Jung, aufregend, neu - fünf Rookies zeigen auf

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Alle Jahre wieder bereichert ein neuer Jahrgang die Reihen der NBA-Profis.

Im Sommer 2012 wurde dieser von Jungstar Anthony Davis angeführt, der nach einer herausragenden College-Saison mit Kentucky sogar Teil des olympischen US-Teams war.

Zum bisher schillerndsten Akteur aus der Riege der Rookies mauserte sich aber ein anderer: Damian Lillard sorgt im Rose Garden zu Portland für euphorische Trail-Blazers-Fans.

Auch Wizards-Guard Bradley Beal und der russische Überraschungsmann Alexey Shved zeigten in ihren ersten Monaten gehörig auf, Risiko-Pick Andre Drummond belohnt die Detroit Pistons für ihre mutige Wahl.

LAOLA1 wirft einen genaueren Blick auf fünf der auffälligsten Rookies:

DAMIAN LILLARD:

24,5 Punkte, fünf Rebounds und fünf Assists pro Spiel – Damian Lillard brachte aus dem College eine beachtliche Visitenkarte mit. Der Haken daran? Er erarbeitete sich diese Statistiken in Weber State, einer vergleichsweise winzigen Schule mit dementsprechend schwachen Gegnern. Zahlreiche Scouts zweifelten an seiner Fähigkeit, mit Profis mitzuspielen. Die Portland Trail Blazers nahmen an sechster Stelle des Drafts das Risiko und schnappten sich den 1,91m großen Point Guard – sie könnten nicht glücklicher mit ihrer Entscheidung sein. Von Tag eins weg übernahm der Youngster das Ruder und brachte die Basketball-Begeisterung zurück nach Oregon. Mit 18,3 Punkten, 3,5 Rebounds und 6,6 Assists pro Spiel braucht sich Lillard auch im Vergleich mit seinen erfahreneren Kollegen nicht zu verstecken. Was seine Bewunderer ins Schwärmen verfallen lässt, sind aber nicht seine Zahlen. Vielmehr beeindruckt er durch unglaubliche Abgebrühtheit, die hinter dem 22-jährigen Gesicht einen 30-jährigen Veteran vermuten lässt. Der in Oakland geborene Guard scheut den entscheidenden Wurf nicht, sehnt ihn förmlich herbei. Bricht Lillard nicht völlig ein, führt der Weg zum Rookie of the Year eindeutig über ihn. Das unterstreichen auch seine beiden Auszeichnungen zum „Rookie of the Month“ der Western Conference im November und Dezember.

BRADLEY BEAL:

Der dritte Pick des Drafts war anfangs mit Startschwierigkeiten konfrontiert. Durch die Verletzung von Star-Point-Guard John Wall musste Beal im Offensivspiel der Washington Wizards mehr Pflichten übernehmen, als ihm lieb war. Nach einem holprigen November ging die Formkurve im Weihnachtsmonat klar nach oben, was ihm auch den Titel des Eastern-Conference-Rookies des Monats einbrachte. Richtig gut sieht es seit dem Comeback von Wall aus. Mit dem Nummer-eins-Pick von 2010 läuft es für den MVP der U17-WM des selben Jahres wie geschmiert, auch deshalb geht es für die Wizards derzeit verhältnismäßig steil nach oben. Im bisherigen Kalenderjahr wirft Beal „lights out“ – 60% der Dreier und knapp 48% aus dem Feld wird schwer zu halten sein, ist aber eine gigantische Verbesserung im Vergleich zum Start. Pendelt er sich nahe der jetzigen Quote ein, dürfen sich die Verantwortlichen der Wizards alle Finger ablecken – mit Wall und Beal scheint der Backcourt der Zukunft gefunden zu sein.

ANDRE DRUMMOND:

Vor dem Draft galt Drummond als der Risiko-Rookie schlechthin. Athletisch unbestritten Oberklasse, waren Zweifel an seinen basketballerischen Qualitäten mehr Konsens als vereinzelte Meinungen. Den Detroit Pistons war das egal. Sie packten die Chance, Greg Monroe endlich einen kongenialen Frontcourt-Partner zu bescheren, am Schopf und der 19-jährige Center erwies sich als Glücksgriff: 7,3 Rebounds und 1,6 Blocks pro Spiel bei nur 20 Minuten sind unter den Rookies auf 48 Minuten hochgerechnet einsame Spitze. Mit sechs Double-Doubles ist Drummond auch in dieser Kategorie knapp hinter Anthony Davis Zweiter unter den Rookies. Die Alley-Oop-Freudigkeit des Neulings ist in Detroit am richtigen Ort, war in den letzten Jahren doch ein kapitaler Zuseherschwund im Palace of Auburn Hills zu verzeichnen – aufregende Spieler sind da nur zu gern gesehen. Zusammen mit Will Bynum führt der 2,13-Meter-Riese die Bank der Pistons an, die der einzige echte Lichtblick in einer ansonsten weitgehend enttäuschenden Saison der Titelträger von 2004 ist.

ALEXEY SHVED:

Schon 2010 nannte der Russe Shved für den NBA-Draft. 30 Teams machten damals den Fehler, ihn durchrutschen zu lassen, und so blieb der Combo-Guard für zwei weitere Jahre in seiner Heimat, wo er mit ZSKA Moskau ins Euroleague-Finale einzog und dort nur um einen Punkt verlor. Im Sommer sahen die Minnesota Timberwolves seine Zeit gekommen und verpflichteten den 24-Jährigen für drei Jahre. Auch wenn ursprünglich geplant war, den 1,98m großen Shved langsam ins Team einzubauen, musste er nach kurzer Zeit ins kalte Wasser geworfen werden. Riesiges Verletzungspech zwang Head Coach Rick Adelman dazu, dem Neuzugang früh viel Spielzeit zu geben. Dieser zahlte ihm das erzwungene Vertrauen mit hervorragenden Leistungen zurück. Zusammen mit anderen „Helden aus der zweiten Reihe“ hielt der Russe das Timberwolves-Schiff einigermaßen auf Kurs. Im Saisonschnitt weist er nun beachtliche 29 Minuten pro Spiel auf. In diesen verteilt Shved durchschnittlich 4,6 Assists pro Spiel und steuert überdies 10,7 Punkte bei.

ANTHONY DAVIS:

Der Nummer-eins-Pick des Drafts kam mit einer Extradosis an Vorschusslorbeeren in die Liga. Im Sommer durfte Davis im Rahmen der Olympischen Spiele mit LeBron James, Kevin Durant und Co. trainieren, Kentucky führte der Forward/Center zum College-Titel. Der Empfang in der NBA fiel eher undankbar aus: Nach einem herausragenden Debüt mit 21 Punkten und sieben Rebounds erlitt der Jungstar bereits in seinem zweiten Spiel eine Gehirnerschütterung und musste deshalb früh pausieren. Auch nach seinem Comeback litt Davis immer wieder an kleineren Verletzungen, die ihn bisher nicht völlig zur Entfaltung kommen ließen. 13,2 Punkte, 8 Rebounds und 1,8 Blocks pro Spiel sind trotzdem schwer in Ordnung. Auch abseits zählbarer Leistungen verblüfft der 19-Jährige mit exzellentem Spielverständnis. Ermöglichte es ihm sein Körper, wurde der defensiv stärkste Rookie den Erwartungen vollauf gerecht – der ihm prophezeiten Ausnahme-Karriere scheint nichts im Weg zu stehen.

Martin Schauhuber

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