Dominanz 1, Spannung 0

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Ein Rennen ist vorbei und man fragt sich: Darf man schon zum Titel gratulieren?

So wie Mercedes am Sonntag die Konkurrenz in Grund und Boden fuhr, ohne dabei auch nur annähernd ans Limit gehen zu müssen, spricht eigentlich nichts dagegen.

Aufgrund eines Schrumpf-Starterfeldes war auch hinter den Silberpfeilen verdammt wenig los. Bekommt der Sport dafür die Rechnung präsentiert? Selbstverständlich!

Sahen beispielsweise im Vorjahr den Saisonstart auf "RTL" noch 3,12 Millionen Menschen im Durchschnitt zu, waren es in diesem Jahr nur noch 1,79 Millionen.

Nur was wird sich ändern? Eine Frage, die schon viel zu oft gestellt worden ist.

Wenn aber schon die im PR-Sprech geübten Fahrer - wie diesmal Daniel Ricciardo - sagen: "Mir tut es leid für die Fans. Es war ein langweiliges Rennen", dann sollte sich schleunigst etwas ändern.

Was bleibt, ist der Flashback:

  • HOT AND NOT

Sebastian Vettel

Alles richtig gemacht, Seb! Zumindest nach dem ersten Rennen. Wenn man sich ansieht, wie Ex-Team Red Bull Racing dasteht, wird sich der Heppenheimer in seinem Wechsel noch mehr bestätigt fühlen. So einfach war der Weg zu Platz drei aber auch nicht, denn sein Ferrari ist dem Williams in punkto Topspeed unterlegen. "Wir haben aber Unorthodoxes geschafft: Länger draußen bleiben und vorbeikommen. Es war nicht einfach, die Strategie umzusetzen", sagt Vettel über sein Duell mit Felipe Massa. Sky-Experte Marc Surer bleibt aber vorsichtig, was die wahre Klasse des roten Renners betrifft: "Im Park herumzufahren, ist etwas Anderes als auf einer richtigen Rennstrecke."

 Red Bull Racing

In Anlehnung an ein altes Sprichwort könnte man sagen: Die Dose macht das Gift. Es ist nicht gerade ruhmreich, wie das einstige Weltmeister-Team mit der schweren Niederlage beim Auftakt umgeht. "Diese Regeln töten den Sport", faucht Helmut Marko und droht gleichzeitig: "Es gibt das Risiko, dass Herr Mateschitz seine Formel-1-Leidenschaft verliert." Anstatt auch eigene Fehler einzugestehen, haut man nur auf Motoren-Partner Renault hin. Dabei hat man nach den Problemen im Vorjahr die Zusammenarbeit intensiviert. Klar, das Gesamtprodukt Formel 1 leidet auch unter den klaren Kräfteverhältnissen. Aber Toto Wolffs Antwort kann man so stehen lassen. "Ich kann ihnen nur empfehlen, sich verdammt noch mal zusammen zu reißen und ihre Probleme selbst zu lösen."

  • NEWCOMER-CHECK

Voilà – dürfen wir vorstellen? Felipe Nasr ist seit Sonntag der erfolgreichste F1-Debütant Brasiliens. Der 22-jährige Sauber-Pilot zeigte eine tadellose Leistung und beendete das erste Formel-1-Rennes seines Lebens gleich auf Platz fünf. "Ich darf festhalten, dass er einen exzellenten Job gemacht hat, und zwar beim Überholen von Konkurrenten sowie bei der Verteidigung seiner Position gegen Ricciardo. Er fuhr vom Start bis ins Ziel ein großartiges Rennen“, lobt ihn auch Saubers leitender Ingenieur an der Rennstrecke, Giampaolo Dall'Ara.

Wir sind begeistert von den Vorstellungen unserer Rookies, denn auch der zweite Neuling, Carlos Sainz Jr., sammelte dank Rang neun auf Anhieb Punkte. Der 20-jährige Toro-Rosso-Pilot, den ein langsamer Boxen-Stopp zwischenzeitlich zurückwarf, konstatierte hinterher: „Ich verlasse Australien mit einem guten Gefühl, zwar hatten wir während des Rennens jede Menge Probleme, dennoch haben wir unser Ziel erreicht."

Teamkollege Max Verstappen sammelte zwar keine Zähler, hatte aber einen anderen Grund zum Feiern: Mit 17 Jahren und 166 Tagen gab er sein Debüt als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte. Lange Zeit präsentierte er sich sehr gut und machte Anstalten, ebenfalls auf Anhieb in die Punkteränge zu fahren. Allerdings musste Verstappen in Runde 34 seinen Boliden aufgrund eines Motorschadens abstellen. Der Niederländer, der noch keinen Führerschein für den normalen Straßenverkehr besitzt, nimmt sich dies zwar zu Herzen, weiß aber auch: „Es war nicht mein Fehler. Bis zum Motorfehler war es aber, glaube ich, sehr gut. Ich hatte eine gute Zeit, die Atmosphäre auf der Strecke war unglaublich. Es war einfach nur Pech."

  • TEAM-CHECK: Hülkenberg vs. Perez

Heimlich, still und leise heimsten beide Force-India-Piloten in Melbourne Punkte ein. Besonders Hülkenberg war unauffällig unterwegs. Unauffällig heißt in diesem Fall auch fehlerlos. "Nico hat ein exzellentes Rennen hingelegt. Es sah aus, als habe er alles kontrolliert", lobte ihn Teamchef Vijay Mallya. Der Deutsche schaffte es, sich mit einer Zweistopp-Strategie aus sämtlichen Duellen auf der Strecke herauszuhalten und die Probleme bzw. Fehler anderer auszunützen. Sergio Perez hatte mehr zu tun. Er duellierte sich besonders mit Jenson Button im McLaren und konnte sich letztlich durchsetzen, da der Brite von Reifenproblemen geplagt wurde. "Ich war im Vergleich zu Nico auf einer anderen Strategie unterwegs, um die Chancen des Teams zu maximieren", erklärte der Mexikaner. Nachdem man garantiert nicht zu den Schnellsten gehört, hat man das dank eines zuverlässigen Gesamt-Pakets auch umsetzen können.

