Magics Diagnose als Schock

Sterns erste große Prüfung war nicht nur geschäftlicher, sondern auch menschlicher Natur. Am 7. November 1991 trat Magic Johnson vor die Medien und gab bekannt, HIV-positiv zu sein und deshalb zurückzutreten. „David Stern hat mich hervorragend unterstützt“, ließ die Lakers-Lichtgestalt schon bei der Pressekonferenz durchblicken. Der Commissioner gestand später in einem Interview: „Wir dachten, er würde sterben.“

Es kam bekanntlich anders: Magic leistete zusammen mit der NBA Unmengen an Aufklärungsarbeit, gab HIV ein Gesicht und feierte im Rahmen des All-Star-Games 1992 ein emotionales Kurz-Comeback. Stern bezeichnet das Überreichen der MVP-Trophäe danach noch heute als seinen liebsten All-Star-Moment. Die enge Beziehung des Duos hielt, Magic stand seinem Weggefährten medial stets zur Seite und bezeichnet ihn als „besten Commissioner aller Zeiten“.

Es war bei weitem nicht die letzte Herausforderung, die die Neunziger für den Chef der Liga bereithielten. Stern hatte sich immer gegen die lange Zeit üblichen Schlägereien ausgesprochen, eine automatische Sperre aber erst 1993 durchgesetzt.

Als im darauffolgenden Jahr eine Rauferei zwischen Derek Harper und JoJo English direkt vor den Augen des Commissioners zu einem bis ins Publikum gehenden Handgemenge unzähliger Akteure ausartete, sah er sich zu weitergehenden Konsequenzen gezwungen. Eine neue Regel bescherte jedem Bankspieler, der während einer Schlägerei die Bank verließ, ein Spiel Sperre. Ein oftmals kritisierter Automatismus, der unter anderem den New York Knicks 1997 und den Phoenix Suns 2007 zum Verhängnis wurde.

Mit der dem Korb angenäherten Dreierlinie ging eine andere Regeländerung von 1994 gar so schief, dass sie nach nur drei Jahren wieder zurückgenommen wurde.

Die ersten Lockouts

Die erste Zerreißprobe erlebte die Liga im Sommer 1995. Die Teambesitzer wollten den explodierenden Gehaltsforderungen der Top-Rookies Herr werden, es kam zum ersten Lockout. Kernpunkt der Einigung Mitte September war die Rookie Scale, die deren Bezüge abhängig von ihrer Draft-Position beschränkte. Dank des zeitgerechten Verhandlungserfolgs fiel dem Lockout kein Spiel zum Opfer. Ebenso beim zweiten Lockout 1996, der gar nur einige Stunden andauerte.

Anders das Jahr 1998. Wieder herrschte Uneinigkeit zwischen Gewerkschaft und Teambesitzern, die Spieler wurden ausgesperrt. Diesmal waren die Gehälter der Superstars der größte Zankapfel. Monatelang konnte keine Einigung erzielt werden. Die Gräben zwischen den Chefverhandlern Stern und Billy Hunter waren tief, in Verhandlungen beschimpften sie sich gegenseitig wüst.

Mit einem gewagten Manöver behielt Stern die Oberhand. Er setzte eine Deadline und brachte die weniger verdienenden Spieler auf seine Seite. Angesichts einer bröselnden Einheit musste die Gewerkschaft am Tag vor Ablauf der Deadline klein beigeben und eine Gehaltsobergrenze für Topverdiener akzeptieren. Die auf 50 Spiele verkürzte Regular Season gilt aufgrund mangelnder Fitness der Akteure bis heute als die schlechteste der modernen Ära.

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