Rallye-Legende spricht Klartext

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Mundls Titel-Dutzend ist voll - Wie geht's weiter?

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Raimund Baumschlager ist am Ziel seiner Träume. Mit Vollgas Richtung Titelrekord zu steuern, war seit Jahren die größte Herausforderung des 54-Jährigen.

"Mundl" - wie ihn seine PS-Kollegen nennen - ist seit 1982 vom Rallye-Virus infisziert. Bei der "Pyhrn-Eisenwurzen" gab er quasi vor seiner Haustür einst den Einstieg in Österreichs Quertreiber-Szene. Längst hat der Oberösterreicher seine Leidenschaft zum Beruf gemacht, der ihn als Fahrer, Teamchef und "Firmen-Boss" fordert.

Nach dem Titel-Dutzend ist offen, wo "Mundls" Reise hinführt. Am Wochenende ist er bei der Deutschland-Rallye im Einsatz. Als Teamchef für den Deutschen Armin Kremer, der im Skoda Fabia S2000 der Tuningschmiede Baumschlager Rallye & Racing GmbH (BRR) in der WRC2 auf das Podest fahren will.

Im LAOLA1-Interview gibt der ehemalige VW-Werksfahrer und nunmehrige ÖM-Rekord-Champion einen Einblick in sein Gefühlsleben und spricht über die rasante Entwicklung im Reich der heimischen "Driftkönige".

LAOLA1: Wie groß ist die Freude über den  12. Titel und den Rekord?

Raimund Baumschlager: Die Freude ist riesig. Wir haben viele Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet. Wenn man so ein Projekt startet, kann man ja nicht davon ausgehen, dass es jedes Jahr so klappt, wie es bei uns funktioniert hat. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, zwölf Staatsmeistertitel geholt zu haben, noch dazu elf davon mit der eigenen Firma.

LAOLA1: In Summe hattest du vor der Weiz Rallye drei "Matchbälle". Wie wichtig war es, dass du gleich den ersten verwertet hast?

Baumschlager: Es war mir von Anfang an sehr wichtig, dass ich bei der Weiz-Rallye alles klar mache. Es hat bereits viele Situationen gegeben, wo Matchbälle vergeben worden sind. Vergibt man den ersten, kommt die Angst ins Spiel, dass beim nächsten Versuch wieder etwas daneben geht. Am Ende wäre der Druck beim letzten Matchball immens hoch gewesen. Mein Plan war daher mich zurück zu halten, nicht "narrisch" zu attackieren, aber trotzdem gute Zeiten zu fahren. So konnte ich fehlerlos am Hermann Neubauer dran bleiben. Mir war immer klar, dass ich drei Punkte benötige.

LAOLA1: Wo liegt nach dem Titelgewinn der Fokus für die zwei noch ausständigen Rallyes in Liezen und im Waldviertel?

Baumschlager: Wir werden es wie die letzten zwei Jahre anlegen. Saubere Rallyes fahren und Spaß haben, ganz ohne den Druck auf Punkte fahren zu müssen.

LAOLA1: Deinen ersten Titel hast du dir 1993 erarbeitet. Kann man den mit dem Rekord-Titel vergleichen? Es wird ja allgemein behauptet, der Erste ist der schönste.

Baumschlager: Der erste Titel ist mit Sicherheit immer etwas ganz Besonderes. Alles ist neu und alles was neu ist, wirkt interessant. Aber ganz ehrlich gesagt, ist der zwölfte Titel vom Gefühl her ungefähr gleich einzuschätzen. Es ist ein Wahnsinn, was man alles erreichen kann in kürzester Zeit. Ich habe eine riesen große Freude verspürt, wie es nicht oft der Fall war. Jetzt habe ich das Ziel erreicht, das ich mir über viele Jahre hinweg gesteckt habe.

LAOLA1: An welchen Titel erinnerst du dich besonders gerne?

Baumschlager: Auf alle Fälle an meinen ersten Titel. Damals war noch Franz Wittmann im Rallye-Geschäft, der viele Jahre den Sport dominiert hat. Damals schien es schier unmöglich, den Franz besiegen zu können. Dennoch ist es uns 1993 gelungen. Aber auch an den ersten Titel mit meiner eigenen Firma BRR erinnere ich mich gerne. Mit einem uralten Auto (Anm.: Mitsubishi Evo V) haben wir den Titel geholt, obwohl es finanziell nicht rosig ausgesehen hat. Eine einzigartige Sache, die man sich sehr lange merkt. Und natürlich mein 12. Titel. Das sind Momente, die sehr bewegen.

