühe Fehler abstellen, denn Frankreich kann das ausnützen", sagt der Tiroler hinsichtlich des Gruppen-Endspiels am Mittwoch.

Ein anderer Tiroler war der Man of the Match. Running Back Andreas Hofbauer, der vergangene Woche beim einzigen Test angeschlagen fehlte, sorgte für drei der sieben Touchdowns.

Hofbauer: "Habe nur abgestaubt"

Dabei lief der Raiders-Spieler jeweils aus kurzer Distanz hinein. "Ich muss mich da echt bei meinen Teamkameraden bedanken, es wurde da sehr gut geblockt. Ich habe im Prinzip nur abgestaubt und die Touchdowns gemacht."

Der 21-Jährige ortete aber ebenfalls offensives Verbesserungspotenzial. "Die Dänen haben sich in der ersten Hälfte sehr gut verkauft. Da hat unsere Defense sehr gut gespielt und nichts zugelassen. Da kann man auch in Rückstand geraten.“

Zusatz: "Mir darf der Fumble nicht passieren."

Quarterback Christoph Gross leistete sich eine Interception, fand aber ebenso mit der Zeit besser ins Spiel.

"Es war ein guter Test für Frankreich und wichtig, dass die Offense zueinanderfindet. Die Defense war das gesamte Spiel phänomenal."

Neben der Defense machte sich auch die Tiefe des Kaders positiv bemerkbar. Backup-Quarterback Alexander Thury warf und erlief am Ende jeweils einen TD.

Publikum, Defensive, Tiefe, Teamgeist als Pluspunkte

Backup-Running-Back Felix Stadler, der bei den Steelsharks Traun spielt, erlief zuvor noch einen sensationellen 93-Yards-Touchdown.

"Das war grandios", lobte Hofbauer. "Und es zeigt, wie wichtig es ist, Tiefe im Kader zu haben. Die braucht man auch bei drei Spielen binnen einer Woche."

Receiver Laurinho Walch hob dahingehend hervor: „Wir haben zwei, drei Offense-Teams in einem. Die Mannschaft wird dadurch aber nicht schlechter.“

Eschlböck gefiel indes nach "nervösem Beginn" vor allem auch die sichtbare "echte Einheit" auf dem Platz. Diese wurde auch vom Publikum entsprechend unterstützt.

"Das war eine echt geile Show von den Leuten und es macht Spaß, vor so einer Kulisse zu spielen. So etwas bleibt in jedem Fall in Erinnerung", lachte Gross. 

"Das Publikum ist ein Faktor"

So sah es auch Walch, der mit einem Punt-Return für stehende Ovationen in der UPC-Arena sorgte und sich selbst seinen ersten A-Team-Touchdown bescherte.

Euphorisch erzählte der 21-Jährige: "Ich habe beim Play das Anfeuern voll gehört und das hat mir die Energie gegeben, das Letzte aus mir herauszuholen. Da war dann nur noch der Punter da und den musste ich einfach loskriegen."

Überhaupt lobte der Vikings-Spieler die Fans, die es auch dem Gegner schwer machten. "Das Publikum ist echt ein Faktor, man hat bei der dänischen Offense gemerkt, dass sie nicht den Rhythmus finden und auch nicht hören, wenn kurzfristig etwas geändert wird."

Eschlböck zeigte sich mit der Zuschaueranzahl zufrieden ("Eine wunderschöne Kulisse") und hofft im Finale gegen Frankreich auf bis zu 8000 Football-Fans: "Es hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht."

"Österreich ist Favorit"

Während sich Dänemark-Teamchef Lars Carlsen als sehr freundlicher Gast gab ("Österreich ist für mich Favorit auf den Titel"), war auch Sportminister Gerald Klug vom rot-weiß-roten Team angetan: "Es war sehr faszinierend zum Zusehen."

Das Geld des Ministeriums sieht er nicht nur deswegen absolut richtig investiert.

„Für uns ist es wichtig, viele große Sportveranstaltungen auszutragen und so freuen wir uns auch, dass das Ministerium die American-Football-Europameisterschaft mit 660.000 Euro unterstützen kann."

Es war ein schöner Auftakt, nun träumt Football-Österreich vom Finale (gegen Deutschland). Dafür muss am Mittwoch Frankreich gebogen werden.

Mit den Franzosen, die mit sieben kanadischen College-Spieler anreisen werden, hat der AFBÖ ohnehin noch eine Rechnung offen. Denn das 16:24 bei der Heim-WM in Graz vermieste Österreich das Spiel um Platz 5 - gegen Deutschland.

Und die steirische Landeshauptstadt soll dieses Jahr ungeschlagen verlassen werden.

 

Bernhard Kastler

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