Schweizer räumt die NBA auf

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Thabo Sefolosha - der unbesungene Held der Thunder

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Fragt man Experten oder Spieler, welche zehn Akteure in der NBA am schwierigsten zu verteidigen sind, fallen zwei Namen mit Sicherheit: LeBron James und Dwyane Wade.

Dass diese zwei nun in einem Schweizer ihren Meister finden, hätte wohl kaum jemand erwartet.

Doch ein solcher schaffte das vermeintlich Unmögliche. Er verteidigte erfolgreich gegen das Scorer-Duo der Miami Heat. Sein Name? Thabo Sefolosha.

1984 als Sohn eines Südafrikaners und einer Schweizerin in Vevey im Kanton Waadt geboren, war der kleine Thabo (der Name bedeutet in einem südafrikanischen Dialekt „Der, der Glück bringt“) in seinen Kinderjahren mehr auf dem Fußballplatz zuhause. Eines schönen Tages versuchte er sich mit seinem älteren Bruder Kgomotso an Basketball – und fing Feuer.

Entscheidung für Basketball

Als der aufstrebende Sportler mit sechzehn Jahren von einem Beratungslehrer gefragt wurde, was er nach der Schule machen wollte, war die Antwort klar: Basketball-Profi werden und nach Amerika gehen. Ein mehr als ungewöhnlicher Wunsch in der Schweiz.

Kaum einer glaubte an die Zukunftsträume des Jugendlichen – erwähnter Lehrer sagte ihm gar, er solle sich etwas Ernsthaftes überlegen und in drei Tagen wiederkommen, doch über die Umwege Frankreich und Italien fand er in die NBA.

Schon im Dress der Bulls sammelte Sefolosha fleißig NBA-Einsatzminuten

Im Draft 2006 wurde sein Name als Dreizehnter genannt. Die Philadelphia 76ers wählten den Import-Spieler und verkauften ihn prompt an die Chicago Bulls.

Trade zu den Thunder

Darauf folgten einige solide, aber unauffällige Jahre, in denen Sefolosha unter dem Radar seine Minuten abspulte. Seinen bisher größten Erfolg feierte er nach seinem Trade zu den Oklahoma City Thunder: Die Einberufung in das zweite All-Defense-Team in der Saison 2009/10. Defensive – das war schon immer die Stärke des Shooting Guards.

So richtig ging sein Stern aber erst heuer auf. Einer bärenstarken Regular Season folgten in den Playoffs ab der zweiten Runde reihenweise Aufeinandertreffen mit offensivstarken Teams.

Zum Aufwärmen durften Sefolosha, Durant und Co. noch die Dallas Mavericks sweepen, dann folgte schon der erste Offensiv-Knaller.

Herausforderung Bryant

Kobe Bryant und die Los Angeles Lakers gaben sich ein Stelldichein in der Chesapeake Energy Arena zu Oklahoma City. Kobe Bryant, die Punktemaschine: Sefoloshas erste große Herausforderung in der Postseason.

Die Defense des Schweizers war einer der Schlüssel zum Triumph von OKC. Obwohl er viele Einsatzminuten an Ersatzmann James Harden, der durch seine Offense brillierte, verlor, bereitete er Bryant gehörig Kopfzerbrechen.

Sefoloshas Premierenauftritt im Licht der Öffentlichkeit ließ aber bis in die Conference Finals gegen die San Antonio Spurs auf sich warten.

Gegen die Spurs brillierte der Guard

Parker: Das nächste Level

Tony Parker hieß der Gegenspieler. Einer von der Sorte, gegen die niemand gerne spielt. In den ersten zwei Spielen der Serie setzte OKC-Coach Scott Brooks Russell Westbrook, der seine Stärken klar in der Offensive hat, auf den Guard an. Nachdem das gründlich schief ging, musste Sefolosha ran.

Erzielte Parker in der zweiten Partie noch 34 Punkte, schaffte er in Spiel drei nur mehr 16. Zu allem Überdruss war er für fünf Turnover verantwortlich. Sefolosha hatte ihm den Nerv gezogen und ganz nebenbei selbst noch 19 Punkte gemacht.

Mit sechs Steals war die überragende Defensivleistung auch in Zahlen abzulesen – was oft nicht der Fall ist.

Entscheidende Performance       

Der Sieg im dritten Duell war der Wendepunkt in der Serie, die hauseigene Zeitung der Thunder titelte vor dem vierten Spiel passend „Specialosha!“.

Zum Drüberstreuen nahm der neue Liebling der Thunder-Fans Parker in der zweiten Halbzeit der entscheidenden sechsten Partie völlig aus dem Spiel.

Nur wenige Tage später kam Sefoloshas nächster großer Auftritt – auf der größten aller NBA-Bühnen, dem Finale gegen die Miami Heat. Das Aufeinandertreffen mit den eingangs erwähnten LeBron James und Dwyane Wade.

Erst Wade, dann James

Drei Viertel lang war der Eidgenosse auf Wade abgestellt, der in dieser Zeit nur vier von vierzehn Würfen traf – regelrecht unterirdisch für seine Verhältnisse.

Auch gegen die Heat war Sefolosha bärenstark

Im vierten Viertel hieß der Go-to-guy der Heat klar James. Da war es nur die logische Konsequenz, dass sich Sefolosha, sobald Wade auf der Bank Platz nahm, des Forwards annahm. Mit Erfolg: James traf nur zwei von sechs Würfen im Abschlussviertel – ein weiterer Beweis für die herausragende Defensive.

Schattenmann trotz Topleistungen

Das Rampenlicht bleibt trotzdem anderen vorbehalten. Naturgemäß sind es die Scorer, die im Fokus von Medien und Fans stehen.

Aber auch unbesungene Helden sind Helden. Und so einer ist der Schweizer, der vor 24 Jahren noch in Vevey am Bolzplatz kickte, ohne einen Gedanken an Basketball zu verschwenden.

Und heute den Fans in Oklahoma City das Glück bringt, das sein Name verspricht.

Martin Schauhuber

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