"Können durch Erfahrung viel wettmachen"

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"Wenn man es realistisch sieht, ist es besser, als man erwarten durfte."

Meint Alex Horst auf die LAOLA1-Frage nach der Bilanz der bisherigen Saison. Auch sein Trainer Robert Nowotny sieht es so: „In Anbetracht der Ergebnisse der bisherigen Saison, in der jeder jeden schlägt und Qualifikanten im Finale stehen, bin ich sehr zufrieden.“

Die nackten Zahlen sprechen für sich. Bronze bei der EM, Rang fünf in Gstaad. Und das in einer Saison, die ganz klar im Zeichen des Zurückkommens stand.

Unerwartet positiv

Clemens Doppler konnte nach seinem Kreuzbandriss bei der EM 2013 erst verspätet in die Saisonvorbereitung einsteigen. Aber auch Horst war im Winter nicht voll fit.

„Die anderen Teams konnten sich im Winter vorbereiten, ihre Stärken trainieren und an ihren Schwächen arbeiten. Bei uns war es so, dass wir praktisch den gesamten Winter über nicht gesprungen sind und auch nur sehr wenig am Ball arbeiten konnten“, so Horst. „Daher ist die Saison bisher besser als erwartet.“

Ein unerwartetes Erfolgserlebnis gab es mit Bronze bei der EM. „Ich weiß nicht, ob sie da vielleicht noch eine Rechnung offen hatten nach dem Aus bei der Heim-EM. Vom Sportwissenschaftlichen her wären wir noch nicht so weit gewesen. Aber vielleicht waren wir einfach lockerer. Die anderen haben gewusst: Gegen die dürfen wir nicht verlieren, die sind ja quasi noch verletzt“, sucht Trainer Nowotny eine Erklärung für EM-Bronze.

"Durch Erfahrung viel wettmachen"

Geholfen hat sicherlich die Routine der beiden Hauptdarsteller im Team. „Wären wir jung und unerfahren, wäre das nicht möglich“, weiß Horst. „Durch die Erfahrung konnten wir viel wettmachen.“

Die mangelnde Vorbereitung hat auch die Herangehensweise an die Saison-Aufgaben geändert. Zumindest in der Theorie macht sich das Duo weniger Druck. „Aber wenn ich spiele, dann gibt es keine Ausreden, dann will ich gewinnen – egal, was davor war.“

Das klappte in dieser Saison durchwegs gut. Bis auf eine Ausnahme schafften Doppler\/Horst immer den Sprung aus der Gruppe. „Die einzige Niederlage, die wirklich schmerzt, ist jene gegen die Mexikaner in Den Haag. Da hätte ich uns stärker gesehen“, blickt Nowotny auf die bisherigen Saisonleistungen zurück.

Wobei Horst hervorstreicht: „Teams, die man im Normalfall schlagen muss, gibt es auf der World Tour nicht mehr.“ Der Spruch „Jeder kann jeden schlagen“ habe in dieser Saison mehr Relevanz als je zuvor. „Die Polen, die in Den Haag gewonnen haben, landeten davor in Gstaad auf Rang 25. Es ist noch schlimmer, als die Jahre davor, in denen wir das auch schon immer betont haben. Die Dichte ist noch größer geworden.“

Fehlende Winter-Vorbereitung kostet Konstanz

Die fehlende Konstanz im eigenen Spiel hat ihren Ursprung sicherlich im Winter. „Ich möchte mir gar nicht ausdenken, wo wir wären, hätten wir die zwei Monate Vorbereitung voll gehabt“, so Nowotny. „Vielleicht wären wir an der gleichen Stelle, es hätte sich nichts geändert, weil wir übertrainiert wären.“

Allerdings merke er als Trainer gerade in Phase mit vielen Spielen, dass die Vorbereitung fehle. Als Beispiel führt er die letzten Wochen an: „Das erste Turnier (Gstaad) hat sehr gut funktioniert. Das zweite (Den Haag) schon weniger. Was passiert beim dritten in Folge? Diese Unsicherheit haben wir uns erspart, auf Long Beach verzichtet und uns voll auf Klagenfurt konzentriert.“

Blockarbeit stand am Winterplan

Mit einer normalen Wintervorbereitung sehe Nowotny sein Team auf jenem Niveau des Vorjahres. „Ich glaube, dass wir regelmäßig in die Top-10 kommen würden. Aber ich will auch nicht sagen, dass wir uns dramatisch gesteigert hätten.“ Die Verletzung habe das Team sicherlich zurückgeworfen, aber nicht so dramatisch, wie befürchtet.

Durch die Verletzung wurde jedenfalls der Plan über den Haufen geworfen. Der sah intensives Blocktraining für Doppler vor, der ja erst vor zwei Jahren den Schritt vom Verteidigungsspieler ans Netz machte. „Da konnten wir überhaupt nichts machen. Wir sind da am gleichen Niveau, wie im Jahr davor. Vielleicht sogar darunter, weil er durch die Verletzung noch nicht so hoch springen kann.“

Physios und Scouts

Zwei wichtige Puzzlesteine in der Comeback-Saison ermöglicht das „Projekt Rio“: Das ÖVV-Duo kann auf der kompletten Tour auf die Unterstützung durch einen Scout und einen Physio bauen.

„Das Analyse Tool bietet uns wichtige Erkenntnisse über unser Spiel aber auch über jenes der Gegner. Ziel ist es in Hinblick auf Rio16 von jedem Team mehrere Spiele und verschiedene Situationen zur Verfügung zu haben“, erklärt Nowotny.

„Noch viel wichtiger ist aber, dass sich die doch schon älteren Herrschaften auf die Pritsche legen können und ordentlich durchgeknetet werden. Die liegen da mit schmerzverzerrtem Gesicht bei der Massage, aber sie brauchen das.“

"Dieses Schwert hängt noch über uns"

Einen fünften Rang, wie zuletzt in Gstaad, hätte sich der Coach vor der Saison nie erwartet. „Das muss man ihnen hoch anrechnen. Sie haben im Winter sehr gut gearbeitet, sonst könnten sie nicht so mitspielen.“

Um das ausgerufene Saisonziel – die fixe Hauptbewerbs-Teilnahme für den Saisonstart 2015 zu fixieren – müssen Doppler/Horst aber noch kämpfen. In der Entry List rückt der Quali-Strich näher, trotz des fünften Platzes. „Dieses Schwert hängt immer noch über uns. Früher bist du mit einem fünften Rang durch die Saison gekommen. Das gibt es jetzt nicht mehr, irgendwann bringt den fast jeder zusammen“, so Nowotny.

Beim Heimturnier in Klagenfurt sind die EM-Dritten jedenfalls fix im Hauptfeld. „Wir werden heuer von Spiel zu Spiel denken. Dass wir gewinnen können, wissen wir und wenn es ausgerechnet in Klagenfurt, mit dem besten Publikum im Rücken, ein bisschen weiter geht, habe ich nichts dagegen“ gibt Horst die Marschrichtung vor.

Philipp Bachtik

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