Nach komplettem Neustart am richtigen Weg

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Jahrelang standen sie sich als Gegner am Platz gegenüber. Nun wollen Alexander Horst und Clemens Doppler gemeinsam die Strände dieser Welt erobern.

Was rund um den Grand Slam in Klagenfurt als Gerücht begann, ist seit Herbst 2011 Gewissheit. Die beiden aktuell wohl besten Beachvolleyballer Österreichs bilden ein Team.

Kompletter Neustart für Doppler

Eine Entscheidung, die vor allem für Doppler große Umstellungen mit sich bringt. Der Oberösterreicher verlässt mit 31 Jahren die "Komfortzone", und wagt einen kompletten Neustart.

Neuer Partner, neuer Trainer, neues Trainingsumfeld und - die wohl gravierendste Änderung - neue Position. Erstmals, seit er mit Nik Berger im Jahr 2002 in die internationale Spitze vorgedrungen ist, wird Doppler als Block-Spieler agieren.

Der Schritt war wohlüberlegt und passierte nicht von heute auf morgen. "Bei mir waren die letzten Jahre aus sportlicher Sicht einfach nicht zufriedenstellend", begründet Doppler im Gespräch mit LAOLA1 seine Entscheidung.

Mit Matthias Mellitzer erreichte er in drei gemeinsamen Jahren nur drei wirklich zählbare Ergebnisse: "Ein Neunter bei der WM, der Vize-EM-Titel und der Fünfte in Klagenfurt. Die Ergebnisse waren alle super, aber unterm Strich einfach zu wenig."

Als Konsequenz war eine Olympia-Qualifikation über die Rangliste nicht mehr realistisch."Dadurch war der Cut für mich wichtig. Noch ein Jahr warten und versuchen, das Unmögliche möglich zu machen, war für mich kein Thema. Bei Melli und mir war die Luft ein wenig draußen."

Zum Glück "gezwungen"

Da kam der Continental Cup auf Teneriffa gerade recht. Die Vorgabe des Verbandes, die bestehenden Teams durchzumischen, sollte den entscheidenden Anstoß zur Team-Neubildung geben.

"Da haben wir gesehen, dass es auch mit anderen Partnern gehen kann“, blickt Doppler zurück. "Alex und ich haben zwar nicht gemeinsam gespielt, aber in den Trainings hat man gesehen, es passt.“

Bei seiner Entscheidung habe er sich sehr viel auf sein Gefühl verlassen. Und das war durchwegs positiv. "Natürlich mit dem großen Fragezeichen: Werde ich blocken lernen.“

Positive Trainings-Eindrücke

Auch bei Alexander Horst reifte in den gemeinsamen Trainingswochen der Entschluss zur Neu-Orientierung. "Ich habe gemerkt, dass es gut funktioniert. Wenn wir im Training gemeinsam gespielt haben, haben wir eigentlich alles gewonnen.“

Nach Gespräche sei ihm die Entscheidung letztlich nicht schwer gefallen: "Ich will so schnell wie möglich wieder ganz nach vor. Mit einem jungen Spieler würde es sicher länger dauern und ich bin ja auch nicht mehr ganz so jung."

Den damaligen Satz "Ich muss jetzt auch auf mich selber schauen“, habe er zwar nicht so gemeint, wie er aufgefasst wurde, klar ist aber: "Du hast nur ein paar Jahre und da musst du schauen, dass du so erfolgreich wie möglich bist.“

Unsicherheitsfaktor Block

Der größte Unsicherheits-Faktor beim neuen Team ist die Block-Tauglichkeit von Clemens Doppler, der in den letzten Jahren hinter Peter Gartmayer und Matthias Mellitzer in der Verteidigung agierte.

Die Eindrücke in den gemeinsamen Trainings haben Horst, der jahrelang mit Flo Gosch einen Top-Blocker der Tour vor sich hatte, überzeugt. "Dafür, dass er es einige Jahre nicht gemacht hat, hat er ganz gut blockiert.“

Positiv überrascht

Die ersten Trainingsmonate bestärkten das Duo bisher jedenfalls darin, am richtigen Weg zu sein. "Ich bin überrascht, wie gut unser Block-Verteidigungsspiel bereits funktioniert. Das hatte ich mir nicht erwartet. Auf Teneriffa hat es auch gegen Main-Draw-Teams sehr gut funktioniert“, so Horst.

