Lichtgestalten als Buhmänner

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Die Maloofs - von Lichtgestalten zu Buhmännern

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Viele Sportstädte der USA haben drei, vier oder gar fünf Teams in den vier wichtigsten Ligen.

Andere haben nur eines, sind diesem dafür aber umso leidenschaftlicher zugewandt. Eine solche Stadt ist Sacramento.

Die Kings sind der ganze Stolz der Hauptstadt Kaliforniens, genau dasselbe waren sie auch einst für Joe und Gavin Maloof. Die Brüder sind die Repräsentanten der Familie Maloof, die seit 1999 Mehrheitseigentümer der Kings sind.

Zu Beginn von der lokalen Fanbase noch heiß geliebt, ist das Duo in den vergangenen 14 Jahren zum Hassobjekt geworden.

Hoch zu Beginn des Jahrtausends

Mit der Übernahme durch die Familie Maloof kam der Aufschwung für die lange Zeit im Niemandsland angesiedelte Franchise.

Das war aber nicht zuletzt glückliches Timing.

Auch wenn die späteren Besitzer bereits 1998 mit einer kleineren Beteiligung in dem Klub engagiert waren, begann die neue Ära in Sacramento doch schon vor ihrer Zeit. Das Verpflichten von Vlade Divac, der Draft von Jason Williams und der Trade für Chris Webber brachten die Kings, die es in den zwölf Jahren zuvor nur ein Mal in die Playoffs geschafft hatten, auf die Siegerstraße.

Neuzugänge bringen Action

Die Fans, deren Erfolgshunger sich über ein Jahrzehnt aufgebaut hatte, waren über den frischen Wind heilfroh. Da kam es umso gelegener, dass der offensivlastige Spielstil der jungen Wilden unabhängig von Team-Präferenzen aufregend anzusehen war.

Als 1999 und 2000 der Playoff-Einzug gelang, war man schon guter Dinge, mit ersten Postseason-Erfolgen anno 2001 (Erster Sieg in einer Playoff-Serie seit 1981) und 2002 (Einzug in die Conference-Finals) kehrte schließlich regelrechte Euphorie ein.

In der ersten Ausgabe von ESPNs „Ultimate Team Rankings“, bei der alle Teams der „Großen Vier“ – NFL, NBA, NHL und MLB – nach verschiedenen Kategorien gereiht werden – schafften es die Kings in der Abteilung „Besitzer“ auf den herausragenden dritten von 122 Plätzen. Ermittelt wurden die Werte durch Umfragen bei den Fans – die Maloofs wurden wie Stars gefeiert.

Zu dieser Zeit hatten auch sie noch große Freude an ihrer Anschaffung. Joe und Gavin verbrachten viel Zeit auf den besten Plätzen nahe der Seitenlinie und jubelten überschwänglich über jeden Sieg. Sie investierten Millionen Dollar in Verträge ihrer Stars und bauten gute Beziehungen zu diesen auf. Mit voller Energie brachten sie Feuer in die Franchise.

Wendepunkt 2005

Dieses erlosch bald wieder. Chris Webber und Co. schafften es nie mehr in die Conference Finals und mit dem sportlichen Erfolg nahm auch die Beliebtheit der obersten Etage ab. Die Besitzer ließen sich immer seltener sehen und wurden immer öfter kritisiert – trotzdem genossen sie noch die Unterstützung der breiten Massen.

Chris Webber war der Superstar der Kings

Der Zankapfel, der schließlich zum Bruch zwischen Anhängerschaft und der Familie Maloof führte, war die Debatte um einen Neubau der Heimstätte der Kings. Die wohlhabenden Casino-Besitzer wollten diese nur auf Kosten der Allgemeinheit errichten, die Stadt Sacramento kam ihnen dabei sogar entgegen.

Die Regierung ließ über die „Measures Q and R“ abstimmen, die eine dem Hallen-Neubau zweckgewidmete Steuererhöhung gebracht hätte.

