Formel 1? "Immer schon etwas komplizerter"

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Die Sommerpause in der Formel 1 ist beinahe zu Ende. In Spa-Francorchamps biegt die Königsklasse in die Zielgerade der letzten acht Rennen ein.

Die Fans haben sich an die "neue Formel 1" mit KERS, DRS und Pirelli-Reifen gewöhnt und für Sebastian Vettel wird es mit der Titelverteidigung allmählich ernst.

LAOLA1 traf Heinz-Harald Frentzen und sprach mit dem dreifachen GP-Sieger und Vize-Weltmeister von 1997 über die aktuellen Brennpunkte in der Formel 1.

LAOLA1: Heinz-Harald, die Sommerpause in der Formel 1 ist vorbei. Sebastian Vettel geht als haushoher Favorit in die letzten acht Rennen. Wird ihn noch jemand abfangen?

Frentzen: Momentan kann er sich nur selber schlagen. Red Bull hat das beste Auto, auch wenn sie mit dem angeströmten Unterboden ihre beste Innovation verloren haben. Dadurch sind die anderen etwas herangekommen, aber sie haben nach wie vor alles im Griff und noch immer die Nase vorne. Ferrari und McLaren brauchen einen großen Entwicklungssprung – und selbst dann muss Sebastian nur regelmäßig punkten.

LAOLA1: Ganz andere Probleme hat ein Ex-Rivale von dir, Michael Schumacher. Wie bewertest du seine Leistungen in den eineinhalb Jahren seit seinem Comeback?

Frentzen: Man hat nicht davon ausgehen können, dass er wieder da anfängt, wo er aufgehört hat. Ich finde es schade, dass das Fahrzeug einfach nicht so funktioniert, dass er damit vorne mitfahren kann. Es gibt bei Mercedes noch einige Hausaufgaben zu bewältigen. Das Auto braucht mehr Speed und die Reifen müssen länger halten.

LAOLA1: Es wurde ja bereits über einen Rücktritt gemunkelt. Glaubst du, dass er seinen Vertrag bis Ende 2012 erfüllt bzw. vielleicht sogar noch länger fährt?

Frentzen: Von der physischen Konstitution her traue ich ihm das auf jeden Fall zu.

LAOLA1: Gab es bei dir je einen Moment, in dem du dich ins F1-Cockpit zurück gewünscht hast?

Frentzen: Bei mir war das etwas anders als bei Michael: Mir hat es damals einfach gereicht. Ich habe der Formel 1 nie nachgetrauert. Ich hatte eine tolle Zeit und viel Spaß, aber am Schluss wurde mir alles ein bisschen zu viel. Ich war damals auch älter als die meisten meiner Kollegen, da musst du schon überlegen, ob du noch weitermachen willst. Das Durchschnittsalter der Piloten wird ja immer jünger und die Reaktionszeiten und Risikobereitschaft sind extrem hoch.

LAOLA1: Würdest du dir zutrauen in einem aktuellen F1-Boliden eine ansehnliche Runde drehen zu können? Mit all den KERS- und DRS-Knöpfen…

Frentzen: Ja klar! Ich traue mir das auf jeden Fall zu. Ob es dann tatsächlich so ist, weiß ich nicht (lacht). Es würde mir aber schon Spaß machen, noch einmal irgendwo eine Runde zu fahren.

LAOLA1: Ist die aktuelle Formel 1 komplizierter als damals zu euren Zeiten?

Frentzen:  Es gab immer schon Phasen, wo es etwas komplizierter wurde. Anfang der Neunzigerjahre gab es diese aktive Radaufhängung. Und 1997, als ich bei Williams gefahren bin, gab es auch eine Zeit, wo es recht kompliziert war – vergleichbar mit heute. Ich nannte es damals das dreidimensionale Fahren – ich konnte damals manuell jedes Rad einzeln bremsen, musste das aber manuell machen. Da hatten wir ein dickes Buch mit Informationen, wie man das Lenkrad bedient.

LAOLA1: Verstehst du die Kritiker, die sagen, die Formel 1 wäre für den "normalen TV-Zuseher" zu kompliziert geworden?

Frentzen: Egal wie du es in der Formel 1 machst, es gibt immer Kritik. Früher haben die Leute immer geschimpft, dass es zu wenige Überholmanöver gibt. Jetzt hast du die besten Überholmanöver und es passt wieder einigen nicht. Die Zuseher werden das nach einer gewissen Zeit schon zu verstehen lernen.

LAOLA1: Wie bewertest du die bisherige Performance von Pirelli?

Frentzen: Ich denke, sie machen bisher einen guten Job. Die Reifen-Situation macht die Formel 1 noch spannender. Es war strategisch eine super Entscheidung, dass man so viele verschiedene Reifenmischungen anbietet.  

LAOLA1: Welche Kontakte unterhältst du selbst noch in die Formel 1?

Frentzen: Naja, ich kenne noch einige Leute und bin aktuell im Pool der Stewards. Das ist aber ein ehrenamtlicher Job, in der ich die Rennleitung bei strittigen Entscheidungen unterstütze um die Situation aus der Fahrer-Perspektive zu erklären. Heuer war ich in Valencia im Einsatz.

LAOLA1: Wie sieht die Arbeit von euch Ex-Fahrern bei den Stewards konkret aus?

Frentzen: Es gibt jede Menge Standardstrafen, wo wir nicht eingreifen müssen. Aber es gibt immer wieder strittige Situationen, wo nicht alles nur schwarz oder weiß ist. Da kommen eben wir mit unseren Erfahrungen ins Spiel und können unsere Meinung dazu abgeben. Vor allem wenn in Zweikämpfen ein Unfall passiert ist.

LAOLA1: Die Einführung von Ex-Rennfahrern in der Rennleitung war ein wichtiger Schritt. Vor allem in den beiden Saisonen davor wurde ja extrem hart bestraft.

Frentzen: Man muss natürlich aufpassen, dass in der Formel 1 wegen Strafen nicht plötzlich Überholverbot herrscht. Wir haben uns damals schon immer gewünscht, dass erfahrene Piloten bei strittigen Entscheidungen konsultiert werden. Unter Jean Todt ist das Wirklichkeit geworden. Aber ein wichtiger Schritt war schon damals der Verhaltens-Codex für die Fahrer. Da wurde zum Beispiel der mehrfache Spurwechsel beim Anbremsen untersagt. Dadurch hat man sicher viele Unfälle vermieden.

LAOLA1: Du selbst bist heuer ja im ADAC GT Masters in einer Corvette mit Sven Hannawald unterwegs. Was macht für dich den Reiz dieser Serie aus?

Frentzen: Bei mir überwiegt mittlerweile der Spaß-Faktor. Es gibt hier tolle Duelle und super Autos. Es wird sehr viel Action geboten, was mich positiv überrascht hat. Ich habe meinen Spaß und schaue, dass ich Sven möglichst viel von meinem Wissen weitergeben kann.

Das Interview führte Michael Höller

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