Vettel besiegt den Heimfluch und baut WM-Führung aus

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Sebastian Vettel hat am Sonntag auf dem Nürburgring gleich mehrere Flüche beendet - und einen weiteren Schritt in Richtung einer erfolgreichen Titelverteidigung gemacht.

Der 26-jährige Deutsche gewann auf dem Nürburgring erstmals in seiner Formel-1-Karriere ein Heimrennen.

Auch in seinem Geburtsmonat Juli hatte der Red-Bull-Pilot zuvor noch nie triumphiert.

Um seinen 30. Grand-Prix-Sieg, den vierten in dieser Saison, musste Vettel aber bis zur letzten Runde zittern. Lotus-Pilot Kimi Räikkönen kam in der Schlussphase herangeflogen, der dreifache Weltmeister rettete eine Sekunde Vorsprung über die Ziellinie - und jubelte am Boxenfunk ausgelassen.

Kimi hätte Vettel fast erwischt

"Es ist unglaublich, jetzt auch zu Hause gewonnen zu haben", gestand Vettel. "Ich habe die Unterstützung des Publikums gespürt."

Die Lotus liefen bei Temperaturen von über 25 Grad wie erwartet sehr gut. Räikkönen riskierte im Finish mit weichen Reifen, Teamkollege Romain Grosjean ließ ihn passieren.

Der Franzose musste sich zum vierten Mal in seiner Karriere mit Platz drei begnügen - unmittelbar vor Vettels erstem WM-Verfolger Fernando Alonso. Der Ferrari-Star liegt nach neun von 19 Rennen nun 34 Punkte hinter dem Deutschen.

Dieser war aber nicht nur ob des Endes des Heimfluches erleichtert. "Ich bin froh, dass das Rennen nur 60 Runden gedauert hat", versicherte Vettel. "Wäre es noch ein bisschen länger gegangen, hätte ich ihn vielleicht erwischen können", meinte Räikkönen, der sich mit kahl geschorenem Kopf präsentierte.

Webbers Reifen trifft Kameramann

Der Finne, mit 41 Zählern Rückstand WM-Dritter, könnte in der kommenden Saison bei Red Bull Vettels Teamkollege werden, will sich mit seiner Zukunftsentscheidung aber noch Zeit lassen.

Vettels bisheriger Stallrivale Mark Webber verabschiedet sich mit Saisonende aus der Königsklasse. Der Australier war an einer von zwei großen Schrecksekunden des Grand Prix von Deutschland beteiligt.

Großer Kreis: Kameramann geht zu Boden; kl. Kr.: Reifen fliegt durch die Luft

Ein englischer Kameramann wurde in der Box von einem Rad getroffen, das sich nach dem ersten Stopp von Webbers Boliden gelöst hatte. Die Red-Bull-Crew hatte das rechte Hinterrad noch nicht ordnungsgemäß montiert.

Webber konnte das Rennen fortsetzen, fuhr dank einer Safety-Car-Phase zumindest noch auf Platz sieben. Der Kameramann wurde mit Schmerzen im Schulter- und Rippenbereich in ein Spital nach Koblenz geflogen.

Es bestand der Verdacht auf Knochenbrüche und eine Gehirnerschütterung. "Dieses Rad kann dich auch umbringen", erinnerte Österreichs dreifacher Weltmeister Niki Lauda.

Mercedes enttäuscht

Doch damit nicht genug: Wenige Runden später verselbstständigte sich der Marussia von Jules Bianchi, den der Franzose nach einem Motorschaden neben der Strecke abgestellt hatte.

Der Bolide rollte in einem Bergaufstück, auf dem die Autos fast 300 km/h erreichen, im Leerlauf rückwärts quer über die Piste. Zu einer Kollision kam es nicht, die folgende Safety-Car-Phase schob das Feld aber zusammen.

Pole-Position-Mann Lewis Hamilton kam nach einem schwachen Start im Mercedes nicht über Platz fünf hinaus, sein Teamkollege Nico Rosberg wurde Neunter.

"Die hohen Temperaturen tun uns nicht gut", erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Die Pace von Sebastian und den beiden Lotus haben wir heute einfach nicht gehabt, vor allem in der ersten Rennhälfte nicht."

McLaren überrascht, Reifen halten

Schon in dieser schied Alonsos Ferrari-Domestik Felipe Massa nach einem Dreher aus. Ein kleines Lebenszeichen gab es von McLaren durch die Ränge sechs und acht für Jenson Button und Sergio Perez.

Die zuletzt in Silverstone so gefährlichen Reifenplatzer blieben aus, ein von den Fahrern angedrohter Boykott der Formel 1 dadurch nach Adaptierungen des Herstellers Pirelli erspart.

"Die Reifen haben gehalten, das ist das Wichtigste", betonte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Es war ein richtig hartes Rennen." Und selbst für Vettels Maßstäbe ein außergewöhnlich gutes.

Ungarn und Austin fehlen Vettel noch

"Es war kein Rennen wie jedes andere, er war unglaublich", lobte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko seinen Vorzugsschüler. "Er war am absoluten Limit - von Runde 1 bis zum Schluss."

Mit seinem Heimsieg beendete Vettel auch eine 22 Monate währende Durststrecke in Europa. Seit Monza im September 2011 hatte er nicht mehr auf seinem Heimatkontinent gewonnen.

In drei Wochen geht es in Ungarn weiter. Nach seinem Deutschland-Sieg ist Budapest eine von nur noch zwei Strecken im aktuellen Kalender, auf denen Vettel noch nie triumphiert hat.

Der zweite weiße Fleck: der neue Kurs in Austin/Texas.

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