"Die Welt geht nicht unter"

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Leitner: "Die Welt geht nicht unter"

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Im Vorjahr noch Meister, sind die Oberwart Gunners heuer als erstes Team in den ABL-Playoffs gescheitert.

Ein Buzzer-Beater-Dreier von Ali Farokhmanesh besiegelte am Sonntag die dritte Niederlage im dritten Viertelfinalspiel gegen den WBC Raiffeisen Wels.

Zwar war die Saison mit Rang fünf nach der Hauptrunde nicht nach Wunsch verlaufen, doch die Gunners hatten trotzdem bei manchen Experten gegen Wels als Favorit gegolten. Auch die Oberwarter selbst hatten sich nicht als Außenseiter gesehen.

Manager Andreas Leitner analysiert im LAOLA1-Interview die Gründe für das frühe Ausscheiden, erläutert die Konsequenzen und erklärt, warum er Wels weiterhin nicht zu den Favoriten zählt.

LAOLA1: Die Enttäuschung in Oberwart ist sicher groß. Welche anderen Worte würdest du für das Ausscheiden finden bzw. welche Bedeutung hat es für den Verein?

Andreas Leitner: Die Enttäuschung ist mit Sicherheit sehr groß, aber das heißt nicht, dass die Welt in Oberwart untergeht. Wir haben auf jeden Fall geglaubt, dass Wels für uns der richtige Gegner im Viertelfinale ist. Ich war wirklich felsenfest davon überzeugt, dass wir den Aufstieg schaffen würden. Wir haben auch in allen drei Partien sehr tough gespielt und jeweils erst in den letzten zwei Minuten verloren.

Die einzig positive Seite des frühen Ausscheidens ist, dass wir jetzt schon längst notwendige Verbesserungen im Verein in Ruhe in Angriff nehmen können. Daher werden die nächsten Monate für uns eine ganz spannende Zeit. Aus solchen unterdurchschnittlichen Saisonen schöpfen zumindest wir große Motivation, es sofort besser zu machen.

LAOLA1: Welche Veränderungen sind das konkret?

Leitner: Es sind Infrastrukturmaßnahmen im Umfeld des Klubs notwendig. So ist zum Beispiel ein Ausbau des VIP-Bereichs längst überfällig, ebenso eine Verbesserung des Ticketing-Systems. Wir arbeiten zudem schon seit zwei Jahren konsequent daran, unser Nachwuchsprogramm stetig zu verbessern und auf eine breitere Basis zu stellen. Hier sind einige Ablaufprozesse zu ändern.

LAOLA1: Ist die Serie nur aufgrund der Schlussphasen der einzelnen Spiele negativ verlaufen, oder haben auch andere Dinge nicht gepasst?

Leitner: Wir hatten im Team zwei Struktur-Probleme: Zum einen wurde Jason Johnson im Fight gegen Lamesic und Werner unter dem Korb von Rizvic und Gacesa komplett alleine gelassen. Die beiden Balkan-Legionäre haben nie in die Serie gefunden. Vor allem der Leistungs-Rückgang von Rizvic, der ja ein fantastisches erstes Monat in Österreich gespielt hat, ist unerklärlich. Zum anderen hatten wir keinen Guard, der Druck handlen und Pick-and-Roll-Basketball spielen hat können. Modernen Basketball ohne Pick-and-Roll zu spielen, ist schwierig. Trotzdem ist es möglich, erfolgreich zu sein. Aber dann muss man sehr diszipliniert und konzentriert spielen, und das ist uns in keinem der drei Spiele bis zum Ende gelungen.

Auch sie blieben unter ihren Möglichkeiten: Ochsenhofer und Jandl

LAOLA1: Dass die Qualität der Mannschaft allein aus finanziellen Gründen gegenüber der Meister-Saison etwas sinken würde, war klar. Hat man dennoch vielleicht die Qualität der Abgänge unter- oder die der Zugänge überschätzt?

