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Die Rallye Mexiko im Rückspiegel

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Um zu beurteilen, ob Sebastien Ogier bereits an der Tür zum Rallye-Himmel klopft, dafür ist es noch zu früh. Mit den Pforten in Mexiko hatte der Franzose aber jedenfalls so seine Schwierigkeiten.

Ogier war auf den staubigen Schotterstraßen Mexikos eine Klasse für sich. Unangefochten fuhr der 29-Jährige den Sieg ein und schrieb ein weiteres Erfolgskapitel, der noch jungen Volkswagen-Motorsport-Geschichte.

Der Weltmeisterschaftsführende sorgte aber nicht nur für einen überlegenen Sieg, sondern auch – unfreiwillig – für die Kuriosität des Events. Wir blicken in den Rückspiegel und lassen die Schmankerl der Rallye Guanajuato Mexiko noch einmal Revue passieren.

Bei der ersten Schotter-Rallye der Saison mussten die Fans zwar auf Serien-Sieger Sebastien Loeb verzichten – er gewann zwischen 2006 und 2012 alle WRC Rallyes in Mexiko - dafür durften sie einen anderen schillernden Piloten willkommen heißen. Ken Block gab sich wieder die Ehre und nahm, zum einzigen Mal in dieser Saison, in einem World Rally Car Platz.

Der Amerikaner pilotierte seinen auffällig bunt designten Ford Fiesta wie gewohnt spektakulär über die Pisten. Kaum ein anderer Fahrer führte sein Auto in den Kurven so sehr an die Grenzen der Schwerkraft heran, wie der Kalifornier.

Weitaus unspektakulärer sah da zunächst das Missgeschick aus, das Carlos Fessman auf der Wertungsprüfung „El Chocolate“ unterlief. In einer Linkskurve kam Fessman zu weit nach außen und setzte mit seinem Wagen auf.

So weit, so gut. Fessman entschied sich allerdings, Gas zu geben, um sein Arbeitsgerät wieder frei zu bekommen. Das hätte der Venezolaner besser gelassen, denn dadurch machte er alles nur noch schlimmer. Anstatt zurück auf die Straße ging es für ihn einige Meter die Böschung hinunter, Überschläge inklusive.

Eine eigenwillige Route wählte auch Nasser Al-Attiyah. Der Rallye-Dakar-Sieger von 2011 scheint sich off-road einfach wohler zu fühlen und verweigerte in Mexiko die vorgesehene Strecke. In der Hitze – und dem Staub – des Gefechts nahm der Katarer etwas zu früh eine Abzweigung nach links und schlitterte über die Felsen zurück auf die Straße.

Das Drama dieses Rennens erlebte Mads Östberg. Am Samstag war er lange Zeit der einzige Pilot, der mit Ogier mithalten und sogar vier Sonderprüfungen für sich entscheiden konnte. Für den jungen Norweger schien der zweite Endrang in Griffweite.

Doch dann schlichen sich Probleme in der Technik ein. Erst streikte die Kupplung seines Ford Fiesta, auf der Überführungsstrecke zwischen Sonderprüfung 14 und 15 musste er sein Auto mit defekter Lichtmaschine dann endgültig abstellen. Zutiefst enttäuscht versetzte er seinem nicht mehr fahrbaren Untersatz einen Tritt und verletzte sich dabei auch noch leicht am Fuß.

In Sachen Effizienz kann von Mikko Hirvonen noch so manch einer etwas lernen, niemand holt so viel aus seinen Reifen wie der Finne. Ein schleichender Plattfuß lässt ihn gewohnt nordisch kalt.

25 Kilometer hatte der Citroen-Pilot auf SP 18 noch bis ins Ziel vor sich, als seinem linken Hinterreifen langsam die Luft ausging. Hirvonens Maßnahme - einfach weiterfahren.

Vom Reifen waren am Ende der Sonderprüfung nur noch ein paar Fetzen übrig, selbst der Radkasten wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Hirvonen verlor mit seinem Ritt auf der Felge rund zwei Minuten, rettete aber gerade noch sieben Sekunden Vorprung auf Thierry Neuville und damit den zweiten Rang - am Ende alles richtig gemacht.

Standesgemäß gehört das Highlight der Rallye Guanajuato Mexiko 2013 aber natürlich dem Sieger Sebastien Ogier. Auch wenn es sich bei jener ungewöhnlichen Szene, die sich auf Sonderprüfung 18 abspielte, um eine von der Sorte 'absolut entbehrlich' handelt, wird sie doch in Erinnerung bleiben.

Der nichtsahnende Franzose trieb seinen VW Polo ein weiteres Mal über die Strecke, als er nach einer Linkskurve plötzlich vor einem geschlossenen Tor stand. Dieses versperrte die komplette Straße, Co-Pilot Julien Ingrassia musste aus dem Auto eilen und das Tor öffnen.

Rund 40 Sekunden verlor Ogier, bekam diese am Ende des Tages aber rückerstattet. Auch dank seines komfortablen Vorsprungs auf die Konkurrenz nahm der VW-Pilot den Zwischenfall mit einem Lächeln: „Vielleicht will jemand nicht, dass ich gewinne.“

Dem nicht genug, machte er am Sonntag, im Überschwang seines Sieges, nochmals Bekanntschaft mit einem geschlossenen Gate. Im Service-Park schrieb der 29-Jährige eifrig Autogramme, übersah eine Tür und lief gegen diese. „Ich habe sie nicht gesehen und sie an der falschen Stelle erwischt. Jetzt sehe ich ein wenig wie ein Boxer aus.“

Auch wenn sein Sieg am Ende mehr als deutlich ausfiel, dass Ogier in Mexiko Tür und Tor geöffnet waren, kann man wirklich nicht sagen.

 

Christoph Kristandl

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