Flashback: Berger "on fire"

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"Mercedes dominiert Trainingsläufe in Salzburg", schrieb der SID am Freitag. Diese Silbernen, sie gewinnen auch alles. 

Immerhin erlebte das Comeback des Grand Prix von Österreich erstmals einen Pole-Setter, der nicht aus dem Stern-Werksteam kommt, abgesehen davon wurde das Rennen selbst weitestgehend vom Drumherum in Spielberg in den Schatten gestellt. 

Österreich präsentierte sich von seiner ganz persönlichen, traditionellen Seite. Es wurde geflucht, gescherzt und Ohren mit Augen und Armen verglichen (Erklärung siehe weiter unten).

Frei nach Sepp Forcher: Griaß Gott in Österreich, griaß Gott beinand!

Der Flashback:

  • HOT AND NOT

Valtteri Bottas

Das Wochenende des Finnen lässt sich am treffendsten mit dem Titel "Walter in Lederhosen" beschreiben. Nach dem ersten Podestplatz seiner Karriere lief der Newcomer beim Spielberg-GP vor Freude wie versprochen in Lederhosen durch das Fahrerlager. "Es ist schwierig zu beschreiben, wie ich mich zur Zeit fühle. Das war der beste Champagner, den ich jemals getrunken habe", fehlten dem überglücklichen 24-jährigen Williams-Fahrer, der erst seit dem Vorjahr als Rennpilot in der Königsklasse unterwegs ist, nach seinem dritten Platz schlichtweg die Worte. Der Freund der zweifachen Schwimm-Olympiateilnehmerin Emilia Pikkarainen brachte dann aber doch noch heraus: "Das war mein bisher bestes Wochenende".

 

Sebastian Vettel

Auch dem vierfachen Weltmeister fehlen langsam die Worte - allerdings nicht vor Glück. Der Deutsche, der auf der Rennstrecke in der Steiermark seine allerersten Meter in einem Rennauto drehte, wollte beim ersten Heim-Grand-Prix seines Teams Red Bull Racing seinem Rennstall alle Ehre machen. Doch einmal mehr endete das Wochenende mit einer großen Enttäuschung für den 26-Jährigen: Im Qualifying nur 13., fing seine störrische Suzie bereits in der zweiten Runde an zu bocken und wollte nicht mehr weiterfahren. Als alle schon dachten, der amtierende Weltmeister müsse das Rennen aufgeben, fuhr sie doch noch einmal los. "Der Motor hat einfach kein Gas mehr angenommen, nachdem praktisch das ganze Feld vorbei war, konnte ich wieder weiterfahren. Keine Ahnung, warum", sagte ein ratloser Vettel. Doch mit mehr als einer Runde Rückstand hatte er keine Chance mehr auf eine Platzierung in den Punkten, sodass ihn das Team zur Halbzeit aus dem Rennen nahm.

  • NEWCOMER-CHECK

Kevin Magnussen fuhr beim Österreich-GP mit Rang sieben das zweitbeste Ergebnis seiner Karriere ein. Bereits zum fünften Mal landete der Däne in den Punkterängen, dennoch hatte er etwas zu meckern: "Es war ein recht langweiliges Rennen", so der 21-Jährige. "Viel mehr hatten wir uns nicht erwarten dürfen. Ich bin nicht wirklich glücklich, aber auch nicht enttäuscht. Platz sieben geht in Ordnung und wir haben ein paar Punkte mitgenommen."

Lange Zeit sah es so aus, als könne es DAS Wochenende des Daniil Kvyat (im LAOLA1-Interview) werden. Im dritten Freien Training landete er auf Rang vier, im Qualifying zeigte der Russe ebenfalls mit einer starken Leistung auf und schaffte mit Rang sieben das beste Quali-Ergebnis seiner Karriere. Das Rennen am Sonntag jedoch verlief so gar nicht nach Wunsch: Ebenso wie Teamkollege Jean-Eric Vergne fiel der 20-Jährige aufgrund eines technischen Defekts aus.

