Ungarn-Flashback: "Wie beim Autodrom fahren"

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Die Erwartungen an den Grand Prix von Ungarn waren im Vorfeld nicht allzu hoch, die Gedanken der Fans und Rennfahrer weilten vielmehr beim verstorbenen Jules Bianchi, dem alle 20 Fahrer am Sonntag ihr Rennen widmeten.

Trotz der bedrückten Stimmung bot der Große Preis am Hungaroring so viel Action, wie man sie sich nur wünschen kann und wie man sie schon lange nicht mehr erlebt hat.

Es war ein Rennen ganz im Sinne des verstorbenen Racers.

"So ein Rennen hätte auch Jules gefallen", brachte es Red-Bull-Teamchef Christian Horner via Boxenfunk auf den Punkt.

Im LAOLA1-Flashback reflektieren wir für euch den Schock des Fernando Alonso, die starken Leistungen der Youngsters Daniil Kyat und Max Verstappen und küren einen Strafenkönig:

 

  • HOT AND NOT

 Sebastian Vettel

Im neunten Anlauf hat es endlich geklappt: Sebastian Vettel feierte seinen ersten Sieg überhaupt in Ungarn und bescherte Ferrari gleichzeitig den zweiten Erfolg in dieser Saison. "Es ist schön, die Ungarn-Statistik endlich aus dem Weg zu räumen“, freute sich der Heppenheimer. Den Grundstein zum Triumph am Hungaroring legte Vettel schon beim Start, als er an beiden Mercedes vorbeizog. "Es war ein bombastischer Start, ich hatte einen wahnsinnigen Speed." In Folge behielt der 28-Jährige in einem chaotischen Rennen die Nerven und fuhr mit einer fehlerlosen Leistung die 25 Punkte ein.

 

 Lewis Hamilton

Sonst fast immer HOT, diesmal NOT. Für den Weltmeister war es ein Rennen zum Vergessen. Von der Pole Position fiel Hamilton gleich beim Start auf Rang vier zurück, kurze Zeit später landete er im Kiesbett. Von Rang zehn arbeitete sich der Brite – auch mit Hilfe des Safety Cars - nach vorne, nach dem Re-Start kam es dann aber zur Kollision mit Daniel Ricciardo. Die Stewards gaben Hamilton die Schuld: eine Durchfahrtsstrafe war die Folge. Am Ende kämpfte er sich noch von 13 auf Platz sechs nach vor. "Ich habe keine Worte dafür, es war einfach eine wirklich schlechte Leistung von mir. Fehler, wo man hinsieht", so die ernüchternde Analyse des Mercedes-Piloten, der immerhin seine WM-Führung gegen Teamkollege Nico Rosberg verteidigen konnte.

  • NEWCOMER-CHECK:

Max Verstappen fuhr das beste Ergebnis seiner noch jungen Karriere als Formel-1-Pilot ein: Der Teenager belegte am Hungaroring Rang vier und sorgte damit zudem für das beste Toro-Rosso-Resultat seit Sebastian Vettels viertem Platz beim Saisonfinale 2008 in Sao Paulo. Der 17-Jährige konnte einen verpatzten Start trotz einiger Zwischenfälle vergessen machen und jubelte nach dem Rennen: "Unglaublich! Platz vier ist ein großartiges Ergebnis". Auch die nachträglich verhängten drei Strafpunkte, weil er sich in der virtuellen Safety-Car-Phase nicht an die vorgegebene Zeit gehalten hatte, konnten seine Freude nicht trüben. Teamchef Franz Tost zeigte sich ebenfalls begeistert: "Toro Rosso ist das beste Ergebnis seit Jahren gelungen. Max fuhr ein fantastisches Rennen".

Gar nicht begeistert war hingegen Toro-Rosso-Teamkollege Carlos Sainz Jr. - dem Spanier versagte die Power Unit, so dass er neun Runden vor Ende ausfiel. Der 20-Jährige war zudem sauer auf seinen Rennstall, der zuerst Verstappen an die Box geholt hatte, obwohl der Niederländer zu diesem Zeitpunkt des Rennens hinter ihm gelegen hatte. "Ich bin sauer, weil ich ein gutes Rennen gefahren bin. Man kann sich vorstellen, wie verärgert ich bin. Ich habe später als die anderen gestoppt, Max hat den Undercut gemacht und mich an der Box überholt. Das kann ich nicht verstehen."

