Mahalbasic: "So funktioniert Basketball nicht!"

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Rasid Mahalbasic ist der große Hoffnungsträger des ÖBV-Nationalteams in der kommende Woche beginnenden EM-Qualifikation.

Groß trifft es, misst der 22-Jährige doch 2,11 m.

Unter dem Korb ist Mahalbasic defensiv wie offensiv der Mann fürs Grobe.

Beim LAOLA1-Interview im Team-Camp in Bad Tatzmannsdorf präsentiert sich der Center ganz zahm.

Aber er findet klare Worte: Zum ÖBV-Team, zu seinem Hineinschnuppern in die NBA und zur Zukunft.


LAOLA1:
Herr Mahalbasic, Sie sind am Mittwoch ins ÖBV-Camp eingerückt, nachdem es zunächst geheißen hat, dass Sie ein privates Trainingslager der EM-Qualifikation vorziehen.

Rasid Mahalbasic: Ich habe einige Gespräche mit meinem neuen Verein (Nymburk; Anm.), meinem Agenten und dem ÖBV geführt und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es für alle das Beste ist, wenn ich dem Team helfe. Jetzt bin ich da und will meinen Beitrag leisten, damit wir uns für die Europameisterschaft qualifizieren.

LAOLA1: Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Mahalbasic: Bei 70 Prozent. In den letzten drei Jahren ist im Nationalteam etwas entstanden. Wir sind bereit für diese Herausforderung, die EM-Qualifikation ist unser Ziel. Wir sind ja nicht zum Spaß hier! Am Papier sind wir Favorit, aber das müssen wir auch am Feld zeigen. Ich hoffe jedenfalls, dass die harte Arbeit der letzten Jahre Früchte trägt und wir unsere Mission 20-15 erfolgreich abschließen.

LAOLA1: War diese 70-Prozent-Chance mit ein Grund, warum Sie nun doch das ÖBV-Jersey anziehen?

Mahalbasic: Ich kann dem Team helfen, aber ich werde keinen dramatischen Unterschied ausmachen. Basketball ist ein Teamsport. Ich alleine kann mich nicht für die EM qualifizieren. Klar, ich möchte das Team besser machen. Aber es ist nicht so, dass das automatisch passiert, nur weil ich dabei bin. So funktioniert Basketball nicht.

LAOLA1: Aber es ist doch schon so, dass Sie ein Hoffnungsträger für diese EM-Qualifikation sind?

Mahalbasic: Manche werden sagen, dass es super ist. Andere werden es vielleicht nicht so gut finden. Zum Beispiel der Spieler, der jetzt seinen Platz im Nationalteam verlieren wird. Das ist kein gutes Gefühl für mich, denn er hat in den letzten vier Wochen hart gearbeitet und jetzt komme ich und nehme ihm seinen Platz weg.

LAOLA1: Sie kommen frisch aus dem Urlaub, waren davor in der NBA Summer League tätig. Was haben Sie davon mitgenommen?

Mahalbasic: Ich habe den NBA-Lifestyle ein bisschen gespürt. Jetzt habe ich einmal gesehen, wie das läuft, habe viel dazu gelernt und neue Freunde gefunden. Angenehmer Nebeneffekt: Ich konnte meinen Marktwert steigern. Alles in allem war es eine super Erfahrung, die ich gerne wieder machen würde, wenn sich die Chance ergibt.

LAOLA1: Sie sprechen vom NBA-Lifestyle. Wie kann man sich den vorstellen?

Mahalbasic: Die Reisen, die Hotels, das Drumherum. Die Professionalität der Trainer, der Physiotherapeuten, ja selbst der Zeugwarte. Die Betreuung der Spieler ist ganz individuell. Das kann nicht jeder erleben. Für mich ist es der Lohn für die Arbeit der letzten Jahre, speziell nach meiner Verletzung.

LAOLA1: Wie zufrieden waren Sie mit ihren Leistungen auf den Courts?

Mahalbasic: Ganz ehrlich: Ich kann es besser! Und ich werde hart an mir arbeiten, dass ich noch besser werde und beim nächsten Mal noch mehr zeigen kann. Mein erklärtes Ziel ist es, in ein paar Jahren in der NBA zu spielen. Ob ich es schaffe, steht allerdings in den Sternen.

LAOLA1: Was fehlt noch, um den Sprung über den großen Teich zu schaffen?

Mahalbasic: Erfahrung. Und ich muss mich im körperlichen Bereich verbessern. Das Spiel ist sehr physisch, da ist die Aufteilung anders als in Europa, wo es taktisch besser ist. Am Ende zählt nur, ob du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist. Man braucht den richtigen Agenten, einen stabilen Background und Glück. Erst wenn alles zusammenpasst, bekommst du eine Chance.

LAOLA1: Mittlerweile spielen Deutsche, Türken, Spanier oder Chinesen in der NBA. Ist die beste Basketball-Liga der Welt auch bereit für einen Spieler aus Österreich?

Mahalbasic: Wieso nicht? Wenn die NHL bereit ist für drei Österreicher, ist die NBA für einen Österreicher sicher auch bereit. Und in der Zukunft dann hoffentlich noch mehr. Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden.

LAOLA1: Würde damit ein Kindheitstraum für Sie in Erfüllung gehen?

Mahalbasic: Die NBA war nie relevant für mich, ich habe mich eigentlich nie für diese Liga interessiert. Aber je höher ich in meiner Karriere komme, desto mehr wünsche ich es mir. Das ist der letzte Schritt, aber es hat auch jetzt noch nicht die große Priorität in meiner Karriere.

LAOLA1: Die Gegenwart und also ihr neuer Verein heißt Nymburk. Was hat den Ausschlag für einen Wechsel nach Tschechien gegeben?

Mahalbasic: Ich sehe es als Investition in die Zukunft. Es ist vielleicht nicht Barcelona oder Madrid, aber ein guter, stabiler Verein mit Tradition. Ich kenne den Trainer, für den ich ein Schlüsselspieler bin. Und mir wurde Spielzeit versprochen, deshalb war es zu diesem Zeitpunkt die beste Option.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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