"Es ist immer meine Schuld!"

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Maldonado: "Die MotoGP ist ein gutes Beispiel"

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Die Karriere des Pastor Maldonado gleicht einer Gratwanderung.

2010 ist er der zum damaligen Zeitpunkt erste Fahrer, der sechs GP2-Hauptrennen in Folge gewinnt. Zwei Jahre später triumphiert er beim Grand Prix von Spanien mit einem bis dahin alles andere als siegfähigen Williams in der Formel 1.

Gleichzeitig erarbeitet sich der Venezolaner den Ruf als Bruchpilot. Es gibt kaum einen Fahrer im Feld, mit dem er noch nicht auf unliebsame Art und Weise Bekanntschaft gemacht hat.

"Ich hatte bisher immer die Eier, um über das Limit zu gehen", sagt Maldonado über seinen Fahrstil. Kritik daran kann er nicht wirklich nachvollziehen, aber er kann damit leben. Andere Fahrer würden allerdings auch Unfälle bauen und über sie würde nicht so hergezogen werden.

Darüber hinaus macht er sich Gedanken über die Zukunft der Formel 1, spricht über Begeisterung und Druck aus seiner Heimat und die wichtigste Sache, die er in diesem Sport gelernt hat.

LAOLA1: In Kanada hattest du dein bestes Saison-Resultat, in Österreich warst du wieder in den Punkten. Wie befreiend waren diese Ergebnisse nach einem schwierigen Saisonstart?

Pastor Maldonado: Wir hatten vom ersten Rennen an ein großes Potenzial im Auto. Wir hatten immer die Möglichkeit, in die Top-Ten zu fahren. Da waren wir auch immer sehr knapp dran. Gleichzeitig hatten wir aber auch verschiedenste Probleme. Deswegen konnten wir erst im letzten Rennen in den Punkten landen. Sie waren sehr wichtig für mich und auch für das Team. Wir haben in der Konstrukteurs-WM Plätze gut gemacht. So gewinnt das Team an Selbstvertrauen.

LAOLA1: Welche Ziele verfolgst du in dieser Saison?

Maldonado: Ich verfolge immer große Ziele. Ich will gewinnen, auch wenn es sehr schwierig wird. Speziell Mercedes und Ferrari sind meilenweit weg. Wenn man unsere Situation mit jener vor einem Jahr vergleicht, haben wir uns stark verbessert. Ich versuche, mich selbst zu verbessern und weiter zu entwickeln.

LAOLA1: Es gibt viele Regel-Ideen im Moment. Unter anderem stehen Tank-Stopps zur Debatte. Deine Meinung dazu?

Maldonado: Immer wenn diese Themen über die Regeln aufkommen, sage ich: Es ist für alle das gleiche. Es kommt darauf an, welchen Standpunkt man vertritt. Vielleicht bringt eine solche Regelung die kleinen Teams näher an die Topteams, weil es mehrere Strategien gibt. Gleichzeitig entstehen aber auch Kosten für das Team. Das fällt besonders bei den mittleren und kleineren Teams ins Gewicht. Es ist etwas, das wir sehr gut abwägen müssen. Für die Fans wird es wahrscheinlich toll sein, aber für das Budget der Teams wird es wohl eher schwierig.

LAOLA1: Generell kämpft die Formel 1 momentan mit ihrer Popularität. Warum ist das so?

Maldonado: Ich denke, dass die Formel 1 immer populär sein wird. Manchmal mehr, manchmal weniger. Sie ist noch immer die Spitze des Motorsports. Sie ist auch noch immer sehr wichtig für die Automobilindustrie. Es ist ein Megasport. Aus technischer Sicht ist sie sehr herausfordernd, auch aus finanzieller Sicht. Aber das war immer so. Wir müssen einfach versuchen, die Formel 1 näher an die Fans zu bekommen.

LAOLA1: Hast du Ideen, wie das klappen soll?

Maldonado: Ich glaube, dass wir von anderen Serien lernen sollten. Die MotoGP ist ein gutes Beispiel. Sie ist für die Fans sehr einfach zu verstehen, die Fans strömen in Massen zu den Rennen. Das muss auch das Ziel der Formel 1 sein. Sie ist einfach zu schwer zu verstehen, auch die Unterschiede zwischen den Autos. Oder auch die Art und Weise, wie die Motoren funktionieren und wie man damit arbeiten muss. Die meisten Fans haben kein Interesse daran, Sprit zu sparen. Die wissen auch nicht, was wir alles im Auto tun. Sie wissen nicht, warum wir während des Rennens plötzlich langsamer werden müssen. Das ist alles sehr schwer zu akzeptieren. Wir haben auch ganz gute Rennen erlebt. Im Moment ist eben die Zeit von Mercedes, aber wir hoffen, dass sie bald vorüber ist, damit mehr Spannung aufkommen kann.

