"Die Entwicklung war in den 30 Jahren irre und toll"

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Es ist die Jubiläums-Ausgabe der Austrian Bowl.

Am Samstag (19 Uhr) geht in der NV-Arena zu St. Pölten die 30. Auflage des Endspiels der Austrian Football League über die Bühne. Zum vierten Mal en suite stehen sich die Raiffeisen Vikings Vienna und die Swarco Raiders Tirol gegenüber.

Rekordmeister? Vikings! Titelverteidiger? Vikings! Einfache Fragen, aber wer gewann anno 1984 die erstmalige Austragung der Austrian Bowl? Es waren die damaligen Salzburg Lions, die am 20. Oktober 1984 vor eigenem Publikum in der Mozartstadt die Graz Giants 27:10 schlagen konnten.

Alexander Narobe war damals mit 21 Jahren am Feld. Heute ist der spätere Nationalteam-Coach Vereinspräsident der Salzburg Bulls, dem Nachfolgeteam des zweifachen Meisters.

Im LAOLA1-Interview begibt sich das Urgestein auf Zeitreise und spricht über die Entwicklung des Sports.

LAOLA1: Wie war die Austrian Bowl I?

Alexander Narobe: Jeder ist mit etwas komplett Neuem konfrontiert worden. Die Umstände waren damals noch dementsprechend unprofessionell, aber es war irrsinnig viel Herz dabei. Wir haben damals in Salzburg gespielt, es gab ein Zelt und rundherum waren Hügel aufgeschüttet, von wo aus die Zuschauer das Spiel beobachtet haben.

LAOLA1: Wie viele waren dabei?

Narobe: Ich glaube, es waren rund 1.200. Es ging damals natürlich noch sehr familiär zu. Die Giants, die als einziges Team aus diesem ersten Finale überlebten, haben das damals schon sehr professionell aufgezogen, am Ende wurden sie aber von uns Salzburgern geschlagen.

LAOLA1: Kam das damals überraschend?

Narobe: Nein, es hat sich schon im Grunddurchgang herauskristallisiert, dass wir zumindest ebenbürtig sind. Wir hatten damals das Glück, als erstes österreichisches Team einen amerikanischen Quarterback, Dave Hintsche, in den Reihen zu haben. Die heutige "International School" in Salzburg war damals sehr amerikanisch, und so haben wir einen Spielmacher aus den USA gewonnen.

LAOLA1: Wie hat sich das ausgewirkt?

Narobe: Er hat Dinge eingeführt, von denen andere geträumt haben oder die sie nur aus dem Fernsehen kannten. Dave, der mittlerweile leider schon verstorben ist, sagte vor der ersten Austrian Bowl: "Schaut zu, dass ihr Meister werdet, denn diesen Titel wird euch keiner wegnehmen und über ihn wird immer gesprochen werden." Dass er damit Recht hatte, zeigt dieses Gespräch, das wir gerade führen.

LAOLA1: Warum war Salzburg zu Beginn der Austrian-Bowl-Ära so erfolgreich?

Narobe: Salzburg war eine kleine Hochburg und hatte in gewissen Sachen eine Vorreiter-Rolle. Wir waren das erste Team, das einen Nachwuchs hatte, spielten zu dieser Zeit schon im Lehener Stadion vor 3.500 Zuschauern oder sind nach Italien gefahren, um dort aufzulaufen. Aber alles mit beschränkten Möglichkeiten. Salzburg ist eine Kulturstadt und bei uns muss man für gewisse Einrichtungen hart kämpfen.

LAOLA1: Warum ist Salzburg nicht mehr erstklassig?

Narobe: Football in Österreich hat eine rasante Entwicklung genommen und es steckt viel Geld sowie Marketing drin. Da kann man nicht immer mithalten. Wir haben vor einigen Jahren wieder den Schritt in die AFL gewagt, weil wir die Liga darunter dominiert haben. Dort waren wir zwei Jahre lang. Das erste war recht brauchbar, das zweite überhaupt nicht. Es spielen einfach so viele Faktoren mit, die passen müssen. Salzburg hat jetzt einmal andere Prioritäten. Wir sind weiterhin dabei, eine eigene Heimat aufbauen, auch ein Wir-Gefühl. Es ist nicht leichter als früher geworden.

LAOLA1: Warum?

Narobe: Damals kannte die Sportart keiner und man war interessiert, davon profitierten wir. Heute gibt es gewisse andere Institutionen und Technologien, die alles schnelllebiger machen und durch die es nicht einfach ist, Spieler zu bekommen. Es hat auch nicht jeder die entsprechenden Möglichkeiten. Es gibt in der AFL vier österreichische Teams - und zwei davon driften brutal weg.

LAOLA1: Wie würden Sie die Entwicklung der AFL seit der Austrian Bowl I allgemein sehen?

Narobe: Höchstprofessionell. Es sitzen Leute am Werk, die wissen, was zu tun ist und sich voll auf diese Aufgabe konzentrieren. Sie haben erkannt, wie toll der Sport ist und teilweise auch einen Beruf daraus gemacht. Man muss ihn heutzutage aber mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betreiben, um überhaupt bestehen zu können. Die Entwicklung war in den 30 Jahren irre und toll. Davon haben wir 1984 nur träumen können. Es kennt auch schon fast jeder Football, es gibt die Anerkennung. Früher sah man Football nur in Filmen wie "Sie nannten ihn Mücke" mit Bud Spencer.

LAOLA1: Um den Kreis zu schließen: An was denkst du automatisch beim Begriff Austrian Bowl I?

Narobe: An nichts Spezielles. Es ist die ganze Entwicklung seit damals. Damit ist für mich ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen, nämlich dass Football diesen Stellenwert bekommen hat, den ich mir erhofft hatte. Denn man muss wissen, dass nicht nur Sportliches, sondern auch viel Menschliches dahinter steckt.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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