Unmut und Fragezeichen vor Saisonstart

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Die Beach-Szene ist in Aufruhr.

Verantwortlich dafür sind massive Regeländerungen, die im Lauf des Winters durch den Weltverband vorgenommen wurde.

Die gravierendste Änderung betrifft den Zugang zu Turnieren. Bisher waren die Punkte der genannten Teams für die Einstufung ausschlaggebend, nun wird ein „Nations Federations Ranking“ erstellt.

Die dabei errechneten „Quotenplätze“ werden in der Folge von den Verbänden beschickt.

„Punkte gehören nicht mehr ihnen“

Was für einen Ausstehenden wenig Bedeutung zu haben scheint, hat für die Spieler deutliche Auswirkungen.

Robert Nowotny, Trainer und Manager von Doppler/Horst, erklärt es mit einem Satz: „Die Punkte gehören nicht mehr ihnen.“

„Dadurch sind wir ab jetzt eigentlich nicht mehr selbstständig“, verweist Doppler auf die Folgen für die Teams.

In Brasilien wurden die Privatteams mit dieser Saison auch abgeschafft. Es sind nun alle Teams in einem Nationalkader zusammengefasst, über die Zusammenstellung der Teams und die Einsätze entscheidet der Verband.

Punkte der Einzelspieler bringen Quotenplätze

Der Versuch, das neue System möglichst einfach zu erklären:

Für die Nationen-Liste werden die Punkte der besten Spieler des Einzel-Rankings herangezogen. Und zwar unabhängig davon, ob diese für dieses Turnier überhaupt genannt haben.

Spieler 1 und 2 einer Nation ergeben die Punkte für „Team A“, Spieler 3 und 4 für „Team B“, usw. Die daraus resultierenden Plätze werden von den Verbänden beschickt.

Auch zurückgetretene Spieler berücksichtigt

Für dieses Nationen-Ranking werden aber auch Punkte von nicht mehr aktiven und verletzten Spieler herangezogen.  „Jonas Reckermann hat an den Weltverband geschrieben, dass er nicht aktiv ist und seine Punkte nicht genützt werden sollen. Dennoch werden sie eingerechnet“, schildert Doppler einen Fall.

Auch Misty May-Treanor soll nach ihrem Rücktritt entschieden dagegen aufgetreten sein, dass ihre Punkte herangezogen werden. Sie habe nicht 12 Jahre gearbeitet, damit nun ein anderer ihre Punkte erbt. Vergeblich, auch ihre Punkte kommen in die Wertung.

Schlupfloch?

Zunächst hätte diese Regelung über die gesamte Saison zur Anwendung kommen sollen. Nun sollen aber nicht mehr aktive Spieler nach vier Turnieren rausfallen.

Allerdings gibt es ein Schlupfloch. Sollte der Spieler nach vier Turnieren wieder bei einem Turnier antreten, würde er danach für vier weitere Turniere berücksichtigt.

Von Spielerseite wurde ein Beispiel konstruiert: Wenn Reckermann nach vier Turnieren zum nächsten Bewerb fliegt, antritt, aber sich sofort verletzt, wären seine Punkte weiterhin aktuell. Die Antwort vom Weltverband: „Das wäre so, aber wir hoffen auf Ehrlichkeit und Fairness der Spieler.“

Quali statt fixer Hauptbewerbsplatz

Hinzu kommt, dass die Änderungen ein „work in progress“ sind und sehr kurzfristig umgesetzt werden. So gingen Doppler/Horst in der Vorbereitung davon aus, dass sie durch ihren Finaleinzug beim letzten Saisonturnier 2012 etwa als Nummer 15 der Entry List fix im Hauptbewerb stehen würden.

Durch die Regeländerungen findet sich das Duo nun aber bei den ersten beiden Turnieren in China in der Quali wieder. „Das wissen wir ungefähr seit 10 Tagen“, berichtet Doppler.

Version vier des Regelwerks

Wie chaotisch der Entwicklungsprozess abläuft, zeigt auch die Tatsache, dass bei einem Meeting der Athleten mit dem Weltverband am 7. März zugesichert wurde, dass die Punkte spielerbezogen sein werden. In der Folge wurde das neue Handbuch von den Spielern unterfertigt.

„Dieses ist aber zwischenzeitlich wieder von der Homepage verschwunden und ist nun komplett neu wieder da“, erklärt Horst.

Mittlerweile gibt es Version 4 des Regelwerks, das damit nicht mehr jenem entspricht, das von den Spielern als Bedingung zur Teilnahme an der Tour unterschrieben wurde.

Streik stand im Raum

Kein Wunder, dass der Unmut unter den Aktiven groß ist. Im Vorfeld des ersten Turniers in Fuzhou wird es ein Spieler-Treffen geben. Ein Streik stand im Raum. Der allerdings kaum Chancen auf Durchführung hat. Von Seiten des Weltverbandes wird präventiv bereits Druck ausgeübt, zudem sind bei einigen Nationen die Teams mittlerweile direkt den Verbänden unterstellt.