VERMISSTEN-ANZEIGE DER WOCHE: Autos und Alonso

Trauriger Rekord: Seit 1958 haben nicht mehr so wenig Boliden ein Saison-Auftakts-Rennen bestritten wie 2015. Gerade einmal 15 Autos gingen in Melbourne am Sonntag auf die Strecke, elf davon sahen die Zielflagge. Das störte Zuschauer gleichermaßen wie Rennfahrer. „Es wäre toll, wenn wir ein paar mehr Autos auf der Strecke hätten“, so Weltmeister Lewis Hamilton. Neben einigen Boliden vermissten wir am Wochenende vor allem McLaren-Pilot Fernando Alonso, der aufgrund seines Gesundheitszustandes nach seinem merkwürdigen Testunfall noch nicht wieder auf die Strecke durfte, sowie Valtteri Bottas, den eine Rückenverletzung aus dem Qualifying dazu zwang, seinen Williams in der Box zu lassen. Auch das marode Manor-Marussia-Team musste aufgrund von Software-Problemen auf einen Start verzichten. Last but not least fehlte letztendlich auch Giedo von der Garde, der sich sein Sauber-Cockpit noch kurz vor dem Saison-Auftakt eingeklagt, dann aber aus „Respekt vor der Formel 1“ auf sein Startrecht verzichtet hatte – vorerst.

Wie entwickelt sich die Zukunft der Formel 1? Taki Inoue, der sich selbst einmal als schlechtester F1-Fahrer aller Zeiten bezeichnet hat, gibt eine mögliche Antwort:

Nico Hülkenberg

Sergio Perez

Endplatzierung

7.

10.

Rückstand auf 1.

1 Runde

1 Runde

Topspeed

297,4 km/h (8.)

300,2 km/h (4.)

Schnellste Runde

1:31,970 (8.)

1:31,719 (7.)

Reifenstrategie (Runden)

S (21), M (23), S (13)

M (38), S (19)

  • EINLADUNG DER WOCHE: Kommen Sie, spionieren Sie!

Nico Rosberg ist ein gut erzogener Junge. Der werdende Vater hatte sogar Mitleid mit seiner Konkurrenz. "Ich glaube, in den nächsten Rennen werden wir ganz vorne sein, aber wir wissen auch, dass es gut wäre, wenn die anderen ein bisschen näher kommen würden", sagte der Zweitplatzierte auf der Fahrer-Pressekonferenz. "Sei doch ehrlich! Das hoffst du wirklich? Du kommst 30 Sekunden vor uns ins Ziel und hoffst, dass es weniger wird? Hoffst du, dass du langsamer wirst?", konnte Sebastian Vettel mit dem Statement nicht viel anfangen. "Ich hoffe, dass ihr uns fordern könnt, weil das wichtig für den Sport und die Fans wäre", antwortet Rosberg. Der gut gelaunte Ferrari-Pilot dann: "Erster Vorschlag: Eure Garage wird in Malaysia öffentlich zugänglich und jeder kann hineinschauen. Nein? Das ist ein Witz." Sah Rosberg nicht so: "Du kannst kommen, wenn du willst. Wir können dich einladen." Vettel nahm dankend an. To be continued...

  • BILD DER WOCHE: Nicht aufgeben, Honda!

  • ZAHLENSPIELEREIEN

3 - Nach Michael Schumacher und Wolfgang von Trips ist Sebastian Vettel der dritte Deutsche, der für die Scuderia aufs Podium gefahren ist. Zudem ist der vierfache Weltmeister der 56. Ferrari-Pilot, dem dies gelang.

3 - mit Sebastian Vettel, Felipe Massa und Felipe Nasr schafften es lediglich drei Konkurrenten der Silberpfeile, nicht überrundet zu werden.

6 - Zum sechsten Mal in seiner Karriere erzielte Hamilton einen Hattrick, bestehend aus Rennsieg, Pole Position und schnellster Rennrunde.

11 - Boliden erreichten das Ziel, das ist die niedrigste Zahl seit dem Australien-GP 2008, den übrigens ebenfalls Lewis Hamilton gewann. Mit Jenson Button kam somit nur ein einziger Pilot an, der keine Zähler verbuchen konnte. Dies sorgte allerdings für das schlechteste McLaren-Honda-Ergebnis seit 1989, als Ayrton Senna in Rio ebenfalls nicht in den Top Ten landete.

12 - Doppelsiege fuhr Mercedes in den letzten 20 Rennen ein. Schlechte Nachrichten für alle anderen Teams: Jeder Rennstall, der in der Vergangenheit in Melbourne Rang eins und zwei belegt hat, hat bisher beide WM-Titel geholt.

19 - Rennen sind sie ohne Zähler geblieben, damit ist bei Sauber nun Schluss: Zum Auftakt stellte man sogar beide Boliden in den Punkterängen (5 und 8) ab. Das ergibt 14 Zähler sowie Rang drei in der Teamwertung.

26 - Marcus Ericsson, der die ersten WM-Zähler seiner Karriere holte, ist der erste Schwede in den Punkten seit Stefan Johanssons drittem Platz für Onyx im GP von Portugal 1989, also vor 26 Jahren.

 

 

Andreas Terler / Henriette Werner

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