Webber-Erbe im Anmarsch?

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"Ich sehe das Team auf dem siebenten Platz"

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Vitantonio Liuzzi, Scott Speed, Sebastian Vettel, Sebastien Buemi und Jaime Alguersuari - Teamchef Franz Tost hat in seinem Rennstall schon viele Talente aus dem Nachwuchskader von Red Bull kommen und einige wieder gehen sehen.

Aktuell stehen Jean-Eric Vergne und Daniel Ricciardo unter seinem Kommando. In der "Erbfolge" der Mateschitz-Teams steht das Duo damit auf Pole Position, falls Mark Webber mit Saisonende sein Lenkrad an den Nagel hängen sollte.

Bevor man sich mit dieser Frage beschäftigen kann, stehen dem austro-italienischen Team aber 16 schwere Rennen ins Haus. Aktuell liegt Toro Rosso nach zuletzt zwei Nullnummern nur auf dem neunten Platz der Konstrukteurs-WM.

Bei den Testfahrten in der vergangenen Woche hatte die Mannschaft alle Hände voll zu tun. Die Formel 1 schläft nicht und vor allem als kleines Team muss man stetig aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren.

Welche Sorgen plagen Toro Rosso? Und welchem seiner beiden Piloten traut er eher den großen Wurf zu? Toro Rossos Franz Tost stand Rede und Antwort:

LAOLA1: Die Testfahrten in Mugello sind vorbei. Konnte Toro Rosso das geplante Testprogramm komplett abspulen? Oder gab es in irgendeinem Bereich gröbere Probleme?

Franz Tost: Wir konnten unser vorgesehenes Programm vollständig absolvieren. Dazu gehörte der Test eines neuen Frontflügels, eines neuen Diffusors, und eines neuen Auspuffsystems.

LAOLA1: Zuletzt wurde Pirelli von einigen Leuten (u.a. Michael Schumacher) kritisiert. Wie kommt man im Team aktuell mit den Reifen zurecht?

Tost: Man muss mitdenken und die Reifen entsprechend behandeln. Das beginnt bereits in der Aufwärmrunde. Fährt der Fahrer zu aggressiv, kann es ihm passieren, dass der Grip bereits nach der Hälfte der ersten Zeitrunde abfällt. Pirelli geht aber den richtigen Weg.

LAOLA1: Die Zeitabstände in der F1 sind aktuell sehr knapp. Besteht die Gefahr, dass Toro Rosso aufgrund der – im Vergleich zur Konkurrenz – geringeren finanziellen Mittel im Laufe der Saison noch etwas zurück fällt?

Tost: Toro Rosso hat sicher nicht die finanziellen Mittel der Top-Teams, befindet sich aber auf dem Niveau der unmittelbaren Gegner. Also gibt es keinen Grund schlechter abzuschneiden.

LAOLA1: Dennoch liegt man aktuell nur auf dem neunten Rang der Konstrukteurs-WM. Spiegelt das die realen Kräfteverhältnisse auf der Strecke wider?

Tost: Nein, ich sehe das Team eher auf dem siebenten Platz. Wir haben leider bei den Rennen in Shanghai und Bahrain nicht gepunktet.

LAOLA1: Was ist in den nächsten Rennen von Toro Rosso zu erwarten?

Tost: Wir streben Platzierungen unter den ersten zehn und damit WM-Punkte an.

LAOLA1: Wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Leistungen von Rookie Jean-Eric Vergne?

Tost: Seine Leistungskurve zeigt nach oben. Vor allem sein Rennen in Sepang, als er unter widrigsten Bedingungen einen sehr guten achten Platz herausfuhr, zeigt sein Potenzial. Ich bin auch davon überzeugt, dass er in Zukunft mit einer besseren Performance im Qualifying aufwartet.

LAOLA1: Daniel Ricciardo zeigte in den Qualifyings Top-Leistungen, kam in den Rennen aber drei von vier Mal hinter Vergne ins Ziel. Wie bewerten Sie die Leistungen von Daniel?

Tost: Daniel wird auch noch in den Rennen seine Stärken zeigen. Er hat ja bereits sehr viele gewonnen, unter anderem letztes Jahr das Rennen der World Series in Monaco.  

LAOLA1: Wenn Sie Ihre beiden Fahrer vergleichen: Wo liegen die Stärken von Jean-Eric, wo jene von Daniel?

Tost: Jean Eric ist risikobereiter, Daniel hat vor allem die Abstimmung des Fahrzeugs betreffend mehr Erfahrung.

LAOLA1: Welchem Ihrer beiden Piloten würden Sie eher den Sprung zu Red Bull Racing zutrauen?

Tost: Darüber machen wir uns noch keine Gedanken. Wichtig ist die konstante Weiterentwicklung in allen Bereichen.

LAOLA1: Mit Ihnen, Monisha Kaltenborn, Dietrich Mateschitz, Helmut Marko und Toto Wolff gibt es gleich fünf Österreicher, die derzeit an wichtigen Schalthebeln in der Formel 1 sitzen. Österreichischer Fahrer ist keiner in Sicht. Haben Österreicher am Kommandostand und am Verhandlungstisch mehr drauf als im Cockpit?

Tost: Es kommt natürlich immer darauf an, welche Möglichkeiten sich einem bieten. Es gibt in Österreich zu wenige Rennveranstaltungen. Wie soll sich da ein Nachwuchs entwickeln?

Das Gespräch führte Michael Höller

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