Platz 18 für Marcus Ericsson, 18. ist er auch in der Fahrerwertung. Nichts Neues also vom 23-Jährigen, der nach dem letzten Platz im Qualifying sehr frustriert war. "Ein anständiges Rennen nach einem schwierigen Wochenende. Die Pace war nicht schlecht und wir waren näher dran an den Führenden. Ich freue mich auf Silverstone", fasste der Schwede sein Wochenende auf "Twitter" treffend zusammen.

  • TEAM-CHECK: Perez vs. Hülkenberg

Im Lager von Force India (4. in der Konstrukteurswertung) muss man inzwischen die Zielsetzung nach oben korrigieren - das Team ist eines von vieren, welches heuer in jedem Rennen in die Punkteränge fuhr. Sergio Perez startete aufgrund einer Strafe vom Kanada-GP nur von Rang 15 und wurde letztendlich starker Sechster. Damit stellte er im Rennduell auf 3:5, zudem gab es Lob vom stellvertretenden Force-India-Teamchef Rob Fernley: "Es war ein tolles Rennen. 'Checo' war richtig gut in Form." Nico Hülkenberg (von 10 gestartet) musste sich aufgrund von Problemen an seinem Auto mit Rang neun begnügen. "Wir hätten auf den Plätzen sechs und sieben ankommen wollen, die Ränge sechs und acht im schlechtesten Fall. Das nicht geschafft zu haben, ist ein wenig enttäuschend", so Fernley. Das zeigt, wie sehr die Ansprüche der Inder inzwischen gestiegen sind. Kein Wunder, war man doch über Wochen das zweitbeste Team mit Mercedes-Antrieb.

 

  • KIMI DER WOCHE: "Mehr Power!"

Husch, zisch - weg. Wie ein Reh ward der Kult-Grantler aus Espoo im Spielberg-Paddock kaum gesehen. Auch auf der Fahrerparade vor dem Rennen sparten sich die TV-Stationen einen Wortwechsel mit dem Finnen, der noch dazu in dieser Saison in Hinblick auf seine Leistungen und jene von Ferrari nicht viel zu lachen hat. Während des ansonsten unspektakulären Rennens hatte er aber einmal mehr die Lacher auf seiner Seite. "We are racing Button, we need 2 tenths a lap", forderte ihn sein Ingenieur David Lloyd auf, doch ein bisschen auf die Tube zu drücken. Kimis Replik - kurz, angesäuert und bündig: "Well, give me more power then!"

Sergio Perez Nico Hülkenberg
Endplatzierung 6. 9.
Rückstand auf 1 +0:28.546 sek. +0:44.137 sek.
Topspeed 322,7 km/h (3.) 321,1 km/h (5.)
Schnellste Runde 1:12.142 (1.) 1:13.156 (11.)
Reifenstrategie (Runden) Soft, Soft, Supersoft Supersoft, Soft, Soft

  • DING DER WOCHE: Der Sieg-ohr-Preis
Niki Lauda macht ja bisweilen selbst gerne Scherze über sein Hörorgan oder erschreckt Leute damit. Die Trophäen beim Grand Prix aus Österreich waren dann aber doch eher ein schlechter Scherz - auch wenn sich über Geschmack streiten lässt. Prompt hat man sich in Deutschland eine Meinung darüber ge-BILD-et: "HÄSSLICHER POKAL: Das DING hat Nico Rosberg nicht verdient", giftete das Boulevard-Blatt über die "zweifelhafte Belohnung" aus steirischem Holz und Eisen. Der Siegerpokal des Osttiroler Künstlers Jos Pirkner, eine Wunschanfertigung von Dietrich Mateschitz, "sieht aus wie ein Eispickel, der auf ein Holzohr gespießt wurde", heißt es weiter. Noch dazu wiegt das Teil 12 Kilo und brachte Nico Rosberg ganz schön ins Schwitzen: "Der Pokal ist nicht ganz so schön, aber vor allen Dingen ist er sauschwer. Ich konnte ihn mit einer Hand kaum heben", schnaufte der WM-Leader. Eine Frage bleibt noch offen: Nehmen wir an, die Trophäe erinnert wirklich an Lauda, wie würde sie dann aussehen, wenn sie im nächsten Jahr im Gedenken an Bergers Feuerunfall gestaltet wird, über den der Tiroler vor nicht allzu langer Zeit schmunzelnd zugeben musste: "The biggest burning i had on my balls"?

