Playoff-Spannung und eine Drama-Queen

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Die NBA geht in ihre heiße Phase.

Die Playoffs stehen vor der Tür, und sie garantieren wie so oft Spannung und großen Basketball.

In der Eastern Conference ist die Favoritenrolle in drei von vier Duellen klar verteilt, aber Überraschungen stehen erfahrungsgemäß an der Tagesordnung.

LAOLA1 analysiert die Erstrunden-Duelle im Osten:

CHICAGO BULLS (1) - PHILADELPHIA 76ERS (8)

Ausgangssituation:

Die Chicago Bulls gehen als bestes Team der NBA in die Playoffs. Trotz einer längeren Verletzungspause des letztjährigen MVP Derrick Rose gewannen sie wie San Antonio 50 Spiele bei 16 Niederlagen, und siegten zudem auch im direkten Duell. Auch in der Abwesenheit seines Topstars gab sich das Traditionsteam keine Blöße, mit ihm waren sie nur sehr schwer zu biegen. Vor allem die bärenstarke Defensive - nach zugelassenen Punkten Nummer eins in der NBA - macht die Bulls zu einem harten Gegner.

Zu Jahresbeginn waren die Philadelphia 76ers das Überraschungsteam der NBA. Der Schwung der ersten Erfolge ist aber längst verflogen, dagegen kehrte Realitätsbewusstsein ein. Platz acht in der Eastern Conference trotz der zweitbesten Defensive der Liga zeigt die Schwachstelle der "Sixers" auf: Die Offensiv-Produktion. Andre Iguodala und Co. erzielten nur die neuntwenigsten Punkte. Von den Playoff-Teams ist nur Boston in dieser Statistik noch schwächer.

Bisherige Duelle:

Das erste Spiel ging an Philly, das damals noch auf der Erfolgswelle schwamm. Bei den beiden Duellen im März waren beide Teams ihrer aktuellen Form wohl näher.

Schlüsselspieler:

Die Bulls hoffen, in den Playoffs auf einen Derrick Rose in Normalform bauen zu können. Ein Spieler seiner Klasse kann Spiele im Alleingang entscheiden. Ob das schon gegen die Sixers nötig sein wird, darf bezweifelt werden. Nichtsdestoweniger ist er, sofern er sich von seiner Verletzung völlig erholt, der beste Spieler am Platz und damit der Schlüssel zur Serie. Will Philly eine Chance haben, gilt es, ihn aus dem Spiel zu nehmen.

Bei den 76ers sticht kein Spieler außergewöhnlich heraus. Das ist gleichzeitig ihre Schwäche - es fehlt eine Macht unter dem Korb oder ein zuverlässiger Mann für wichtige Würfe. In Abwesenheit eines solchen kann man wohl Andre Iguodala als Schlüsselspieler bezeichnen. Er ist der beste Allrounder des Teams und in fast allen Statistiken unter den Top zwei: In Rebounds hinter Elton Brand, in forcierten Turnovers hinter Jrue Holiday und in Assists sogar Erster.

Prognose:

Ein Weiterkommen Philadelphias wäre die größte mögliche Überraschung der ersten Playoff-Runde. Ein Szenario, in dem die 76ers die Bulls dauerhaft übertrumpfen können, ist schwer zu finden. Wenn der Verletzungsteufel nicht wieder zuschlägt, lässt sich Chicago das nicht nehmen. Unser Tipp: 4:0 Bulls.

MIAMI HEAT (2) - NEW YORK KNICKS (7)

Ausgangssituation:

Die Miami Heat lieferten wieder eine solide Saison ab. Die "Big Three", LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh, blieben nichts schuldig und warfen die Heat von Sieg zu Sieg. Dass es nicht zum Conference-Sieg reichte, lag wohl nicht zuletzt an der fehlenden Tiefe der Mannschaft. Trotzdem heißt das erklärte Ziel des Starensembles auch heuer wieder, LeBron James endlich seinen lang ersehnten Ring zu holen.