„Brasilien, Niederlande, Russland fallen damit weg“, so Doppler. Einige Teams profitieren von der Umstellung, auch diese wären wohl nicht für einen Streik zu haben. „Ich kenne aber keinen Spieler, der das befürwortet.“

„Nun heißt es, wir spielen die ersten Turniere unter dem neuen Regulativ und verhandeln weiter. Aber wenn du unter den neuen Regeln spielst, dann sind sie akzeptiert“, schildert der zweifache Europameister das Dilemma der Spieler.

Taktikspielchen möglich

Die neue Entry List eröffnet den Verbänden auch Taktikspielchen. Denn welches Team wohin gesetzt wird, unterliegt der Entscheidung der nationalen Verbände.

Ursprünglich sollte die Entry List auch als Setzliste herangezogen werden, wodurch die Taktik noch größeren Raum eingenommen hätte. Dieser Plan wurde letztlich verworfen. Beim Auftakt in Fuzhou zeigt sich gleich, warum.

In Fuzhou wird die Nennliste vom Duo Vitor Felipe/Evandro angeführt. Noch nie gehört? Kein Wunder. Vitor Felipe hat einen siebenten Rang als bestes Ergebnis, Evandro einen fünften. Die Top-Position nehmen sie anstelle von Emanuel und Alison ein.

Eine weitere Möglichkeit, die sich eröffnet, wäre das Top-Duo bewusst in die Quali zu setzen und stattdessen einem schwächeren Team die Hauptbewerbs-Chance zu ermöglichen.

Top 5 für Auftakt in Fuzhou:
(Nationenranking, Team-Rangliste, Verbandsnennung)

Einzel-Platzierungen der Top-5-Teams in Fuzhou:

Nationenranking Team-Rangliste Nennung Fuzhou
1   Brasilien    Emanuel/Alison Vitor Felipe/Evandro (Nr. 59)
2    USA      Gibb/Rosenthal Rosenthal/Dalhausser
3    USA      Rogers/Dalhausser Gibb/Patterson
4    Niederlande    Nummerdor/Schuil Stiekema/Varenhorst (Nr. 24)
5    Brasilien   Ricardo/Cunha Pedro/Bruno

Olympia-Dritter als Verlierer

Wo Gewinner sind, gibt es zwangsläufig auch Verlierer. Einer davon ist Martins Plavins. Mit Janis Smedins gewann der 27-Jährige 2012 Olympia-Bronze und am Saisonende den Grand Slam in Stare Jablonki.

Nach der Trennung von Smedins spielt Plavins in dieser Saison mit Neuling Janis Peda. Da der lettische Verband in Shanghai die Nationenplätze aber an J.Smedins/Samoilovs und Sorokins/T. Smedins vergibt, bleibt für Plavins nur der Platz in der Quali.

Und das auch erst seit einem weiteren „Kunstgriff“ des Weltverbandes. Denn ursprünglich wären in der Quali in Shanghai nur 16 Teams in der Quali zugelassen, Plavins/Peda fanden sich damit nur auf der „Reserved Teams“-Liste wieder.

Diese Regel wurde bei den ersten Turnieren nun außer Kraft gesetzt, auch die Reserve-Teams dürfen nun die Quali spielen.

Nachrücker nur nationenintern

Eine weitere Folge der Änderung: Bisher rückte nach Absage von Hauptbewerb-Teams das nächstgereihte aus dem Qualifeld nach - unabhängig der Nation.

Nun wird bei einer Absage länder-intern nachbesetzt. Den Platz von Nummerdor/Schuil (NED) in Fuzhou bekommen ihre jungen Landsmänner Stiekma/Varenhorst.

Im österreichischen System soll sich diese neue Macht der Verbände nicht niederschlagen. „Wir wollen keine Ermessensentscheidungen“, erklärt ÖVV-Vize-Präsident Stefan Potyka im Gespräch mit LAOLA1.at und verweist darauf, dass in diesem Jahr die Beschickung aufgrund der nationalen Rangliste erfolgen wird.

„Ich sehe keine Grund, etwas zu ändern“

Unterm Strich bleiben auf Spielerebene viele Fragezeichen. Auch über den Grund dieser massiven Eingriffe.

„Es wird immer größer. Aber sie wollen etwas am System etwas ändern“, schüttelt Doppler den Kopf.

„Ich bin seit 2007 aktiv auf der World Tour. Seither hat sich das Niveau und die Breite deutlich gesteigert“, meint Horst. „Ich sehe keinen Grund, etwas zu ändern.“

Philipp Bachtik

 Spieler Einzel-Ranking
Vitor Felipe 66
Evandro 78
Sean Rosenthal 3
Phil Dalhausser 5
Jake Gibb 3
Casey Pattersson (keine Punkte)
Jon Stiekema 37
Christiaan Varenhorst 37
Pedro Solberg 10
Bruno 13
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