  • SAGER DER WOCHE: Der fluchende Gerhard

Apropos Berger. Auch in Spielberg war der sympathische 54-Jährige sprichwörtlich "on fire", also bester Laune. Beim Legenden-Rennen lobte er die guten Voraussetzungen für alle Beteiligten: "Es wird ein faires Rennen. Marko hat nur ein Auge, ich nur einen Arm und Niki nur ein Ohr." Später im Interview mit Sky-UK zeigte er dann auch noch seine guten Manieren vor der Kamera, weshalb sich die Moderatoren umgehend entschuldigen mussten:

 

  • MEME DER WOCHE: Sorry, Seb. ;-)

 

  • ZAHLENSPIELEREIEN:
6 - Glückwunsch, Nico Rosberg! Mit seinem sechsten Sieg im 155. Rennen hat er jetzt einen Erfolg mehr als sein Vater Keke. 

2,25 - Der Deutsche hat durch den Sieg in Österreich nicht nur seine Führung in der WM ausbauen können, sondern nun auch die durchschnittlich bessere Startposition (2,25) als sein Teamkollege Lewis Hamilton (2,38) in dieser Saison.
 
11 - Rosberg ist der elfte Fahrer in der Formel 1, der acht Podiums-Platzierungen in Folge erreicht hat. Die einzigen, die das auch geschafft haben und nicht Weltmeister wurden, sind Juan-Pablo Montoya und Carlos Reutemann.
 
1 - Zum ersten Mal in dieser Saison stand kein Werks-Mercedes auf Startplatz eins, sondern Felipe Massa im Williams. Es war die erste Pole Position für den Brasilianer seit 2008 und die 16. seiner Karriere. Damit hält er bei gleich vielen wie Kimi Räikkönen und Stirling Moss.
 
9 - Mit den Plätzen drei und vier im Rennen war das Resultat am Sonntag für Williams gesamt gesehen das beste seit neun Jahren. 2005 belegten Nick Heidfeld und Mark Webber in Monaco die Plätze zwei und drei.
 
7 - Valtteri Bottas ist der siebente Finne, der in einem Formel-1-Rennen auf das Podest gefahren ist. Räikkönen ist die klare Nummer eins mit 77 Zielankünften am Treppchen vor Mika Häkkinen mit 51. Die weiteren erfolgreichen Finnen heißen: Keke Rosberg, Heikki Kovalainen, Mika Salo und JJ Lehto. 
 
8 - Während Williams die Wiederauferstehung feiert, fragt man sich bei Sauber, wie tief man noch fallen kann. Acht Rennen in Folge konnte das Schweizer Team nun schon nicht punkten - das ist die längste Negativserie seit 1998. In Silverstone könnte man den Rekord aus den Jahren 95/96 einstellen.
 
7 - Auch wenn es für Red Bull und Toro Rosso nicht gut lief, erreichte Nachwuchshoffnung Daniil Kvyat in Spielberg mit Platz sieben die beste Startposition seiner noch jungen Formel-1-Karriere. 
 
8 - Allerdings ist es um die Zuverlässigkeit des STR9 gar nicht gut bestellt. Zum achten Mal blieb ein Toro Rosso in dieser Saison mit technischen Problemen stehen - damit ist man hinter Lotus Letzter in dieser Wertung. 
 
27 - Die Steiermark erlebte an diesem Wochenende den insgesamt 27. Grand Prix von Österreich. Nachdem das Rennen ja bis mindestens 2020 im Kalender bleibt, darf 2017 ein Jubiläum gefeiert werden.
 
 
Andreas Terler / Henriette Werner

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