Leitner: Zunächst glaube ich schon, dass wir von Anfang an das Budget hatten, um unter die ersten Vier zu kommen. Die finanziellen Möglichkeiten, als Titelfavorit zu starten, hatten wir nicht. Die Neuzugänge haben in der Vorbereitung vielversprechend funktioniert, wir haben gegen namhafte Teams wie Nymburk und Lokomotiv Kuban beachtliche Leistungen geboten. Warum es danach so bergab gegangen ist, wird zu analysieren sein. Einen großen Einfluss hatte sicher die Verletzungs-Serie von Jason Johnson. Man hat im Viertelfinale ja gesehen, wie wichtig er für uns ist. Dass man Volcic, Parker und Gonzalvez nicht leicht ersetzen würde können, war uns allen bewusst. Bernd Volcic' Führungsrolle zu übernehmen, war für die vom Vorjahr verbliebenen Spieler einfach zu schwer.

LAOLA1: Vor der Saison hatte man Joey Shaw zu den MVP-Kandidaten gezählt. Hat er unter der egoistischen Spielweise des später abgegebenen Drake Reed stark gelitten?

Leitner: Im Herbst hat er darunter sicher gelitten, da hatte er einfach Probleme mit seiner Rolle. Seit Reeds Abgang hat Shaw deutlich besser gespielt. Joe hat es sicher geschadet, dass wir kein so starkes Pick-and-Roll wie im Vorjahr spielen haben können. Dadurch hat unser Spacing nicht gepasst und er einfach deutlich weniger Platz gehabt.

LAOLA1: Das heißt, ihr seid auch mit den Österreichern, die ja die Point-Guard-Rolle innehatten, nicht zufrieden gewesen?

Leitner: Ein David Jandl hat zum Beispiel wie gewohnt sein Herz immer am Court gelassen, aber wir brauchen nichts schönreden: Natürlich haben auch alle drei etablierten Einheimischen Anteil an dieser unterdurchschnittlichen Saison. Man kann nicht alles auf die Legionäre oder die Legionärsauswahl schieben.

LAOLA1: Jason Johnson war im Viertelfinale der vielleicht einzige echte Eckpfeiler der Mannschaft, aber er wird nicht jünger. Kann man einen großen Umbau des Kaders erwarten?

Leitner: Was die Legionärsfrage betrifft, wird es sicher einen Umbau geben. Bei den Österreichern sind wir davon überzeugt, dass sie mehr können. Wir werden versuchen müssen, ihnen andere Rollen zu geben und sie besser in ein Legionärskorsett einzubetten. Wenn das gelingt, bin ich davon überzeugt, dass wir wieder die gewohnten Leistungen von ihnen sehen werden. Lichtblick heuer war definitiv die Entwicklung von Lukas Linzer und Erik Frühwirth, auf sie wollen wir auch künftig setzen.

LAOLA1: Wird Oberwart in den nächsten Jahren weiter bzw. wieder zu den Titelfavoriten zählen?

Leitner: Das ist im Moment nicht vorhersehbar. Der Sponsormarkt ist generell ein schwieriger, unser frühes Ausscheiden macht es nicht leichter. Wir werden in der nächsten Saison sicher eine interessante Truppe haben. Ob sie zu einem erweiterten Favoritenkreis gehören wird, kann man jetzt noch nicht beantworten.

LAOLA1: Wer sind für dich die Favoriten auf den Titel? Gehört nun Wels auch dazu? Viele Experten haben ja darauf getippt, dass die Oberösterreicher gegen Oberwart ausscheiden.

Leitner: Ich gratuliere Wels zur Leistung gegen uns. Zweimal so einen Rückstand aufzuholen, besonders im dritten Spiel im Hexenkessel in Oberwart, verlangt Respekt. Für mich bleiben aber Klosterneuburg und Gmunden die Favoriten. Diese beiden Teams sind unter dem Korb physisch stark und haben tiefe Kader. Sie weisen eine größere taktische Disziplin auf als wir und sind damit für mich stärker einzuschätzen als Wels.

 

Das Gespräch führte Hubert Schmidt

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