LAOLA1: Nach dem Grand Prix von Großbritannien gibt es eine zweiwöchge Pause, nach dem Ungarn-GP sind es sogar vier. Magst du diese Verteilung der Rennen oder hättest du lieber eine längere Pause im Winter?

Maldonado: Ich hätte lieber eine längere Pause im Winter, weil es in Europa recht kalt ist und ich immer nach Hause nach Venezuela fahre. (lacht)

LAOLA1: Wie beliebt ist die Formel 1 in deiner Heimat?

Maldonado: Sehr beliebt und sie wird auch jedes Jahr populärer. Man ist auch sehr stolz darauf, einen Venezolaner in der Formel 1 zu haben. Die Leute verfolgen meine Leistungen und pushen mich extrem an jedem Wochenende. Die Erwartungen sind sehr hoch, das erzeugt auch großen Druck. Sie wollen, dass ich jedes Rennen gewinne.

LAOLA1: Du sagst selbst über dich, dass du ein Fahrer bist, der über das Limit geht. Findest du dich immer gerecht behandelt, wenn dann einmal ein Unfall passiert?

Maldonado: Es ist immer meine Schuld! (lacht) Nein, nein. Es gibt einige Leute, die meinen, dass ich immer für die Unfälle verantwortlich bin. Aber so ist das nun einmal in der Formel 1. Die Leute können sagen, was immer sie wollen. Wenn du in der Königsklasse fährst, musst du es gewohnt sein, kritisiert zu werden. Das ist Teil von meinem Job. Das gilt nicht nur für mich, auch für alle anderen Fahrer. Auch da wird aufgeschrien und gesagt: Was ist das für ein Trottel. Wir sind hier, um unser Bestes zu geben. Meine Aufgabe ist es, das Team so weit wie möglich nach vorne zu bringen. Manchmal musst du ein Risiko eingehen, da passieren auch Fehler. Das ist Teil unseres Lebens. Das gilt auch für das Team. Wir haben einige Probleme mit der Zuverlässigkeit des Autos. Wenn man bei der Technologie ans Limit geht, ist es normal, dass Fehler auftauchen. Wir sind alles andere als konservativ, sondern gehen ans Maximum.

LAOLA1: Verfolgst du alles, was im Internet so an Memes und Tweets über dich gepostet wird?

Maldonado: Es ist schwierig, das alles zu verfolgen. Ich habe sehr viele Follower. Natürlich lese ich mir manche Sachen davon durch. Es sind gute und schlechte dabei. Es hängt immer vom Verlauf des Wochenendes ab.

LAOLA1: Du hast vor drei Jahren in Barcelona mit Williams einen großartigen Sieg gefeiert. Wie weit siehst du dich momentan von einem Rennerfolg entfernt?

Maldonado: Es hängt davon ab, wie man das sieht. Jeder Fahrer, abgesehen von den beiden Mercedes, ist sehr weit davon entfernt. Ich habe alle Kategorien vor der Formel 1 dominiert, habe alles gewonnen. In der Formel 1 musst du manchmal akzeptieren, dass man nur um Punkte kämpfen kann. Manchmal geht nicht einmal das, wie im letzten Jahr. Da musst du dich selbst anpassen.

LAOLA1: Ist für Lotus die erste Saison mit Mercedes-Motoren dennoch schwieriger als erwatet?

Maldonado: Es ist eine gute Sache, dass wir diese Motoren haben. Wenn man sich ansieht, warum wir in dieser Saison nicht in den Punkten waren, waren es meistens dumme Gründe. Andere Fahrer sind in unsere Autos gekracht, ich habe in China einen Fehler gemacht, dann kamen auch noch Fehler im Auto dazu. Aber der Speed war immer da. Wir können auf jeden Fall noch viel erreichen. Im letzten Jahr war es verdammt schwer, es war wahrscheinlich das schlechteste Jahr in der Geschichte von Lotus bzw. Enstone als Fabrik. In diesem Jahr ist uns ein großer Sprung gelungen. Das liegt nicht nur am Motor, sondern auch an der Art und Weise, wie wir die Rennen angehen und das Auto entwicklen.

LAOLA1: Was ist das Wichtigste, das du in diesem Sport gelernt hast?

Maldonado: Es ist schwer zu akzeptieren, dass man in der Formel 1 fährt und nicht über die ganze Saison hinweg konkurrenzfähig sein kann. Ich kann mich glücklich schätzen, ein Rennen gewonnen zu haben. Und zwar mit einem Auto, das bei weitem nicht das beste im Paddock war. Ich habe gezeigt, dass es sehr schwer sein kann zu gewinnen, aber dass es nicht unmöglich ist.

LAOLA1: Und was hast du in deiner Karriere noch vor?

Maldonado: Das ist schwer zu sagen. Ich habe hier auch im nächsten Jahr noch Vertrag. Ich will auch bleiben, weil ich mich sehr wohl fühle. Die Zusammenarbeit ist großartig.

 

Das Interview führte Andreas Terler

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