LAOLA1: Wie sehr hat sich die Rallye-Meisterschaft seit deinem ersten Titel verändert?

Baumschlager: Der Rallye-Sport hat sich richtig brutal weiterentwickelt, unglaublich schnell. Wenn ich mich an meine Anfänge erinnere, bin ich richtig überrascht. Die Fahrer haben alle Alltagskleidung getragen, also weit weg von irgendwelchen Feuerschutz-Bekleidungen. Damals war das alles eher Luxus. Aber man hatte zumindest bereits einen Helm. Zum Glück hat sich punkto Sicherheit sehr viel getan. Mit der Karosserie, wo der Überrollkäfig direkt mit dem Auto verschweißt ist oder am Fahrwerkssektor und nicht zu vergessen bei den Reifen. Das ist mit Dem Rallye-Sport Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr vergleichbar. Die Technik hat sich weiterentwickelt und viel davon ist auch für die Serienfahrzeuge übernommen worden.

LAOLA1: Du giltst als Spezialist in Sachen Fahrwerkseinstellung. Bringt das große Vorteile?

Baumschlager: Über all die Jahre haben sich die Fahrwerke in eine Richtung entwickelt, in der du als Fahrer viel mehr gefordert und gefragt bist. Du musst das volle Potential ausschöpfen, um ein Fahrzeug richtig schnell zu machen. Es ist nicht damit abgetan, dass du das einfach vom Werk übernimmst, sondern du musst versuchen, das Fahrwerk des Boliden an die jeweilige Rallye anzupassen. Um nicht zu sagen, an jede Sonderprüfung. Damit habe ich mich sehr viel beschäftigt, auch weil ich es als VW-Werksfahrer von der Pike auf gelernt habe und immer mit der Sache zu tun hatte. Ich wusste daher, was so kleine Veränderungen bewirken. Es ist nach wie vor einer meiner Vorteile, dass ich auf dem Gebiet Fahrwerk und Setup gemeinsam mit meinem Ingenieur Stärken ausspielen kann. 

LAOLA1: Rallye-Sport ist teuer. Wie schwer fällt es Sponsoren zu lukrieren? Besteht ein Unterschied zu früher?

Baumschlager: Es ist allgemein immer schwierig, Sponsoren zu finden. Der Anfang war für mich aber richtig hart, da ich keine Leute kannte, die in dem Geschäft verankert waren. Ich habe mir alles durch harte Arbei verdient, hauptberuflich als Betriebsschlosser und daneben als Holzknecht, hatte aber auch das Glück, dass  ich relativ schnell auf mich aufmerksam gemacht habe. Dann sind mit Castrol und Vredestein die ersten zwei Sponsoren an mich herangetreten. Selber zu fragen, das hätte ich mich nicht getraut, dazu war ich zu schüchtern, oder auch zu feige. Ab diesem Zeitpunkt ist es dahin gegangen. Nach ein paar Jahren hatte ich keine Sorgen mehr, wie ich mir den Rallye-Sport durchfinanzieren kann. Es sind dann "fette" Jahre gekommen, wo richtig viel Geld geflossen ist. Mit der Wirtschaftskrise hat sich die Situation leider wieder verändert. Heute kann ich sagen, dass ich die besten Sponsoren habe. Aber ohne die Firma BRR könnte ich mir den Rallye-Sport nicht leisten und es wäre nicht mögliche, eine ganze Meisterschaft zu fahren.

LAOLA1: Wie stehen die Chancen, dass du 2015 wieder dabei bist und um den 13. ÖM-Titel kämpfst?

Baumschlager: Grundsätzlich will ich weiterfahren, das ist klar. Vorher muss ich aber noch mit meinen Sponsoren reden, ob auch die mit mir weitermachen wollen. Das ist die Grundvoraussetzung. Eine ganze Meisterschaft muss ich aber nicht mehr bestreiten. Wünschen würde ich mir ein Mischprogramm. Ein paar Rallyes in Österreich, sowie ausgesuchte im Ausland. Das ist mein Plan.

LAOLA1: Mit welchem Auto wird man dich sehen? Geht die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Skoda weiter?

