Flashback: Briten mögen es hart

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Britisch rau ging es in Silverstone zu.

Das Wetter zeigte sich von seiner englischsten Seite, auf der Strecke gerieten die "Hooligans" Maldonado und Perez aneinander und auch in der Boxengasse kam es zu ruppigen Vorfällen.

Dass am Ende die britischen Fahrer und Teams zu den ganz großen Verlierern des Rennens zählten, hatten sich die tollen Fans auf den Tribünen eigentlich gar nicht verdient.

Der Flashback zum Großbritannien-GP in Silverstone:

MAN OF THE RACE: Mark Webber

Wer hätte das gedacht? Mark Webber läuft Sebastian Vettel heuer ganz schön den Rang ab. Zwei Siege, 16 Punkte Vorsprung auf den doppelweltmeisterlichen Teamkollegen. In Silverstone ging dem Australier im Rennen alles auf, in Runde 48 ging er erstmals in Führung und wurde vier Umläufe später als Sieger abgewunken.

Sein zweiter Sieg in diesem Jahr stärkt nicht nur seine Position im WM-Kampf, sondern verschafft Webber auch alle Trümpfe im Verhandlungspoker über eine Verlängerung des Dienstverhältnisses in den Verhandlungen mit Christian Horner, Dietrich Mateschitz und Helmut Marko.

LOSER OF THE RACE: Jenson Button

Beim Weltmeister von 2009 ist die Luft komplett draußen. Nur mickrige sieben Pünktchen sammelte er in den letzten sechs Rennen. In Silverstone war es deren einer. In der WM ist er nur Achter. Aussicht auf Besserung? Fehlanzeige! Sein Scheitern in Q1 und Startplatz 16 (Hülkenberg und Kobayashi wurden rückversetzt) bedeuten seine schlechteste Qualifying-Ausbeute seit Malaysia 2010.

"Wir sind derzeit einfach nicht besonders schnell. Das gilt für beide Fahrzeuge. Es war schon überraschend, Lewis am Ende vor mir zu sehen. Man darf ja nicht vergessen, wie weit hinter ihm ich losgefahren war", lautete das Fazit des Briten.

Peinlichkeit der Woche: Kamui Kobayashi

Mit fast 50 Rennen auf dem Buckel sollten Formel-1-Fahrer eigentlich einparken können. Kamui Kobayashi bewies in Silverstone das Gegenteil. Bei seinem 48. GP-Start mähte er beim Einfahren zum Boxenstopp die halbe Sauber-Crew nieder. Außer einem lädierten Daumen und einem verletzten Bein passierte aber nichts. "Das war mein Fehler", räumte "Kamikaze-Kamui" nach dem Rennen ein. Die 25.000 Euro teure Strafzahlung musste er bei den Rennkommisaren trotz dieser Einsicht leisten.

Abräumer der Woche: Pastor Maldonado

Seit seinem Sieg in Barcelona ist der Venezolaner völlig von der Rolle. So auch in Silverstone, wo er im Duell mit Sergio Perez partout nicht zurückstecken wollte, beim Verteidigen zu schnell in eine Linkskurve fuhr, sein Auto verlor und seinem mexikanischen Gegner die Vorderachse zerstörte. Der Lohn: Eine Verwarnung und 10.000 Euro Strafe. Perez hatte für Maldonado nach dem Rennen kein gutes Wort über:  "Er ist ein dummer und gefährlicher Fahrer."

Begeisterung der Woche: Britische Fans

Die Sangeskünste und -ausdauer britischer Fußball-Fans ist legendär. Dass auch die Motorsport-Anhänger ihren Kicker-Pendants um nichts nachstehen, bewiesen sie im unwirtlichen Silverstone. Trotz Regens und Sturms ließen sie sich am Samstag während der Unterbrechung des Qualifyings die Laune nicht verderben. Mittels Sprechchören auf den Tribünen wurden die einzelnen Boxen-Crews herausgerufen und zu "La Ola" animiert. Angetan von dem Enthusiasmus und des Durchhaltevermögens der Fans machten die Teams gerne mit und sorgten damit für Gänsehautfeeling. Hut ab vor den britischen Fans. Ob so etwas auch bei Rennen in Nahost oder Südostasien denkbar wäre...?

Zahlen zum Wochenende

3 - So viele Siege hat Red Bull nun in Silverstone. Alle wurden binnen vier Saisonen eingefahren. Hinzu kommen in diesem Zeitraum vier weitere Podestplätze. Auf keiner anderen Strecke dominierte Austro-Team in diesem Maße.

24,498 - Boxengassen-Zeit von Lewis Hamilton beim ersten Stopp. Es war der schnellste Halt im gesamten Feld. Bei Jenson Buttons zweitem Besuch in der Boxengasse stellte die McLaren-Crew die zweitschnellste Zeit auf. Da hat doch jemand nach unzähligen Desastern endlich Boxenstopps geübt.

44 - So viele Runden von insgesamt 52 durfte Fernando Alonso das Rennen anführen. Letztlich reichte es aber nur zum zweiten Rang.

4.200.000 - So viele Zuseher verzeichnete die britische BBC bei ihrer F1-Übertragung. Das Wimbledon-Finale (das während des Rennens begann) zog fast vier Mal so viele Fans vor die TV-Schirme.

Michael Höller

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