MotoGP-Saisonvorschau: Ein steiniger Weg

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Aprilia ist zurück in der Startaufstellung.

In Rot-Schwarz gehen Alvaro Bautista und Marco Melandri unter der Führung des erfahrenen Teams von Fausto Gresini 2015 an den Start. Ihre Aufgabe ist keine einfache, denn ursprünglich wollte der italienische Hersteller erst 2016 in den MotoGP-Zirkus zurückkehren.

Die Dorna leistete aber ganze Arbeit und überredete Aprilia, doch schon in dieser Saison den Weg zurück zu beschreiten. Ob dieser Schritt nicht vielleicht doch zu früh kam, beleuchten wir in unserer großen Saisonvorschau.

DIE FAHRER

#19 ALVARO BAUTISTA

Der 30-jährige Spanier geht 2015 in seine sechste Saison in der MotoGP und dürfte im Oktober die 100-GP-Marke knacken. Nur sechs Piloten aus der aktuellen Startaufstellung haben mehr Starts auf dem Buckel als Bautista. Allerdings ließ er zuletzt nach und machte nach einer Rekordsaison 2012 (er wurde mit 178 Punkten WM-Fünfter) in den letzten beiden Jahren weniger Zähler als in der jeweiligen Vorsaison. Drei dritte Plätze waren in den bisherigen fünf MotoGP-Jahren das Maximum für den Spanier. Groß aufbessern wird er sich diese Statistik 2015 wohl nicht, denn in den Testfahrten landete Bautista an kaum einem Tag innerhalb der Top-15. Zudem entwickelte er sich im Vorjahr zu einem der sturzanfälligsten Piloten im gesamten Feld. Aprilia ist nach Suzuki und Gresini-Honda Bautistas dritter Arbeitgeber und womöglich seine letzte Chance, doch noch den Durchbruch zu schaffen.

#33 MARCO MELANDRI

Nach vier Jahren in der Superbike-WM wagte Marco Melandri im Alter von 32 Jahren ein Comeback in der MotoGP. Statt eines zweiten Frühlings zeichnet sich aber eher tiefster Winter ab. So erfolgreich der Italiener auch in der Superbike-WM war (insgesamt 19 Siege) und so viel MotoGP-Erfahrung der Vizeweltmeister von 2005 auch mitbringen mag, überzeugen konnte Melandri bei den Wintertests nie. Mit einem Abo auf letzte Plätze klagte der Italiener in Katar auch noch über fehlende Energie und hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. An mangelnder Routine kann es nicht liegen, dass Melandri sich bislang so schwer tut. 131 GP-Starts absolvierte er in der Königsklasse und ist unter den Aktiven damit die Nummer vier. Vielleicht waren vier Jahre bei den Superbikes aber einfach eine zu lange Zeit.

DAS MOTORRAD

Aprilia RS-GP: Das aktuelle Motorrad ist eine weiterentwickelte Variante der Chimäre, die man im Vorjahr bei den Valencia-Tests auf die Strecke schickte. Damals hatte man die in der Superbike-WM erfolgreiche RSV4 weiterentwickelt und an das MotoGP-Reglement angepasst. Seither dokterte man an beinahe jeder einzelnen Komponente herum. Rahmen, pneumatische Ventilsteuerung, Geometrie, ja sogar am Tank wurde gearbeitet. Eine neue Evolutionsstufe verwarf man nach Sepang II und ging für Katar auf das Ausgangsmodell zurück. Mit diesem war man beim abschließenden Test aber unterlegener denn je. Beide Piloten klagten über zu starke Vibrationen in den Kurven, die eine aggressive Linienwahl unmöglich machen. Die RS-GP wird wohl über die gesamte Saison ein Patient bleiben, der am offenen Herzen operiert wird.

DAS TEAM

Für Aprilia ist die MotoGP ziemliches Neuland, weshalb man sich einfach die erfahrene Truppe des Italieners Fausto Gresini einverleibte. Das Team trat 1997 zum ersten Mal in der Königsklasse auf, wo es seit 2002 permanent vertreten ist und unter anderem Weltmeister wie Daijiro Kato, Hiroshi Aoyama oder Marco Simoncelli einsetzte. Während sich die eingespielte Gresini-Mannschaft um das operative Geschäft an der Strecke kümmert, liegt die Entwicklung der Factory Bikes der Aprilia-Crew unter der Führung von Racing Manager Romano Albesiano.


DIE KUNDEN-TEAMS

Ioda Racing: Der italienische Rennstall mit Solokämpfer Alex de Angelis ist zwar kein direktes Kundenteam von Aprilia, setzt mit der ART aber das alte CRT-Motorrad des Herstellers ein. Umso erschütternder, dass de Angelis bei den Testfahrten mit dem zwei Jahre alten Relikt bei den Testfahrten permanent schneller als Marco Melandri war und teilweise sogar mit Alvaro Bautistas Zeiten mithalten konnte. Von den Punkterängen dürfte der Sanmarinese dennoch meilenweit entfernt sein - so wie seine Kollegen auf den Factory Bikes von Aprilia.

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