Die Deadline naht

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Nach der Saison ist vor der großen Entscheidung.

Für Jakob Pöltl keine neue Situation. Nur in einer ganz neuen Dimension.

Im April 2014 wählte der Wiener zwischen diversen Angeboten von amerikanischen Universitäten und einem Profi-Engagement in einer europäischen Top-Liga.

Im April 2015 - Deadline ist der 26. - heißt es nach einer aufsehenerregenden Freshman-Saison in Utah: Anmelden zum NBA-Draft oder ein weiteres Jahr am College, um voraussichtlich 2016 den Sprung in die Liga der Superstars zu wagen?

Das Potenzial des 2,13-Meter-Manns wurde in den USA schon in seinen ersten Spielen erkannt, mit seinen Leistungen im NCAA-Tournament, wo er u.a. gegen die Stars von Duke überzeugte, hat sich der 19-Jährige im Ranking der Scouts noch weiter nach oben gearbeitet.

"DraftExpress" reiht Pöltl an elfter Stelle, was einen Millionenvertrag zur Folge hätte. Spätestens am Ende der ersten Runde, also noch unter den ersten 30, würde der Österreicher auf jeden Fall von einem NBA-Team gewählt werden, ist man sich in den Staaten einig.

Dennoch ist es alles andere als fix, dass der "Baum" die Utah Utes schon heuer verlässt. LAOLA1 sprach mit ihm über seine Überlegungen:
 

LAOLA1: Gratulation zu den starken Leistungen im Tournament! Das Thema NBA-Draft ist dadurch noch brisanter geworden. Gibt es schon eine Tendenz?

Jakob Pöltl: Es ist schwer zu sagen. Es reizt mich schon sehr zu gehen, weil die NBA mein Traum ist und sie mehr oder weniger vor der Tür steht. Falls ich mich anmelde, ist die Wahrscheinlichkeit ja sehr hoch, dass ich gedraftet werde. Andererseits würde ich auch gerne noch ein Jahr am College bleiben.

LAOLA1: Rein spielerisch scheinst du gerüstet - dank des besseren Spacings und besserer Guards könntest du zum Beispiel im Pick-and-Roll in der NBA vielleicht sogar jetzt schon effizienter sein als am College. Fühlst du dich auch körperlich schon bereit, gegen die großen Brocken mithalten und somit Spielzeit erhalten zu können?

Pöltl: Sollte ich dieses Jahr gehen, würde ich nicht unbedingt damit rechnen, Spielzeit zu bekommen. Das hängt natürlich auch vom Team ab, aber eine große Rolle wäre noch nicht drin. Wenn ich in ein passendes Umfeld komme, würde ich auch ohne Spielzeit sehr profitieren. Die Frage ist, wie ich mental damit umgehen würde, denn in meiner bisherigen Karriere habe ich immer viel gespielt. Aber wie gesagt: Wenn ich mich heuer anmelde, erwarte ich nicht, dass ich sofort Minuten bekomme.

LAOLA1: Wichtig wird in den nächsten Tagen und Wochen sein, so viel Information und Feedback wie möglich zu sammeln, um die Situation so gut wie möglich einschätzen zu können.

Pöltl: Wie ich im Moment höre, könnte ich heuer ein später Lottery-Pick werden. Nicht, weil ich derzeit schon so toll bin, sondern weil ich quasi als gutes Zukunftsprojekt gesehen werde.

LAOLA1: Würdest du dir von einem Verbleib am College auch eine höhere Draft-Position im nächsten Jahr erwarten?

Pöltl: Nicht unbedingt. Wichtig ist mir, dass ich mich in der kommenden Saison als Spieler weiter verbessere. Die Draft-Position ist auch wichtig, stünde aber nicht wirklich im Fokus. Falls ich bleibe, würde ich offensiv wohl eine größere Rolle bekommen.

LAOLA1: Was sagt Trainer Larry Krystkowiak?

Pöltl: Er hat viel Erfahrung, auch in der NBA, und kann mich gut beraten. Ich höre in den Gesprächen heraus, dass er mich sanft, aber doch von einem Verbleib überzeugen will - das ist natürlich vollkommen verständlich. Er meint, dass die NBA tough ist - nicht nur in Bezug auf Basketball, sondern auch, weil es eben ein Business ist, wo es einem so jungen Spieler aus dem Ausland auch mal zu viel werden kann.

