"Ich würde nichts ändern"

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Hamidovic: "Ich würde gar nichts ändern"

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Während viele in seinem Alter längst ihre wohlverdiente "Basketball-Pension" genießen oder ihre Karriere in einer unteren Liga ausklingen lassen, erlebt Damir Hamidovic mit 40 Jahren und neun Monaten den sportlichen Höhepunkt seiner Laufbahn.

Der Kapitän führt mit den Xion Dukes Klosterneuburg in der ABL-Finalserie gegen die Allianz Swans Gmunden mit 2:1 und könnte am Donnerstag den Meistertitel einfahren.

Vor 20 Jahren war für den 2,06 Meter großen Forward/Center in den Kriegswirren Bosniens eine Flucht ins Flüchtlingslager Traiskirchen der vernünftigste Ausweg.

Seit zwei Jahrzehnten spielt Hamidovic nun für Klosterneuburg - eine beispiellose Treue in Österreichs höchster Spielklasse. Zum Vergleich: Sein jetztiger Teamkollege Valentin Bauer kam erst zwei Jahre nach Hamidovic' Dukes-Debüt auf die Welt ...

Ausgerechnet in seiner letzten ABL-Saison könnte es nun mit dem ersten Titel für die Nummer sieben klappen.

Zwar sind die Klosterneuburger neunfacher Meister, doch die letzte Finalteilnahme liegt bereits 22 Jahre zurück.

Im Interview mit LAOLA1.at lässt Hamidovic seine Dukes-Karriere Revue passieren, spricht über die Gefahr der Euphorie und nimmt zu einer unschönen Szene in Spiel drei, wo er mit einem Ellbogen gegen den Hals zu Fall gebracht wurde, Stellung.

LAOLA1: Wie geht es dir nach der Attacke von Sharaud Curry?

Damir Hamidovic: Es war nicht so schlimm, hat nur am Anfang böse ausgeschaut und nach dem Spiel beim Schlucken geschmerzt. Einen Tag später spürte ich es aber kaum noch. Ich wurde seitlich an der Kehle getroffen, es war aber nicht sehr stark. Hätte er mich stärker geschlagen, wer weiß.

LAOLA1: Curry hat sich nach der Partie entschuldigt. Ist die Sache für dich damit erledigt?

Hamidovic: Er hat sich entschuldigt, ich habe es angenommen. Ich kann nachvollziehen, warum es in einem Finale zu einer solchen Szene kommen kann. Es sollte nicht passieren, aber er hat das eingesehen und sich entschuldigt. Für mich ist das Thema abgeschlossen.

LAOLA1: Wenn du Spiel drei rückblickend betrachtest: Ihr habt recht sicher gewonnen, seid souverän aufgetreten.

Hamidovic: Erst in der zweiten Hälfte. Ein Finale ist nicht unbedingt ein Leckerbissen für die Basketball-Fans. Es gibt viel Krampf, jeder Spieler will ja keinen Fehler begehen, daher kann es zu solchen Hälften wie der ersten kommen. Als wir nach der Pause auf zehn Punkte davongezogen sind, hatten wir einen Polster und Gmunden hat nichts mehr getroffen.

LAOLA1: Glaubst du, dass Gmunden durch die Ausfälle schön langsam die Kraft ausgeht, oder war das einfach eine Partie, wo ihr gut verteidigt habt?

Hamidovic: Das ist schwer zu sagen. Gmunden hat die Ausfälle von Arnold und Richi Poiger bislang sehr gut kompensiert. Wenn wir am Donnerstag noch etwas mehr Druck ausüben können, glaube ich aber, dass unsere etwas längere Bank entscheiden könnte. Vor allem, wenn Murati und Schöninger nicht so treffen wie in den ersten beiden Spielen, haben sie weniger Alternativen. Eine Voraussage ist allerdings sehr schwer zu treffen. Sie werden kämpfen bis zum Umfallen. Jetzt vergisst man die Müdigkeit, jeder geht an seine Grenzen.

LAOLA1: Ist es deine Aufgabe, die Euphorie etwas zu bremsen?

Hamidovic: Nein, wir haben schon nach dem ersten Spiel gezeigt, dass wir nicht in Euphorie verfallen und übermütig werden. Wir haben sehr viele erfahrene Spieler und während der Saison gelernt, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Wir wissen, dass es am Donnerstag für uns nicht einfach wird. Gmunden steht aber mehr unter Druck als wir, sie können sich keine Patzer mehr leisten.

LAOLA1: Hat sich bei den Dukes in der heurigen Saison etwas verändert, oder ist der Erfolg die logische Entwicklung der Arbeit der vergangenen Jahre?

