Legende checkt das Duell Rossi vs. Lorenzo

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Valentino Rossi vs. Jorge Lorenzo. Dieses Duell wird die MotoGP-Fans in den kommenden Wochen beschäftigen. Motorsport-Magazin.com bat Randy Mamola zu einer Analyse des Duells. Der US-Amerikaner kennt sich mit Titelkämpfen aus, auch wenn er sich nach vier verlorenen jeweils mit dem Prädikat des Vizeweltmeisters begnügen musste.

Seit einigen Jahren ist Mamola in der MotoGP als Riding Coach für das Tech 3 Yamaha Team im Einsatz und erkennt daher Dinge, die vielen Fans und Journalisten verborgen bleiben. "Als Fahrercoach sehe ich Dinge, die von den meisten anderen nicht so detailiert in den Fokus genommen werden", erklärt Mamola.

Wer am Ende die Nase vorne haben wird, traut sich der 13-fache GP-Sieger aber nicht vorauszusagen: "Das Pendel kann noch in beide Richtungen ausschlagen. Es spielt sicherlich auch eine gewisse Glückskomponente hinein, auch wenn bis zu einem gewissen Grad natürlich jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied ist."

Das spricht für einen Weltmeister Lorenzo

"Jorge ist der schnellste Fahrer auf der Yamaha, weil er genau so fährt, wie es dieses Motorrad benötigt. Bei Tech 3 arbeite ich mit Bradley und Pol. Beide versuchen genau Jorges Fahrstil und seine Bewegung des Motorrads zu imitieren, weil er so sanft und schnell fährt. Wenn du dich mit deinem Bike so geschmeidig bewegst, brauchst du viel weniger Kraft, etwa beim Umlegen und Aufrichten. Dadurch hast du am Ende des Rennens mehr körperliche Reserven."

"Jorge hat eine richtig scharfe Waffe: Er fährt sehr schnell und ist bei hohen Kurvengeschwindigkeiten der Beste. Wenn die Kurven langsamer werden, leidet seine Leistung aber ein wenig. Jorge hat Valentino schon einmal den Nerv gezogen und zum ersten Mal hatte Rossi keine Antwort darauf. Er riskierte zu viel, flog ab, brach sich das Bein und warf damit die WM weg. Er konnte nicht glauben, dass es eine Situation gab, die er nicht kontrollieren konnte. Das hat bislang nur Lorenzo geschafft."

Das spricht für einen Weltmeister Rossi

"Valentino hat in dieser Saison in jedem Bereich als Rennfahrer zugelegt. Er hat gelernt, das Motorrad unter allen möglichen Bedingungen noch besser zu kontrollieren. Valentino war von seiner Fahrweise immer ein sehr aggressiver Typ, doch das musste er in den letzten Jahren umstellen. Vor 2010 hat er sich immer nur auf sein Talent verlassen, doch das war 2011 gegen Lorenzo nicht mehr genug. Deswegen hat er sich mit vielen jungen und hungrigen Leuten umgeben und sich damals zum ersten Mal den Dirt Bikes zugewandt."

"Dort hat er - obwohl schon ein kompletter Fahrer - noch viele Dinge lernen können. Diese Erfahrungen halfen ihm auch dabei, die Disziplin zu entwickeln, mit der er sich nach den Ducati-Jahren wieder an die Weltspitze zurück gekämpft hat. Im Gegensatz zu Lorenzo hat er mehr Waffen im Arsenal. Von seiner Bandbreite der Linienwahl und der Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche äußere Bedingungen ist Valentino viel breiter aufgestellt. Er ist definitiv nicht mehr der Schnellste im Feld, aber wenn er in der Schlussrunde vorne dabei ist, setzt er noch immer sein Manöver. Garantiert."

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