Schon zuvor brachten die Maloofs Teile der Öffentlichkeit gegen sie auf, als sie Verhandlungen zeitweise abbrachen, da sie bei einem Neubau die Einnahmen aus den Parkplätzen nicht bekommen hätten.

Werbung bringt das Fass zum Überlaufen

In den Tagen vor der Abstimmung schlugen die Brüder dem Fass den Boden aus. Joe, Gavin, George und Phil drehten eine Werbung für die Burgerkette Phil Jr.‘s, in der sie ein 6000-Dollar-Menü (!) verzehrten, das exklusiv in ihrem Resort in Las Vegas zu erwerben war.

Die Werbung strotzte regelrecht vor Prunk, die Einblendung „Gesamtvermögen: eine Milliarde Dollar“ wurde gekonnt von der Casinoumgebung unterstrichen. Mehr unkontrolliert als genüsslich verzehrten die Brüder den Sechs-Dollar-Burger und den dazugehörigen 5994-Dollar-Wein – und das, während sie von der Öffentlichkeit Sacramentos verlangten, ihre deutlich leichteren Taschen für sie auszuleeren.

Kurzum: Die Werbung war ein Beweis gewaltiger Präpotenz und Abgehobenheit, die das Pendel endgültig gegen die Beschlüsse ausschlagen ließ. Dementsprechend wurden sie im Votum mit 80% abgelehnt.

Wenn nicht hier, dann an einem anderen Ort

Nachdem sich der Arena-Deal zerschlagen hatte, wurde es wieder ruhig um die Franchise. 2007 war der erste Tiefpunkt erreicht, im vorher erwähnten „Ultimate Team Ranking“ von ESPN lagen die Kings-Besitzer nur mehr auf Platz 94 von 122 – das, nachdem sie anno 2003 noch Rang drei belegten.

Sportlich ging es weiter rasant bergab: 2005-06 markierte den letzten Besuch in den Playoffs, auch drei Trainerwechsel in ebenso vielen Saisonen brachten keine Besserung. 2007 gab es zu allem Überdruss erstmals seit sieben Jahren nicht ausverkaufte Spiele in der damaligen ARCO Arena – die Unterstützung der Fans schmolz nachweislich.

Die Talsohle auf der Fahrt bergab war in der Saison 2008-09 erreicht. Ein nach dem Ron-Artest-Trade (er wurde nach Houston verschifft) desolates Team konnte nur 17 Siege bei 65 Niederlagen einfahren.

Maloofs stürzen finanziell ab

Durch die Wirtschaftskrise 2007 gesellte sich hinter den sportlichen Kulissen ein weiteres, größeres Problem dazu. Das Casino der einst so reichen Maloofs schrieb mitsamt dem angeschlossenen Resort tiefrote Zahlen und schnitt damit in ihre Geldvorräte.

Als erste Reaktion lösten die Ex-Milliardäre das WNBA-Team auf, das sie zusammen mit den Kings erworben hatten. Trotzdem wuchs der Schuldenberg sukzessive, auch der 400-Millionen-Dollar-Verkauf des familieneigenen Alkohol-Vertriebs konnte die Finanzprobleme nicht lösen.

Zusätzlich stießen sich die Maloofs daran, im Vorhinein 3,2 Millionen Dollar zur Verfügung stellen zu müssen. Johnson beharrte indes auf dem per Handschlag abgeschlossenem Deal.

Trotzdem: Da noch kein Vertrag unterschrieben und alle Vereinbarungen nur mündlich waren, konnten die Besitzer ohne rechtliche Konsequenzen von der Abmachung zurücktreten – und genau das taten sie. Aber nicht, ohne in besagter Pressekonferenz von NBA bis Sacramento alles und jeden anzugreifen, der ihnen beim Arena-Bau unter die Arme greifen wollte.