Felipe Nasr, der erst vor wenigenTagen seinen Vertrag mit Sauber um eine Saison verlängerte, verpasste als Elfter nur knapp die Punkteränge. Für den Brasilianer, der in den bisherigen neun Saisonrennen seiner Premierensaison bereits dreimal Zähler sammeln konnte und bereits deren 16 auf seinem Konto hat, ist es schon der zweite elfte Rang der Saison.

  • TEAMCHECK: Red Bull - Daniil Kvyat vs. Daniel Ricciardo

Ihm wurde schon länger großes Potential nachgesagt, nun hat Daniil Kvyat mit seinem ersten Podestplatz eindrucksvoll bestätigt, was in ihm steckt. Der 21-Jährige ist nach Sebastian Vettel der zweitjüngste F1-Pilot, der je das Podest erklommen hat. Der zweite Rang am Hungaroring macht ihn zudem zum erfolgreichsten russischen F1-Fahrer. Gelernt hat er auch etwas: "Ehrlich gesagt, dachte ich schon nach dem Start, dass mein Rennen gelaufen ist, denn ich hatte einen schlimmen Bremsplatten. Ich konnte mich kaum auf der Strecke halten, aber das Team hat mich angewiesen, auf der Strecke zu bleiben und weiter Gas zu geben. Ich habe heute eine wichtige Lektion gelernt, nämlich diese, niemals aufzugeben, was auch immer im Rennen passiert."

Abgerundet wurde der tolle Renntag für Red Bull von Daniel Ricciardo, der mit Rang drei ebenfalls auf dem Podest landete und sich zudem sehr für seinen Teamkollegen freute: "Es war ein verrücktes Rennen, und ich gratuliere dem jungen Russen zu seinem ersten Podestplatz", so der Australier, der während des Rennens mit beiden Mercedes-Piloten aneinander geriet. "Das Safety-Car hat uns heute geholfen. Ich habe versucht, beim Re-Start außen an Lewis Hamilton vorbeizukommen. Ich schätze, er blockierte die Vorderräder und ist dann in mich reingeschlittert. Das hat mein Auto weiter beschädigt. Am Schluss geriet ich dann noch mit Nico Rosberg aneinander und beschädigte mir den Frontflügel."

  • STRAFENKÖNIG DES WOCHENENDES: Hattrick von Maldonado

In Ungarn hagelte es Strafen am laufenden Band, die Stewards hatten alle Hände voll zu tun. Die Strafenkönige am Hungaroring waren die Lotus-Piloten. Insgesamt vier Sanktionen sprachen die Rennkommissare gegen Romain Grosjean und Pastor Maldonado aus. Der Venezolaner wurde zu nicht weniger als zwei Durchfahrtsstrafen verdonnert und fasste dazu noch eine Zehn-Sekunden-Strafe für Überholen unter dem Safety Car aus.

#F1 One and Only, Pastor Maldonado..

Posted by Im a die hard F1 Fan on Sonntag, 26. Juli 2015

Daniil Kvyat Daniel Ricciardo
Endplatzierung 2 3
Rückstand auf 1. +0:15.748 +0:25.084
<span style=\'text-align: -webkit-right;\'>Topspeed Start/Ziel 280,5 km/h (14.) 282,2 km/h (13.)
Schnellste Runde 1:26.519 (4.) 1:26.954 (7.)
Reifenstrategie (Runden) S (13) - M (20) - S (36) S (21) - M (21) - S (22) - S (5)

  • ÜBERRASCHUNG DES WOCHENENDES: Große Augen bei Alonso

Fernando Alonso hat sich in Ungarn gut aus der Affäre gezogen. Der Spanier konnte sich erfolgreich aus allen Scharmützeln und Kollisionen raushalten und so Platz um Platz gut machen. Am Ende fuhr Alonso als Fünfter über die Ziellinie (Teamkollege Jenson Button ergatterte als Neunter ebenfalls noch Punkte) und bescherte McLaren damit das beste Saisonergebnis sowie das beste Resultat seit Beginn der Zusammenarbeit mit Honda. "Wir haben alle Gelegenheiten genutzt, die wir kriegen konnten. Der fünfte Platz ist ein kleines Geschenk für uns zu diesem Zeitpunkt, in dem wir nicht vollständig konkurrenzfähig sind", wirkte Alonso selbst fast ein bisschen überrascht.