LAOLA1: Welche Haupt-Argumente sprechen für oder gegen eine Draft-Anmeldung in diesem Jahr?

Pöltl: Das Sozialleben treibt mich am meisten Richtung Verbleib am College. Rein basketballerisch hätte es zwar in manchen Bereichen auch Vorteile zu bleiben, obwohl rein auf diesen Bereich bezogen der Schritt in die NBA vermutlich der richtige wäre. Genau wissen kann man das aber ohnehin nicht und ich glaube auch nicht, dass es rein basketballerisch einen so großen Unterschied macht, ob ich mich heuer oder nächstes Jahr für den Draft melde.

LAOLA1: Es geht dir also auch sehr um den Faktor des sozialen Umfelds, der dir die besten Voraussetzungen bietet, Top-Leistungen zu bringen und dich zu verbessern.

Pöltl: Der soziale Faktor ist groß. Ich bin mir zwar sicher: Egal, wohin in der NBA ich auch heuer schon gehen würde, ich würde mich schon zurechtfinden. Aber mit dem College kann man es natürlich nicht vergleichen. In der NBA würde ich außer den Mannschaftskollegen zunächst niemanden kennen. Am College habe ich durch die Kurse sehr schnell viele gleichaltrige Leute kennengelernt, die wiederum andere Leute kennen. Auch mit den anderen Sportlern hier kommt man schnell in Kontakt.

LAOLA1: Es kommt also darauf an, nach dem Abwägen rationaler Argumente mit einem guten Gefühl eine Entscheidung zu treffen. Das hat für dich ja auch mit der Entscheidung im letzten Sommer gut funktioniert.

Pöltl: Früher oder später möchte ich den Schritt in den Profi-Basketball sowieso machen. Ich habe vor der ersten College-Saison allerdings ganz und gar nicht damit gerechnet, dass ich jetzt vor dieser Entscheidung stehen würde. Daher ist es jetzt vielleicht schwieriger, diese Entscheidung in kurzer Zeit zu treffen.

LAOLA1: In welchen Bereichen hast du dich in der heurigen Saison am meisten verbessert?

Pöltl: Ich denke, die größte Verbesserung bestand darin, dass ich mich daran gewöhnt habe, körperlich zu spielen und das im Low Post auch zu meinem Vorteil zu nützen. Abgesehen davon würde ich sagen: In allem ein bisschen. Es ist schwer, es mit letztem Jahr in der österreichischen Bundesliga zu vergleichen, weil Niveau und Spielstil ganz anders sind. Man sieht auf den ersten Blick manche Verbesserungen nicht, weil ich hier im Match nicht oft die Chance habe, sie einzubringen.

LAOLA1: Eine Schwäche, die erst in dieser Saison aufgetreten ist und dir leider das ganze Spieljahr erhalten blieb, war die vom Freiwurf. Führst du sie auch auf die Müdigkeit durch das sehr körperliche Spiel zurück?

Pöltl: Ich habe schon gemerkt, dass ich in den Spielen schneller müde werde, weil ich viel mehr arbeiten muss, um körperlich dagegenhalten zu können. Trotzdem war es meiner Meinung nach hauptsächlich eine mentale Sache, denn im Training war die Belastung ebenfalls groß, dort habe ich aber deutlich besser geworfen. An technischen Feinheiten werde ich im Sommer sicher auch arbeiten, aber ich denke nicht, dass da große Änderungen notwendig sind.

LAOLA1: Wirst du mit der Entscheidung bis zur Deadline am 26. April warten?

Pöltl: Voraussichtlich nicht, denn falls ich mich dazu entscheide, mich für den Draft zu melden, gibt es noch einige Dinge, die zu erledigen sind. Wenn ich mir nicht sicher bin, werde ich nichts überstürzen, aber grundsätzlich habe ich vor, die Entscheidung schon etwas früher zu treffen.


Das Gespräch führte Hubert Schmidt

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