Es war der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Die Stadt gab das Vorhaben eines Neubaus endgültig auf und der Zorn der Fans wuchs ins Unermessliche. Als Joe und Gavin nach langer Zeit wieder einmal ein Heimspiel der Kings besuchten, taten sie das nur in einer Luxus-Suite mit Security vor der Tür.

…und zweitens, als man denkt

Bemühungen um eine Renovierung der alten Arena, die zu dieser Zeit unter dem Namen Power Balance Pavillon lief, wurden zu Recht als Augenauswischerei tituliert – sagten doch die Maloofs selbst noch im Jahr zuvor, ein solches Vorhaben wäre finanzieller Unsinn.

So wurde ein alter Hut wieder ausgegraben: Die Maloofs verhandelten über einen Umzug nach Virginia Beach. Als dieser am 8.1.2013 endgültig durchfiel, herrschte kurz Erleichterung unter dem verbliebenen Rest der einst so leidenschaftlichen Fans.

Diese sollte nur einen einzigen Tag halten. Schon am 9.1. sickerte durch, dass sich eine Investorengruppe aus Seattle in Verhandlungen mit den Maloofs befand. Zur Erinnerung: Seattle verlor die SuperSonics 2008 an Oklahoma City, was Commissioner Stern bis heute bereut. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er der nordwestlichen Stadt noch vor seinem Rücktritt im kommenden Jahr eine Franchise zurückgeben will.

Die letzte Schlacht für Sacramento?

Die Verhandlungen gingen rasch voran und schon am 21. Januar war der Deal fertig. Die von Hedgefund-Manager Chris Hansen und Microsoft-Geschäftsführer Steve Ballmer angeführte Gruppe bezifferte den Wert des Teams mit 525 Millionen US-Dollar – mehr, als das Team laut Experten-Konsens in Wahrheit wert ist - und erwarben laut der verbindlichen Einigung 65% davon.

Die einzige verbleibende Hürde ist der Segen des Board of Governors, der für jeden Besitzerwechsel vonnöten ist.

Sacramento hängt zwar in den Seilen, kämpft aber noch: Kevin Johnson arbeitete unermüdlich daran, eine Gruppe von in Sacramento ansässigen Geschäftsleuten zusammenzustellen, die ein Gegenangebot stützen können.

Das schien Ende Februar geschafft: Johnson verlautbarte, ein von den schwerreichen Ron Burkle und Mark Mastrov angeführtes Käufer-Team auf die Beine gestellt zu haben. Knapp eine Woche später gab David Stern aber zu Protokoll, dass das Gegenangebot deutlich zu niedrig ausfiel und deshalb keine Chance gegen den Kaufversuch aus Seattle hätte.

Bei Verkauf Relocation

Schon jetzt ist klar, dass die Franchise bei einem Verkauf an Hansen und Ballmer nach Seattle übersiedeln würde, der Antrag dazu ist bereits eingebracht.

Über den Zuschlag bei dem Verkauf entscheidet das Board of Governors im April. Wollen Burkle und Mastrov dann eine Rolle spielen, müssen sie rechtzeitig ein aufgestocktes Angebot einbringen.

Seattle würde als neuer Standort an sich keinen Widerstand hervorrufen, aber auch den loyalen Fans der Kings wird verständlicherweise vielerorts eine Mischung aus Sympathie und Mitleid zu Teil.

Ein Abschied von Sacramento wäre das Ende eines langen, intensiven Kapitels in der Geschichte der Stadt. Es wäre aber auch der Schlusspunkt einer Chronik der Demütigungen und Dreistigkeiten von Seiten der Familie Maloof.

Martin Schauhuber

Alle Versuche, die Besitztümer in Las Vegas zu retten, waren erfolglos, 2011 verlor die Familie Maloof die Kontrolle über das Palms Resort & Casino – nicht zuletzt, da sich George Maloof mit einem großen Ausbau mitten in der Krise völlig übernahm. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Die Kings-Besitzer waren pleite.

