Pole Position in der Pirelli-Ära nichts mehr wert?

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Ist ein guter Startplatz in der Formel 1 nichts mehr wert?

Wenn man die Herangehensweise des ehemaligen "Pole-Königs" Sebastian Vettel an das Qualifying in Barcelona beobachtete, könnte man diesen Eindruck gewonnen haben.

Anstatt gegen Lewis Hamilton, Pastor Maldonado und Co. auf der Strecke im Duell um den besten Startplatz anzutreten, hatte er zu Beginn von Q3 auf das Erlöschen der Ampel gewartet, nur um nicht einmal eine ganze Runde später wieder an die Box zu rollen.

Kuriose Quali-Strategie

Hätten seine acht Konkurrenten (Kamui Kobayashi hatte seinen Sauber mit Defekt abgestellt) ebenfalls auf eine schnelle Runde verzichtet, hätte das sogar Pole Position bedeutet.

"Es ist eine komische Regel: Derjenige, der im dritten Qualifying als Erster über die Ziellinie fährt, aber keine Rundenzeit absolviert, hat die Pole-Position, wenn das alle so machen", erklärte der Doppel-Weltmeister sein Vorgehen am Samstag.

Sichtlich hatte man bei Red Bull Racing darauf spekuliert, dass ein Großteil der Gegner aus Gründen der Reifenschonung auch auf schnelle Runden verzichtet. Ein Trugschluss: Letztlich gaben doch sieben von acht Konkurrenten Gas (nur Schumacher setzte auf die Red-Bull-Taktik) und für Vettel blieb nur noch Startreihe vier.

"Andere waren schneller"

Hatte Red Bull Racing den Fight um die Pole Position kampflos aufgegeben? Nein, wenn es nach Motorsportchef Helmut Marko geht: "Wir hatten keinen Satz der weichen Reifen mehr, das hätte nichts gebracht!"

Räikkönen fuhr zuletzt in Bahrain von Platz elf auf zwei. Im Regen-Chaos von Sepang siegte sogar Startplatz acht (Alonso) vor Startplatz neun (Perez).

Siegchance eher gering

"Ob uns die drei Sätze neue harte Reifen dazu verhelfen, uns nach vorne zu spülen, werden wir erst morgen wissen", war Vettel von seiner Strategie noch nicht ganz überzeugt.

Mit einem Sieg sollte der Deutsche jedenfalls nicht spekulieren: Von einem schlechteren Startplatz als drei (Malaysia-GP 2010) konnte Vettel in seiner Karriere noch nie ein Rennen gewinnen.

Michael Höller

"Heute müssen wir akzeptieren, dass die anderen schneller waren, hätten wir den Speed gehabt, hätten wir es versucht", rechtfertigte sich Vettel, der hinzufügte: "Es fuchst mich, dass ich nicht vorne stehe, aber das muss ich akzeptieren."

Im zu erwartenden Reifenkrieg am Sonntag (Experten gehen von drei bis vier Stopps pro Fahrer aus) sieht Red Bull trotz der schlechten Startplätze einige Trümpfe in der eigenen Hand. Wie Marko erklärte, ergeben sich für Vettel durch den Q3-Verzicht "völlig neue taktische Perspektiven".

"Im Rennen ist alles drin", glaubte auch Vettel trotz Rang acht in der Startaufstellung an "Big Points" in Barcelona. "Wir haben in diesem Jahr schon sehr turbulente Rennen gesehen."

Rennen wirbeln Grid durcheinander

Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Siegerlisten der laufenden Saison, dass ein guter Startplatz keine Voraussetzung für ein Top-Resultat ist.

Sieben von bisher zwölf Podestplätzen gingen an Piloten, die außerhalb der ersten beiden Reihen in das Rennen gestartet waren (siehe Tabelle).

Rennen

Sieger (Startplatz)

Zweiter (Startplatz)

Dritter (Startplatz)

Australien

Button (2.)

Vettel (6.)

Hamilton (1.)

Malaysia

Alonso (8.)

Perez (9.)

Hamilton (1.)

China

Rosberg (1.)

Button (5.)

Hamilton (7.)

Bahrain

Vettel (1.)

Räikkönen (11.)

Grosjean (7.)

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