King James und sein königlicher Hofstaat

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Mitte Jänner hielten die Cleveland Cavaliers bei einer 19:20-Bilanz.

LeBron James war angeschlagen, Coach David Blatt zumindest von den Medien angezählt.

Sorgen um den Playoff-Einzug musste sich die neu zusammengestellte Mannschaft in der schwächeren Eastern Conference zwar nicht machen, doch wenig deutete darauf hin, als könnten die Cavs noch heuer zu einem ernsthaften Meisterschaftsanwärter werden.

Viereinhalb Monate später steht das Team aus Ohio zum zweiten Mal nach 2007 in den in der Nacht auf Freitag bei den Golden State Warriors beginnenden NBA Finals.

Ausfälle verkraftet

Und das, obwohl (?) Kevin Love mit einer Schulterverletzung zu Beginn der Playoffs ausfiel und mit Kyrie Irving ein zweites Drittel der "Big Three" angeschlagen Spiele verpasste.

2014 triumphierten die San Antonio Spurs in den Finals mit herausragendem Team-Basketball gegen LeBron James und die Miami Heat.

Ein Jahr später steht der Cleveland-Heimkehrer wieder in der Finalserie und hat als überragender Einzelspieler die Chance auf seinen dritten Titel.

Überragende Stats

Doch die Cavs-Erfolgsstory in diesen Playoffs ist trotz der herausragenden Leistungen von James (27,6 Punkte, 10,4 Rebounds, 8,3 Assists, 1,8 Steals, 1,3 Blocks, aber auch nur 17,5% 3er, 4,4 Turnovers) keine One-Man-Show.

Neben dem 30-Jährigen und freilich Kyrie Irving, haben auch vermeintliche Mauerblümchen wie Matthew Dellavedova und Timofey Mozgov, der kontroversielle J.R. Smith oder Rebound-Arbeiter Tristan Thompson die Chance, so etwas wie Kult-Status zu erlangen.

Dellavedova: Gehasst und geliebt zugleich

Dellavedova ist die "Klette" im Team und war vor dieser Saison in der NBA alles andere als eine große Nummer.

Doch der 24-Jährige hat ein durchaus beeindruckendes Renommee: Er ging vom Saint Mary's College als Allzeit-Leader in u.a. Punkten und Assists ab und war 2012 Conference Player of the Year. Trotzdem wurde er nicht gedraftet.

Mit Australien landete der Guard bei der U19-WM 2009 auf Rang vier und nahm mit dem Herren-Team an Olympia 2012 und WM 2014 teil.

In der Regular Season kam "Delly" auf 4,8 Punkte pro Spiel, in den Playoffs waren es bislang 7,0. Beim entscheidenden Sieg gegen die Bulls war Dellavedova mit 19 Zählern sogar Topscorer.

Schlechter Ruf

Sein teilweise grenzwertiger Einsatz brachte ihm kürzlich den Ruf eines schmutzigen Spielers ein. Er verletzte Kyle Korver bei einem Sprung nach dem Ball so schwer am Sprunggelenk, sodass der Hawks-Guard operiert werden musste.

Taj Gibson und Al Horford handelten sich nach unsportlichen Reaktionen auf Aktionen von Dellavedova Ausschlüsse ein.

Teamkollegen, aber auch Experten wie Charles Barkley nahmen den Australier allerdings in Schutz und konterten die Kritik. Von den Mitspielern geliebt, von den Gegnern gehasst - ein Kämpfer, wie geschaffen für legendäre Playoff-Spiele.

Der Nummer-4-Draftpick von 2011 hat die Erwartungen in den letzten Saisonen nicht hundertprozentig erfüllt, an der Seite von James hat er - sicherlich auch "begünstigt" durch die Ausfälle - seine Nische gefunden. Clevelands Stärke am Rebound ist in den Playoffs eklatant.

Vernünftiger Smith

Am meisten von LeBron James profitiert wohl der als "Bad Boy" verschrieene J.R. Smith.

Der gemeinsam mit Iman Shumpert von den Knicks per Trade geholte Shooting Guard sorgt seit dem Wechsel nur noch für positive Schlagzeilen - und mit seiner Gefährlichkeit von der Dreier-Linie dafür, dass das Doppeln gegen James konsequent bestraft werden kann.

Smith überzeugt in den Playoffs mit einer fast 40-prozentigen Dreier-Quote und erzielt 13,5 Punkte pro Partie.

Bedenken vor Smiths Verpflichtung wischte James sofort vom Tisch: "Bringt ihn her, ich kümmere mich um ihn!"

Die "No nonsense"-Haltung trägt Früchte. Die Stats sind nicht besser als bei Smiths früheren Stationen, doch er hat sich wie Shumpert gut in das Team eines Titelanwärters eingefügt, ohne Probleme zu machen.

"Rookie-Coach" Blatt

Eine besondere Rolle spielt auch Coach David Blatt, der zwar wie sein Final-Gegenüber Steve Kerr ein NBA-Rookie-Coach ist, aber dennoch viel Erfahrung mitbringt.

Der 56-Jährige führte Maccabi Tel Aviv im vergangenen Jahr zum Euroleague-Titel und zuvor Russland zu EM-Gold, EM-Bronze und Olympia-Bronze.

Bei seinem Wechsel in die NBA dachte er wohl, ein junges Team langsam an die Playoffs heranführen zu können. Wenig später platzte die Bombe des James-Transfers und Blatt war auf einmal Trainer eines Mitfavoriten.

Kritik verstummte

Nach anfänglicher Kritik, die unter den Argusaugen der Presse unvermeidlich war, ist die Skepsis spätestens nach dem Final-Einzug verschwunden.

Blatt schafft es, die nötige Balance an Freiheiten für seinen Superstar und Kontrolle zu finden.

Auch er könnte an der Seite des "Königs" auch in der NBA ganz groß rauskommen. Unverhofft und unerwartet, wie auch andere Akteure, die vor wenigen Monaten weit weg vom großen Rampenlicht waren.

"Nur" noch vier Siege gegen die Warriors trennen den König und seinen "Hofstaat" vom ganz großen Triumph.

Mozgov etabliert sich

Center Timofey Mozgov wurde, nach dem Ausfall von Anderson Varejao, von seinem ehemaligen Russland-Teamchef David Blatt von den Denver Nuggets nach Cleveland geholt.

Innerhalb kurzer Zeit wurde der 2,15-Meter-Mann von einem in den Colorado lange Zeit nicht gesetzten Big Man zum Starter bei einem Final-Teilnehmer.

9,7 Punkte, 7,3 Rebounds, 1,2 Blocks in der Regular Season, 9,1 Punkte, 7,2 Rebounds und 1,9 Blocks in den Playoffs sind Beleg für den Anker unter dem Korb, den der St. Petersburger darstellt.

Durchbruch von Thompson

Power Forward Tristan Thompson lässt mit seinem kompromisslosen Einsatz am Rebound Kevin Loves Ausfall schon fast vergessen.

Der 24-jährige Kanadier ist mit 9,4 Punkten und 9,9 Rebounds die große athletische Präsenz unter dem Korb und bekommt in den Playoffs als Teil einer kleineren Aufstellung deutlich mehr Spielzeit als im Grunddurchgang (34,3 gegenüber 26,8 Minuten).

Bisherige Duelle:

Datum

Heim

Gast

Ergebnis

9.1.

WARRIORS

Cavaliers

112:94

26.2.

CAVALIERS

Warriors

110:99

Hubert Schmidt

LAOLA1-TIPP:

Bell

Schauhuber

Schmidt

4:2 WARRIORS

4:2 WARRIORS

4:3 CAVALIERS

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