Die New York Knicks haben eine turbulente Regular Season hinter sich. Nach dem Ausbruch der Lin-Sanity wurden im Big Apple schon große Pläne geschmiedet, die aber mit der Verletzung des Shooting-Stars einen herben Dämpfer erlitten. Auch die Verletzung von Amar'e Stoudemire schien die Knicks zurückzuwerfen, aber sie schafften es in die Playoffs. Stoudemire absolvierte noch in der Regular Season einige Spiele, Lin könnte wohl erst zur zweiten Playoff-Runde zurückkehren.

Bisherige Duelle:

Bei den Miami Heat heißt der Schlüsselspieler LeBron James. Der Favorit auf den Titels des MVP spielte einer seiner stärksten Saisonen, muss aber den Fluch des letzten Playoff-Viertels, in dem er bis dato selten an seine sonst so starken Leistungen anknüpfen konnte, ablegen. Auf die Knicks wartet eine schwere Aufgabe, denn hindern sie ihn bewusst am Punkten, kommen zwangsweise Wade und Bosh zu guten Wurfmöglichkeiten.

In der Abwesenheit seiner Star-Kollegen spielte Carmelo Anthony ein ums andere Mal groß auf. Über dreißig Punkte pro Spiel waren in der jüngsten Vergangenheit keine Seltenheit bei dem Forward, der vergangenes Jahr von den Denver Nuggets kam. Vor allem ihm ist es zu verdanken, dass die Knicks sich noch in die Playoffs retten konnten. Ebenfalls von enormer Wichtigkeit ist Tyson Chandler. Der oberste Anwärter auf die Auszeichnung des Defensivspielers des Jahres sollte in der Lage sein, Bosh und Co. unter dem Korb Paroli zu bieten.

Prognose:

Nach dem letzten Lockout, in der Saison 98/99, trafen die an Nummer acht gesetzten Knicks ebenfalls auf die Heat. Damals gelang die Sensation, die Nummer eins verabschiedete sich aus den Playoffs. Ob etwas Ähnliches auch heuer gelingt, ist zumindest fraglich. Anthony und Chandler müssen außergewöhnliche Tage erwischen und Stoudemire muss zu alter Form zurückkehren, dann könnte es möglich sein. Ansonsten werden die Heat ganz entspannt in Richtung der zweiten Runde marschieren. Unser Tipp: 4:2 Heat.

INDIANA PACERS (3) - ORLANDO MAGIC (6)

Ausgangssituation:

Die Indiana Pacers (42-24) kann man getrost als die Überraschung der Saison bezeichnen. Im Schatten von Chicago und Miami mauserte sich die Franchise aus Indianapolis zum unangefochtenen Dritten in der Eastern Conference. Ein hervorragendes Kollektiv macht die Pacers aus, in einer Saison, in der kaum ein Team keine Verletzungssorgen hat, ist das ein Vorteil.

Die Orlando Magic - der Broadway der NBA. Nirgends sonst wird ein derartiges Theater veranstaltet. Die Drama-Queen der Posse ist ein Herr namens Dwight Howard: Zuerst fordert er einen Trade, dann entscheidet er sich doch dagegen, dann will er seinen eigenen Coach feuern - und zu allem Überfluss verletzt er sich dann auch noch. Der mit Abstand beste Spieler der Magic fällt für die Playoffs aus, was jeglichen Hoffnungen auf einen Durchmarsch einen vernichtenden Dämpfer verpasst. Basketball gespielt wurde in Orlando übrigens auch, und das mit 38-28 gar nicht so schlecht.

Bisherige Duelle:

Orlando konnte drei der direkten Duelle für sich entscheiden. Der Großteil der Begegnungen waren relativ deutliche Angelegenheiten, was die Wichtigkeit der Tagesverfassung deutlich macht.

