Das Duell um New York: Knicks gegen Nets

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Für New Yorker Basketball-Fans bricht am 1. November mit dem Duell Nets gegen Knicks eine neue Ära an.

Eine Zeit des Glücks, aber auch eine Zeit der Zerissenheit.

Denn es steht ein neues Pferd im heimischen Stall. Aus den New Jersey Nets, den ungeliebten Nachbarn, wurden die Brooklyn Nets. Und diese geben Vollgas.

Neo-Besitzer Mikhail Prokhorov, in der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt immerhin Nummer 58, verpasste dem Kader eine Generalüberholung.

Die Aufsehen erregende Offseason begann mit der Vertragsunterzeichnung von Gerald Wallace. Im Winter erst mit der Trade-Deadline verpflichtet, war die Verlängerung des Forwards keine sichere Sache.

Mit 40 Millionen Dollar für vier Jahre ließ sich der Veteran aber überzeugen – nach Ansicht vieler Experten eine zu große Investition.

Star-Backcourt dank Johnson

Wenig später folgte einer der größten Trade-Hämmer des Sommers. Im Austausch mit gleich fünf Spielern und einem Draft-Pick wechselte Joe Johnson von den Atlanta Hawks nach Brooklyn. Der Guard stand sechs Mal in Folge im All-Star-Team, besitzt aber einen übertrieben hoch dotierten Vertrag (90 Millionen Dollar in vier Jahren).

Das interessierte Nets-GM Billy King herzlich wenig. Mit Johnsons Verpflichtung konnte er auch die wichtigste aller Brooklyn-Aktien dazu bringen, zu bleiben:

Deron Williams‘ Vertrag war nämlich ausgelaufen. Bekannt war, dass der Star-Point-Guard entweder in seine Heimat zu den Dallas Mavericks wechseln oder bei den Nets bleiben würde.

Drei wichtige Vertrags-Verlängerungen

Mit einem Monster-Angebot von 98 Millionen Dollar (verteilt auf fünf Jahre) und dem klaren Ansinnen, ein Championship-Team aufzubauen, konnte der dreifache All-Star vom Bleiben überzeugt werden.

Brook Lopez bleibt ein Net

Nachdem sich ein Trade für Dwight Howard als (vorerst) unmöglich erwies, ging man in Brooklyn erstmals den unspektakuläreren Weg und entschied sich dafür, Brook Lopez einen neuen Vertrag anzubieten. Der Center verlängerte ebenso wie Power Forward Kris Humphries.

Rest des Kaders wettbewerbsfähig

Mit Mirza Teletovic (Topscorer der vergangenen Euroleague-Saison), C.J. Watson, Reggie Evans, Jerry Stackhouse, MarShon BrooksJosh Childress, Andray Blatche, C.J. Watson, Keith Bogans und den Rookies Tyshawn Taylor und Tornike Shengelia sitzen auf der Ersatzbank zwar keine Stars, aber grundsolide Akteure, die teilweise große Erfahrung (Stackhouse) oder Potenzial (Teletovic) mitbringen.

Carleton Scott, in der letzten Saison noch für Güssing aktiv, darf zumindest vorerst noch von einem Vertrag über das Trainingscamp hinaus träumen.

„Nets Neu“ schien das Motto zu sein, und dieses verspricht viel für die kommenden Saisonen.

Medien-Aufmerksamkeit dank Lin

Werfen wir einen Blick auf die andere New Yorker Mannschaft. Die Mannschaft, die im Big Apple seit Jahrzehnten für Freude und – in der jüngeren Vergangenheit deutlich öfter – für Frust sorgt.

Im vergangenen Jahr war es die Story schlechthin. Jeremy Lins kometenhafter Aufstieg und die damit verbundene „Linsanity“. Die Knicks waren so beliebt wie lange nicht mehr, auch der Erfolg machte Hoffnung auf mehr. Doch dann die Verletzung Lins und das Erstrunden-Playoff-Out gegen die Miami Heat.

Nun ist Lin ein Houston Rocket. Der kostspielige Vertrag, den die Rockets dem taiwanesisch-stämmigen Shootingstar anboten, wäre zu viel für den ohnehin schon überstrapazierten Salary Cap der Knickerbockers gewesen.

Cinderella Story beendet – und das just in der Zeit, in der mit den Nets ein neuer Konkurrent in die Nachbarschaft zieht.

Doch Lins Abreise gen Texas ist nicht das einzige "Problem", das die Knicks plagt.

Stoudemire und Anthony - keine ideale Kombi?

Star-Duo funktioniert nicht

Trotz – oder wegen? - der zwei Superstars Amare Stoudemire und Carmelo Anthony will es nämlich mit dem Erfolg nicht so recht klappen.

Man könnte gar den Eindruck bekommen, dass das Mannschaftsgefüge in Abwesenheit eines der beiden „Alpha Dogs“ besser funktioniert.

Schafft Stoudemires Ausfall zu Saisonbeginn hier vielleicht sogar Abhilfe? Gegen viele Teams könnte Anthony auf der Power-Forward-Position effektiver sein.

Doch nicht nur Stoudemire ist angeschlagen - mit Tyson Chandler und Marcus Camby sind zwei weitere Big Men verletzt.

Kidd als "Mentor"

Mit Jason Kidd wurde ein erfahrener Mentor für Lin herangekarrt, der jetzt statt des Stars Neo-Guard Raymond Felton das Spiel „erklären“ darf.

Nur verdient sich Felton schon sieben Jahre lang seine Sporen in der NBA und der vermeintlich weise Altstar Kidd fuhr seinen Wagen angetrunken an einen Telefonmasten.

Potenzial da, Ergebnisse fehlen

Nichtsdestoweniger wären die Einzelspieler da, um für Furore zu sorgen. Für Siege gegen die Miami Heat und Konsorten bräuchte es jedoch ein besseres Kollektiv.

Aber in einer Stadt wie New York reicht dauerhafte Zweitklassigkeit nicht. Es müssen Playoff-Erfolge, am besten gleich Titel her. Das weiß auch Mikhail Prokhorov, und deshalb geht er aufs Ganze.

Für die New Yorker Freunde des Basketballs ist das Luxus. Ihnen wird neben die schon bekannte Wundertüte eine dampfende Köstlichkeit vor die Nase gestellt. So mancher wird seine Freude an beiden haben, für viele kann es aber nur ein Team geben.

Und für diese steht eine schwierige Entscheidung vor der Tür.

Martin Schauhuber

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