Sehr gut funktioniert heißt in Zahlen: Von acht Test-Matches wurden sechs gewonnen. Zumeist klar mit 2:0. Auch wenn Trainings-Ergebnisse nicht überbewertet werden dürfen, wie man auch aus anderen Sportarten weiß, so geben sie doch Selbstvertrauen und zeigen, dass der eingeschlagene Weg stimmt.

"Ein sicheres Rezept, wie es funktioniert, hast du nie. Aber was wir bisher gesehen haben, bestätigt uns“, ist Doppler zuversichtlich. "Und wir haben ja noch knapp einen Monat Zeit.“

Nein zu Brasilien und den USA

Ein Monat, dass das Duo weiterhin in Europa verbringen wird. Ein Trainingslager in Brasilien war kein Thema mehr, schon eher ein Trip nach Los Angeles.

"Wir hätten mit den Amis trainieren können. Aber das war alles nicht wirklich fix ausgemacht“, berichtet Doppler.

Neo-Partner Horst hat mit einem US-Trainingslager bereits Erfahrung gemacht und weiß: "In LA musst du ein zweites Team mithaben. Mit den Amis kannst du nicht planen. Die rufst du am Montag an, machst dir ein Training für Dienstag aus. Und dann ruft er dich am Montagabend an und sagt, er muss doch was anderes machen und sagt dir ab.“

Neben den Trainingseinheiten in Wien haben Doppler/Horst bereits ein Trainingslager auf Teneriffa und eines auf Fuerteventura hinter sich. Doppler: "Die Trainingsgruppen auf Fuerteventura und Teneriffa sind wirklich sehr gut. Viel bessere Teams kriegst du fast nicht.“

So waren auf Fuerteventura neben den Trainingspartnern Klemperer/Koreng auch Brink/Reckermann und Fijalek/Prudel – ihres Zeichens Nummer 3 und 4 der vergangenen Saison.

Das lange Brasilien-Trainingslager – in der Vergangenheit Pflicht für jedes Top-Team – ist aus der Mode gekommen. Der Kosten-Faktor spielt ebenso eine Rolle wie Trainingszeiten. "Mittlerweile trainiert fast keiner mehr dort, außer vielleicht ein paar Tage vor dem Turnier“, weiß Doppler.

Verspäteter Saisonstart

Und selbst auf diese Reise werden Doppler/Horst in diesem Jahr verzichten. Der Grund ist einfach: Das Duo will zu Saisonbeginn Kraft sparen und sich eine Reise um die Welt ersparen.

Brasilia, Myslowice (POL), Shanghai (CHN), Peking (CHN) - so sieht der Turnierplan zu Beginn der Saison aus. "Bei unserer Saisonplanung sind uns die beiden Grand Slams in China wichtiger“, erklärt Doppler die Hintergründe.

Mit guten Ergebnissen bei den höher dotierten Turnieren wollen Clemens und Alex die harten Quali-Mühlen so schnell wie möglich hinter sich lassen und sich im Hauptbewerb etablieren.

London als Ziel

Ein guter Saisonstart soll auch Selbstvertrauen für das Final-Turnier des Continental Cups geben, wo die letzten Olympia-Tickets vergeben werden.

Denn eines ist für beide klar: London 2012 ist trotz der kurzen Vorlaufzeit ein Ziel. "Für London haben wir eine Chance. Aber das heißt nicht, dass wir fix dort sind. Für mich persönlich ist wichtig, dass wir gut starten und so schnell als möglich fix in den Hauptbewerb kommen“, erklärt Horst.

Die Überlegungen bei der Teamfindung waren durchaus langfristig ausgelegt.

Längerfristige Planung

"Das primäre Ziel ist London. Aber  bei Olympia 2016 bin ich 35 – Alex 33. Wenn man sich andere Spieler anschaut, die sind mit 33  oder 34 Jahren am Peak und körperlich voll dabei“, blickt Clemens auch in die weiter entfernte Zukunft.

"Unser Sport lebt auch von Erfahrung und ich habe nicht die Angst, dass wir für Rio 2016 zu alt sein werden. Ich weiß nicht, ob ich 2016 aufhören will. Wenn es gut läuft und ich körperlich noch beinander bin, will ich schon noch weiterspielen. Aber als Beachvolleyballer ist es sicherlich ein Highlight, da dabeizusein.“

Philipp Bachtik

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