Schlüsselspieler:

Es wäre ungerecht, bei den Pacers einen einzigen Spieler herauszustreichen. Gleich fünf Spieler können einen zweistelligen Punkteschnitt vorweisen, vier Mann haben einen Rebound-Schnitt von über fünf. Danny Granger und Roy Hibbert ragen zwar etwas aus dem Kollektiv heraus, aber der Schlüssel wird eben dieses sein.

Bei den Orlando Magic ist die Frage nach dem Schlüsselspieler schnell beantwortet. Dwight Howard führt sein Team im Punkte-, Rebound-, Block- und Steal-Schnitt an. In seiner Abwesenheit liegt das Hauptaugenmerk auf Ryan Anderson. Der Favorit auf die Auszeichnung des Most Improved Players ist nun der bestimmende "Big Man" des Teams aus Florida. Er muss aber wohl eine Sternstunde nach der anderen haben, um die Magic am Leben zu erhalten.

Prognose:

Ohne ihren Star werden die Magic wohl keine Chance gegen das übermächtige Pacers-Kollektiv haben. Wenn Anderson, Redick oder Nelson ein Riesen-Spiel gelingt, können sie das eine oder andere Spiel gewinnen, aber für die ganze Serie wird es wohl kaum reichen. Unser Tipp: 4:1 Pacers.

ATLANTA HAWKS (4) - BOSTON CELTICS (5)

Ausgangssituation:

Dem Bostoner Altherrenverein gelang es, mit einem starken März die Atlantic Division für sich zu entscheiden. Trotz zahlreicher Stimmen, die die Zeit von Paul Pierce, Kevin Garnett und Co. abgelaufen sahen, bewiesen sie auch heuer wieder ihre Gefährlichkeit. Pierce ist nach wie vor einer der besten Crunch-Time-Werfer der NBA, Rajon Rondo haucht den Celtics neue Jugend ein und Garnetts Erfahrung ist sowieso unbezahlbar. Einziger Minuspunkt des Traditionsteams ist die in Summe schwache Offense. Weniger als 92 Punkte pro Spiel ist der fünftschwächste Wert in der NBA.

Atlantas Saison war eigentlich nach elf Spielen zu Ende. Nach der Verletzung von Star-Center Al Horford erwartete fast jeder einen Absturz, aber es kam anders: Die Hawks spielten groß auf und beendeten die Saison vor Lokalrivale Orlando auf dem Eastern-Conference-Rang 4. Das lag vor allem an durchwegs starken Defensivleistungen - die Hawks ließen die fünftwenigsten Punkte pro Spiel zu.

Bisherige Duelle:

Die bisherigen Duelle waren allesamt knapp. Das jüngste Duell, das nur etwas mehr als eine Woche vor dem Start der Playoffs stattfand, ging an die Hawks. Die Aussagekraft dieses Spiels darf aber bezweifelt werden.

Schlüsselspieler:

Die Hoffnung der Celtics heißt Rajon Rondo. Der 26-jährige Point Guard führt die Assist-Wertung mit 11.6 pro Spiel sogar noch vor Steve Nash, der diese in den vergangenen acht Jahren sechs Mal gewann, an. Seine Übersicht ist bemerkenswert und Boston hat nicht zuletzt wegen seiner Pässe die fünftbeste Trefferquote der NBA.

Die Hawks stehen und fallen mit Josh Smith. Er ist der Träger der starken Defense. Er führt die Reboundwertung seines Teams mit 9.6 pro Spiel souverän an und provoziert auch die meisten Turnover bei Atlanta. In einer Serie, die wohl durch die Defensive entschieden wird, ist er der große Trumpf von Atlanta.

Prognose:

Im Duell der drittbesten mit der fünftbesten Defensive erwarten uns sehr knappe Spiele, bei denen die Hundert-Punkte-Marke wohl nur sehr selten fallen wird. Hier kann alles passieren, unser Tipp: 4:3 Celtics.

 

Martin Schauhuber

Datum Heim Gast Ergebnis
  1. März
Atlanta BOSTON 76:79
  1. April
BOSTON Atlanta 88:86
  1. April
ATLANTA Boston 97:92
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