Marquez "schon eine Legende"

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Supertalent stiehlt allen die Show

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Nach zwei Rennen in der MotoGP ist eines klar: An den starken Spaniern führt auch in diesem Jahr kein Weg vorbei. Zumal am fünften Mai der dritte WM-Lauf in Jerez stattfindet - ein Heimspiel für die starken Iberer.

Das letzte Rennen in Austin mutete fast schon wie eine spanische Meisterschaft an - Rookie Marc Marquez siegte vor seinem Honda-Teamkollegen Dani Pedrosa und Weltmeister Jorge Lorenzo und sorgte damit für einen iberischen Dreifach-Sieg.

Doch woher kommt diese Überlegenheit? "Das ist schwierig zu erklären. Das ist für mich zu 50 Prozent Zufall und zu 50 Prozent die Arbeit des Verbands. Sie haben viele Meisterschaften für Kinder geschaffen, in denen sie aufwachsen können. Wir haben eine Menge guter Fahrer", vermutet Weltmeister Lorenzo.

Supertalent

Schon vor der Saison galt Marquez als großes Talent, doch dass er bereits in seinem zweiten MotoGP-Rennen triumphiert, darauf hätte wohl keiner gewettet. Nicht einmal er selbst: "Um ehrlich zu sein, habe ich nicht damit gerechnet", zeigte er sich überrascht.

Nebenbei schrieb das Supertalent noch Geschichte: Der 20-Jährige (bei seinem Sieg 20 Jahre und 196 Tage alt) ist der jüngste GP-Sieger aller Zeiten in der Königsklasse der Motorrad-WM.

„Es war schon ein Traum, bei meinem ersten Rennen in Katar Dritter zu werden. Und jetzt der Sieg. Das ist natürlich noch besser“, freute sich der Honda-Werkspilot, der nun sogar die WM-Wertung mit 41 Zählern vor dem punktgleichen Titelverteidiger Lorenzo anführt.

Beängstigend

Die Leistung des 20-Jährigen ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, denn selbst sein eigener Teamkollege - im Vorjahr WM-Zweiter - mit denselben technischen Voraussetzungen und identischem Material ausgestattet, konnte mit Marquez nicht mithalten.

Der Newcomer flog förmlich über die Strecke, fuhr kompromisslos und beinahe fehlerfrei, dazu zeigte er in Kurven die größte Schräglage des Feldes, bei der selbst seine Ellenbogen auf dem Boden schleiften.

Lob für "Legende"

Die heimische Presse feierte seinen fulminanten Start in die Königsklasse überschwänglich: "Der Spanier ist schon eine Legende. Und er ist nur ein Kind", schrieb "El Mundo Deportivo", "AS" titelte: "Marquez fuhr das Rennen mit der Entschlossenheit, Abgebrühtheit und Erfahrung eines alten Hasen."

Auch die Konkurrenz zog ihren Hut vor dem "Wunderkind", das schon mit sechs Jahren auf dem Minibike fuhr, 2010 die 125-cm³-Klasse gewann und im vergangenen Jahr Moto2-Weltmeister wurde.

"Gratulation an Marc, den jüngsten MotoGP-Sieger der Geschichte - er ist wirklich ein Phänomen", so Yamaha-Pilot Lorenzo. Der WM-Titelverteidiger, der in Austin seine 100. Podiumsplatzierung erreichte, zeigte sich als fairer Verlierer und beneidete den Neuling um dessen Unbekümmertheit: "Wenn du so jung in die MotoGP kommst, willst du es allen beweisen. Mit wachsender Erfahrung überlegst du mehr, welche Risiken du eingehst."

Schwierige Situation

"Marc war super und ist jede Runde sehr gut gefahren. Er war wirklich stark", musste auch Teamkollege Pedrosa Marquez Respekt zollen. Obwohl ihm das sicherlich nicht leicht fiel, da er selbst immer als großes Talent galt, die letzten Rennen der vergangenen Saison dominierte und nach dem Rücktritt von Casey Stoner als neue Nummer eins bei Honda endlich den WM-Titel holen wollte.

Nun fährt Pedrosa ausgerechnet mit Marquez und ist zwar schneller als die Konkurrenz, doch in Texas war er sowohl im Training, als auch im Qualifying und im Rennen im eigenen Team nur der Zweitschnellste.

Auf dem Teppich bleiben

Der neunfache Weltmeister Valentino Rossi gestand: "Er hat mich sogar ein bisschen erschreckt und eingeschüchtert."

Trotz aller Lobeshymnen, die momentan auf ihn gesungen werden, gab sich der Katalane gegenüber "MotoGP.com" bescheiden: "Wir machen Fortschritte, Schritt für Schritt. Wir kennen das Motorrad jetzt besser, trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass es nun auf die europäischen Strecken geht, die die anderen Fahrer besser kennen und von denen sie bereits Daten haben. Es wird also schwieriger - aber man kann auch nicht immer gewinnen."

"Titel unmöglich"

Auch wenn viele ihm nun den Titel zutrauen, soweit scheint er selbst noch lange nicht zu sein:

"Ich will darüber jetzt nicht nachdenken. Ehrlich gesagt glaube ich, dass es praktisch unmöglich sein wird, den Titel in diesem Jahr zu holen. Wir sind gut gestartet, aber diese beiden Kurse lagen mir auch gut. Jetzt geht es auf engere Strecken, die mir mehr Probleme mit der MotoGP-Maschine bereiten werden - ich muss mich also schnell daran gewöhnen", so Marquez, der sich zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten krönen könnte.

Favoriten sind andere

Doch er überließ lieber zwei anderen Fahrern die Favoritenrolle: "Ich kann versichern, wir werden in jedem einzelnen Rennen 100 Prozent geben, aber ich denke, der Titelkampf wird sich in diesem Jahr zwischen Jorge (Lorenzo) und Dani (Pedrosa) entscheiden - die sind die Stärksten."

 

Henriette Werner

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