Hamidovic: Seit sechs oder sieben Jahren haben wir ständig einen Schritt nach vorne gemacht. Wir hatten mehr oder weniger immer einen Stamm von sechs bis sieben Spielern und haben jeweils ein, zwei Neue geholt. Christoph Nagler, Curtis Bobb, Ramiz Suljanovic und ich sind schon lange hier. In dieser Saison ist Momo Lanegger dazugekommen, davor Damir Zeleznik. Die Mannschaft ist nun besser eingespielt und hat wie gesagt viele erfahrene Spieler. Einen zwischenzeitlichen kurzen Einbruch hatten wir zum Glück schon vor den Playoffs.

LAOLA1: Du persönlich weist in den Playoffs deutlich bessere Quoten als im Grunddurchgang auf: 67 Prozent Zweier, 41 Prozent Dreier, 73 Prozent Freiwürfe. Geben dir die Playoffs den Extra-Kick, bist du konzentrierter?

Hamidovic: Ich spiele ja nicht viel (12,8 Minuten pro Partie in den Playoffs, Anm.), ich bin da um auszuhelfen. Ich persönlich mache in den Playoffs nichts anders als im Grunddurchgang oder in der H1. Manche Spieler konzentrieren sich allerdings schon - wenn sie zwei, drei Würfe verworfen haben - auf andere Dinge, wo sie der Mannschaft helfen können. Extra-Motivation brauche ich keine. Ich versuche eher, Ruhe zu bewahren und auszustrahlen, sonst kann die Euphorie ins Negative ausschlagen. Ich glaube, bei C-Bo ist das der Fall. Er hat in den Playoffs eine ganz schwache Quote vom Dreier (17/78, in den letzten beiden Spielen insgesamt 0/14, Anm.). Er will zu viel und denkt nicht nach. Das ist kein Vorwurf im Negativen - das Gute ist, dass er nicht schlechter spielen kann als in den letzten beiden Partien.

LAOLA1: Du wirst definitiv nur noch ein bis zwei ABL-Spiele absolvieren. Beschäftigt dich das oder denkst du nur an den Kampf um den Meistertitel?

Hamidovic: Da ich diese Entscheidung schon länger getroffen habe, beschäftigt mich das jetzt nicht. Mit 40 Jahren und nach 20 Saisonen bei den Dukes aufzuhören, ist denke ich ein guter Zeitpunkt. Ich muss abtrainieren, werde sicher irgendwo auf niedrigerem Level weiterspielen.

LAOLA1: Gab es in den 20 Jahren in Klosterneuburg ein ähnliches Highlight wie den heurigen Finaleinzug?

Hamidovic: Wir waren im Halbfinale und sind einige Male im Cup-Final-Four gestanden, darunter ein Mal zu Hause. Natürlich ist das Finale unbeschreiblich und nicht vergleichbar mit den anderen Ereignissen. Vor allem, weil es so lange her ist und der Verein erstmals seit 22 Jahren wieder im Finale steht. Die Begeisterung bei den Fans ist ein Wahnsinn. Viele von ihnen sind auch vor Jahren gekommen, als wir gegen den Abstieg gespielt haben.

LAOLA1: Hättest du rückblickend in den letzten 20 Jahren etwas anders machen sollen, oder bist du sehr zufrieden damit, dass du keinen anderen Klub ausprobiert hast?

Hamidovic: Das ist eine schwierige Frage. Hätte es diesen schrecklichen Krieg nicht gegeben, hätte ich vielleicht etwas Anderes probiert oder andere Wünsche gehabt. In den schwierigen Zeiten damals habe ich daran aber nicht gedacht. Ich kann mich nur immer wieder wiederholen: Ich bin hier herzlich aufgenommen worden, wie in eine Familie. Ich habe hier meine Familie gegründet und so betrachtet, würde ich gar nichts ändern. Wenn ich mit 18, 19 zu einem guten Verein irgendwo im Ausland gewechselt wäre, hätte ich vielleicht mehr erreicht. Aber ich kenne mich und meine Grenzen, und ich glaube, ich habe damals das Beste daraus gemacht, was beginnend im Flüchtlingslager in Traiskirchen möglich war. Somit bin ich sehr zufrieden und würde jetzt nichts ändern.

LAOLA1: Bekommst du am Donnerstag frei oder arbeitest du vor dem Spiel?

Hamidovic: Ich werde arbeiten. Ich mag es gar nicht, den ganzen Tag zu faulenzen, ich bin lieber in Bewegung. Den Freitag will ich mir frei nehmen, aber nicht wegen einer eventuellen Feier, sondern weil mir das Aufstehen nach einem so späten Spiel sehr schwer fällt. Da spüre ich dann schon etwas meine alten Knochen ...


Das Gespräch führte Hubert Schmidt

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