Eine Achterbahnfahrt zum Erfolg

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Eine zweite Chance ist in der NBA keine Selbstverständlichkeit.

Eine dritte noch viel weniger, von einer vierten ganz zu schweigen.

Danny Green hat eine solche erhalten. Und bravourös genützt.

Nach zwei Entlassungen und Zwischenstationen in Erien Reno oder Ljubljana darf sich der 25-Jährige nun Starter eines Finals-Team nennen.

Gute Aussichten nach dem College

Greens College-Karriere in North Carolina verlief vielversprechend. In vier Jahren auf der traditionsreichen Universität stellte er zahlreiche Rekorde auf, mit 145 absolvierten Spielen und 123 Siegen ist der Shooting Guard nach wie vor die Nummer eins unter den Tar Heels.

2009 folgte nach dem Gewinn des NCAA-Titels der logische Schritt in die NBA. Green nannte für den Draft und wurde von den Cleveland Cavaliers mit dem 46. Pick gezogen. Der Start in das Profileben erwies sich aber als holpriger als erwartet.

Der Rookie kam nur in 20 Spielen zum Einsatz und hatte am Ende müde 115 Einsatzminuten zu Buche stehen. Für die darauffolgende Saison versprach er sich nicht zuletzt dank des neuen Head Coaches Byron Scott Besserung, täuschte sich damit aber gehörig.

Nachdem der Dreier-Spezialist im Training Einsatz vermissen ließ, wurde er noch vor Saisonstart entlassen. „Ich hatte keine gute Preseason“, gestand Green dem „Cleveland Plain Dealer“ später. „Danach spielten einfach die, die in Form waren und die Chance nützten. Und schon war ich weg vom Fenster.“

Hin und Her bei den Spurs

Einen Monat nach seiner Entlassung bei den Cavs heuerte Green bei den San Antonio Spurs an, wo man aber nach nur sechs Tagen keine Verwendung mehr für den 1,98m großen Neuzugang hatte.

Im März 2011 klingelte das Telefon abermals, wieder waren die Texaner am Apparat, wieder unterzeichnete Green einen Vertrag bei der Franchise von Head Coach Gregg Popovich.

Green holte mit T. Hansbrough, Darren Collison und Ty Lawson den Titel

Im NBA-Kader hielt es den werdenden Wandervogel aber nicht lange. Im April wurde er in die D-League, der Farm-Liga der NBA, abgeschoben, wo ihn die Austin Toros aufnahmen – und nach nur einem einzigen Spiel wieder ziehen ließen. Im Austausch zu Patrick Ewing Jr. kam Green zu den Reno Bighorns, wo er fortan an der Seite von Jeremy Lin und Steve Novak seine Brötchen verdiente.

Der einst so vielversprechende College-Rekordhalter schien schließlich doch nur einer von vielen zu sein. Einer der Jungspunde, die den Schritt ins Profi-Dasein nicht schaffen und nach wenigen Jahren von der Bildfläche verschwinden.

Moralpredigt von Pop und Williams

Doch Green war noch nicht fertig. Nachdem ihm Spurs-Cheftrainer Gregg Popovich im Rahmen seiner Abstufung in die D-League zusammen mit seinem früheren College-Coach Roy Williams die Leviten las, schien er den Ernst der Lage zu begreifen, wie er „Newsday“ später gestand: „Das größte Problem war, dass ich aggressiver und mit mehr Nachdruck agieren musste.“

„Roy und ich gaben ihm eine satte Dosis Ehrlichkeit. Wir haben ihm gesagt, dass er immer wieder fliegen wird, wenn er nicht einige Sachen ändert. Es ging um seine Einstellung, seine Herangehensweise und Aggressivität“, fasste „Pop“ das so wichtige Gespräch zusammen.

Durchbruch nach Slowenien-Intermezzo

Nachdem er im Zuge des Lockouts 2011 einen kurzen Ausflug zu Olimpija Ljubljana unternahm, holten ihn die Spurs zum verspäteten Saisonstart zurück ins Team.

Im vierten Anlauf fand der Guard diesmal endlich seinen Platz. Begünstigt von Verletzungen einiger Teamkollegen konnte sich Green als Rollenspieler etablieren, bis er am 8. Februar 2012 erstmals als Starter auf dem Feld stand. Auch wenn sein Starter-Debüt nicht nach Wunsch verlief (er blieb in 30 Minuten ohne Punkt) schenkte ihm Popovich weiter sein Vertrauen. Stundenlanges Wurftraining mit Spurs-Assistenztrainer Chad Forcier machte sich bezahlt, mit einer Dreierquote von 43,6% war Green 2011/12 Nummer neun der Liga.

Das war aber nicht die einzige Weiterentwicklung der neu entdeckten Stütze der Spurs. Das Team der Spurs, das beim Entwickeln von talentierten Spielern als bestes der Liga gilt, verfeinerten Greens Spiel in allen Belangen und machten ihn zu einem auch defensiv guten Spieler.

Ex-Faulenzer gibt sich geläutert

Die vergangene Saison veranlasste die Verantwortlichen, dem einstigen Dauer-Wackelkandidaten einen Dreijahres-Vertrag über 11,3 Millionen US-Dollar anzubieten – eine Investition, die Green in der ersten Saison seines Vertrags überzeugend bestätigte (10,5 Punkte, 3,1 Rebounds bei einer Dreier-Quote von 42,9%; zudem startete Green jedes Spiel).

„Ich weiß wegen meiner Vergangenheit alles viel mehr zu schätzen“, hat der bald 26-Jährige seine „Ausflüge“ nach Reno, Austin und Ljubljana nicht vergessen. Und stellt gleichzeitig klar, was für einen großen Anteil an seinem Erfolg die familiäre Organisation der Spurs hat: „Das Team hat mir geholfen, zu wachsen.“

Nach all den Jahren der Unsicherheit hat der Ex-Tar-Heel nun Stabilität gefunden – und tritt unverhofft auf der größten Bühne der NBA auf.

Aufeinandertreffen mit James

In den NBA Finals trifft er mit Heat-Superstar LeBron James auf einen alten Freund aus Cavaliers-Zeiten. „Ich habe ihn auf und abseits des Courts beobachtet und viel darüber gelernt, ein Profi zu sein“, so Green, der mit dem besten Spieler der Liga immer noch SMS austauscht.

Auch an James ist der weite Weg, den sein Ex-Teamkollege zurücklegte, nicht vorübergegangen. Nach dem ersten Spiel der Finalserie um einen Vergleich zwischen Green als Rookie und Spurs-Starter gebeten, lachte er nur. „Ich habe sein Talent schon im College gesehen. Popovich gab ihm das Selbstvertrauen und die Gelegenheit, es zu zeigen.“

In den Finals zeigt Green nicht nur durch seine turbulente Vergangenheit auf. Vielmehr ist es seine Präzision von außen, die ihm Schlagzeilen sichert. Mit 4/9 Dreiern hatte er seinen Anteil am Sieg der Spurs in Spiel eins, in Spiel zwei stellte er mit fünf verwandelten Dreipunktern bei ebensovielen Versuchen einen Allzeit-Rekord in den Finals auf.

„Es war ein weiter Weg, eine Achterbahnfahrt“, meint Green selbst über seine Karriere.

Schon in der Nacht auf Mittwoch kommt die nächste Station der Reise, wenn die Spurs die Heat in Spiel drei der Finalserie empfangen.

Martin Schauhuber

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