"Die Familie hat mich gewarnt"

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Schreiner: "Wir brauchen keine Häuptlinge"

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Hubert Schreiner ist im österreichischen Basketball eine Institution.

Von 1982 bis 1984 und von 2006 bis 2008 war der Niederösterreicher Teamchef des Nationalteams, dazwischen ÖBV-Vizepräsident. Auch den Posten des Rechnungsprüfers im ÖOC hatte Schreiner schon inne.

Seit April dieses Jahres bekleidet der 65-Jährige das Amt des Präsidenten des Österreichischen Basketball-Verbandes.

>> ÖBV-Team gegen Litauen um 18.30 Uhr im LAOLA1-LIVESTREAM) <<

Nach der rund dreijährigen, recht turbulenten Amtszeit von Ex-Kapfenberg-Präsident Karl Thaller, ist mit dem ehemaligen Erfolgstrainer Schreiner jemand am Ruder, der aus dem Sport kommt.

Das merkt man auch im Gespräch mit LAOLA1, wo der Vater von Teamkapitän Thomas Schreiner ganz deutlich den Sport und die Sportler im Fokus sieht.

LAOLA1: Was hat dich dazu bewogen, das Präsidenten-Amt anzunehmen?

Hubert Schreiner: Meine Familienmitglieder haben mich gewarnt, aber ich habe alle Fachverbände seit Jahrzehnten immer sehr kritisiert. Ich habe mir gedacht: Wenn Vereine es wünschen, dass eine Veränderung kommt, dann möchte ich vielleicht schon zeigen, wie es gehen könnte. Das versuche ich jetzt, dafür habe ich auch ein großes Herz. Ich habe sehr viele Konzepte im Kopf, die ich auch umsetzen möchte.

LAOLA1: Wie lauten die wichtigsten Ziele?

Schreiner: Das erste Ziel ist, dass Basketball im Mittelpunkt steht. Ob ÖBL, ABL, ÖBV - diese Begriffe gehören wegrationalisiert. Basketball ist das Entscheidende, zum Beispiel eine zentrale Basketball-Homepage, von der man verlinken kann. Die Spieler müssen in den Mittelpunkt rücken. Wir Funktionäre können nur etwas vorbereiten. Die Götter im Olymp des ÖBV können gar nichts machen. Entscheidend ist, was die Vereine vor Ort tun. Wir können nur Konzepte und Ziele vorgeben und hoffen, dass diese umgesetzt werden. Wir müssen die Vereine dabei stützen und ihnen den Weg erleichtern.

Schreiner will vor allem umsetzen

LAOLA1: Was beinhalten diese Konzepte?

Schreiner: 1. Das Sportkonzept: Das liegt auf dem Tisch. Aufbauend, von der Volksschule zum Nationalteam mit Quantität und Qualität, zwei Äste. Das liegt fix und fertig auf dem Tisch und wird schon zum Teil umgesetzt. Wenn es so läuft wie erhofft, sollte man die ersten Auswirkungen 2023/24 sehen.

2. Ein Medien- und Marketing-Konzept.

3. Strukturelle Veränderungen im Verband: Wir brauchen keine Häuptlinge, wir brauchen Indianer. Die Aufgabenteilung wird geändert. Das muss ich meinem Vorgänger lassen, das hat er eingeleitet. Mit seiner typischen Art der Persönlichkeit hat er das geschafft.

4. Schwerpunkt Nationalteam: Das Nationalteam ist das Zugpferd für den gesamten Basketball. Neben dem Sportkonzept, das längerfristige Aufgaben hat, müssen wir kurzfristig reagieren und optimale Bedingungen für 2016 schaffen. Wir haben gute Voraussetzungen für diese EM-Qualifikation, aber Selbstläufer ist sie keiner. Alle müssen mitarbeiten, wir brauchen optimale Unterstützung von allen. Falls wir es nicht schaffen, fallen wir ein bisschen in ein Loch. 2020/21 ist weit weg. Wenn ich die Tatsache hernehme, dass in Österreich ein durchschnittlicher Nationalteamspieler mit 28, 29 aufhört, sehe ich in sechs Jahren ein Vakuum. Ich lasse mich natürlich gerne von der nächsten Generation positiv überraschen, aber wir müssen versuchen, das sich jetzt bietende Zeitfenster zu nützen.

LAOLA1: Die Übersicht der Konzepte hört sich umfangreich an, Konzepte hat es allerdings immer schon gegeben. War es in der Vergangenheit nicht so, dass es eher an der Umsetzung der Konzepte gehapert hat, weil es immer wieder Kräfte gegeben hat, die sich dagegen gestemmt haben?

Schreiner: Völlig korrekt, Konzepte hat es immer gegeben, die Umsetzung hat aber komplett gefehlt. Das ist natürlich auch ein Punkt, den ich verändern will - durch Kommunikation und meine Position. Zuerst hat mich jemand als Vizepräsident für Sport ins Spiel gebracht, aber da habe ich gesagt, das mache ich nicht. Ich will in einer Position sein, in der ich auch etwas umsetzen kann. In Wahrheit setze ich teils Konzepte um, die schon lange auf dem Tisch liegen.

LAOLA1: Zurück zum Nationalteam. 2016 gilt als Schlüsseljahr. Man baut auf die Achse Mahalbasic-Schreiner-Pöltl. Wie groß ist die Gefahr, das Pöltl, falls er gedraftet wird, von seinem NBA-Klub nicht gern im Nationalteam gesehen wird bzw. dass die Höhe der benötigten Versicherungssumme unangenehm wird?

Schreiner: Das ist sicher ein riesen Problem. Aber nicht nur das: Nach 2017 wird der FIBA-Kalender umgestellt. Statt nur im Sommer, wird dann eine Woche im November, eine im Februar, eine im Juni und eine im September gespielt, mit jeweils zwei Spielen. NBA- und College-Spieler werden da kaum verfügbar sein. Auch wenn es bei uns nur einen oder wenige Spieler betreffen sollte, trifft uns das mehr als große Nationen, die eine viel größere Dichte haben. Es wartet also eine große Herausforderung auf uns.


Das Gespräch führte Hubert Schmidt


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