Die logische Konsequenz? Die Kings, den letzten verbliebenen Wertposten der Maloofs, zu Geld zu machen. Entweder über einen Verkauf oder durch einen Umzug in eine Gegend, in der sich mehr Geld aus der Franchise quetschen lässt.

Die ewige Umzugs-Debatte

Letzteres war der erste Anlaufpunkt für Joe und Gavin, die in Sachen Basketball nach wie vor das Sagen hatten. Im Februar 2011 waren Pläne für eine Relocation nach Anaheim eigentlich schon in trockenen Tüchern, sogar die Markenzeichen für verschiedene Teamnamen befanden sich schon im Besitz der Brüder.

Dann kam aber der erste große Auftritt von Kevin Johnson. Der Bürgermeister von Sacramento, der selbst in der NBA aktiv war, fand mit Ron Burkle einen Investor, der die Kings übernehmen und in der Hauptstadt Kalifornien belassen wollte. Zudem sammelte der dreifache All-Star finanzielle Garantien von lokalen Unternehmen und versprach den Kings, einen Bau einer neuen Arena finanziell zu unterstützen.

Das nahm den Maloofs den Wind aus den Segeln: Jeder Umzug muss vom Relocation-Komitee der NBA genehmigt werden, und dieses ist einem Verbleib in der jeweiligen Stadt meist mehr gewogen. Als Letzteres nun eine echte Perspektive bekam, wussten die Maloofs, dass sie bei dem Komitee aller Wahrscheinlichkeit nach abblitzen würden und brachten den Antrag dementsprechend erst gar nicht ein – das Überleben der Kings in der Stadt, die seit 1985 ihre Heimat war, war für eine weitere Saison gesichert.

Das Ansehen der Familie Maloof hatte aber einen weiteren massiven Schlag erlitten. In der „Ultimate Franchise“-Umfrage 2011 fanden sie sich auf dem vorletzten Platz aller 122 Big-4-Teams wieder – ein historischer Abstieg in dem Ranking.

Das Arena-Drama

Im Folgejahr stand wegen der unzureichenden ARCO Arena wieder die Diskussion um einen Neubau an – und was unmöglich schien, wurde möglich: Die Maloofs schafften es, das Theater des ersten Anlaufs noch zu überbieten.

Im Februar 2012 schien der Deal bereits unterschriftsfertig zu sein. Die Stadt Sacramento sollte mehr als die Hälfte der 387 Millionen US-Dollar Kosten eines Neubaus übernehmen, die Maloofs 75 Millionen stellen. Zusätzlich sollte die Familie der Stadt über die nächsten 30 Jahre weitere 75 Millionen aus den Einnahmen überweisen.

Von Seiten der Regierung war alles abgesegnet, auch die Brüder machten erst gute Miene zum schlussendlich bösen Spiel. Nach einer langen Verhandlung mit NBA-Commissioner David Stern wurde im Rahmen des All-Star-Games 2012 unter Freudentränen die Einigung verkündet. Im darauffolgenden Heimspiel bekundeten Joe und Gavin - die Arme zusammen mit Kevin Johnson wie siegreiche Boxer nach oben gereckt - gegenüber einem frenetischen Publikum, dass es ihnen „nur um Sacramento“ ginge.

Erstens kommt es anders,…

Wie so oft hielt die Idylle nicht lange. Am Freitag, den 13. April, gaben die Maloofs eine Pressekonferenz, in der ein von ihnen engagierter Ökonom den Arena-Deal in der Luft zerriss. Er beschuldigte Sacramento, bei der Kosten-Nutzen-Rechnung zu optimistische Zahlen verwendet zu haben – was in Folge immer zurückgewiesen wurde. Bürgermeister Johnson bemängelte gar, dass der Ökonom nie Einsicht in Teile der verwendeten Quellen genommen hatte.

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