  • ZITAT DES WOCHENENDES

„Da geht’s zu wie am Rummelplatz beim Autodrom fahren“ – Alexander Wurz gefiel die Action beim GP von Ungarn.

  • PECHVOGEL DES WOCHENENDES: KIMI RÄIKKÖNEN

Obwohl er am Freitag seinen Frontflügel verlor und ihm am Samstag ein Wasserleck zu schaffen machte, lieferte Kimi Räikkönen ein richtig gutes Rennen ab. Lange Zeit sah es sogar nach einem Doppelsieg für Ferrari aus. Doch schließlich wurde der "Iceman" von einer technischen Panne gestoppt und musste aufgrund eines Defekts am Energierückgewinnungssystem aufgeben. "Ich hatte schon so viele Enttäuschungen und schlechte Rennen, dass dieses nur eines von vielen ist", nimmt es der Finne gewohnt gelassen. Angesichts seiner ungesicherten Zukunft hätte ihm ein Podestplatz jedoch mehr als gut getan. Das sehen auch seine Fans so:


  • ABFLUG DES WOCHENENDES: Force India verleiht Flügel 

„Ich hatte kaum eine Warnung, dass es ein Problem mit dem Frontflügel gab.“ Nico Hülkenberg sorgte in Runde 43 unfreiwillig für eine der spektakulärsten Szenen des Rennens. Auf der Start-Ziel-Geraden brach der Frontflügel seines Boliden und rutschte unter seinen Force India. Der Deutsche hob ab und krachte in Kurve eins in die Rafenstapel. Ein heftiger Aufprall, den Hülkenberg zum Glück unverletzt überstand. Die Folge des Crashs: Um die Strecke von den Trümmern zu befreien, musste das Safety Car ausrücken, das das Feld auch durch die Boxengasse führte. 

  • ZAHLENSPIELEREIEN:

18 – Grands Prix in Folge hatte Lewis Hamilton bis zum GP von Ungarn angeführt. In Budapest lag er zu keinem Zeitpunkt des Rennens in Führung, womit eine stolze Serie zu Ende ging.

41 – Mit seinem 41. Sieg in der Formel 1 zog Sebastian Vettel in der ewigen Bestenliste mit Ayrton Senna gleich. Vor ihm liegen noch Alain Prost (51) und Michael Schumacher (91).

28 – Zum ersten Mal seit 28 Rennen stand in Ungarn kein Mercedes-Pilot auf dem Podest. Auch die Serie an 28 angeführten Rennen der Silberpfeile endete.

1, 2, 3, 4 - Mit Sebastian Vettel, Daniil Kvyat, Daniel Ricciardo und Max Verstappen führten gleich vier Fahrer aus der Red-Bull-Schmiede das Klassement an.

7.756 - Tage oder 21 Jahre und 91 Tage - das ist das Alter von Daniil Kvyat, der sich mit seinem zweiten Platz an zweiter Stelle in der Rangliste der jüngsten Fahrer am Podest einreihte. Vor dem Russen liegt - wie im Rennen auch - nur Sebastian Vettel, der es in Italien 2008 mit 21 Jahren und 73 Tagen erstmals auf das Podium schaffte.

2, 3, 4 - Auch Renault hat zur Abwechslung einmal Grund zur Freude, denn Kvyat, Ricciardo und Verstappen bessern mit ihren guten Platzierungen die Statistik des französischen Motorenlieferanten erheblich auf.

21 - Zähler beträgt der Rückstand von Sebastian Vettel in der WM-Wertung nur noch auf den zweitplatzierten Nico Rosberg. Die so sicher geglaubte Doppelführung der Silberpfeile gerät langsam, aber sicher ins Wanken.

Damit verabschieden wir uns in die Sommerpause...

 

Henriette Werner / Daniela Kulovits

 

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