Baumschlager: Ich möchte auf jeden Fall mit Skoda weiter machen. Ich bin ja auch in die Entwicklungsarbeit als Testfahrer mit dem neuen Skoda R5 eingebunden. Daher wäre es für mich der logische Weg. Das liegt natürlich bei Skoda selbst, aber das werden wir jetzt alles besprechen. Von meiner Warte aus stehen die Lichter auf grün. Mir liegt der VW-Konzern sehr nahe und daher würde ich so und so nie wechseln. Wenn dann nur innerhalb der VW-Familie, vorausgesetzt es ist möglich. 

LAOLA1: BRR gilt mittlerweile auch als Talenteschmiede und Qualitätsmarke im Rallye-Sport. Wie schauen diesbezüglich die Pläne für 2015 aus?

Baumschlager: Projekte, wie einst mit dem Andi Aigner, wird es nicht mehr geben. Fix kann ich bis dato sagen, dass die Zusammenarbeit mit der 16-jährigen Tamara Molinaro aus Italien fortgesetzt wird. Den Rest wird man sehen. Prinzipiell muss sich jeder Fahrer selber qualifizieren. Ich werde diesbezüglich nicht mehr bei Red Bull vorsprechen. Wenn Red Bull jedoch sagt, schau dir diesen oder jenen Fahrer einmal an, können wir natürlich gerne etwas machen. Ich möchte mit allen Talenten die Arbeit fortsetzen. Darin hat mich auch die Weiz-Rallye bestärkt. Wenn der 19jährige Südafrikaner Henk Lategan bei seiner dritten Asphalt-Rallye auf das Podium fährt, ist das schon toll. Es hat eigentlich nur noch der Chris Brugger gefehlt. Nicht zu vergessen ist natürlich Mario Saibel, der ein sehr angenehmer Zeitgenosse ist und noch dazu sehr schnell Auto fährt. Ich wünsche ihm, dass er den Vizemeistertitel einfährt. Das wäre natürlich der Hammer, wenn wir am Ende des jahres beide ganz vorne stehen könnten.

LAOLA1: Du bist Gesellschaft einer erfolgreichen Firma, Talentausbildner, Fahrer und Familienmensch. Wie bringst du all das unter einen Hut?

Baumschlager: In dem man auf eine sehr verständnisvolle Familie zählen kann. Du brauchst im Team sehr gute und verlässliche Leute. Selber braucht man ein relativ vernünftiges Zeitmanagement. Das Privatleben kommt  leider zur kurz und dafür muss die Familie Verständnis zeigen. Zum Glück ist das bei mir der Fall. Meine Frau und meine Tochter geben mir die notwenige Zeit, die ich brauche, damit ich meine Arbeit ordentlich erledigen kann.

LAOLA1: Was wünscht du dir für die Zukunft des heimischen Rallye-Sports?

Baumschlager: Ich wünsche mir, dass wir wieder etwas zurück zu den Wurzeln gehen, dass wir wieder Regeln bekommen, die auch der "Otto-Nnormal-Verbraucher" versteht. Am Beispiel Meisterschaft - keine Streichresultate, eine durchschaubare Punktevergabe ohne Power-Stage, da es für den Konsumenten, der nicht ein absoluter Rallyefan ist, schwer zu verstehen ist. Es ist zwar alles von der FIA reglementiert, aber man sollte vielleicht nicht alles übernehmen, was aus Paris vorgegeben wird. Nicht jede Vorschrift passt zur nationalen Meisterschaft. Die Leute müssen den Sport verstehen können. Wenn ich, wie 2015 geplant, ein Punktesystem habe, bei dem es bei Ein-Tages-Veranstaltungen für den Sieg 25 Punkte und bei einer Zwei-Tages-Veranstaltung den Punktefaktor 1,5 gibt, ist das fragwürdig und für die Zuschauer schwer zu verstehen. Ich habe auch den Eindruck, dass manche Journalisten lieber nichts über die Rallye schreiben, als etwas Falsches, da man wirklich Insider-Wissen benötigt. Grundsätzlich ändert das komplizierte Punkte-Reglement eh nichts. Es gewinnen sowieso immer dieselben Fahrer. Ich habe schon alle möglichen Systeme erlebt, es wird stets nur undurchschaubarer und verrückter.

 

Das Gespräch führte Christian Wiesmayr

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